Unterricht vom Sakrament der Taufe

Ein Glasfenster: Jesus wird von Johannes dem Täufer getauft; neben den beiden sind Engel anwesend; von einer Taube (Heiliger Geist) geht ein Lichtstrahl auf Jesus

Unterricht vom heiligen Sakrament der Taufe

„Lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!“ (Matth. 26, 19)

Was ist die heilige Taufe?

Sie ist das erste und notwendigste Sakrament, in welchem der Mensch durch das Wasser und das Wort Gottes von allen Sünden gereinigt, ein Kind Gottes, Mitglied der Kirche und zum ewigen Leben wiedergeboren wird.

Welches ist das äußere Zeichen dieses heiligen Sakramentes?

Das Eintauchen in oder Begießen mit Wasser und das gleichzeitige Aussprechen der Worte: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.“

Warum hat Christus das Wasser für die heilige Taufe bestimmt?

1) Weil das Wasser überall leicht zu haben ist;

2) weil das Wasser, das den Leib reinigt, am besten die Wirkung der heiligen Taufe versinnbildet, welche die Seele vom Sündenschmutz befreit.

Welches sind die Wirkungen der heiligen Taufe?

Die Taufe hat folgende Wirkungen:

1) Sie reinigt von der Erbsünde und allen etwa vor der Taufe begangenen persönlichen Sünden;

2) sie tilgt alle Sündenstrafen, sowohl sie ewigen als die zeitlichen;

3) sie erteilt dem Täufling die heiligmachende Gnade und gießt ihm die drei göttlichen Tugenden ein, wodurch er ein Kind Gottes und der Hoffnung nach ein Erbe der Seligkeit wird;

4) sie macht den Täufling zum Mitglied der Kirche Christi und verleiht ihm das Anrecht auf die übrigen Heils- und Gnadenmittel der Kirche;

5) sie drückt der Seele ein unauslöschliches Merkmal ein und kann daher nur einmal empfangen werden.

Ist die Taufe zur Seligkeit notwendig?

Ja; denn „wer nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem heiligen Geist, der kann in das Reich Gottes nicht eingehen.“ (Joh. 3, 5) „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird selig werden.“ Die Taufe ist also das zur Seligkeit allernotwendigste Sakrament, ohne welches wir keiner Erlösungs-Gnade teilhaftig werden. Doch genügt, wenn die Wassertaufe nicht möglich ist, die Begierdetaufe, d. h. die auf dem Glauben beruhende, mit vollkommener Reue verbundene Sehnsucht nach der heiligen Taufe, oder die Bluttaufe, d. h. der Martertod eines Ungetauften für Christus.

Was ist von den ungetauft sterbenden, unmündigen Kindern zu halten?

Die heilige Kirche ha über ihr Schicksal in der Ewigkeit nichts entschieden. Nach Christi Lehre aber können sie der übernatürlichen Anschauung Gottes nicht teilhaftig werden. Doch sagt der hl. Thomas von Aquin, „daß sie, nicht gänzlich von Gott getrennt, ja mit Ihm durch die Teilnahme an den natürlichen Gütern verbunden seien und daher durch die natürliche Erkenntnis und Liebe sich an Ihm erfreuen können, und daß ihre Seelen wegen des Zustandes, in dem sie sich befinden, keine geistige Betrübnis erleiden.“ (Siehe auch den Beitrag: Unmündige Kinder die ohne Taufe verstorben)

Aus den wunderbaren Wirkungen der heiligen Taufe ergeben sich zwei wichtige Folgerungen:

1,.  Wie überaus wichtig es ist, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß ja kein Kind sterbe ohne die heilige Taufe, und wie groß die Sünde derjenigen ist, welche durch Sorglosigkeit oder gar durch Bosheit schuld sind, daß ein Kind ohne Taufe stirbt. Daher müssen die Eltern, besonders aber die Mütter mit heiliger Sorgfalt darauf achten, daß ja nichts geschehe, wodurch das Kind in die Gefahr kommen könnte, vor der heiligen Taufe zu sterben. Dazu sollen sie sich auch den Schutz von oben erbitten. Schon von dem Augenblick an, wo sie denken können, daß Gott ihnen ein Kind schenken werde, sollen sie täglich ihren Schutzengel und den des Kindes ums einen Schutz anrufen und durch wahrhaft christlichen Wandel sich dieses Schutzes würdig machen. Dann wird ihnen entweder niemals ein Kind ohne die Taufe sterben, oder wenn es in einem seltenen Fall dennoch geschähe, so werden sie vor Gott schuldlos sein.

2. Aus den wunderbaren Wirkungen der heiligen Taufe folgt ferner, welch vorzügliches und hoch verdienstliches Werk der „Verein der heiligen Kindheit“ ist. Die Christen sollen nämlich keineswegs damit zufrieden sein, daß ihre eigenen Kinder zur Gnade der heiligen Taufe kommen; sie sollen nach Möglichkeit trachten, dieselbe Gnade auch den armen Kindern der Heiden zu verschaffen.

Wer kann das heilige Sakrament der Taufe spenden?

Gewöhnlich taufen nur die Diener der Kirche. Im Falle der Not aber dürfen alle, auch Vater und Mutter, taufen, damit niemand dieses Sakramentes beraubt werde, da es die Pforte zum Reich Gottes (Joh. 3, 5) und daher ein höchst notwendiges Mittel des Heiles ist. (Siehe dazu den Beitrag: Die Taufe ohne Priester)

Wie und mit welcher Meinung muss man taufen?

Man spricht unter Aufgießung des Wassers gleichzeitig die Worte: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen!“ Und dies mit der Meinung, daß man tun wolle, was Christus, der Herr, eingesetzt hat, und die christliche Kirche in diesem Fall zu tun pflegt. Wenn man im Zweifel ist, ob der Täufling noch lebe, oder ob er nicht schon getauft sei, muss man zu obigen Worten die Bedingung voran setzen: „Wenn du noch lebst“, oder „Wenn du noch nicht getauft bist, so taufe ich dich etc.“ Hat ein Kind die Nottaufe erhalten, so müssen später in der Kirche die Tauf-Zeremonien nachgeholt werden. (Bedingungsweise Taufe.)

Welches sind die verschiedenen Zeremonien, welche bei der feierlichen Spendung der heiligen Taufe beobachtet werden müssen?

Dieselben zerfallen in drei Teile:

1) Die Zeremonien bei der Kirchtüre; diese veranschaulichen uns die Befreiung des Täuflings aus der Knechtschaft der Sünde und des Satans;

2) die Zeremonien vom Eintritt in die Kirche bis zur Taufe; diese stellen uns die nächste Vorbereitung zur Taufe und diese selbst vor Augen;

3) die Zeremonien nach der Taufe; diese erinnern den Getauften an die Pflicht, die in der Taufe empfangenen Gnaden treu bis zum Tode zu bewahren, und unterstützen ihn kräftig in der Erfüllung dieser Pflicht.

Welches sind die Zeremonien bei der Kirchtüre?

Der Priester erscheint in violetter Stola, gibt dem Täufling den Namen eines Heiligen, haucht ihn an, bezeichnet ihn mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes auf Stirn und Brust, legt ihm die Hand auf, gibt ihm etwas Salz in den Mund, spricht über ihn Beschwörungen des Satans (Exorzismen), bezeichnet ihn wieder auf der Stirn mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, legt die Stola auf den Täufling und führt ihn in die Kirche. Priester und Paten beten das Vater unser und das apostolische Glaubensbekenntnis.

Warum muss der Täufling vor der Kirchentür warten und erscheint der Priester in violetter Stola?

Um anzuzeigen, daß der Täufling unwürdig sei, in die Kirche Christi und in das Himmelreich einzugehen, bevor er von der Herrschaft des Satansbefreit ist, das Joch der Sünde abgeworfen und der Herrschaft Christi sich unterworfen hat.

Warum wird dem Täufling der Name eines Heiligen gegeben?

1) Um anzuzeigen, daß er durch die heilige Taufe in die Zahl der Christen, welche der hl. Paulus die Heiligen nennt, aufgenommen werde;

2) damit er einen besonderen Fürbitter und Beschützer habe;

3) damit er nach dem Vorbild des heiligen, dessen Namen er trägt, sein Leben einzurichten sich befleiße. Es ist daher höchst tadelnswert, Kindern in der Taufe heidnische oder andere ungeziemende Namen zu geben. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 328 – S. 330

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Category: Taufe
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