Christliche Tugend der Keuschheit

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

Die den Hauptsünden entgegen gesetzten Tugenden

Die christliche Tugend der Keuschheit

3. Dem Laster der Unkeuschheit ist die Keuschheit entgegen gesetzt. Dieselbe besteht in der beharrlichen Bezähmung der fleischlichen Begierden. Diese liebliche Tugend trägt unstreitig am meisten bei zum wahren Seelenadel, zur Seelenruhe, zur wahren Freiheit des Geistes, zur innigen Vereinigung mit Gott, dem Allerreinsten. Wer sie besitzt, auf den schaut der ganze Himmel mit besonderem Wohlgefallen herab, ja sein Herz ist selbst eine Art Himmel, worin nicht bloß die heiligste Dreifaltigkeit wie in einem bevorzugten Tempel wohnt, sondern auch die himmlischen Geister mit Vorliebe weilen. Eine ganz einzigartige Krone wartet seiner in der Ewigkeit.

Aber nicht ohne viele und schwere Kämpfe wird die Siegeskrone unbefleckter Reinheit errungen. Die Begierlichkeit des Fleisches, die wir mit der Sünde von unserm Stammvater ererbt haben, streitet wider den Geist und will den Zügel nicht leiden, den dieser ihr anlegen muss. Sie ist der einheimische Feind, der uns, wofern wir ihn nicht unablässig bekämpfen, die schwerste Niederlage für Zeit und Ewigkeit beibringen wird. Derselbe wird nacheinander das Gedächtnis, den Verstand und den Willen sich dienstbar machen und so die Seele ihres natürlichen und übernatürlichen Adels berauben, dieselbe seinen ungestümen Gelüsten und den aus deren Befriedigung entstandenen Gewissensbissen preisgeben, ihr das schmählichste Sklavenjoch auflegen, sie mehr und mehr um Tiere, wohl auch unter dasselbe herab würdigen und ihr so die Vereinigung mit Gott, dem reinsten Geist, unmöglich machen. Diesem Feind unserer Seele müssen wir entgegen treten wie einst David dem Riesen Goliath, nicht auf eigene Kraft vertrauend, sondern im Namen des Herrn, unsers Gottes, wir müssen ihn überwinden durch die Kraft des Gebetes und ihm das Haupt abschlagen mit dem Schwerte der Abtötung. Wenn äußere Feinde uns nahen, um uns den kostbaren Schatz der Reinheit zu rauben, dann müssen wir mit unerschrockenem Mut und unerschütterlicher Festigkeit uns zur Wehr setzen und lieber das Leben als diese heilige Tugend preisgeben. –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 2. Band Lehre von den Geboten, 1912, S. 389 – S. 390

Verwandte Beiträge

Die Tugend der wohlwollenden Liebe
Heiliger Johannes Calybita Klausner
Menü