Der Messias als Mitregent Gottes Psalm 109

Psalm 109 – Der Messias als Mitregenten Gottes

König David mit der Harfe singt Psalmen über den Messias

Der 109. Psalm schildert den Messias gleichsam als Mitregenten Gottes und ewigen Hohenpriester in der Weise Melchisedechs.

Die älteren Juden hielten sämtlich den Psalm für messianisch; Christus selbst und seine Apostel bestätigen diese Auslegung (1), der alle Väter und Lehrer der Kirche folgen. Der Inhalt endlich schließt jede nicht-messianische Auslegung aus, sofern David nur dem Messias als seinem Herrn huldigen, nur ihm ein Sitzen zur Rechten des Thrones Gottes und ein ewiges, nicht-aaronitisches Priestertum zuschreiben, nur ihn als den ewigen, wesensgleichen Sohn Gottes darstellen konnte.

Ein Psalm von David (2).
Es sprach Jahve zu meinem Herrn (3): „Zu meiner Rechten sitze,
bis ich dir lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße.“ (4)
Das Zepter deiner Macht, Jahve läßt es von Sion ausgehn:
Herrsche in deiner Feinde Mitte!
Mit dir ist die Herrschaft am Tage deiner Kraft,
im Glanz der Heiligen (5)
„aus meinem Schoß,
vor dem Morgenstern erzeugt` ich dich“. (6)

Es schwur Jahve, und nie wird`s ihn gereuen:
„Du bist auf ewig Priester
nach der Ordnung des Melchisedech!“ (7)
Der Herr zu deiner Rechten wird zerschmettern
am Tage seines Zornes Könige.
Richten wird er unter Völkern, Trümmer häufen,
zerschellen Häupter auf der weiten Erde.
Aus dem Bach am Weg wird er trinken,
deshalb wird er sein Haupt erheben (8).

Anmerkungen:

(1) Mt. 22, 41-46; Apg. 2, 34 u. 35; 7, 55 u. 56; 1. Kor. 15, 24ff; Eph. 1, 20-22; Hebr. 1, 3; 5, 6; 7, 17; 8, 1; 10, 12 u. 13; 1. Petr. 3, 22.

(2) Der Psalm hat (wie der zweite) eine dramatische Anlage, indem verschiedene Personen angeredet und redend eingeführt werden. Man unterscheidet zwei Strophen: in der ersten (Vers 1-4) wird Gott redend eingeführt; in der zweiten (5-7) spricht der Psalmist.

(3) „Der Herr“ des Psalmisten ist der im Folgenden geschilderte Priesterkönig und Sohn Gottes.

(4) „Zur Rechten sitzen“ bedeutet: teilnehmen an der königlichen Macht und Würde; vgl. 1. Kg. 20, 25; 3. Kg. 2, 19; Ps. 44, 10; zur Rechten des Herrn (Gottes) sitzen also: teilnehmen an der Weltherrschaft Gottes, der schließlich alle Feinde sich unterwerfen müssen; vgl. Mt. 28, 18; Mk. 16, 19; Hebr. 1, 3; 1. Kor. 15, 24ff.

(5) Wie einst Gott erschien am Sinai. (Dt. 33, 2)

(6) Wie vorher die Macht, so wird jetzt die Würde des angeredeten Herrschers geschildert: er ist „vor dem Morgenstern“, d. h. vor aller Schöpfung, „aus dem Schoß Gottes“, d. h. aus dem innersten Wesen Gottes, „erzeugt“, also „Sohn Gottes“ im wahren und eigentlichen Sinn wie in Ps. 2, 7; nur daß der Wortalut hier noch deutlicher den vorzeitlichen Ursprung (die himmlische Präexistenz) des Messiaskönig hervorhebt, der im NT durch die Offenbarung des trinitarischen Geheimnisses dem gläubigen Verständnis erschlossen wurde. Den heiligen Vätern gilt deshalb diese Stelle auf Grund der grichischen Übersetzung als klassische Beweisstelle für die Gottheit des in Christus erschienenen Logos gegen den Arianismus. Im NT wird sie nicht angeführt, obwohl auf den ganzen Psalm und einzelne Verse daraus mehrfach Bezug genommen wird. –

Der jetzige hebräische Text hat unter den Konsonanten ganz andere Voklazeichen, als die alte vorchristliche griechische Übersetzung gelesen hat, und gibt dadurch der Stelle einen andern Sinn. Welche Lesung die ursprüngliche und wie die Verschiedenheit – wohl die bedeutendste im atl. Text – entstanden sei, darüber sind auch die katholischen Gelehrten der Neuzeit verschiedener Meinung. Am wahrscheinlichsten ist, daß der griechische Übersetzer den gleichen Konsonantentext, wie er jetzt in der hebräischen Bibel steht, anders gelesen und im Sonne der Präexistenz des Messias, die er auch in Ps. 2, 7 ausgesprochen fand, verstanden hat. In jedem Fall behält die Stelle in der Fassung der griech.-latein. Übersetzung ihre Beweiskraft als Zeugnis der Überlieferung und der Erklärung von Ps. 2, 7. –

(7) D.i. nicht wie Aaron, der Tiere opferte und nur Priester war, sondern wie Melchisedech, der König der Gerechtigkeit, der ein unblutiges Opfer von Brot und Wein darbrachte und König und Priester zugleich war. (Vgl. Hebr. 5, 10 u. 11; 6, 20; 7, 1ff) In dieser doppelten Eigenschaft sollte der Messias alle dem Reich Gottes feindlichen Mächte besiegen.

(8) „Der Herr zu deiner (Gottes) Rechten“ ist der Messiaskönig, der hier als Richter und Sieger geschildert word. Aus dem Bach am Weg trinkt er, wie ein Held, der in seinem Siegeslauf sich durch nichts aufhalten lässt – ähnlich den Helden Gedeons. (Richt. 7, 14ff) – Deshalb erhebt er siegreich sein Haupt. Die heiligen Väter erblicken in diesem letzten Vers eine Anspielung auf die Verdemütigung des Sohnes Gottes, der sich selbst erniedrigt und dadurch die höchste Erhöhung verdient hat. (Vgl. Phil. 2, 6-8) –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 743 – S. 744

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