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Begarden

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Begarden

Begarden (von niederländisch beggaert = Bettler, lat. Beguini, begini), männliches Seitenstück zu den Beginen, eine religiöse Genossenschaft für Krankenpflege und Totenbestattung, verwandt mit den Alexianern oder Celliten, um 1220 in den Niederlanden (Löwen, Antwerpen usw.) entstanden und in Europa (auch Deutschland) weit, doch weniger stark als die Beginen verbreitet. Noch mehr als letztere wurden sie von pantheistisch-quietistischen und antikirchlichen Ideen angesteckt, weshalb der Name Begarden bald die Nebenbedeutung des Häretischen erhält und als Sammelbezeichnung für verschiedene Sekten (Brüder des freien Geistes, Bizochen, Fraticellen, Lollarden, Picarden, Turlupins) dient. Die Inquisition verfolgte sie öfters aufs schärfste, das Konzil von Vienne 1311 unterdrückte den Stand der Begarden wie der Beginen, Heinrich Seuse u. a. schrieben gegen sie. Die Reste der rechtgläubigen Begarden verschmolzen sich allmählich mit den Tertiariern. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. II, 1931, Sp. 88

Schneller indessen und in größerem Maßstab, als bei den Frauen, zog bei diesen der Geist der Ausschweifung und der Häresie ein. Das Konzil von Vienne verwarf acht Irrlehren der Begarden, des Inhalts: der Mensch könne in diesem Leben zu solcher Vollkommenheit gelangen, daß er unsündbar werde, dem Leibe alsdann Alles gestatten dürfe und an keine Kirchengebote mehr gebunden sei (Clement. 1. 5, tit.3, c. 3) Diese Lehren wurden von Molinos im Quietismus erneuert und vermehrt (siehe darüber Nat. Alex., Adv. Beguardorum errores in Quietistis redivivos, in Zacharia thesaur. Theol. IV, 623).

Die Begarden (auch Bizochen genannt) vermischten sich frühzeitig mit den Fraticellen. Unklar aber ist das Verhältnis beider zum dritten Orden des hl. Franziskus; ob sie aus demselben entstammten, oder bloß zu stammen behaupteten, läßt sich nicht ermitteln. Johann XXII. verurteilte diese Schwärmer 30. Dezember 1317 (Extrav. Jo. XXII, tit. 7. Sancta Romana) und erließ 23. Januar 1318 noch eine Bulle „Gloriosam“ gegen dieselben, in welcher er fünf Häresien – von einer zweifachen, fleischlichen und geistigen Kirche, Unfähigkeit der schlechten Priester, Sakramente zu spenden usf. – notierte. Zum dritten verwarf Johann XXII. 1330 in der Bulle In agro dominico 16 weitere begardische Sätze (Herm. Corneri Chronic. ap. Eccardi Corp. Script. II, 1035). Gleichwohl wucherte das Unkraut fort, besonders in Deutschland, wo ein unentwirrbarer Knäuel von Begarden, Fraticellen, Schwestrionen, Lollarden während des 14. Jahrhunderts, teilweise durch wüstes Treiben (Köln 1325) und durch Verachtung des Priestertums bemerkbar, sein Wesen trieb. Die Bischöfe schritten darum häufig gegen sie ein, so in Köln 1306, 1335, 1357, Straßburg 1317, Magdeburg 1336. Auch die Inquisition entwickelte eine rege Tätigkeit gegen sie; viele wurden verbrannt, 1322 (Walter) in Köln, 1336 in Konstanz, 1356 (Berthold) in Speyer, 1366 in Nordhausen. –

Es gab indessen auch rechtgläubige und fromme Begarden; zu ihrem Schutz erließen Gregor XI. am 7. April 1374 und 2. Dezember 1377, Bonifacius IX. 7. Januar 1394 verschiedene Bullen an die deutschen und niederländischen Bischöfe. Gegen die ketzerische Begarden jedoch, Lollarden und Schwstrionen, „die sich selbst arme Fraticellen nennen“, erließ derselbe Papst 31. Januar 1395 eine Bulle, indem er ihnen alle vorgeblichen Privilegien entzog und sie in Glaubenssachen dem Urteil der Bischöfe unterstellte. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 2, 1883, Sp. 208 – Sp. 209

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