Die Parabel vom Schatz im Acker

Die Parabel: Ein Mensch findet einen Schatz im Acker

Die Parabel vom Schatz im Acker (Matth. 13, 44)

Matth. 44. Das Himmelreich ist gleich einem Schatz, der im Acker verborgen ist: wenn diesen ein Mensch findet, hält er ihn geheim und geht in seiner Freude hin und verkauft alles, was er hat, und kauft denselben Acker.

1. Zweck der Parabel

Die vorhergehenden Parabeln enthielten Prophezeiungen über die Eigenschaften und Schicksale der Kirche. Die zwei folgenden zeigen einerseits den Wert der Kirche und ihrer Heilsmittel, und andererseits die Gesinnungen, welche alle gegenüber diesem Schatz und Kleinod haben sollen. Der Heiland führt dieses zuerst aus in der Parabel vom Schatz im fremden Acker.

2. Ausführung des Zwecks in der Parabel

In der Parabel sind drei wichtige Stücke. Das erste ist der Schatz. Er ist dem Ausdruck nach groß, ein königlicher Schatz, der den Finder und Besitzer zum überreichen und glücklichen Mann macht. Dieser Schatz bedeutet das Evangelium mit seinem Ziel, der ewigen Seligkeit, mit den Mitteln zu derselben, dem Glauben und der Gnade, kurz alles, was es uns Großes und Herrliches für Zeit und Ewigkeit bietet. Das ist gewiss ein großer und herrlicher Schatz, und um so kostbarer, da alles an ihm übernatürlich ist, unerfindbar und unerschwingbar für alle Anstrengungen der Natur. In diesem Sinne ist der Schatz wirklich verborgen. Gott allein kann mit seiner Gnade auf seine Spur leiten.

Zweitens ist da der Acker, in dem der Schatz begraben ist. Nach altem Recht gehört der Schatz dem Besitzes des Ortes, in dem sich derselbe befindet. Wer ihn also rechtlich erwerben will, muss den Grund, in dem er liegt, kaufen. Der Schatz des Evangeliums nun, des Glaubens, der Gnade, der wahren Sakramente, findet sich nur in der Kirche. Wer ihn deshalb haben will, muss die Kirche kaufen, indem er sich ihr anschließt und ihr Glied wird. Das ist nun aber oft gerade die Schwierigkeit.

Deshalb fügt der Heiland ein drittes Stück hinzu, nämlich wie man den Schatz sich erwerben soll. Vor allem in Eile. Der Finder des Schatzes „geht“, sagt der Heiland, denn jeden Augenblick kann ein Versäumnis ihn vom Erwerb des Ackers mit dem Schatz ausschließen. Die Kirche und alles, was sie uns bietet, ist eben Gnade, und das Leben ist kurz und unsicher. –

Ferner muss der Acker erworben werden mit Entschlossenheit, mit Eifer und Großmut. „Er gibt alle seine Habe hin“ für den Acker und für den Schatz. So viel ist er wert und noch mehr. –

Endlich wird der Acker gekauft mit Freude. Alle Mühen und alle Opfer um den Preis werden reichlich belohnt durch die Größe und Kostbarkeit des Schatzes.

3. Die Anwendung der Parabel

Die Anwendung liegt auf der Hand. Wer den Schatz des Evangeliums, den Trost seiner Wahrheiten, die Frucht der Sakramente und die Anwartschaft auf das ewige Leben haben will, muss ein Glied der katholischen Kirche werden, wo Christus dieses alles hinterlegt hat. Sie allein ist die seligmachende Kirche, weil sie uns allein die Mittel zur Seligkeit bietet.

Das kann nun unter Umständen ein großes Opfer sein und nicht bloß die Habe, die Stellung, sondern auch das Leben selbst kosten. Aber selbst um diesen Preis muss der Acker gewonnen werden. Der Schatz ist groß und herrlich genug, um uns dieses alles zu ersetzen. Er ehrt uns, bereichert uns, tröstet uns und vermag uns alles zu bieten, was wir zur Seligkeit hienieden und in der Ewigkeit wünschen können. Wie manche hat Unentschlossenheit und Säumnis um den Schatz gebracht! Die Juden hörten den Heiland und die Apostel diesen Schatz preisen und anbieten, sie säumten aber, ihn zu heben, und siehe, die Heiden kamen und nahmen ihn vorweg.

Wer schon im Besitz dieses Schatzes ist, der bewahre ihn, der freue sich, danke Gott von ganzem Herzen und verwerte ihn zum Verdienst des ewigen Lebens. –
aus: Meschler, Moritz SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi, Bd. 1, 1912, S. 383 – S. 384

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