Heiliger Isidor Erzbischof und Kirchenlehrer

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

Heiligenkalender

4. April

Der heilige Isidor, Erzbischof und Kirchenlehrer

Um das Jahr 570 lief dem heiligen Leander (28. Februar) sein jüngster Bruder Isidor aus der Schule; der Knabe – sonst ein munterer Lockenkopf – verzweifelte an der Möglichkeit, alle die Sachen erlernen zu können. Müde und durstig, setzte er sich an einen Brunnen. Hier erregte die tiefe Aushöhlung im Stein des Brunnenrandes seine Neugierde, wie dieselbe möchte entstanden sein. Eine Frau, welche Wasser holte, belehrte ihn: „Schau, diese Wassertropfen, indem sie Jahre lang auf die gleiche Stelle fielen, haben nach und nach den harten Stein so tief und glatt ausgehöhlt.“ Isidor, durch diese Antwort wundersam befriedigt, dachte: „Wenn der fleißige Wassertropfen den Stein auszuhöhlen vermag, so werde ich auch durch Fleiß und mit Gottes Hilfe das Lernen zu Stande bringen“, kehrte in die Schule zurück – das achte Konzil zu Toledo 650 stellte das Zeugnis aus: „Der heilige Isidor ist die neueste Zierde der katholischen Kirche, der gelehrteste Mann der letzten Jahrhunderte.“

Isidor nahm das Ordenskleid des heiligen Benedikt und weihte sich ganz der heiligen Wissenschaft und Frömmigkeit. Wie sehr er diesem aufblühenden Orden zugetan war, bezeugen seine herrlichen Schriften über die Regel des heiligen Benedikt, wie über die Pflichten der Mönche, und seine großen Verdienste um die Ausbreitung desselben über ganz Spanien.

Damals waren die arianischen Westgoten die Herren in Spanien, und ihr König Leovogild wütete wider die Katholiken: viele Bischöfe wurden eingekerkert, viele verbannt, auch Leander, der gewaltigste Gegner des Arianismus, aus dem Lande gejagt. Da trat der junge Isidor auf den Kampfplatz, vernichtete mit den wuchtigen Schlägen seines Geistes, mit der Glut seiner Beredsamkeit die Verlogenheit der Ketzer, begeisterte die Herzen für die Wahrheit und Schönheit der katholischen Kirche, erwirkte die Rückkehr der Verbannten, vermittelte den heiß ersehnten Frieden und – schloß hinter sich wieder die Türe der stillen Klosterzelle, damit er – der Sieger über die Arianer – nicht etwa von dem Ehrgeiz besiegt werde.
Darüber zürnte der König Reccared, die Bischöfe trauerten, das Volk klagte, alle verlangten, daß dieses Licht nicht in einer Zelle sich verberge; doch umsonst.

Nach dem Tod des heiligen Leander wurde Isidor mit freudiger Einstimmigkeit zum Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl von Sevilla 597 gewählt. Das Volk eilte in seine Zelle und trug ihn mit Gewalt in die Kirche mit dem Ruf: „Isidor muss unser Bischof sein!“ Dieser wollte von der Kanzel gegen die Wahl protestieren, aber der laute Jubelruf ließ ihn nicht zum Wort kommen; er beugte sich vor dem heiligen Willen Gottes.

Auf dem Bischofssitz leuchtete sein großer Geist in vollem Glanz über Spanien hin. Geziert mit der Klugheit des Eifers, mit der Milde des Herzens, mit dem Perlenschmuck der Wissenschaft, mit der Majestät des Ansehens, begann er sein Riesenwerk: er schaffte fort die traurigen Verwüstungen der langen Kriege und die sakrilegischen Nachwehen des Arianismus: er förderte die religiöse und wissenschaftliche Bildung der Geistlichen und des Volkes: er verherrlichte den Gottesdienst durch Ausschmücken der Kirchen und durch Einführung der so majestätischen Liturgie (Gottesdienst-Ordnung), welche unter dem Namen die mozarabische berühmt ist; er hauchte dem ganzen Erziehungswesen den wahrhaft christlichen Geist ein und erwirkte einen blühenden Aufschwung desselben im ganzen Land: er gründete viele Klöster und erfrischte das Ordensleben zu gesegneter Fruchtbarkeit: er unterrichtete selbst die Geistlichkeit, predigte dem Volk, verteilte seine Einkünfte an die Bedürftigen. Zu all` dem schrieb er sehr viele und gelehrte Werke, von denen z.B. das Buch „über die Ursprünge der Dinge“ Jahrhunderte lang in den Schulen des Mittelalters als Lehrbuch gebraucht wurde. Die Feder ermüdet, all` die herrlichen Schöpfungen nur zu nennen, denen dieser eine Mann das Dasein gegeben.

Wie am Abend die scheidende Sonne wunderbar wohltuend ihre ganze Lichtfülle noch ausgießt über die weite Landschaft, von der sie Abschied nimmt: ebenso leuchtete der greise Isidor noch in himmlischer Schönheit über sein großes Erzbistum hin, bevor er ins Grab hinab sank. Vier Tage vor seinem Tode versammelte er die Geistlichkeit und das Volk in der Kathedrale. Auf zwei Bischöfe gestützt, sprach er: „Teure Kinder, meine Liebe zu euch drängt mich – am Rande meines Grabes – noch zu euch zu sprechen. Was ich euch immer sagte, dazu ermahne ich euch heute zum letzten Male: „Haltet fest an der heiligen katholischen Kirche; gehorcht kindlich ihrem Oberhaupt, dem römischen Papst, gehorcht dem König; nur Gottesfurcht und Frömmigkeit sichert die Wohlfahrt des Vaterlandes: ihr genießt den Frieden, bleibt dieser Himmelsgabe würdig…“

Hierauf legte er seine bischöfliche Kleidung ab, zog ein härenes Bußgewand an und ließ sich Asche auf das Haupt streuen; dann hob er Augen und Hände zum Himmel und legte mit lauter Stimme eine öffentliche Beichte ab, die er mit der Bitte an die Versammlung schloß: „Flehet für mich Sünder zu Gott, damit ich, weil ich es selbst nicht verdiene, durch eure Fürbitte Verzeihung meiner Sünden erlange. Verzeiht auch ihr mir, so ich Jemanden beleidigt habe: verzeiht mir, ich bitte euch mit herzlicher Reue.“ – Alle weinten und schluchzten, ein Bischof erteilte ihm die Absolution und die heilige Kommunion, die er mit solcher Andacht und Demut empfing, daß die Tränen Aller von neuem flossen. Zum Abschied gab der Heilige allen Geistlichen den Friedenskuss, dem Volk den Segen und ließ sich in sein Haus tragen, wo er nach drei Tagen sanft im Herrn entschlief. Seine Leiche hauchte einen himmlischen Wohlgeruch aus, und sein Grab leuchtete durch zahlreiche Wunder. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 252 – S. 253

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