Der Schmerz in der Welt ohne das kostbare Blut

Das Leben und Leiden und der Tod am Kreuz, das kostbarste Blut Jesu am Kreuz vergossen für uns Sünder; Christus hängt, halb nackt und mit einer Dornenkrone "geschmückt", mit ausgebreiteten Armen am Kreuz, geschunden durch die Marter der Geißelung und der Wunden, und verspottet

Was für eine Liebe gäbe es ohne das kostbare Blut Jesu?

Was ist der Schmerz in der Welt ohne das kostbare Blut

Beispiel: Der Schmerz in der Welt ohne das kostbare Blut

Betrachten wir den körperlichen Schmerz und die Wirksamkeit der natürlichen Menschenliebe zu dessen Linderung.
Eine unermeßliche Summe des Elends der Welt besteht in körperlichen Schmerzen. Wenige Dinge sind schwerer zu ertragen. Es gehört zu unserer Unwahrhaftigkeit, daß wir davon so geringschätzig schreiben und sprechen. Wir halten dies für etwas erhabenes; wir glauben dadurch unsere Männlichkeit zu zeigen. Aber die Wahrheit ist, daß wenige Menschen ein brechendes Herz nicht besser ertragen könnten als ein schmerzendes Glied.

Es gibt manche Gesichtspunkte, von denen aus körperlicher Schmerz minder leicht zu ertragen ist als geistige Leiden. Er ist weniger verständlich; er beruft sich weniger auf unsere Vernunft. Wenn die Tröstungen der weltlichen Klugheit für betrübte Herzen keine sehr überzeugende Kraft haben, dann haben sie gar keine für diejenigen, deren Nerven von Schmerz gefoltert sind.

Das geistige Leiden hat seine eigentümlichen äußersten Grade. Für die Minderheit übersteigen sie wahrscheinlich die äußersten Grade körperlicher Schmerzen, aber in den meisten Fällen sind sie minder unerträglich und in allen Fällen äußerst unerträglich, wenn es ihnen gelungen ist, die leibliche Gesundheit zu zerstören und so jenes Leiden zu ihren eigenen hinzu zu fügen.

Überdies sind die äußersten Grade geistigen Leidens, während sie hauptsächlich die empfindsameren Gemüter heimsuchen, immer von kurzer Dauer; dagegen ist es fürchterlich an die Höhen zu denken, zu denen die körperliche Qual sich erheben kann, und an die Zeit, die die äußerste Qual dauern kann, ohne Unempfindlichkeit oder den Tod herbei zu führen.

Was kann die natürliche Menschenliebe tun für den körperlichen Schmerz?

Die Arzneiwissenschaft

Jedermann, dessen Los es ist ein Leben des Schmerzes zu führen, weiß zu gut, wie wenig die Arzneiwissenschaft vermag, um diese besondere Art menschlichen Leidens zu vermindern.
Sie kann durch Präservativmittel vieles tun. Wer weiß es? Denn der Schmerz, den wir gehabt haben könnten, aber nicht gehabt haben, ist eine unbekannte Region. Wir wollen der Arzneiwissenschaft den Vorteil gönnen, daß wir es nicht wissen.

Was aber die Schmerzen betrifft, die wir wirklich erduldet haben, wie oft haben sie auf das Geheiß der Wissenschaft auch gar nichts von ihrer Heftigkeit nachlassen wollen! Wenn sie es getan haben, wie langsam haben sie der Kraft der Heilmittel nachgegeben und wie oft haben die Heilmittel selbst neue Schmerzen mit sich gebracht! Die Schmerzen, die der menschliche Leib infolge verschiedener Krankheiten zu ertragen hat, sind schrecklich an Zahl, an Mannigfaltigkeit und durch den Abscheu, der sich an manche von ihnen knüpft; über dieses Reich, das die Erbsünde geschaffen hat, wie schwach und beschränkt ist da die Macht der Arzneiwissenschaft!

Und doch was könnte die natürliche Menschenliebe für den körperlichen Schmerz anders tun als ihn mit ärztlichen Hilfsmitteln und mit physischen Bequemlichkeiten versehen?

Wir wollen den Trost der großherzigen Weisheit und der eigentümlichen, fast priesterlichen Teilnahme eines verständigen Arztes nicht unterschätzen; er ist sehr groß. Auch wollen wir die Erleichterungen durch ein luftiges Zimmer, ein sanftes Bett, eine gut bereitete Speise, eine leise Stimme, durch geräuschlose Schritte und jene Aufmerksamkeit nicht gering anschlagen, die unserer Reizbarkeit zuvor kommen, indem sie unsere Bedürfnisse im rechten Augenblick erraten.

Und doch wenn der tägliche Druck körperlicher Schmerzen Wochen und Monate lang fort geht, wenn alles Leben, das nicht Krankheit ist, nur eine wankende Genesung ist, wo können wir einen angemessenen oder dauernden Trost finden außer in übernatürlichen Dingen, in den Beweggründen des Glaubens, in der Vereinigung mit Jesus, in jener geheimen, durch Erfahrung gewonnenen Kenntnis Gottes, die bewirkt, daß wir zuweilen die Züchtigung so süß finden?

Trostsprüche

Es ist der Charakterzug des geistigen Leidens, daß es meistenteils außer dem Bereich der natürlichen Menschenliebe liegt. Jedes Herz kennt seine eigene Bitterkeit. Jener Teil eines innern Kummers, der durch Worte ausgedrückt werden kann, ist gewöhnlich der Teil, der am wenigstens am Herzen nagt. Sein Leiden hängt hauptsächlich von Gefühlen ab, die zum individuellen Charakter gehören, von Gefühlen, die kaum recht bezeichnet werden können und die, wenn sie bezeichnet werden, nicht gehörig gewürdigt werden könnten, wenn sie auch nicht ganz mißverstanden würden.

Wer hat sich nicht oft über den fast unveränderlichen Ärger gewundert, der in unglücklichen Personen durch herkömmliche formelle Trostsprüche hervor gebracht wurde? Es gibt ein Mitleid im Tone der Stimme, das mehr verwundet als heilt. Schon der Ausdruck der Gesichtszüge kränkt uns, indem er uns die Wirklichkeit unseres Kummers lebhafter fühlen läßt. Wir haben seit lange selbst alle anwendbaren Trostgründe erschöpft. Nicht in allmählicher Reihenfolge, sondern auf einmal, wie das Leuchten eines Blitzes, wurden alle Motive und Klugheitslehren, deren Aufzählung meinen Freund, der kein Leiden hat, eine Stunde beschäftigt, von meinem Herzen ergriffen, durchsucht und wieder los gelassen, das das Leiden zu einer ganz unglaublichen Schnelligkeit und Fähigkeit der Empfindung erweckt hatte.

Job ist nicht der einzige, der durch seine Tröster mehr ergrimmt wurde als durch sein Elend. Selbst die täglichen Leiden unseres Herzens im gewöhnlichen Leben können von äußerem Trost nicht erreicht werden, wenn jener Trost nicht von oben kommt und göttlich ist.

Die natürliche Menschenliebe hilft nicht weiter

Die natürliche Menschenliebe kann mit den besten Absichten nie ins Herz hinein kommen. Es gibt da Leiden, die zu tief sind, als daß etwas anderes als die Religion sie erreichen oder würdigen könnte; solche Leiden sind weder Ausnahmen noch ungewöhnlich. Es gibt wenige Menschen, die nicht mehr als eines von ihnen haben.

Wenn wir das große innere Leiden auf dem Kalvarienberg hinweg nehmen, was für ein finsteres und unerträgliches Geheimnis wird aller Kummer! Gütige Teilnahme ist süß, selbst für die Betrübten, wegen ihrer menschenfreundlichen Absicht; sie hat keinen Wert wegen ihrer Wirksamkeit, außer wenn sie die gnadenreiche Dienerin des kostbaren Blutes ist. –
aus: Frederick W. Faber, Das kostbare Blut oder Der Preis unserer Erlösung, 1920, S. 71 – S. 75

Bildquellen

  • Das kostbarste Blut Jesu am Kreuz: Bildrechte beim Autor

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