Hilfe der Schutzengel bei Lebensgefahr

In der Mitte ist der heilige Schutzengel, der das Kind bei der Hand hält; rechts davon steht ein Engel mit einem Buch, auf der linken Seite steht eine Frau, die als Versucherin erscheint, aber vom heiligen Schutzengel mit der rechten Hand abgewehrt wird

Die Hilfe der Schutzengel in Lebensgefahren

Der hl. Philipp Neri wurde zu verschiedenen Malen von Engelshand aus drohender Lebensgefahr errettet. In einer Nacht begab sich der Diener Gottes zu einem verarmten Edelmann, um ihn einiges Geld zur Unterstützung zu reichen. Auf dem Wege dahin begegnet ihm ein Wagen in raschem Lauf. Philipp will ausweichen und bemerkt dabei nicht, daß er sich am Rande eines sehr tiefen Grabens befindet. Schon ist er im Begriff hinab zu stürzen, da erfaßt ihn die Hand seines Schutzengels und rettet ihn vor einem schweren Fall.

Eine ebenso große Wohltat hatte die hl. Hildegunde ihrem Schutzengel zu verdanken. Diese Heilige war auf der Reise nach Rom begriffen, als sie von einigen Banditen angefallen und so entsetzlich mißhandelt wurde, daß die Hirten, welche sie im Vorübergehen entdeckten, sie für tot hielten und bereits Anstalten zu ihrer Beerdigung trafen. Als aber, nicht ohne göttliche Fügung, plötzlich Wölfe in ihre Herde eindrangen, ließen sie von ihrem Vorhaben ab. Hildegunde kam wieder zu sich und versuchte ihre Reise fortzusetzen. Im selben Augenblick sieht sie einen Engel auf blendend weißem Pferde herbei reiten. Dieser bot ihr liebreich die Hand, hob sie zu sic auf das Pferd und führte sie dem Ziele ihrer Reise entgegen. Bei Verona verließ sie der himmlische Begleiter mit den Worten: „Ich werde dein Beschützer sein auf allen deinen Wegen, wohin du immer ziehen magst.“ Derjenige, welcher das Leben der hl. Hildegunde beschrieben hat, versichert, er habe diese wunderbare Begebenheit aus dem Munde der Heiligen selbst vernommen.

Die hl. Elisabeth, welche im zwölften Jahrhundert im Kloster Schönau lebte, erzählt, wie sie durch ihren Schutzengel von einer tödlichen Krankheit geheilt wurde. „Um das Fest Mariä Verkündigung“, so diktierte sie selbst ihrem Lebensbeschreiber, „befiel mich eine schwere Krankheit, die mit jedem Tag an Heftigkeit zunahm. Am besagten Feste selbst befand ich mich so übel, daß die Schwestern in meiner Zelle zusammen kamen, die Litanei über mich zu beten. Als sich hierauf die Schwestern tief betrübt in das Chor begeben hatten, um die hl. Kommunion zu empfangen, erschien ein Engel des Herrn an meinem Schmerzenslager, stellte sich vor mich hin, legte seine Hand auf mein Haupt und sprach: „Steh auf und wandle! Du bist von deiner Krankheit geheilt. Gehe hin und empfange den Leib des Herrn; sei mutig und stark.“ Bei diesen Worten verschwand mit einem Mal alle Übelkeit, und unbeschreibliches Wohlsein durchströmte mein ganzes leibliches Wesen. Ich kleidete mich selbst an und eilte heiter, gesund und kräftig in den Konvent der Schwestern, die sich vor Freude und Verwunderung kaum zu fassen vermochten.“

Zu Obdorf in der Schweiz kam ein vierjähriger Knabe zu seinem Vater, der mit andern Arbeitern daran war, eine Esche umzuhauen. Unbemerkt stellte sich das Kind gerade an die Stelle, wohin der Baum fiel. Zu spät erblickte es der Vater; krachend stürzt der Baum über den Knaben nieder. Ein Schrei des Entsetzens entfährt dem armen Manne. Doch siehe, als er einen Augenblick später die Augen aufschlägt, um das Unglück zu schauen, steht sein Kind ohne alle Verletzung mitten zwischen den Ästen. Am Morgen, als die Mutter dringender Geschäfte halber das Morgengebet abkürzen wollte, hatte ihr der Kleine gesagt: „Mutter, ich muss aber heute auch zum Schutzengel beten.“ (Freiburger Kirchenblatt Nr. 3, 1880) –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 1, 1911, S. 638 – S. 639

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