Das Kreuz ein Füllhorn des Segens

Ein Wegkreuz: Jesus hängt leidend und sterbend am Kreuz

Das Kreuz ist ein Füllhorn des Segens

Es soll sodann das Kreuz in einem christlichen Hause auch deshalb nicht fehlen, weil es fürs zweite ein Füllhorn des Segens ist. Im Volksglauben ist viel die Rede von einem Zauberstab, womit man alles in Gold verwandeln könne; wer einen solchen besäße, wäre bald reich; er würde ganze Felsenstücke in Gold verwandeln. Ein solcher Zauberstab ist aber das Kreuz; es spendet Segen für Leib und Seele, wie die Nachfolge Christi so schön sagt: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Schutz, im Kreuz ist Erguss himmlischer Wonne, im Kreuz ist Starkmut der Seele, im Kreuz ist Freude des Geistes, im Kreuz der Gipfel der Tugend, im Kreuz die vollkommene Heiligkeit im Kreuz die ewige Seligkeit.“

Der also hat recht, der vom Kreuz singt:

O Kreuz des Herrn, so von Segen,
O Gnadenborn auf allen Wegen,
O selig, wer dich lieb gewonnen,
O selig, wer mit dir begonnen,
Mit dir beschlossen seine Pfade,
Mit dir dem Throne Gottes nahte!

Als Student kam der Verfasser einmal an einem Sonntag-Abend durch ein Dorf im bayerischen Hochgebirge an der Grenze von Tirol, und fand die ganze Gemeinde, jung und alt, klein und groß auf einem freien Platz um ein Kreuz herum knien und den Rosenkranz beten. Noch heute ist der Eindruck in seiner Seele nicht verwischt, den dieser Anblick auf ihn gemacht; das Bild des Gekreuzigten, von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet, ragte über die betende Schar noch empor. Aber noch nie hat ihn ein Kruzifixbild so ergriffen, wie jenes, um das die ganze Dorfgemeinde kniete; es kam ihm vor, als sei es nicht bloß das Bild, sondern der gekreuzigte Heiland selbst, der da über der Menge schwebe, um ihre Gebete zu hören und einem jeden aus seinen fünf Wundmalen gerade jene Gnade zufließen zu lassen, die er am meisten bedürfe; denn unwillkürlich muss einem sei solchem Anblick das Wort des Herrn in den Sinn kommen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“. Wo er aber ist, da ist Segen, Friede und Glück, und wo er nicht ist, da ist der Fluch. Eine solche Gemeinde geht also gewiß nur gesegnet nach Hause: zu unserm göttlichen Erlöser kommt man nicht, um – leer fort zu gehen. Wo nun aber das, was dort die ganze Gemeinde getan, Haus- und Familiensitte ist, wo Vater und Mutter mit ihren Kindern täglich um dasKruzifix zusammen knien, um Gott ihren Glauben, ihre Hoffnung und Liebe zu bekennen und ihre Anliegen vorzutragen, soll da der Heiland mit seiner Gnade und seinem Segen nicht in ihrer Mitte sein? O gewiß, das Kreuz im Haus ist ein Füllhorn des Segens. Welch ein Glück also für eine Familie, und welch ein Glück für jedes Kind, wenn in einem Haus die Sitte herrscht, daß kein Kind schlafen geht, ohne daß ihm Vater und Mutter ein Kreuz auf die Stirn gemacht und es gesegnet haben!

Das Kreuz ist für den Christen ein Zufluchtsort in der Versuchung und Anfechtung. Es ist ein bekanntes Bild, das ein Kreuz auf einem Felsen im wild aufgeregten Meer vorstellt, woran sich ein Kind anklammert, um von den anprallenden Wogen nicht mit fort gerissen zu werden. Es betet gut, wenn es betet:

Ich klamm`re mich an deines Kreuzes Nägel,
Der du für mich gestorben bist,
Und lehne mich ans Kreuz, daß du mir helfest,
Geliebter Heiland, Jesus Christ!

Das Menschenleben gleicht ja aber nur allzu oft, wie schon oben gesagt, dem aufgeregten Meer, und es dringen die Versuchungen und Anfechtungen gar häufig wie stürmische Wogen auf das schwankende und zagende Herz ein, um es mit fort zu reißen in Sünde, Schuld und Verderben. Wohl also ihm, wenn es sich beizeiten erinnert, daß es Zufluchtsstätten gibt, wo es sich vor solchen Stürmen schützen kann, und daß eine der sichersten – das Kreuz ist. –
aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 97 -S. 99

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