Damian de Veuster Apostel der Aussätzigen

Damian de Veuster Apostel der Aussätzigen: Pater Damian mit dem Mädchenchor von Kalawao in den 1870er Jahren

Pater Damian de Veuster, Apostel der Aussätzigen

aus der Kongregation der Missionäre von den heiligsten Herzen Jesu und Mariä. (1)

(3. Januar 1840 — 15. April 1889)

Man hat in neuerer Zeit vielfach gesprochen von einem undogmatischen Christentum; man hat einen Verein gegründet für „ethische Kultur“. Die praktischen Früchte des Christentums, die Segnungen aller jener Werke der Nächstenliebe und der Humanität, welche der christliche Glaube erzeugt hatte, wollte man pflücken und genießen; aber den Baum selbst, auf welchem diese Früchte gewachsen waren, den christlichen Glauben, wollte man ausrotten.

Entsetzliche Torheit! Schon der bloße Erfolg hätte zeigen sollen, dass jene Früchte nur auf diesem Baum zu wachsen pflegen. Denn wir finden sie hauptsächlich dort, wo der volle christliche Glaube herrscht, d. h. in der katholischen Kirche; wir finden sie bruchstückweise dort, wo sie Bruchstücke dieses Glaubens erhalten haben, nämlich im gläubigen Protestantismus; wir finden sie dagegen so gut wie gar nicht dort, wo der ganze christliche Glaube verloren ging; und soweit wir sie hier etwa noch finden, pflegen sie Nachwirkungen des Glaubens früherer Jahrhunderte zu sein. Ohne Theorie gibt es eben keine Praxis, und ohne christlichen Glauben keine christlichen Sitten.

(1) Vergl. : v. Falser, Leben und Wirken des P. Damian de Veuster (Paderborn, F. Schöningh 1892)

In den folgenden Zeilen möchten wir dem Leser das Bild eines Mannes vorführen, welchem weder der gläubige Protestantismus, noch auch der moderne Unglaube, was praktisches Christentum angeht, etwas Gleiches wird entgegenhalten können. Es ist das Bild des Paters Damian de Veuster, des Apostels der Aussätzigen. Derselbe gehörte den letzten Jahrzehnten an, mithin jener Zeit, in welcher, wie Protestanten fabeln, die katholische Kirche, besonders durch das vatikanische Konzil, vom reinen Christentum abgefallen und (wie man sich ausdrückt) verjesuitisiert sein soll.

Pater de Veuster ward am 3. Januar 1840 zu Tremelo in Belgien, einem Dorf etwas nördlich von Löwen, geboren. Seine Eltern waren fromme katholische Landleute. Ein wie warmer Katholizismus in der Familie herrschte, geht schon daraus hervor, dass zwei Söhne den geistlichen Stand erwählten und zwei Töchter ins Kloster gingen. Als die Eltern nach der Geburt des Paters Damian berieten, welchen Namen derselbe in der Taufe bekommen sollte, erhielten sie zufällig den Besuch eines Vetters, eines braven, frommen Soldaten. Diesen baten sie, dem Kind zu Gevatter zu stehen. „Von Herzen gern“, erklärte der Soldat; „aber unter der Bedingung, dass das Kind Joseph heißt, wie das Haupt der heiligen Familie.“

So erhielt denn der Knabe den Namen Joseph. Früh zeigte derselbe eine große Liebe zum Gebet. Das beweist u. a. ein Vorfall, welchen sein älterer Bruder später erzählte, wie folgt: „In unserem Haus befand sich eine alte Heiligenlegende, geschrieben in altflämischer Sprache, mit ungeheuren altenglischen Buchstaben, ein 2 Fuß (0,61 cm) langes und 11/2 Fuß breites Buch. Unsere Mutter konnte diesen alten Druck fließend lesen, aber wir Kinder, gewöhnt an die modernen Schriftzeichen unserer Schulbücher, vermochten kaum ein Wort zu entziffern. Oft las uns die Mutter daraus vor, wir lauschten in höchstem Entzücken; wir baten sie inständig, doch ihre Arbeit beiseite zu legen, nur um sie lesen zu hören.

Besonders fesselten uns die Geschichten der Märtyrer und die Erzählungen aus dem Leben der alten Einsiedler, eines Paulus oder Antonius. Und welche Anziehungskraft übten erst die altein Holzschnitte auf uns! Es waren damals vier Kinder im Haus; unser Vetter Henri Vinkx lebte auch bei uns, er war gleichen Alters wie ich, meine Schwester Pauline war zwei Jahre älter und Joseph zwei Jahre jünger. Wir gingen immer gemeinschaftlich zur Schule und trugen in einem Körbchen auch unser Butterbrot für die Mittagspause mit uns.

Eines Tages nun auf dem Weg zur Schule kam uns in den Sinn, die alten Einsiedler allen Ernstes nachzuahmen. Es war 8½ Uhr morgens; wir lenkten unsere Schritte in ein Gebüsch abseits vom Weg, warfen uns auf die Knie und verharrten in Einsamkeit und Schweigen. Um Mittag öffneten wir das Körbchen, jeder verzehrte seinen Anteil, ohne ein Wort zu sprechen. Und wieder kauerten wir auf den Knien, schweigend bis zum Abend. Um 9 Uhr erst bemerkte uns ein Vorübergehender, meldete es zu Hause, und bald wurden wir durch einen Diener heimgeholt.

Ich war damals zehn Jahre alt und erinnere mich noch ganz genau an den Platz und an den Ernst und die Entschlossenheit, welche Joseph als Einsiedler zur Schau trug.“

Ordensberuf

Bei dieser Richtung des Knaben hätte man vermuten sollen, dass er schon früh daran gedacht hätte, sich dem geistlichen Stande zu widmen. Das war aber einstweilen nicht der Fall. Vielmehr schien er sich dem Kaufmannsstand widmen zu wollen; wenigstens taten ihn die Eltern nach Braine-le-Conte in eine Mittelschule, wo er eine kaufmännische Erziehung erhielt. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt.

Im Alter von 18 Jahren, im Jahre 1858, wohnte er einer Mission von Redemptoristen bei, und das wirkte entscheidend auf seine Standeswahl. Einer seiner Mitschüler erzählt:

„Joseph kam von der Mission nach Hause, sichtlich erschüttert durch alles, was er gehört hatte; anstatt sich zur Ruhe zu begeben, durchwachte er einen guten Teil der Nacht in inbrünstigem Gebet.“ Er hatte erkannt, dass Gott ihn zum geistlichen Stand berufe. Eine Andeutung seines Berufswechsels machte er den Eltern in einem Brief, in welchem es heißt:

„Die Schwester schreibt mir, dass sie Euch am 8. Juni verlassen habe. Welch ein Glück für sie! Sie hat durch ihren Schritt den schwierigsten Teil unserer Lebensaufgabe gelöst. Nun hoffe ich, wird auch an mich die Reihe kommen, den Pfad zu wählen, welchen ich zu wandeln berufen bin. Sollte es mir unmöglich sein, meinem Bruder Pamphile zu folgen? Zum Schluss verbleibe ich wie immer Euer dankbarer Sohn Joseph de Veuster.“

Der Bruder Pamphile, welcher hier erwähnt wird, ist August, jener ältere Bruder des Joseph, welcher beim Eintritt in den Orden den Namen Pamphilius erhalten hatte. So vertauschte auch Joseph diesen seinen Namen später mit dem Namen Damian. Der Orden aber, welchen August erwählt hatte, war die Kongregation der Missionäre von den heiligsten Herzen Jesu und Mariä, im Volksmund Picpus-Kongregation genannt nach dessen Mutterhaus in Paris.

Mit seinem Bruder Pamphile beriet sich nun Joseph über das Nähere der zu treffenden Wahl. Bei seinem großen Bußeifer dachte er zunächst an den außerordentlich strengen Orden der Trappisten. Es mochte ihn wohl der Gedanke bestimmen, dass der strengste Orden zugleich auch der vollkommenste sei, was keineswegs stets der Fall ist. Denn die vollkommensten Orden sind nach der Lehre der Theologen jene, welche neben dem eigenen Seelenheil auch das Seelenheil des Nächsten bei ihren Arbeiten besonders anstreben, während die strengeren beschaulichen Orden mehr nur das eigene Seelenheil und die eigene Vervollkommnung im Auge haben. Pamphile riet daher seinem Bruder, nicht in den Trappisten-Orden, sondern in die Picpus-Kongregation einzutreten. Dieser Rat war bestimmend für Joseph.

Unterm 25. Dezember 1858 schrieb er seinen Eltern:

„Ich trage kein Bedenken, Euch am hohen Weihnachtsfest zu schreiben, denn gerade der heutige herrliche Tag brachte mir die Gewissheit, dass Gott mich rufe, die Welt zu verlassen und in den geistlichen Stand zu treten …“

„Denket nicht, dass nur mein eigener Wille und Neigung mich zur Wahl des geistlichen Standes bestimmt; ich versichere Euch, dass ich mich vom Willen Gottes, von der göttlichen Vorsehung leiten lasse. Ich kann nicht im Ernst denken, dass Ihr mir Eure Einwilligung verweigert, denn es ist ja Gott, der mich ruft, und dieser Stimme muss ich gehorchen. Wenn Ihr Euer Kind an der Erfüllung des göttlichen Willens hindert, würdet Ihr Euch Gottes Zorn aussetzen und mich unwiderruflich ins Unglück stürzen, denn ich hätte den Beruf verloren, für den mich Gott von Jugend an bestimmt hatte, und ich würde mein ewiges Heil auf’s Spiel setzen.

Ihr wisst, liebe Eltern, dass jeder Mensch bei seiner Berufswahl verpflichtet ist, sich den Absichten Gottes zu fügen, wenn er seine einstige Seligkeit erreichen will, — so beschwöre ich Euch denn, greift nicht störend ein in Gottes Pläne über mich! August schrieb mir, dass ich gewiss in seiner Kongregation Aufnahme erhalten werde, ich sollte nicht ermangeln, um Neujahr mit dem P. Superior zu sprechen, und bald darauf mein Noviziat beginnen. Sehnsüchtig dieses große Glück erhoffend, zeichne ich mich Euer dankbarer Sohn Joseph.“

Joseph erhielt im Jahre 1859 die Aufnahme, doch allerdings nur als Laienbruder; denn um als Priesterkandidat aufgenommen zu werden, fehlten ihm die notwendigen Vorkenntnisse. Bald aber gewahrte man an ihm eine derartige Leichtigkeit im Studium, dass man ihn für das Priestertum sich ausbilden ließ. Sein Noviziat machte er teils in Löwen, teils in Issy bei Paris. Am 8. Oktober 1860 hatte er das Glück, die Ordensgelübde abzulegen. Im Jahre 1861 ward Frater Damian für die weiteren Studien nach Löwen zurückgesandt.

Einschiffung in die Mission

Die Picpus-Kongregation hatte im Jahre 1825 von Papst Leo XII. die Sandwich-Inseln zum Missionsfeld erhalten. Im Jahre 1863 verlangte Msgr. Maigret, der apostolische Vikar der Sandwich-Inseln, neue Missionäre. Unter denen, welche zur Mission abgehen sollten, war auch Damians Bruder; Pamphile. Derselbe war seit kurzem zum Priester geweiht. Bereits war für ihn ein Platz zur Überfahrt auf einem Schiff bestellt, da ergriff ihn der Typhus. Damian besuchte den Kranken oft und fragte ihn einst, ob es ihn trösten würde, wenn er statt seiner in die Mission ginge. Pamphile stimmte zu.

Damian, welcher fürchtete, dass die unmittelbaren Obern die Zustimmung verweigern würden, wandte sich direkt an den Generalobern in Paris mit der Bitte, in die Stelle seines Bruders eintreten zu dürfen; zur Begründung fügte er bei, „damit das Fahrgeld nicht vergeudet sei“. Die Bitte wurde gewährt; Damian rüstete sich zur Abreise, machte noch eine Wallfahrt zur lieben Mutter Gottes in Montaigu und schiffte sich dann in Bremerhafen ein.

Abschiedsbrief an die Eltern

Unmittelbar vor der Einschiffung richtete er noch folgenden Brief an seine Eltern:

„Bremerhafen, 30. Oktober 1863.

Meine viel geliebten Eltern!

„Nach dreitägiger Zurückgezogenheit in Paris verließ ich das Mutterhaus, beseelt von wahrhaft apostolischem Mut. Von Donnerstag Vormittag neun Uhr bis Freitag Mittag fuhren wir, ich kann sagen, ohne Unterbrechung. Das Schiff, welches uns an unseren Bestimmungsort bringen soll, war schon zur Abfahrt bereit, wir gingen also gleich an Bord. Um zwei Uhr wurde unser Gepäck in den Schiffsraum gebracht. Wir speisten zum ersten Mal mit dem Kapitän, der uns sehr freundlich empfing. Wir leben überhaupt hier wie große Herren, sind mit allem reichlich versehen. Fünf Väter aus Paris trugen aufs beste Sorge für uns; ich meine, dass wir wenigstens für drei Jahre Kleider mitnehmen.“

„Die zehn Schwestern, welche mit uns dieselbe Reise machen, sind sehr mutig. Ihre Kabine ist nächst der unsern, doch verkehren wir mit ihnen nur durch unseren Superior, P. Christian. Wir haben sehr enge Kabinen, in welchen die Betten übereinander angebracht sind. Unser Leben an Bord wird wie im Kloster sein, wir befolgen fast dieselben Tagesordnungen wie in Löwen; wir werden unsere bestimmten Stunden für Gebet, Studium, Rekreation einhalten; und zwar vollzieht sich dies alles im Salon, der zugleich als Speisesaal dient. Im selben Saal hatten wir heute das Glück, zwei heiligen Messen beizuwohnen, bei welchen alle Brüder und Schwestern kommunizierten.“

„Samstag Mittag werden wir also den Hafen verlassen, uns der göttlichen Vorsehung und der Führung eines erfahrenen Kapitäns anvertrauen, welcher in den letzten sieben oder acht Jahren diese weite Reise jährlich einmal machte. Sein Name ist Geerken. Obwohl Protestant, ist er doch sehr lieb mit uns, wir speisen immer zusammen. Außer uns ist nur noch ein Reisender an Bord.“

„Teuerste Eltern, so sind wir nun wirklich im Begriff, nicht nur Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, nicht nur unsere zweite Heimat, unsere Brüder in Paris und Löwen zu verlassen, sondern selbst das liebe alte Europa, um das weite Meer zu durcheilen, dessen sturmgepeitschte Wellen uns zu verschlingen drohen. Und wir werden künftig unter ungebildeten Stämmen leben müssen, welche mehr den Tieren als Menschen gleichen. Das Opfer ist in der Tat groß für jeden, der seine Eltern, Angehörigen, Ordensgenossen und das Land seiner Geburt sehr liebt.“

„Aber die Stimme, die uns rief, all dies großmütig zum Opfer zu bringen, war die Stimme Gottes selbst. Unser Erlöser ist es, der zu uns spricht, wie einst zu seinen ersten Aposteln: «Gehet hin in alle Welt, predigt allen Völkern und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt«.“

„Dieses letzte Wort des göttlichen Heilandes ist überaus trostreich für uns. Jesus Christus verspricht in ganz besonderer Weise, bei den Missionären zu sein. Er selbst ist es, der unsere Schritte leitet, der uns vor allem Unheil bewahrt; Er ist es, der dem Wind gebietet, zu schweigen, und dem Meer, zu verstummen, der die wilden Bestien von uns verscheucht und den schlimmeren Feinden, jenen unserer Seele, alle Gewalt über uns benimmt. Jesus Christus ist es, der mitten in Mühen, Widersprüchen und Leiden uns jenes Glück finden lässt, wovon derjenige, der es nicht erfahren, keine Ahnung haben kann.

Die Gnaden unseres Standes sind überreich und so mächtig, dass die größten Schwierigkeiten uns nicht schrecken können. Wir fühlen dies jetzt schon; obwohl im Begriff, uns in den stürmischen Ozean zu wagen, beschleicht uns nicht nur keine Furcht — diese kennen auch die Matrosen nicht — wir sind sogar heiter, lachen und unterhalten uns mit drolligen Geschichten, bis wir müde sind.“

„Darum, teuerste Eltern, habt keine Sorge um uns, wir sind in der Hand Gottes, des Allmächtigen, der uns in seine Obhut genommen. Alles, um was ich Euch bitte, ist, für uns zu beten, dass wir glücklich reisen, und dass uns nie der Mut fehle, den heiligen Willen Gottes in allem, überall und zu allen Zeiten zu erfüllen! Dieses ist die einzige Aufgabe unseres Lebens. Nehmt auch Ihr diesen anbetungswürdigen Willen, wie er in den Geboten Gottes und der Kirche und in den Mahnworten der von Gott Euch geschenkten Priester Euch kund getan wird, zur Richtschnur Eures Lebens, all’ Eurer Worte und Handlungen.

Dieser Wille Gottes ist es, der im Evangelium bezeichnet wird als der schmale, aber sichere Weg, der zum Himmel führt.“

„So lebt nun wohl, teuerste Eltern, wir werden uns auf Erden nie mehr sehen, doch stets werden wir verbunden bleiben durch jene zarte Liebe, die uns gegenseitig beseelt, besonders in unseren Gebeten wollen wir uns fleißig aneinander erinnern und in den heiligsten Herzen Jesu und Mariä uns oft zusammen einfinden, in welchem auch ich stets verbleibe

Euer dankbarer Sohn Damian.“

P. Damians Tätigkeit als Missionar

Karte der Sandwich-Inseln: (Kauai, Oahu, Lanai, Molokai, Hawaii u.a.

Die Reise ging um die Südspitze von Südamerika herum, und zwar auf einem Segelschiff. Sie dauerte fünf Monate und war, von einigen Stürmen abgesehen, eine ziemlich glückliche. Am 19. März 1864, dem Fest des hl. Joseph, landete man in Honolulu, der Hauptstadt der Sandwich-Inseln. Diese liegen etwas nördlich vom Äquator, ungefähr gleich weit von Amerika und Australien entfernt. Hawaii, die größte der Inseln, auf welcher Honolulu liegt, ist etwa so groß wie Belgien. Im Jahr 1839 wurde daselbst die erste katholische Kirche gebaut.

Pater Damian hatte noch nicht die höheren Weihen erhalten. Msgr. Maigret weihte ihn zum Subdiakon und zum Diakon und am Samstag der Pfingstwoche 1864 zum Priester. Nunmehr konnte er seine apostolische Tätigkeit beginnen. Ein Feld für dieselbe ward ihm vom apostolischen Vikar angewiesen.

Er schreibt: „Ich selbst, voll Begierde, die Herde zu sehen, welche der göttliche Hirte seinem unwürdigen Diener anvertrauen wollte, kam endlich Donnerstag, den 28. Juli, in meinem Bezirk Puna an, welcher zwischen jenen der genannten Patres liegt. Ich werde drei Tage brauchen, von einem Ende desselben zum anderen zu gehen. In jeder Richtung liegen kleine Dörfer zerstreut, seit sieben Jahren war kein ständiger Seelsorger hier, nur zuweilen wurden die Christen von einem vorbei reisenden Priester besucht; aber wie wenig Zeit hatte ein solcher für den Unterricht der Katechumenen!

Darum hatte der Bischof beim Abschied mir gesagt, ich solle bedenken, dass die Mission Puna noch ganz in ihrer Kindheit sei. — In der Tat, ich fand keine Kirche oder Kapelle, um die hl. Messe zu lesen, doch sind jetzt zwei im Bau begriffen. Nur auf einem Altarstein, den ich mit mir trage, zelebriere ich oft in der Hütte eines Eingeborenen, wo die Christen sich an Sonntagen zum Gebet zu versammeln pflegen. Ich finde überall Schäfchen, aber noch mehr stehen außerhalb der Hürde.

Der Calvinismus hat gar manche in seine Netze gezogen. Jedoch die Nachricht, dass ein Priester sich bleibend in Puna niederlasse, machte die guten Leute nachdenklich, und als ich zum ersten Mal die Runde machte, gab mir der Herr schon neunundzwanzig Seelen zur Wiedergeburt im Wasser der hl. Taufe, und andere bereiten sich darauf vor.“

Ein weiteres Bild von der Tätigkeit des Missionärs gibt uns der folgende Brief desselben an seine Eltern:

„Sandwich-Inseln 1865.

Meine liebsten Eltern!

„Es ist mir stets eine große Freude, wenn ich Gelegenheit habe, Euch Nachricht von mir zu geben, um Euch zu erinnern, dass Ihr mitten im unermesslichen Stillen Ozean auf einer großen Insel von 150 Meilen (ca. 241 km) Umfang einen Sohn habt, der Euch innig liebt, einen Priester, der für Euch betet, einen Missionär, der keine andere Beschäftigung kennt, als die verirrten Schäflein des göttlichen Hirten zu suchen. Ich habe hier zwar verschiedene Mühen und Sorgen, dennoch bin ich zufrieden und glücklich.“

„Unser Bischof hat mir eine neue Pfarrei übergeben, ein wenig größer als Tremelo. Ich brauche einen Monat, um in derselben die Runde zu machen; denn hier gibt es weder Eisenbahnen noch Wagen, noch weniger kann man zu Fuß gehen. Ihr werdet Euch wundern, auf welche Weise wir dann unsere weiten Reisen machen. Wir benützen dazu Maulesel und Pferde; ich kaufte mir ein sehr gutes Pferd um hundert Francs, einen Maulesel um fünfundsiebzig Francs, um nach Belieben reisen zu können; zuweilen werde ich mich auch eines Bootes bedienen müssen.

Die armen Indianer freuen sich, wenn sie Kamiano kommen sehen (denn so nennen sie mich in ihrer Sprache; es ist dies die Übersetzung von Damian). Ich liebe sie sehr und gäbe gern mein Leben für sie, wie der göttliche Erlöser. Darum bedenke ich mich nie ängstlich, wenn es sich darum handelt, auch sieben oder acht Meilen weit zu gehen, um einen Kranken zu trösten oder andere Personen, die nach mir verlangen, zu besuchen.“

Die Seelsorge in dieser ersten Pfarrei Puna erforderte gewiss einen kräftigen Mann, wie Pater Damian es war. Doch er sah, dass sein Mitbruder, Pater Clement in seiner Pfarrei Kohala noch schwerer zu arbeiten hatte und dabei weniger kräftig war als er. Deshalb bat er den apostolischen Vikar, nach Kohala versetzt zu werden. Seine Bitte wurde gewährt. „Nun hieß es“, so schreibt Pater Damian, „mich losreißen von meinen Neophyten; diese Trennung war mir sehr schmerzlich, schwerer selbst, als der Abschied von Eltern und Heimat, wegen der herzlichen Zuneigung, die ich für diese guten Kanaken empfand.“

In Kohala fand der eifrige Missionär mehr Arbeit als bisher. Aber er fand auch manches, was ihm Freude bereitete. So konnte er z. B. schreiben: „Die hiesige Christengemeinde ist in guter Ordnung; morgens und abends kommen die Gläubigen regelmäßig in die Kirche zum Gebet. Die zu weit Entfernten beten zu Hause und kommen nur am Sonntag. An den höchsten Festen, wie Weihnachten und Ostern, eilen alle herbei, auch aus weiter Ferne. Um Ostern nahm ich dreißig Erwachsene durch die hl. Taufe in den Schoß der katholischen Kirche auf, und mehrere Abgefallene vereinigten sich wieder mit uns. Solche Freuden geben dem armen Missionär wieder neuen Mut!“

Später schrieb der Pater an seine Eltern: „Was mich betrifft, kann ich melden, dass ich mich wohl befinde und mich sehr glücklich fühle in dem Amt, das der Herr mir anvertraut hat. In den vier Jahren meines Hierseins erbaute ich vier neue Kirchen und restaurierte eine alte, wobei ich stets selbst das Amt des Zimmermanns übernahm. Noch eine oder zwei Kapellen sollte ich in meinem Bezirk errichten, wodurch die Seelsorge um vieles erleichtert würde. Letztes Jahr brachte ich bei sechzig Heiden zur Erkenntnis der Wahrheit und zum Empfang der heiligen Taufe.“

Bei den Aussätzigen

Doch wir eilen hinweg über diese Missionsarbeiten, um zu jener Tätigkeit des Paters Damian zu gelangen, welche denselben besonders auszeichnete. Es war das seine Tätigkeit unter den Aussätzigen.

Die Küste von Molokai mit Blick auf das staatliche Leprosarium bei Kalawao

Die Küste von Molokai mit Blick auf das staatliche Leprosarium bei Kalawao

Der Aussatz war früher auf den Sandwich-Inseln unbekannt. Er wurde dorthin, wie es scheint, von Asien aus eingeschleppt und verbreitete sich in entsetzlicher Weise. Man hütete sich eben nicht genügend vor der Ansteckung, und auch die Regierung traf keine energischen Maßregeln gegen die Verbreitung der Seuche. Erst im Jahre 1865 schritt man ein, indem man suchte, alle Aussätzigen auf die nördliche Insel Molokai zusammenzubringen und von der übrigen Bevölkerung ganz abzusondern, damit letztere von der Ansteckung verschont bliebe.

Auf Molokai fristeten nun die Aussätzigen ihr trauriges Dasein. Im Norden schied sie das Meer von der übrigen menschlichen Gesellschaft; im Süden trennte sie eine gewaltige Felswand von den andern Teilen der Insel. Zwar wurde für ihren Unterhalt von der Regierung gesorgt, doch war ihre Lage entsetzlich. Fäulnis ergriff ihren ganzen Körper; ein ekelhafter Geruch verbreitete sich um sie her; die einzelnen Glieder fielen allmählich vom Körper ab. Für das Diesseits war ihnen jede Hoffnung auf Glück entschwunden, denn sie gingen dem sicheren Tod entgegen. Ihre Leiden trieben sie vielfach zur Verzweiflung, und so ergaben sie sich allen Lastern. Hierdurch aber schwand ihnen auch die Hoffnung auf ein besseres Jenseits.

Dem apostolischen Vikar, Msgr. Maigret, ging diese traurige Lage der Aussätzigen zu Herzen. Bei einer Versammlung des Klerus im Jahr 1873 erklärte er sein Bedauern, dass er wegen Priestermangel nicht imstande sei, den Verbannten auf Molokai einen ständigen Seelsorger zu geben. Pater Damian erbot sich, diesen Posten zu übernehmen; da gerade einige Missionäre neu angekommen seien, könne ja einer derselben eine bisherige Pfarrei übernehmen. Msgr. Maigret nahm dies Anerbieten an.

Gerade lag ein Schiff bereit, um 50 Aussätzige nach Molokai zu bringen. Pater Damian benutzte die Gelegenheit und fuhr alsbald mit ihnen an den Ort seiner neuen Bestimmung, ohne zuvor von seinen Freunden Abschied zu nehmen. Im Mai 1873 landete er in Molokai. Msgr. Maigret hatte ihn begleitet. In einer öffentlichen Versammlung stellte er den Aussätzigen ihren neuen Seelsorger vor, indem er sprach:

„Meine Kinder, bisher lebtet Ihr allein und verlassen, in Zukunft soll dies anders werden. Ich bringe Euch hier einen wahren Vater, der Euch so liebt, dass er sich nicht scheut, für Euer Wohl und für das Heil Eurer unsterblichen Seelen selbst einer von Euch zu werden, um für Euch und mit Euch zu leben und zu sterben!“

Pater Damian begann nun seine Tätigkeit. Er schreibt:

„Bei meiner Ankunft fand ich bei achtzig Aussätzige im Hospital, andere hatten mit wenigen Wärtern (Kokuas) ihre Wohnung weiter oben im Tal; sie hatten einen alten Pandanen- oder Punhala-Hain ausgehauen, um sich Hütten zu bauen. Viele mussten sich mit Zweigen des Rizinus-Ölbaumes begnügen, um ein kleines Obdach zu verfertigen; sie bedeckten es mit den Blättern des Ki oder des Zuckerrohres, die wohlhabenden mit Pili-Gras. Ich selbst schlief viele Wochen nur unter einer einfachen Pandane, welche noch im Friedhof steht.“

„In solchen elenden Hütten wohnten die Kranken untereinander, ohne Berücksichtigung des Alters und Geschlechtes, gleichviel ob ihre Krankheit mehr oder weniger vorgeschritten war, ob sie sich gegenseitig kannten oder nicht. Sie verbrachten ihre Zeit mit Kartenspielen und einheimischen Tänzen (Lula), sie tranken gegorenes Bier aus der Ki-Wurzel und selbst gebrannten Schnaps. Ihre Kleidung war weder anständig noch rein, weil das Wasser aus weiter Ferne gebracht werden musste.

Die Lage der Leidenden war für den Neuangekommenen geradezu unerträglich. Um den Ekel zu überwinden, nahm ich meine Zuflucht zum Tabakrauchen, damit der Duft der Pfeife den abscheulichen Geruch des Aussatzes aus meinen Kleidern vertreibe. Der Fortschritt der Krankheit war ein entsetzlicher, die Sterblichkeit übergroß. Der elende Zustand der Niederlassung gab ihr den Namen eines Friedhofes für Lebende, glücklicherweise kann man dieses jetzt nicht mehr sagen.“

„Da so viele starben, rief mich mein Beruf in gar viele Hütten, wo meine Ermahnungen, hauptsächlich an die Kranken und Sterbenden gerichtet, sehr oft das Ohr verstockter Sünder trafen, welche sich nach und nach der traurigen Folgen ihres bösen Lebens bewusst wurden, Besserung versprachen und, im Vertrauen auf die unendliche Barmherzigkeit des göttlichen Erlösers, ihre schlechten Gewohnheiten aufgaben. Güte gegen alle, Barmherzigkeit gegen die Dürftigen, eine hilfreiche Hand für die Leidenden und Sterbenden, in Verbindung mit gründlichem, religiösem Unterricht für alle, die mich hören wollten, dieses waren die Hauptmittel, welche ich anwendete, um die Aussätzigen zur Gesittung zurückzuführen.

Ich bin so glücklich, sagen zu können, dass, unterstützt durch die lokale Verwaltung, meine Bemühungen nicht vergeblich gewesen, wie es am Beginn scheinen mochte, vielmehr Dank der göttlichen Vorsehung mit Erfolg gekrönt wurden.“

Pater Damien und 64 Jungen der Leprasiedlung – aufgenommen 1889

Pater Damian und 64 Jungen der Leprasiedlung – aufgenommen 1889, entweder Ende Februar oder im März, wenige Wochen vor seinem Tod, von William Brigham.

Etwas später, unterm 25. November 1873, schrieb der Missionär an seinen Bruder:

„Bei meiner Ankunft fand ich nur eine kleine, der hl. Philomena geweihte Kapelle, weiter nichts, nicht einmal eine Hütte für mich. Lange Zeit schlief ich unter dem gastlichen Dach eines Baumes, da ich nicht mit den Kranken in derselben Hütte mich aufhalten wollte. Später erhielt ich Unterstützung von den Weißen in Honolulu, welche durch eine Sammlung mir die Mittel verschafften, eine sechzehn Fuß lange und zehn Fuß breite Hütte für mich zu bauen, in der ich jetzt wohne.“

„Schon sechs Monate halte ich mich nun hier auf und wurde von der Seuche noch nicht ergriffen, ein deutlicher Beweis des besonderen Schutzes Gottes und der seligsten Jungfrau Maria. Der Aussatz ist, so weit man ihn jetzt kennt, unheilbar; er beginnt mit einer Verschlechterung des Blutes, schwärzliche Flecken erscheinen auf der Haut, zuerst am Gesicht; die ergriffenen Teile verlieren das Gefühl. Nach und nach verbreitet sich diese eigentümliche Färbung über den ganzen Körper, die Geschwüre brechen auf, besonders an den Extremitäten; das Fleisch fault weg und verbreitet einen abscheulichen Geruch; selbst der Atem der Kranken ist ein Pesthauch, welcher die Luft in der Runde vergiftet.

Es kostete mich anfangs große Überwindung, mich an diese Atmosphäre zu gewöhnen. Einmal bei der Sonntagsmesse wurde mir so unwohl, dass ich glaubte, an die frische Luft gehen zu müssen; doch ich bezwang mich und dachte an den Herrn, wie er befahl, des Lazarus Grab zu öffnen, obwohl Martha sagte: «Er riecht schon.» Jetzt ist mein Geruchssinn sehr abgestumpft, ich betrete ohne große Schwierigkeit die elenden Hütten der Kranken. Nur zuweilen ekelt mich, wenn ich die Beichten solcher hören muss, aus deren Wunden bereits Würmer hervorkriechen. Ich komme in Verlegenheit, wo ich die heilige Ölung erteilen soll, denn Hände und Füße sind oft nur eine große Wunde.“

„Du kannst Dir nun vorstellen, dass ich bei den achthundert Kranken täglich Beschäftigung finde. Es wohnt kein Arzt hier; es fände sich auch für ihn keine Gelegenheit, seine Kunst auszuüben, weil die Wissenschaft kein Heilmittel gegen diese Krankheit kennt. Ein kränkelnder Weißer vertritt mit mir die Stelle des Arztes und Pflegers. Jeden Morgen nach der hl. Messe, der ich immer eine Unterweisung folgen lasse, besuche ich meine Kranken; ich trete in jede Hütte, um meinen geistlichen Beistand anzubieten.

Jene, welche davon nicht Gebrauch machen wollen, sind darum von der leiblichen Hilfe nicht ausgeschlossen, die ich allen ohne Unterschied gewähre. Abgesehen von wenigen sehr verstockten Häretikern, betrachten mich alle als ihren Vater. Ich mache mich selbst zum Aussätzigen mit den Aussätzigen, um alle für Jesus Christus zu gewinnen. Darum gebrauche ich in der Predigt stets den Ausdruck «Wir Aussätzigen» anstatt der in Europa üblichen Anrede «Meine Brüder».“

„Aus dem Folgenden kannst Du sehen, welche Macht einem Missionär zu Gebote steht. Letzten Samstag widersetzten sich mehrere junge Leute der Ortsverwaltung, über welche sie wegen schlechter Behandlung klagen zu müssen glaubten. Bis auf zwei waren es Calvinisten oder Mormonen. Ich trat zu ihnen, richtete einige missbilligende Worte an sie, alsbald senkten sie die Köpfe, und alle Empörungsgelüste waren vorüber.“

„Ich habe schon über hundert Personen getauft, von denen viele, angetan mit dem strahlenden Gewand der Taufunschuld, bereits in den Himmel eingegangen sind. Ebenso viele habe ich auch schon begraben; durchschnittlich stirbt jeden Tag einer, manche in solcher Armut, dass sie kaum anständig begraben werden können; in ein einfaches Tuch gehüllt, legt man sie in die Erde. Für diese Ärmsten verfertige ich Holzsärge in meiner knappen freien Zeit.“

„Es versteht sich von selbst, dass wir hier alles umsonst tun. Unser guter Meister ist es, der uns dafür entschädigt, wie einstmals die Apostel. Ja, wenn der Herr die Frage an mich richtete: «Als ich Euch aussandte ohne Tasche, ohne Rock, ohne Schuhe, hat Euch irgendetwas gemangelt?» so müsste ich in Wahrheit gestehen: «Nichts, o Herr!» (Luk. 22, 35.) Ich habe dem Pater Fabian, meinem Nachfolger in Kohala, alles zurückgelassen und kam hierher ohne jegliches Gepäck, habe hier kein bestimmtes Einkommen, dennoch «mangelt mir nichts», ich kann sogar noch Almosen geben. Wie lässt sich dies erklären? Dies ist eben Sein Geheimnis, Desjenigen nämlich, welcher versprochen hat, alles hundertfältig zu ersetzen, was man Seinetwegen verlassen wird.“

„Zwei Meilen von hier am entgegengesetzten Ende meines Bezirkes habe ich eine zweite Kapelle erbaut, welche 1500 Francs kostete, meine eigene Handarbeit nicht gerechnet. Es bleibt mir nur noch eine restierende Schuld von 25 Francs. Ich bestelle den hl. Joseph zu meinem Sachwalter. Unsere Schwestern in Honolulu senden mir Kleider, wohltätige Seelen versorgen mich mit dem Übrigen.“

„Vor einigen Monaten wurde mir vom Ministerium des Inneren verboten, die Aussätzigen-Anstalt zu verlassen; ich war also Staatsgefangener. Heute verkündigt mir eine Zuschrift des französischen Konsulates meine Freiheit. Gott sei dafür gepriesen! Ich brauche mich jetzt nicht mehr auf meine Aussätzigen zu beschränken, sondern kann auch an der Bekehrung des übrigen Teiles der Insel arbeiten, wo kein Priester sich ständig niedergelassen hat. Ich könnte, wie Du siehst, einen Gehilfen brauchen, aber wo ihn finden?“

„Bete, dass der Herr meine Mission segne!“

„In den heiligsten Herzen bin ich Dein Bruder Damian.“

Eine heilige Messe in Kalawao

Ein Reisender, Mr. Stoddart, welcher einst nach Kalawao, dem Wohnsitz des Paters, kam, beschreibt uns eine kirchliche Feier daselbſt, wie folgt:

„Es war Hochamt in Kalawao. Das feierliche Geheimnis des Glaubens wird fast eine Totenmesse: denn diejenigen, welche daran teilnehmen, sind bereits dem Tode geweiht, und obgleich noch lebend, sehen sie doch eher Leichen ähnlich.

Ich wurde von Pater Damian an meinen Platz geleitet zur Linken des Altares, an einen mit einem Gitter abgesperrten Chorstuhl, wo ich die Versammlung überblicken konnte. Die festlich gekleideten Chorknaben hatten alle das Gesicht vom Aussatz entstellt, schienen jedoch dessen sich kaum bewusst zu sein, auch nicht viel zu leiden, obwohl die meisten einzelner Gliedmaßen, der Finger oder Zehen beraubt waren. Mit Ernst und Würde begann der Zelebrant. Die Kirche war überfüllt mit Andächtigen, welche nach einer einfachen Melodie sangen oder wenigstens zu singen glaubten; seltsame Töne aus den heiseren Kehlen der vom Aussatz Betroffenen!

Nirgends sah ich solche Andacht wie hier. Doch welch greller Gegensatz! Am hellstrahlenden und schön geschmückten Altar steht der junge Priester, das Bild der Gesundheit, mit heller freudiger Stimme das Pater noster singend, — zu seinen Füßen jugendliche Akolythen, denen der Stempel des Todes bereits aufgedrückt ist, und im Schiff der Kirche halb in Fäulnis übergegangene Gestalten, eine abstoßender im Gesicht, als die andere, wie dem Grab entstiegene Leichen. Auch die Luft war verpestet, abscheulicher Modergeruch erfüllte den Raum; man glaubte, an der Schwelle des Totenreiches zu stehen. So feiert Pater Damian den Tag des Herrn in Kalawao.“

Pater Damian selbst schildert uns eine Fronleichnamsprozession in folgenden Worten:

„Der Umzug wurde am Sonntag in der Oktav des Festes gehalten, an welchem Tag beinahe alle Katholiken meiner zwei Dörfer schon der ersten hl. Messe beiwohnten und die hl. Kommunion empfingen, auf welche sie sich durch eine gute Beichte vorbereitet hatten; in der Tat von Mittwoch zum Samstag war der Beichtstuhl so sehr belagert gewesen, dass sowohl der Missionär als auch seine Christen ihre Kräfte erschöpft hatten.“

„Um zehn Uhr war Hochamt. Aus Rücksicht überließen die Christen von Kalawao das Innere der Kirche ihren herbeigeeilten Brüdern und standen von außen an den Fenstern. Das Harmonium wurde beseitigt, um den Musikern aus Kalaupapa Platz zu machen. Die zwei vereinigten Chöre bestanden aus vierzig Personen. Alle Sänger und Sängerinnen sind aussätzig, ihr Direktor ebenfalls, noch dazu blind, aber sehr gescheit, er leitet den Vortrag mit bewunderungswürdiger Sicherheit und Genauigkeit. Dieser Chor wäre einer Kathedrale würdig, nur meine Predigt entsprach nicht der Höhe der Festfeier. Übermüdet, wie ich war, wollte ich meinen Gewohnheitsfehler, zu lange zu predigen, diesmal vermeiden.“

„Unmittelbar nach der hl. Messe begann die Prozession. Voraus wurde das Kreuz getragen und eine große, schöne Fahne; es folgten die Musiker und zwei hawaiianische Flaggen, dann die Männer und Frauen in zwei langen Reihen, ferner die Chöre unter der Leitung meines braven blinden Petrus, welchen ein starker Mann an der Hand führen und mit einem aufgespannten Schirm gegen die glühenden Sonnenstrahlen schützen musste. Knaben mit Rauchgefäßen, denen fortwährend köstlicher Wohlgeruch entströmte, und Mädchen, welche den Weg mit Blumen bestreuten, bildeten die Avant-Garde des Königs der Könige. Männer mit brennenden Fackeln, die mit Kränzen umwunden waren, gaben das Ehrengeleit zu beiden Seiten des Traghimmels, ein geschmückter tragbarer Altar erhöhte die Pracht des Zuges.

Bei der Wohnung des Superintendanten machten wir Halt; ich setzte das Allerheiligste auf dem Altar aus. Die Absingung von mehreren Hymnen und Liedern gestattete uns eine lange Anbetung und selbst eine kurze Rast auf dem frischen, grünen Rasen, was unseren kranken Beinen wohltat. Nach dem Segen zogen wir in derselben Ordnung wieder nach Hause.“

„Nach Schluss der religiösen Feier vereinigte ein fröhliches Mahl alle Teilnehmer an einem Tisch. Wie Sie sehen, gestattet uns der Herr, dann und wann eine schöne Rose zu pflücken mitten unter stechenden Dornen.“

Man sieht, es war eine vollständige Umwandlung vorgegangen mit der Bevölkerung von Molokai. Als Pater Damian ankam, lebte sie in Verzweiflung und sittlicher Verwilderung. Jetzt war aus ihr eine blühende, von himmlischem Trost erfüllte Christengemeinde erstanden. Unser Missionär kann schreiben:

„Meine Aussätzigen sind sehr eifrig; vom Morgen bis zum Abend füllen sie die Kirchen und beten mit einer Andacht und Inbrunst, welche einen Religiosen beschämen könnten.“ „Die größere Zahl der Kranken kommt daher als Nichtkatholiken und stirbt im Schoße der heiligen allein seligmachenden Kirche; der katholische Friedhof ist auch der am meisten bevölkerte. Man fängt an, den Baum an seinen Früchten zu erkennen; die Protestanten kümmern sich wenig um das Seelenheil ihrer Glaubensgenossen. Darum verlangen die meisten Sterbenden nach dem katholischen Priester, um sich auf den ernsten Schritt in die Ewigkeit vorzubereiten. Ich selbst habe mehrere Häupter der Calvinisten in periculo mortis bedingungsweise getauft.“

Einst besuchte der apostolische Vikar die Niederlassung der Aussätzigen. Pater Aubert, welcher ihn begleitete, erzählt u. a.: „Was soll ich Ihnen nun sagen von der Serenade, welche bei Mondschein dem geliebten Oberhirten zu Ehren abgehalten wurde? Wir traten nach dem Abendimbiss an die frische Luft; bei hundert Aussätzige hatten sich hier eingefunden mit zwei großen Flaggen, vier Trommeln und den verschiedenartigsten Blasinstrumenten. Die Musiker, welche zum Teil nur zwei oder drei brauchbare Finger haben und deren Lippen angeschwollen oder verzerrt sind, spielten die schönsten Weisen und unterhielten uns durch zwei volle Stunden.

Ich fragte manche von ihnen, ob sie sich nach ihrer alten Heimat zurücksehnten. «Nein», antworteten sie mir, hier sorgt die Regierung für uns besser, als unsere Angehörigen zu Hause tun könnten. Wir sind sehr zufrieden mit dem Verwalter der Anstalt und noch mehr mit unserem Pfarrer. Er wendet uns seine liebevollste Sorgfalt zu und baute selbst unsere Hütten. Ist jemand unter uns schwer krank, so bringt er ihm Tee, Kuchen, Zucker, Süßigkeiten; den ärmsten verschafft er Kleider, er macht selbst keinen Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten.

Welch ein Gegensatz zu dem calvinistischen Prediger, der einmal aus Neugierde kam, uns zu sehen, aber ohne sich uns zu nähern. An diesem Merkmal unterscheiden wir den wahren guten Hirten, welcher sein Leben hingibt für seine Schafe, vom Mietling, welcher nur um der Ehre oder des Geldes wegen gekommen.“

Das Wirken des frommen Missionärs konnte nicht unbekannt bleiben. Die Regierung von Hawaii spendete ihm die höchste Auszeichnung. Die Prinzessin Regentin selbst schrieb ihm:

„Hochwürdiger Herr! Ich möchte Ihnen meine Anerkennung aussprechen für die heroischen, uneigennützigen Dienste, welche Sie den unglücklichsten der Menschen in meinem Königreich fortwährend erweisen; es soll dies gleichsam eine öffentliche Huldigung sein für Ihre Hingebung, Ihre Geduld, Ihre maßlose Liebe, welche Sie antreiben, unermüdlich für das geistige und leibliche Wohl dieser Armen zu sorgen, denen die Hilfe ihrer Angehörigen und Freunde versagt ist.“

„Ich weiß sehr wohl, dass Sie bei Ihren Arbeiten und Opfern keinen anderen Beweggrund kennen als diesen, den Verlassenen Gutes zu tun an Leib und Seele, sowie dass Sie keinen anderen Lohn erwarten, als jenen, welchen Gott der allerhöchste Herr Ihnen geben wird, Er, der Sie zu solchem Wirken begeistert!“

„Dem ungeachtet, um dem Drang meines Herzens zu genügen, bitte ich Sie, ehrwürdiger Vater, das Kommandeur-Kreuz des königlichen Ritterordens von Kalakaua anzunehmen als Zeichen meiner aufrichtigsten Bewunderung für Ihr Bestreben, auf alle Weise das Elend zu lindern und die Leiden der Verbannten zu versüßen, wie ich mich bei einem Besuch bei den Aussätzigen selbst überzeugt habe.“

Wie der Missionär selbst über das Lob der Menschen dachte, zeigen folgende Worte, die er am 15. März 1876 seinen Angehörigen schrieb:

„Teuerste Mutter und Brüder! Entschuldigt, dass ich Euren Brief vom Mai letzten Jahres noch nicht beantwortete. Der Grund davon ist, dass ich von Tag zu Tag, obwohl vergeblich, Nachricht von Pater Pamphile erwartete. Zudem war es mir unangenehm, dass mein letztes Schreiben in den «Annales des Sacrés Coeurs» veröffentlicht worden war; ein für allemal muss ich gestehen, dass mir dies gar nicht recht ist. Ich wünschte ungekannt zu bleiben in der Welt, und nun — durch wenige Briefe, die ich schrieb, — wird allenthalben, selbst in Amerika von mir gesprochen.“

Briefwechsel mit einem protestantischer Pfarrer

Das Lob, welches der Missionär floh, hatte für ihn indes auch eine erfreuliche Wirkung. Von den verschiedensten Seiten flossen ihm Almosen zu für seine armen Aussätzigen. Sogar ein anglikanischer Geistlicher, Rev. Chapmann, Pfarrer bei St. Lukas, Camberwell in London, veranstaltete in seiner armen Pfarrei eine Sammlung, deren bedeutenden Ertrag er dem Pater Damian übersandte. Es entspann sich ein Briefwechsel zwischen beiden Männern. Der protestantische Pfarrer schrieb dem katholischen Ordensmann unterm 1. Dezember 1886:

„Mein teurer Pater! Ich danke Ihnen für Ihren interessanten Brief vom 26. August, und vor allem danke ich Ihnen für die Gebete, welche Sie versprochen für mich und für jene, in deren Mitte ich lebe. Ich schließe wieder eine kleine Summe bei, welche meine guten Pfarrkinder mir übergaben zur Unterstützung der unglücklichen Aussätzigen.“

„Ich selbst habe den geringsten Teil daran, denn ich tue nichts anderes, als ihre vereinzelten Gaben sammeln. Aber ich bin von ihnen beauftragt, im Namen aller Ihnen zu sagen, wie die Geschichte Ihres Lebens, Ihres Wirkens und Leidens sie gerührt und ihnen genützt hat, indem sie ihnen die Schönheit und den Wert stiller Selbstaufopferung zeigte, welche im Hinblick auf die Liebe Unseres göttlichen Heilandes und in seiner Kraft vollbracht wird. Die Betreffenden wünschen, dass ich Ihnen danke für die Erlaubnis, dieses schwache Zeichen tiefster Verehrung zu Ihren Füßen niederlegen zu dürfen.“

„Sie sind nun selbst an das Kreuz geschlagen, welches Sie freiwillig wählten, um es mit jenen zu tragen, welchen es aufgebürdet wurde. Diejenigen, welche mir diese geringe Summe zur Übersendung an Sie übergaben, denken, das beste Mittel, Ihnen selbst eine Freude zu bereiten und noch ein flüchtiges Lächeln auf Ihre Lippe zu zaubern, sei, Ihr unglückliches Volk in etwas zu unterstützen. Sie bitten, dass Sie die Summe nach Ihrem Belieben verteilen. Ihr heiliges Leben bietet ihnen volle Beruhigung für die gute Verwendung derselben. Sie fühlen sich wohl gänzlich unwürdig, es Ihnen anzubieten, und zugleich erklären sie, dass jede Unbild, welche Ihrem Glaubensbekenntnis angetan wird, als eine Beleidigung für die ganze christliche Welt anzusehen ist.“

„Zum Schluss sagen sie Ihnen herzlich und ehrfurchtsvoll Lebewohl, mit der hoffnungsfreudigen Überzeugung, dass die Krone, welche Sie erwartet, ebenso herrlich und glänzend sein wird, als die Leiden und Qualen Ihres siechen Körpers jetzt schmerzlich sind!“

„Diesen Worten habe ich nichts weiter beizufügen. Sie drücken Gefühle aus, welche allen Unterschied des Alters, des Ranges, der Nationalität, selbst des Glaubens aufheben. Mit einem Wort, hochwürdiger Herr, Sie haben die Herzen aller gewonnen!“ —

„Ich werde nicht ermangeln, nach meinen schwachen Kräften Ihnen zu helfen, um die Insel Molokai glücklicher zu machen, als sie je war. Über meine diesbezüglichen Gedanken und Pläne werde ich ein anderes Mal mehr eingehend schreiben, denn dieser Brief ist eigentlich nicht von mir, sondern gehört ausschließlich jenen, welche mich zum Dolmetscher erwählten.“

„Ich bitte, grüßen Sie herzlich von mir Ihren Gefährten. Ich danke Gott mit ihm für den Beruf, welchen er gewählt hat, um so mehr, als ich durch die Erfahrung meines eigenen Herzens weiß, wie selten wahrer Heldenmut zu finden ist. Ich freue mich, dass jener Mann bei Ihnen ist, und bin überzeugt, im Gedanken an die Krone, welche Sie beide erwartet, werden Sie freudig das Kreuz tragen und mit kühner Todesverachtung der Schmach des Aussatzes die Stirne bieten!“

„Noch einmal, leben Sie wohl! Möge diese bescheidene Blüte der Liebe, welche England Ihnen ehrfurchtsvoll sendet, süßen Duft vor Ihnen ausströmen und Sie erinnern an jene, welche sie Ihnen zu bieten wagen, in der sicheren Hoffnung, Sie einst im Himmel zu sehen! Beten Sie für alle, die mir anvertraut sind, und für mich.

Ihren Sie aufrichtig liebenden Freund
Hugh. B. Chapmann.“

Was der Pfarrer über jenen Gefährten des Paters schreibt, bezieht sich auf einen Amerikaner, dessen Pater Damian erwähnt hatte, indem er dem Pfarrer schrieb:

„Was Sie über die Bande sagen, welche Sie an die anglikanische Hochkirche knüpfen, veranlasst mich, eines sehr gebildeten Mannes zu gedenken, welcher bis vor kurzem der Episkopal-Kirche von Amerika angehörte. Nachdem er zum Katholizismus übergetreten, machte er geistliche Übungen in einem Trapisten-Kloster, und angetrieben durch die Einsprechungen des göttlichen Geistes, kam er jetzt zu uns in das arme, ferne Eiland, um mit mir am Wohl der Verbannten zu arbeiten.

Er wohnt bei mir wie ein teilnehmender Bruder, und wir pflegen zusammen die Kranken. Auch dieser Mann, obwohl er nicht Priester, sondern ein Laie ist, findet seinen einzigen Trost, seine Stärke und Lebenskraft im allerheiligsten Sakramente. Bewundern Sie mit mir, sehr geehrter Herr, die Wirkungen der göttlichen Gnade in diesem neuen Gefährten, den Gott mir gegeben; und erlauben Sie mir, für Sie und die Ihrigen zu beten, damit wir künftig nicht mehr getrennt bleiben im Glauben, sondern alle der einen, heiligen, apostolischen Kirche angehören, damit wir eins seien in Jesus Christus und einmal dieselbe Krone der Gerechtigkeit empfangen.“

Ein Opfer des Aussatzes

Pater Damien, aufgenommen 1889 – Wochen vor seinem Tod – in der St.-Philomena-Kirche in der Siedlung

Pater Damian, aufgenommen 1889 – entweder Ende Februar oder im März, Wochen vor seinem Tod – von William Brigham an einer Seitenwand der katholischen St.-Philomena-Kirche in der Siedlung. Von Brighams Besuch existieren lediglich zwei Fotografien: diese Aufnahme sowie das Gruppenbild, das Damian gemeinsam mit den 64 Jungen der Siedlung zeigt.

Endlich sollte der fromme Missionär das Opfer vollenden, zu dessen Darbringung er sich freiwillig erboten. Am 30. April 1886 meldete sein Oberhirt den „Missions Catholiques“:

„Der ehrwürdige Pater Damian, mit Recht der Apostel der Aussätzigen genannt, da er seit dreizehn Jahren mit heroischem Opfermut bei ihnen auf Molokai in freiwilliger Verbannung lebt, ist nun selbst ein Opfer seiner Hingebung geworden. Durch Gottes Zulassung hat die Seuche auch ihn erfasst, auf dem Pfad der Leiden und Schmerzen soll er zum wohlverdienten himmlischen Lohn geführt werden; denn diese Krankheit lässt keinen, den sie einmal ergriffen hat, je wieder frei, bis der Tod ihn aus ihren Fesseln erlöst. Doch Pater Damian beklagt sich nicht über sein Schicksal, er hat nie etwas anderes erwartet.“

Der Missionär selbst hatte seinen Oberhirten mit folgenden Worten von der Erkrankung in Kenntnis gesetzt:

„Ich kann nicht mehr nach Honolulu kommen, denn ich bin vom Aussatz befallen. Bereits zeigen sich die Spuren des Übels am linken Ohr und an der Wange, die Augenbrauen fallen aus, in kurzer Zeit werde ich im Gesicht entstellt sein. Ich habe keinen Zweifel mehr über die wahre Natur meiner Krankheit, doch ich bin ruhig, ergeben und glücklich in Mitte meines Volkes. Gott der Herr weiß am besten, was zu meiner Heiligung dient; ich sage darum täglich mit bereitwilligem Herzen: Herr, Dein Wille geschehe!“

Seinem Bruder Pamphile schrieb Pater Damian am 9. November 1887:

„Die Freude meines Herzens und die innere Zufriedenheit, womit die heiligsten Herzen mich begnadigen, überzeugen mich mehr und mehr, dass ich der glücklichste aller Missionäre der Welt bin. Das Opfer meiner Gesundheit, welches der Herr anzunehmen sich würdigte, auf dass meine Tätigkeit unter den Aussätzigen ein wenig fruchtbarer werde, ist wohl nur eine Kleinigkeit, und ich möchte sagen, angenehm für mich, der ich mit dem hl. Paulus sprechen darf: »Ich bin tot, aber mein Leben ist verborgen mit Christo in Gott.»“

Die Krankheit schritt weiter voran. Ein Mitbruder des Missionärs berichtet:

„Samstag den 23. März 1889 war Pater Damian noch in gewohnter Tätigkeit und ging geschäftig hin und her. Es war das letzte Mal, dass ich ihn so sah, denn ich musste mich nach Kalaupapa begeben. Seit dem 28. März konnte er das Zimmer nicht mehr verlassen; an diesem Tag ordnete er alle seine Papiere und alle weltlichen Geschäfte; als er die Schriften unterzeichnet hatte, sagte er: «Wie froh bin ich, jetzt alles dem Bischof übergeben zu haben, nun sterbe ich ganz arm, mir gehört nichts mehr.» Am selben Tage musste er sich zu Bett legen.

Samstag, den 30. März, begann er seine nächste Vorbereitung auf den Tod. Es war in der Tat erbauend, ihn zu sehen; er strahlte vor Glück. Nachdem ich seine Generalbeichte gehört, beichtete ich selbst bei ihm, dann erneuerten wir gemeinschaftlich die Gelübde, welche uns an die Kongregation von den heiligsten Herzen Jesu und Mariä binden. Am Morgen empfing er die heilige Wegzehrung.

Tagsüber war er heiter, ja voll Freude wie gewöhnlich. «Sehen Sie meine Hände», sagte er mir, «die Wunden schließen sich, die Kruste wird schwarz; dies ist ein Zeichen des nahen Todes. Schauen Sie mir auch in die Augen. Ich sah so viele Aussätzige sterben; ich werde mich nicht täuschen, der Tod kann nicht mehr ferne sein. Es würde mich sehr gefreut haben, den Bischof noch einmal zu sehen; doch der Herr ruft mich, um mit ihm Ostern zu feiern! Er sei dafür gepriesen!«

Pater Damien auf seinem Sterbebett, 14. April 1889

Am 2. April 1889 empfing Pater Damian die hl. Ölung. Er sprach:

„Wie außerordentlich gut ist Gott mit mir, der mich so lange am Leben erhielt, dass es mir möglich sein wird, in den letzten Augenblicken zwei Priester an meiner Seite zu haben. Ja noch mehr, ich weiß jetzt die guten Schwestern im Spital, darum kann ich mit Beruhigung mein Nunc dimittis sprechen. Die Anstalt für die Aussätzigen ist fest begründet, ich bin nicht mehr notwendig hier; bald, bald gehe ich hinüber.“

In der Tat: bald ging er hinüber. Am 15. April 1889 entschlummerte er sanft, fast ohne Todeskampf. Sechzehn Jahre hatte er unter den Aussätzigen zugebracht. Durchdrungen von den Wahrheiten des christlichen Glaubens, hat er als guter Hirt, nach dem Beispiel des göttlichen Erlösers, sein Leben hingegeben für seine Schafe.-
aus: Ludwig von Hammerstein SJ, Charakterbilder aus dem Leben der Kirche, Bd. III, 1902, S. 461 – S. 480

Bildquellen

  • Map_of_Hawaii_NA: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • Molokai_coast_with_a_view_of_the_federal_leprosarium: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • Father_Damien_with_boys_of_the_settlement__1889: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • Father_Damien__photograph_by_William_Brigham: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • Father_Damien_on_his_deathbed: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • Father_Damien_with_the_Kalawao_Girls_Choir__at_Kalaupapa__Molokai__circa_1878: wikimedia
Tags: Apostel

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