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Räubersynode

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Räubersynode

Räubersynode, Bezeichnung für die Synode zu Ephesus (Ephesinum II) v. 8. bis ca. 22.8.449 mit 153 Teilnehmern. Auf der unter Patriarch Flavian November 448 abgehaltenen Synode zu Konstantinopel war Eutyches auf die Anklage des Bischofs Eusebius von Doryläum hin wegen Häresie (Monophysitismus), gegen das Unionssymbolum v. 432/433) verurteilt worden. Hiergegen berief unterm 30.3.449 Kaiser Theodosius II aufgrund der Beschwerde des Eutyches, unter dem Drängen des Eunuchen Chrysaphius und auf das heimliche Betreiben des monophysitischen Patriarchen Dioskur I von Alexandrien eine neue Kirchenversammlung zum 1. August.

Papst Leo der Große schickte auf die Berichte von Flavian und Eusebius und auf die Beteuerungen des Eutyches in der 1. Jahreshälfte 449 über ein Dutzend Briefe nach dem Osten, darunter den berühmten Tomus ad Flavianum v. 13.6.449 (Ep. 28); in einem Brief an Theodosius II (Ep. 29) sprach er von einem „synodale judicium“, im Brief an die Synode (Ep. 33) von einem „episcopale concilium“, damit „durch die Autorität eines verstärkten Gerichtshofes (pleniore judicio) der Irrtum abgetan werde.“

Doch Dioskur, der zum Vorsitzenden ernannt wurde, terrorisierte, unterstützt von Juvenalis von Jerusalem und Thalassius von Cäsarea, von seinen ägyptischen Bischöfen und Mönchen, von kaiserlichen Beamten und vom Militär, die Versammlung und und setzte schon in der 1. Sitzung vom 8.8. durch, dass Eutyches freigesprochen und als orthodox erklärt, die Lehre von den 2 Naturen in Christus verdammt, Flavian und Eusebius, die über Nicäa (325) und Ephesus (431) hinausgegangen seien, abgesetzt wurden.

Der dogmatische Lehrbrief des Papstes wurde nicht verlesen, und seine Legaten behandelte man wegwerfend. Nach mehreren unbekannten Zwischensitzungen setzte die Schlusssitzung vom 22.8. noch Theodoret von Kyros, Ibas von Edessa, Domnus und andere Antiochener als „Nestorianer“ ab. Der Kaiser bestätigte die Beschlüsse, und Dioskur versandte darüber ein Rundschreiben. Doch Leo, an den Flavian und Eusebius appellierten, verwarf sie auf einer römischen Synode Oktober 449, bannte Dioskur und forderte vom Kaiser ein neues Konzil. Er bediente sich dabei der Publizistik, als deren bedeutendste Probe noch vor Mitte 450 die sogenannte Collectio Novariensis de re Eutychis hervorging, deren Kernstück der Tomus Leonis ist.

Diesen unterzeichnete wider Erwarten rasch Flavians Nachfolger Anatolius. Dioskur bannte seinerseits Leo, und in Ägypten verbreitete man eine gefälschte Übersetzung des Tomus. Zu den Ereignissen nahm auch Nestorius in Liber Heraclidis kritisch Stellung; er beruft sich für seine Lehre auf den Tomus.

Die von Kaiser Marcian nach Nicäa einberufene, jedoch in Chalcedon 451 tagende Synode machte die Beschlüsse der Synode von 449 rückgängig, verurteilte Dioskur, erneuerte die orthodoxe Lehre, anerkannte den Tomus Leonis, stellte eine eigene Definition und setzte die abgesetzten Bischöfe wieder ein. Das Ephesinum wurde in Leos Brief vom 20.7.451 an Kaiserin Pulcheria schon vor dem Chalcedonense (Ep. 95) „non judicium, sed latrocinium“ genannt. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, Sp. 650 – Sp. 651

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