Gott selber ist Urheber des Rosenkranzes

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

Hoheit des Rosenkranzgebetes in Rücksicht auf dessen Urheber

Auszug aus einer Marienpredigt von Antonio Vieira SJ

Gott selber ist der Urheber des Rosenkranzes

Zum Verständnis dieser Wahrheit, dieser Grundlage von Allem, was ich sprechen werde, müssen wir es als eine Glaubens-Wahrheit voraus setzen, daß der Urheber der Gebete, woraus der Rosenkranz besteht, Gott ist. Gott ist der Urheber des „Vaterunser“, Gott der Urheber des „Gegrüßt seist du Maria.“ Und da dieses ein so großes Werk war (ob es auch den Unwissenden nicht so vorkommt), darum beschäftigte sich Gott so ganz damit, daß die allerheiligste Dreifaltigkeit es unter sich teilte. Der Sohn schuf das Vaterunser und sprach es mit seinem eigenen Munde aus; der Vater begann das Gegrüßt seist du Maria und sprach es durch den Mund des Engels aus; der heilige Geist setzte es fort durch den Mund der heiligen Elisabeth und vollendete es durch den Mund der Kirche.

So war es, und so musste es ein, damit auch in dieser Beziehung das Rosenkranz-Gebet nicht minder bevorzugt sein möchte, als die heiligen Geheimnisse, welche dabei betrachtet werden. Die heiligen Geheimnisse, die wir bei dem Rosenkranz-Gebet betrachten, beziehen sich alle auf das Leben, den Tod und die Auferstehung Christi; und gleichwohl werden die freudenreichen Geheimnisse insbesondere dem Vater zugeschrieben, der für uns mittelst der Menschwerdung seinen Sohn hingegeben: Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn hingab (Joh. 3,16). Die schmerzenreichen werden insbesondere dem Sohne zugeschrieben, der durch seine Leiden sein Blut für uns vergossen und uns dadurch erlöst hat; der sich für uns als Opfer hingegeben (Eph. 5,2); und die glorreichen werden insbesondere dem heiligen Geist zugeschrieben, der sich zu unserer Rechtfertigung für uns hingegeben, indem er vom Himmel herab gestiegen (1. Petr. 1,12).

Und da bei allen Werken der göttlichen Vorsehung und Weisheit das, was am meisten hervor leuchtet und die Hoheit seiner Urheber am meisten kund gibt, die wunderbare Übereinstimmung ist, womit sie einander entsprechen; – so war es nicht bloß recht und angemessen, sondern auch notwendig, daß, gleichwie die ganze allerheiligste Dreifaltigkeit sich mit dem inneren, geistigen Teil des Rosenkranzes beschäftigt hatte, so sich auch insgesamt beschäftigte mit dem äußeren, mündlichen Teil.

Daraus wird für uns das Verständnis hervor gehen von zwei merkwürdigen Gesichten, – das eine in Rücksicht auf die allerheiligste Dreifaltigkeit, und das andere in Rücksicht auf Jesum Christum; – Gesichte, welche beide die heilige Gertrud hatte. Am Feste der Himmelfahrt Mariä, da ward die Heilige in den Himmel entrückt, um zu sehen, wie dort dieses große Fest gefeiert werde. Doch was sah die Heilige? Sie sah wie alle Engel und Heiligen, zu dem Thron ihrer Königin nieder gesunken, die Worte sangen: Selig bist du, Jungfrau Maria; die du getragen den Schöpfer von Allen (Breviar. Rom. Noct. II. Resp. In Fest. Assumt. B.M.); und sie hörte bald, wie die ganze allerheiligste Dreifaltigkeit dreistimmig (so daß es zu einer Stimme verschmolz) – Mariä zurief: Gegrüßt seist du Maria, voll der Gnaden; der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Weibern!

Könnte es etwas geben, oder ließe sich etwas denken, was staunenswürdiger wäre? Gewiß nicht. Wir lesen dieses in den Offenbarungen der Heiligen (Revel. S. Gertrudis lib. IV. cap. 49 et lib. I. c. 4), damit Niemand an einem so unwiderleglichen Zeugnis zweifeln möge. Gleichwie denn die allerheiligste Dreifaltigkeit die Urheberin des Rosenkranzes war, – so wiederholt sie auch im Himmel dasselbe, als ihr Werk, indem Gott damit seine Mutter Ein- und vielmal lobt. Und wenn ihr an mich die Frage stellt, warum die allerheiligste Dreifaltigkeit bloß diese, und nicht auch die übrigen Worte wiederholte; – so ist der Grund recht klar; – denn die übrigen Worte, sie sind bloß für uns, und finden bei Gott keinen Raum. Hätte denn die allerheiligste Dreifaltigkeit sprechen sollen: Bitte für uns Sünder? Hätte sie sprechen sollen: Vergib uns unsre Schulden? Hätte die sprechen sollen: Unser tägliches Brot gib uns heute? Oder: Erlöse uns von dem Übel?

Die Worte, womit wir bitten, sind bloß für uns; die Worte, die Maria loben, sie sind für uns und auch für Gott, der als Sohn mit ihnen – seine Mutter lobt und preist. Daher überging er jene Worte, die ihn, als Sohn selbst, betreffen. Erwäget jetzt, welch ein Wohlgefallen der göttliche Sohn daran haben werde, wenn wir in sein Lob einstimmen, und wenn die schar der Verehrer des Rosenkranzes darauf antwortet, was im Himmel die heiligste Dreifaltigkeit singt.

Das Gesicht in Rücksicht auf Christum bestand darin: Christus erschien, geschmückt mit einem Halsband von unschätzbar kostbaren Edelsteinen der heiligen Gertrud und sprach: Ich werde dasselbe niemals ablegen, da es ein Unterpfand der Liebe Gertrud`s ist. Und wie war dieses Halsband beschaffen? Es war ein zierliches, dreiblätteriges Rosengebild. Besser ließe sich wohl nicht der Rosenkranz malen oder in Kupfer stechen, besser ließe sich nicht der Name seines Urhebers eingraben. Es war ein dreiblätteriges zusammen hängendes Rosengebilde; – denn der Rosenkranz besteht aus drei Teilen, als seinen drei Blättern; jedes besteht aus verschiedenen Edelsteinen von verschiedenen Farben, die den drei Geheimnissen entsprechen; die freudenreichen bestehen aus Smaragden, die schmerzenreichen aus Rubinen, die glorreichen aus Diamanten. Das ganze Gebild war der Form nach dreifaltig, war es doch nicht das Werk eines anderen Künstlers, nein, das der allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Alle Gottesgelehrten bemerken mit dem heiligen Dionysius und dem heiligen Augustinus: gleichwie gefeierte Künstler auf all ihre Werke ihren Namen schreiben, so prägte Gott seinen Werken das Merkmal seiner Dreifaltigkeit auf. Von dem größten Werk Gottes, – was jenes Unausssprechliche war, woraus Christus bestand, – sagt der heilige Johannes: Dieses hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel bezeichnet (Joh. 6,27). Und dieses Merkmal, dieses Siegel, es ist, wie der heilige Bernardus sinnvoll bemerkt, der Leib und die Seele und die Gottheit; und diese drei sind Eins und dieses Eins drei (S. Bernard. Serm 5 de Vigil. Nat.).

Dasselbe Merkmal des Dreifaltigen prägte Gott den Engeln auf, indem er sie in drei Rangordnungen einteilte, und jede Rangordnung in drei Chöre. Dasselbe drückte er dem Menschen auf mittelst der drei Kräfte: des Gedächtnisses, des Verstandes und des Willens; dasselbe den Pflanzen und den Tieren. Kurz, alle Geschöpfe, oder alle Wesen – ohne Ausnahme – bezeichnete Gott mit demselben Merkmal in den allgemeinen Eigenschaften: Einheit, Wahrheit und Güte, indem, wie der heilige Augustinus sagt, die Einheit dem Vater, die Wahrheit dem Sohne, und die Güte dem heiligen geist entspricht. Und sogar an „dem Guten“, welches in das Schickliche, Nützliche und Angenehme eingeteilt wird, fehlte nicht die Aufprägung dieses Merkmals.

Und weil die Gestalt „des Dreifaltigen“ das dauerhafte und königliche Siegel ist, womit Gott seine Werke als die seinigen bezeichnet, damit Niemand einen Zweifel darein setzen möge, daß das Halsband, mit welchem Christus erschien und es immer zu tragen versprach, sein Werk sei: – darum war es der Form nach dreifaltig. Kurz, die Rosen, woraus es bestand, waren dreiblättrig, um den Rosenkranz zu bezeichnen und seine heiligen Geheimnisse; und es war der Form nach dreifaltig, um kund zu geben, daß der Urheber des Werkes, wie das besondere Merkmal seiner Werke die „Dreifaltigkeit“ sei. –
aus: Antonio Vieira SJ, Sämmtliche Marienpredigten, Zweiter Teil, 1860, S. 278 – S. 282

Die gesamte Predigt findet sich hier: Hoheit des Rosenkranzgebetes in Rücksicht auf dessen Urheber.

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