Heiliger Gotthard Bischof von Hildesheim

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

4. Mai

Der heilige Gotthard Bischof von Hildesheim

Reichersdorf im bayerischen Wald, nahe an der Donau, ist der Geburtsort dieses verdienstvollen und verehrten Kirchenfürsten. Seine frommen Eltern, biedere Bauersleute, bemerkten frühzeitig an ihrem kleinen Gotthard, d. h. Gottreu, Lust zum Kirchendienst und Studieren, und schickten ihn deshalb in die Schule des benachbarten Kanonikerstiftes Niederaltaich. Der fromme, heitere Knabe eroberte sich die ersten Plätze unter den Mitschülern im Fortschritt und weitaus den ersten in der Folgsamkeit. AlteGemälde erzählen noch, wie er als Ministrant im Eifer des Gehorsams über die Wasser der ausgetretenen Donau trockenen Fußes gegangen sei und die glühenden Kohlen im Chorhemd, ohne dasselbe zu verbrennen, herbei geholt habe. Der Erzbischof Friedrich von Salzburg, welcher Lehensherr dieses Stiftes war, nahm den vielversprechenden Jüngling zu sich und ließ ihn drei Jahre in den höheren Wissenschaften unterrichten.

Im Jahre 990 wurde Niederaltaich, zu dessen Propst Gotthard ernannt worden war, von Heinrich, Herzog von Bayern, später Kaiser von Deutschland, in ein Benediktiner-Kloster verwandelt. Gotthard, schon dreißig Jahre alt, bat um das heilige Ordenskleid, das er auch erhielt und durch den Glanz seiner Tugenden, durch Demut, Bußstrenge, Gottesliebe und Dienstfertigkeit ehrte. Das schönste Zeugnis gaben ihm seine eigenen Mitbrüder, indem sie ihn gleich nach dem Tode des ersten Abtes zu dessen Nachfolger erwählten. Unter seiner ebenso weisen als kräftigen Leitung, die er höchst ungern und erst nach zweijährigem Drängen und Widerstreben übernahm, wurde sein Kloster bald das Vorbild für alle Benediktiner-Klöster des deutschen Reiches, weshalb ihm die Reform der Klöster Tegernsee, Hersfeld und Kremsmünster übertragen wurde. So schwer diese Arbeit auch war, so harte Kämpfe zu unternehmen waren, um diese vernachlässigten Institute von Mißbräuchen zu reinigen und ihnen neues heiliges Leben einzupflanzen: Gotthard löste seine mit bestem Erfolg und erhob diese Klöster zu blühenden Pflanzschulen der christlich-religiösen Bildung und Gesittung. Zu diesem großen und segensreichen Werk hatte er vierundzwanzig Jahre ruheloser Tätigkeit, tausendfältiger Sorgen und vieler widerwärtiger Kämpfe mit verweichlichten Mönchen verwendet; dann zog er sich mit Erlaubnis des Kaisers in sein Kloster Niederaltaich zurück, um, wie er hoffte, seine letzten Lebenstage und Kräfte dem geliebten Mutterhaus widmen zu können. Er bereicherte dasselbe mit kostbaren Büchern, Kirchengeräten und herrlichen Kunstwerken; er beförderte das Studium und verbesserte die Schulen, aus denen eine rühmliche Zahl ausgezeichneter Männer hervor ging.

Im Jahre 1022 wurde der bischöfliche Stuhl von Hildesheim durch den Tod des hl. Bernward, welcher auch in der Kunstgeschichte einen gefeierten Namen hat, verwaist. Der Kaiser und mit ihm viele Bischöfe wünschten dringendst, daß der hoch geschätzte Abt Gotthard diesen Sitz einnehme, und bestürmten seine Demut, bis er die Einwilligung gab.

Mit Tränen in den Augen verließ der sechzigjährige Hausvater das liebe Niederaltaich und die klösterliche Einsamkeit, um eine entfernte, ihm unbekannte Herde zu weiden; aber im Bewusstsein: „Gott will es“, brachte er dieselbe Liebe und Milde, denselben Eifer und Ernst, womit er für seine Mitbrüder im Kloster besorgt war, zu seinen Pflegebefohlenen in Hildesheim. Eine unermüdliche Sorge widmete er der Geistlichkeit, um sie zur Wissenschaft und Frömmigkeit im Geiste Jesu Christi heran zu bilden und durch strenge Zucht ihre erhabene Würde und ihr hohes Ansehen beim Volk zu bewahren. In gleicher Weise eiferte er für die Schönheit des Gottesdienstes: viele Kirchen baute er neu auf, die alten und schmucklosen zierte er aus und verlangte mit nachdrücklicher Strenge, daß die Tempel, die Altäre, die gottesdienstlichen Gewänder und Geräte in möglichster Reinlichkeit erhalten werden sollten.

Für die lebendigen Tempel Gottes, für die Armen und Kranken kannte seine Vaterliebe keine Grenzen, opferte seine Freigebigkeit den letzten Pfennig. Das von ihm gestiftete Spital, das er sehr oft besuchte, war eine Zufluchtsstätte für Gebrechliche jeder Art, und zwar nicht bloß für Einheimische, sondern auch für Fremde ohne Unterschied. Nur die Vagabunden und Landstreicher, die heimatlosen Bettler und Taugenichtse, welche im Pilgerkleid von Gnadenort zu Gnadenort, von Kirche zu Kirche, oder besser – von Küche zu Küche pilgerten, waren nicht seine Lieblinge: solchen gewährte er nur einen bis zwei tage Herberge im Spital und sprach zu ihnen, wenn sie etwa länger bleiben wollten: „Ihr frommen Pilger, die Zeit ist kostbar, ihr dürft euch nicht aufhalten lassen von der Schönheit einer Gegend oder von der Billigkeit einer Herberge, ihr müsst eilen zu eurem heiligen Ziel!“

Dazu war sein eigener Lebenswandel eine beständige und eindringliche Predigt der Gottesliebe, des Gebetseifers, Menschenfreundlichkeit und Herzensreinheit, die Gott durch die Gabe der Wunder und Weissagung auszeichnete, bis er am 4. Mai 1038 im Hildesheimer Dom eine ruhmreiche Grabstätte fand, zu der Jahrhunderte lang zahlreiche Pilgerzüge wallfahrteten.

In seiner unerschöpflichen Herzensgüte und praktischen Weisheit müssen wir die Ursache suchen, warum der hl. Gotthard, der doch keine besonders auffallenden Taten vollbrachte, keine besonders hervorragende Stelle in der katholischen Kirche bekleidete und kein Märtyrer war, dennoch weit über die Grenzen von Bayern und Sachsen hinaus mit Auszeichnung verehrt wurde. Die Schweizer gaben ihrem besuchtesten Gebirgspass mit dem berühmten Hospiz zu seiner Ehre den Namen St. Gotthard; die Mailänder preisen an seinem Namensfest seine Tugenden in einer eigenen Präfation; im Dom zu Genua ist die Kapelle und Bruderschaft St. Gotthard die älteste der Stadt; auch Ungarn, Polen, Holland haben Denkmale und Statuen zur Ehre des hl. Gotthard errichtet. – aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 394-395

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