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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Kopten

Kopten heißen seit der arabischen Herrschaft (639/40) die Angehörigen der monophysitischen Nationalkirche Ägyptens.

I. Geschichte der Kopten

I. Die Geschichte dieser Sonderkirche beginnt 451 mit der Auflehnung des Patriarchen Dioskur gegen seine Verurteilung durch das Konzil von Chalcedon. Ursächliche und fördernde Faktoren des monophysitischen Schismas in Ägypten waren das hartnäckige Widerstreben gegen die verhasste Fremdherrschaft der Oströmer, der sich das seit dem 4. Jahrhundert erwachte Nationalgefühl auch im religiösen Bekenntnis nicht unterwerfen wollte, die jurisdiktionelle, moralische und materielle Macht des alexandrinischen Patriarchen als des einzigen Metropoliten des Landes, dessen Führung sich der einer gründlichen theologischen Bildung ermangelnde einheimische Klerus willfährig unterordnete, und der dominierende Einfluss des dem Patriarchen ebenso ergebenen, überzahlreichen Mönchtums (mehr als ½ Million im 5. Jahrhundert) auf die Volksmassen.

Nur ein kleiner Teil der Mönche, meist Pachomianer, blieben eine Zeit lang rechtgläubig. Gewaltmaßnahmen des Kaisers Justinian u .a. vermochten Häresie und Schisma nicht zu bannen. Die Monophysiten behaupteten abwechselnd oder gleichzeitig neben „melchitischen“ Inhabern des Stuhles das Patriarchamt, spalteten sich aber wiederholt in mehrere feindliche Parteien. Das gemeinsame Unglück des Persereinfalls (617 bis 628) stellte für kurze Zeit die Einigkeit her. Bei Ankunft des kaiserlichen Statthalters und zugleich melchitischen Patriarchen Cyrus 630 floh Patriarch Benjamin in die oberägyptischen Klöster, kehrte aber auf Einladung der seit 641 das Land beherrschenden Araber wieder zurück.

Die Kopten unter der Herrschaft der Mohammedaner

Diese, von den etwa 6 Millionen Kopten als Befreier begrüßt, gewährten ihnen anfänglich Wohlwollen, Religionsfreiheit und kirchlichen Besitz, forderten aber die Kopfsteuer und gewisse Dienstbarkeiten. Mit der Zeit wurden die Steuerlasten und brutalen Erpressungen habgieriger Statthalter unerträglich; dies rief zahlreiche Abfälle zum Islam (neben einigen Martyrien) und örtliche Aufstände 725, 826 und 831 hervor, was hinwiederum weitere Bedrückungen, Konfiskationen, Beraubung und Zerstörung von Kirchen und blutige Vergeltungsmaßnahmen auslöste. Lästige Vorschriften für Kleidung und öffentliches Auftreten brandmarkten die Christen. Daneben gab es auch Zeiten größerer Duldung, namentlich unter der späteren Dynastie der Ajjubiten (1171 bis 1254). Am maßlosesten wütete der Fatimide Hakim (996 bis 1021), vor allem um den übermäßigen Einfluss der als Sekretäre und Finanzbeamte kaum zu entbehrenden koptischen Notabeln zu brechen.

Verheerend für das koptische Kirchenwesen war auch die lange Herrschaft der Mameluken (1254 bis 1517). Gegenüber den fortgesetzten fiskalischen Erpressungen hielten sich die koptischen Patriarchen und Bischöfe durch Simonie schadlos, „das große moralische Übel der koptischen Kirche“, wogegen die kanonischen Verordnungen reformeifriger Patriarchen nicht viel vermochten.

Eine weitgehende Reform in Disziplin und Ritus erstrebte die Bewegung des Preisters Markus ibn Kanbar im ausgehenden 12. Jahrhundert, aber ohne bleibenden Erfolg. Die materielle Verarmung und soziale Niederhaltung drückte auch die Bildung des Klerus auf einen beklagenswerten Tiefstand. Eine geistige und literarische Renaissance sah das 13. Jahrhundert. Die mit der türkischen Herrschaft 1517 beginnende Periode ist für die Kopten kirchenpolitisch und kulturgeschichtlich ohne Bedeutung und übrigens nur wenig bekannt.

Reformbewegung unter den Kopten

Die napoleonische Expedition (1798 bis 1801) hatte für die Christen vorübergehende Repressalien seitens der muslimischen Bevölkerung zur Folge. Mit der allen Konfessionen gleichmäßig gewährten Bewegungsfreiheit unter dem ersten Chediven Muhammed ʿAlī begann eine intensive ausländische Missionstätigkeit und erweckte den religiösen Geist und eine fortschrittliche Strömung unter den Kopten. Für die Hebung des Unterrichtswesens war besonders der gefeierte Patriarch Cyrill IV (1854 bis 1861) besorgt.

Dagegen sah Cyrill V (1874 bis 1927) nur widerwillig die Entstehung und Tätigkeit der Taufik-Gesellschaft (1891) und anderer Laienreform-Vereine, die auf Gründung neuzeitlicher Schulen, höhere Bildung des Klerus, Beteiligung der Laien an der Patriarchen- und Bischofswahl und sichere Verwaltung der Kirchengüter abzielen. Für letzteren Zweck trat wiederholt ein Nationalrat mit Laienmajorität zusammen. 1892 bis 1893 wurde von ihm unter Beihilfe der Regierung der Patriarch zeitweillig abgesetzt und verbannt.

Die Gegensätze zwischen den modernisierenden Laienführern und dem konservativen Klerus dauern fort. Politisch entschieden sich die Kopten für eine Einigung mit den Mohammedanern in national-ägyptischem Interesse. Ihre staatsbürgerliche Gleichstellung ist durch die Verfassung von 1923 gewährleistet.

II. Verfassung, Lehre und Ritus

Die koptische Kirche untersteht dem Patriarchen v. Alexandrien. Seine Wahl geschah seit alters durch den Klerus und die Vornehmen (Archonten) der Nation zumeist aus dem Mönchsstand (bevorzugt waren waren das Antonius- und Makariuskloster); öfters entschied das Los. Der Gewählte muss Zölibatär, 50 Jahre alt und in den „kirchlichen Wissenschaften“ unterrichtet sein. Die Konfirmation durch die Regierung fand immer statt. Die letzte Wahl (7.12.1928) erfolgte nach einem von der Regierung festgesetzten Wahlstatut und durch ein Gremium, das sich aus dem höheren Klerus und vornehmen Laien zusammensetzte.

Ebenfalls im Widerspruch zu den geltenden Kanones, welche die Translation verbieten, wurde ein Bischof (von Alexandrien) gewählt und geweiht als Johannes XIX, der 113. Patriarch in der traditionellen Reihe, die mit dem hl. Markus beginnt. Christodulus (1047 bis 1077) verlegte die Patriarchalresidenz an den Sitz der Landesregierung nach Kairo. Der Patriarch ist einziger rechtlicher Metropolit, abgesehen von dem von ihm geweihten und entsandten, aber sonst unabhängigen Landesbischof (Abūnā) für Abessinien; dieser hat seit 1930 5 ebenfalls vom Patriarchen geweihte einheimische Suffragane. „Mutrān“ (Metropolit) ist nur Ehrentitel für die Inhaber der Bischofstühle von Jerusalem und Damiette (seit 12. Jahrh.) und in der Neuzeit für alle Bischöfe außer zweien…

Das Kirchenrecht der Kopten

Das kirchliche Recht gründet sich auf pseudo-apostolische Schriften, alte Konzilsakten, zum Teil byzantinisch-syrische Rechtsquellen und Verordnungen von Patriarchen; sie sind in mehreren Sammlungen in arabischer Sprache kodifiziert. (…) Die dogmatische Unterscheidungslehren gegenüber der römisch-katholischen Kirche betreffen vor allem die Christologie, die Eschatologie und den päpstlichen Regierungs- und Lehrprimat. Die Messe (Liturgie des hl. Cyrillus, entstanden aus der alten Markus-Liturgie, die des hl. Gregorius und die für gewöhnlich gebrauchte Liturgie des hl. Basilius, beide unter byzantinischem Einfluss) und die Sakramenten-Spendung folgen dem alexandrinischen Ritus. Liturgische Sprache ist Koptisch, zum Teil immer mehr arabisch.

Der Altarraum (haikal) ist durch eine oft kunstvoll getäfelte Holzwand vom Raum der Gläubigen getrennt. Das Sanktissimum wird nicht aufbewahrt. Mit der Taufe (3maliges Untertauchen, nur vom Priester erlaubt) wird immer auch die Salbung mit dem nur vom Patriarchen (selten) geweihten Myron und die Kommunion (Gestalt des Weines bei Säuglingen) verbunden. Die Beschneidung geht manchmal der Taufe vorher, wird aber immer seltener. Die Kommunionspendung geschieht unter getrennten, gegenwärtig vielfach auch unter den vereinigten Gestalten. Die geheime Beichte wird im Vergleich zu früheren Zeiter wieder mehr geübt. Die Krankenölung auch Gesunden zur Sündenverbegung zu spenden wie früher, gilt jetzt als Missbrauch.

Unter den hierarchischen Würden ist der Kommos /Hegumenos, Erzpriester, Dekan) eine häufige Erscheinung. Die Diakonatsweihe wird meist schon im Kindesalter erteilt. Zur Eheschließung ist Konsens und die „Krönung“ notwendig; beide zeitlich meist getrennt. Ehescheidung ist erleichtert. Das Kirchenjahr beginnt mit dem Monat Tut (29. August); der Monat Kihak (Dezember) mit reichgestalteter Liturgie ist Mariageweiht. Die 4 großen Fastenzeiten und die Abstinenztage Mittwoch und Freitag füllen ein Drittel des Jahres aus. Die Kopten gebrauchen noch die „Ära der Märtyrer“, begonnen 29.8.284. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1934, Sp. 191 – Sp. 193

Lehre und Sakramente der Kopten

Die Kopten sind die ziemlich unvermischten Nachkommen der alten Ägypter, wie sie sich zur römischen und byzantinischen Zeit und bei der arabischen Eroberung vorfanden. Da die Mehrzahl des Volkes zum Islam abfiel und sich mit den Arabern vermischte, so machen die eigentlichen (christlichen) Kopten kaum den zwanzigsten Teil der heutigen Bevölkerung Ägyptens aus, …-

Im 5. Jahrhundert haben sich die Kopten als Nativisten, den eingewanderten Griechen als den Kaiserlichen (Melchiten) auch in kirchlicher Beziehung gegenüber stehende Partei, durch ihre Anhänglichkeit an Dioskorus und seinen Monophysitismus hervorgetan; im 7. Jahrhundert wurden sie von den Arabern erst begünstigt, nachher schwer bedrückt. Dieselben sind im Laufe der Jahrhunderte tief herabgekommen; auch die Geistlichen stehen auf einer niedrigen Stufe der Bildung und der Sittlichkeit, wenn auch die meisten, abgesehen von den Mönchen, aus denen stets der Patriarch gewählt wird, den Zölibat beobachten.

Nach den Bischöfen haben sie Erzpriester (Igumen, Komos), Erzdiakonen, Priester und Diakonen, Subdiakonen, Lektpren, Psalten, Sakristane. Ärmlich wie die Wohnungen sind die Kirche, mit Ausnahme von denen zu Kairo und zu Alxandrien; in ihnen ist der Raum der Gemeinde, das Schiff, in dem die Frauen einen abgesperrten Platz haben, von dem Heiligen, dem Aufenthalt des Klerus, und dem Allerheiligsten genau getrennt. Die Liturgie dauert sehr lange nach den alten Formularien und wird ohne alle Würde gehalten. Im Glauben ist der Monophysitismus die hauptsächlichste Verirrung; die sieben Sakramente sind festgehalten; die persönliche Gegenwart Christi in der Eucharistie ist in den Gebeten und den Kirchenbüchern bestimmt ausgesprochen. Der Taufe geht gewöhnlich die Beschneidung vorher, die wahrscheinlich aus Furcht vor den Sarazenen und nicht als religiöses Gesetz eingeführt ward.

Da die Kopten drei Arten von Krankheiten unterscheiden, die des Leibes, die der Seele (Sünden) und die des Gemüts (Trübsale), so wenden sie die letzte Ölung bei allen mit irgend einer dieser Arten Behafteten, bei Pönitenten, bei Betrübten u.s.f. Als heilsam an, ja sie salben auch den Diakon und die Umstehenden mit Krankenöl, damit nicht der böse Geist auf einen derselben übergehe. Sogar die Toten werden gesalbt, jedoch nur mit dem Öl, das aus den vor Heiligenbildern brennnenden Lampen entnommen ist (Denzinger 1. c. I, 189).

In Bezug auf die Lösung des Ehebandes ist die Praxis sehr lax (ib. 166). Das Gebet für die Verstorbenen, die Muttergottes-, Heiligen- und Bilderverehrung, die Hochhaltung des geistlichen Standes, obschon dieser sich meistens aus den niedrigen Volksklassen rekrutiert, dann das Fasten stehen in hohen Ehren. Es gibt vier große Fastenzeiten; in dem neun Tage vor unserer Quadragesima beginnenenden Osterfasten enthalten sich die Kopten aller Speisen, Getränke und selbst des Tabaks bis nach beendigtem Gottesdienst, bis gegen 9 Uhr.

Am Epiphaniefest findet eine große Wasserweihe statt; der Segen wird dabei teils über große Wasserbehälter in den Kirchen, teils im Freien über den Nilstrom erteilt, worauf das Volk sich in dem geweihten Wasser badet. Viel Aberglaube, besonders der Gebrauch von Amuletten, mechanischer Formalismus, geistige Erstarrung treten allenthalen bei den entarteten, misstrauischen und verschmitzten Kopten hervor.

Versuche der Päpste um Einigung mit der Koptischen Kirche

Die römische Kirche hat es nicht an Versuchen fehlen lassen, dieselben zur kirchlichen Einheit und damit auch zu höherer Gesittung emporzuheben. Eugen IV. sandte an den Patriarchen Johannes Breife, die entgegenkommend beantwortet wurden; der Abt vom Antoniuskloster kam 1441 als dessen Stellvertreter zum Papst und bewirkte eine teilweise, aber nicht nachhaltige Union. Pius IV. und Gregor XIII. begannen neue Verhandlungen; eine Synode von Kairo (Dezember 1582) gab zu guten Hoffnungen Anlass, die aber der Tod des Patriarchen Johannes vereitelte. An Klemens VIII. schrieb Patriarch Gabriel II. am 22. November 1593 ein den römischen Primat anerkennenden Schreiben. Auch noch später, wie 1637, schien das koptische Patriarchat zum Anschluss an die römische Kirche geneigt; aber es blieb bei bloßen Beteuerungen der Liebe und des Gehorsams.

Katholische Kopten unter einem mit Rom unierten koptischen Bischof

Seit dem 17. Jahrhundert hatten italienische Franziskaner in Kairo mehrere Kopten bekehrt; seit dem 18. Jahrhundert stieg die Anzahl der katholischen Kopten. Benedikt XIV. stellte sie am 4. August 1741 unter einem unierten koptischen Bischof von Jerusalem und äußerte am 4. Mai 1745 die Hoffnung, daß durch den Eifer der Franziskaner-Patres die Zahl der Katholiken sich mehren werde (Bull. Prop. III, 2; Bull. Bened. I, 62. 512). In letzterem Erlass erledigte er mehrere vorgelegte Fragen, namentlich die, ob den als Kindern von den Kopten zu Diakonen Geweihten die Pflichten dieser Weihe aufzulegen seien. Der Papst bestimmte, nach erreichtem 16. Lebensjahr seien dieselben zu befragen, ob sie die erhaltene Weihe ratifizieren; bei verneinender Antwort seien sie nicht zum Brevier verpflichtet und könnten nicht bloß eine erste, sondern auch eine zweite Ehe eingehen.

Am 19. Juni 1750 entschied derselbe Papst, es sei dem apostolischen Präfekten der ägyptischen Mission die Fakultät erteilt, mit dem von einem Bischof geweihten Chrisma den bereits sieben Jahre alten Kindern die Firmung zu erteilen (Bull. Bened. III, 129 sq., ed. Ven.)

Pius VI. errichtete 1781 das apostolische Vikariat Kairo, das nicht ohne vielfache Frucht wirkte, wenn auch der Unionsversuch von 1824 vereitelt ward (Binterim, Denkw. III, 216ff.). Bis 1843 zählte man nur 2640 katholische Kopten gegen 100000 häretische. Bischof Guasco O.S:F. (1839 bis 1859) erzielte noch größere Erfolge und hatte solches Ansehen, daß die vier Jahre lang über die Patriarchenwahl hadernden koptischen Bischöfe ihn zu Rate zogen und nur der Einfluss der protestantischen Missionare beim Vizekönig die willkürliche Besetzung des Stuhles durch denselben erwirkte (Brief vom 4. Februar 1856, Annales de la propagation de la foi 1856, 339 s.).

Missionsversuche der Protestanten

Die katholischen Kopten erlangten nach und nach 9 Kirchen und 7 Kapellen, die von 25-27 Priestern versehen werden. Im Haus des apostolischen Vikars erhalten koptische Kandidaten des geistlichen Standes Verpflegung und Unterricht (vgl. Moroni XXI, 136 sq.).

Auch die Protestanten haben seit 1825 Bekehrungsversuche gemacht, zählten aber bis 1831 nach dem Geständnis des zurückgekehrten Missionars Lieder keine Bekehrung (Baseler Magazin der evangel. Missions- und Bibelgesellsch. 1849, IV, 19 ff. 108). Die protestantische Schule in Kairo zählte 1846 wohl 18 Zöglinge(das. 128), aber nur wenige wurden ernstlich bekehrt. Die St. Chrischona-Gesellschaft von Basel gab 1872 ihre 1861 begonnene Tätigkeit wieder auf. Mit mehr Energie fassten nordamerikanische Missionare die Sache an; sie ließen sich in Kairo nieder, verteilten Tausende von arabischen Neuen Testamenten im Lande, errichteten unter Begünstigung des Vizekönigs Schulen und sogar ein Predigerseminar (Burckhardt, Kleine Missionsbibliothek, Bielefeld 1860, II, III, 47f.).

Doch die meisten, mit Mühe und Kosten gebildeten Zöglinge nahmen den Unterricht nur als Mittel zu besserem Fortkommen an und kehrten zu denselben religiösen Gefühlen und Überzeugungen zurück, welche unter ihrem Volk herrschen, wie der Amerikaner Dr. Durbin gestand (Observations in the East I, 67; vgl. Marschall, Die Missionen II, 338 bis 354). –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 7, 1891, Sp. 1010 – Sp. 1013

Konrad Algermissen schreibt in seinem Buch „Konfessionskunde“ über die Koptische Kirche (1939) u.a.:

„In der Irrung über den Ausgang des Heiligen Geistes stimmt die Koptische Kirche mit der Orthodoxen Kirche überein. In der Christologie sind, trotz der alten Gegnerschaft gegen das Konzil von Chalcedon, die Ausdrücke dieses Konzils übernommen und wird ausdrücklich gelehrt, daß in Christus keine Verwandlung, Vermischung oder Vermengung von Naturen statthabe. Es scheint sich also, wie auch bei den anderen heutigen monophysitischen Nationalkirchen, eher um eine begriffliche Unklarheit und terminologische Unentwickeltheit als um tatsächliche Irrlehre zu handeln, wenn die koptische Theologie nur von einer Natur in Christus spricht.“ (S. 587)

„Die der Taufe vorhergehende Beschneidung wird immer seltener… In der Eucharistielehre wird die Kompanation vertreten und die Bedeutung der Epiklese noch mehr überbetont als in der Orthodoxen Kirche.“

Anmerkung: Unter „Kompanation“ versteht man eine ‚moralische‘ (geistige) Verbindung Christi mit Brot und Wein, mit denen Christus gleichzeitig zugegen wäre. (Quelle: Brinkmann, Katholisches Handlexikon, 1960, S. 254)

„Die Salbung der Gesunde mit dem Krankenöl zur Sündenvergebung wird heute verworfen… Die Eschatologie enthält einige altägyptische Elemente, wie den Glauben an das Wiegen der Seelen der Verstorbenen beim Gericht im Jenseits. Im übrigen gleicht sie der orthodoxen Lehre. Für die in schweren Schwachheitssünden Verstorbenen wird viel gebetet, besonders in der Liturgie des Pfingstfestes. Nur in Verstockheit geschiedene Seelen können aus dem Ort der Finsternis, in welchem sie das jüngste Gericht und die dann über sie verhängte Höllenstrafe erwarten, nicht befreit werden.“ (S. 588)

Tags: Schismatiker
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