Heilige Vincentius Sabina und Christeta

Heiligenkalender

27. Oktober

Heilige Vincentius, Sabina und Christeta, Märtyrer

Von den Kaisern Diokletian und Maximinian hatte der Statthalter Dacianus, ein Erzfeind der Christen, den Befehl erhalten, in Spanien den christlichen Glauben gänzlich zu vertilgen. Diesem kam er möglichst nach; denn er suchte die Christen allenthalben auf und ruhte nicht, bis sie entweder ihren Glauben verleugnet hatten, oder durch Peinen hingerichtet waren. Einst kam er nach Evora und vernahm. Daß da noch ein junger Knabe, mit Namen Vincentius, sich befinde, welcher öffentlich und ohne scheu sich zum Christentum bekenne. Dacianus forderte ihn vor sein Gericht und fragte ihn: wie er sich habe verblenden lassen, daß er einen so verächtlichen Glauben angenommen, von dem er nichts als Schande und Spott, Pein und Folter zu erwarten hätte? Ob es nicht vernünftiger sei, jenen Glauben festzuhalten, dem der Kaiser selbst und alle Vornehmen des Reiches zugetan seien? Vincentius entgegnete mit einer, seine Jahre weit übersteigenden Beredsamkeit, daß der christliche Glaube kein verächtlicher, sondern im Gegenteil, daß er allein derjenige Glaube sei, der dem Menschen wahre Ehre, unsterbliche Glorie und ewige Glückseligkeit bringe; daß hingegen die Anbetung der Götzen wider alle Vernunft sei und ewig unglücklich mache.

Dacianus ereiferte sich hierüber und befahl, Vincentius zur Statue des Jupiter hinzuführen, und wenn er nicht nach Landesgebrauch dem Jupiter opfern würde, ihn so lange mit Ruten zu peitschen, bis er entweder von seiner Hartnäckigkeit abstehen, oder das Leben lassen würde. Die Schergen, welche Vincentius zu dem Götzenbild führten, bedauerten sein zartes Alter und ermahnten ihn, sich doch selbst zu schonen und den Willen des Dacianus zu vollziehen. Der Knabe gab ihnen nicht einmal eine Antwort, sondern ging unerschrocken fort. Als er zum erwähnten Bilde gekommen, stellte er sich auf einen großen Stein, welcher vor der Statue lag. Der Stein gab nach, als wenn er ein weiches Wachs wäre, und man sah die Fußstapfen des Vincentius in den Stein eingedrückt. Die Schergen verwunderten sich hierüber und riefen aus: „Der Christen Gott muss allein der wahre Gott sein, weil er einem Knaben die Macht gibt, einen harten Felsen zu erweichen.“ Sie konnten sich nicht entschließen, den Befehl des Dacianus an ihm zu vollziehen, sondern führten ihn in den Kerker und berichteten demselben, der Knabe hätte drei Tage Bedenkzeit begehrt. Sie aber gingen hin, ließen sich in dem Christentum unterweisen und taufen.

Indessen lag Vincentius im Kerker und wurde von seinen zwei Schwestern Sabina und Christeta besucht. Diese klagten ihm mit bitteren Tränen, daß, wenn sie ihn verlieren sollten, sie in höchste Gefahr kommen würden, ihrer Ehre und Unschuld beraubt zu werden. Deshalb baten sie ihn, er solle heimlich aus dem Kerker entfliehen und mit ihnen anderswo einen Zufluchtsort suchen, wo sie noch länger in der Stille Gott dienen könnten. Vincentius ließ sich bewegen, flüchtete sich heimlich aus dem Kerker und reiste mit seinen Schwestern nach Avila, wo er mit ihnen noch einige Zeit Gott dem Herrn auf das eifrigste diente. Auf dem Wege befiel ihn eine große Reue und Betrübnis, daß er die Marterkrone seinen Schwestern zuliebe nicht erhalten habe, hoffte aber, derselben zu einer andern Zeit mit seinen Schwestern teilhaftig zu werden. Daher benützte er jede Gelegenheit, seine Schwestern dazu vorzubereiten, und sie zu ermahnen, daß sie in der Stunde der Versuchung unerschrocken ihr Leben um Christi willen opfern sollten. Sabina und Christeta versprachen ihrem Bruder alles, und hielten es auch in der Tat; denn als der oben erwähnte Dacianus nach Avila kam und Nachricht erhielt, wie der schon zu Evora gefangene Vincentius mit seinen Schwestern daselbst niemals bei dem Götzendienst erschien, sondern sich öffentlich seines christlichenGlaubens rühmte, befahl der Tyrann, mit Vincentius und dessen Schwestern peinlich zu verfahren.

Man nahm sie daher auf der Stelle gefangen, hing sie an eine Wand und streckte sie so aus, daß alle Gelenke und Glieder des ganzen Leibes auseinander gingen. Nach diesem schlug man auf dieselben mit unmenschlicher Grausamkeit so lange, bis sie an allen Gliedern verwundet und mit Blut überronnen waren. Die drei heiligen Märtyrer zeigten sich bei dieser Marter unerschrocken und fröhlich. Sie lobten und dankten Gott, für dessen Ehre sie nicht nur zu leiden, sondern auch tausendmal zu sterben bereit waren. Dem Dacianus fiel dieses unerträglich; er gebot daher, der Marter ein Ende zu machen durch Zerschmettern ihrer Häupter. Man machte die heiligen Märtyrer los, führte einen nach dem andern zu einem großen Steine; auf diesen musste ein jedes sein Haupt legen, und ein Gerichtsdiener schlug mit einem starken Prügel so lange darauf, bis das Haupt zerschmettert war, und das Hirn heraus sprang. Auf diese Weise beendigten Vincentius, Sabina und Christeta in jungen Jahren ihre glorreiche Marter um das Jahr 304.

Die heiligen Leiber sollten auf Befehl des Dacianus auf dem freien Feld liegen bleiben und den Vögeln und wilden Tieren zum Raub werden. Doch Gott, welcher laut der heiligen Schrift ehemals den Leib eines Propheten durch einen Löwen bewahren ließ, schützte auch die Leiber dieser heiligen Märtyrer wunderbar, bis selbe von einem durch die Marter dieser Heiligen bekehrten Juden mit Beihilfe eines Christen zur Erde bestattet wurden. Nach dem Ende der Verfolgung erbaute man über deren Grab eine Kirche zum ewigen Gedächtnis an die drei heiligen Märtyrer. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 860 – S. 862

Category: Märtyrer
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