Der Friede Christi im Reiche Christi

Hut, bischöflicher Krummstab, Kleidungsstücke eines Papstes
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Der Friede Christi im Reiche Christi – Fortsetzung

Pius XI. : Antritts-Enzyklika „Ubi arcano Dei consilio“ v. 23. Dezember 1922

(Offizieller lateinischer Text: ASS XIV [1922] 673-700)

Porträt des Papstes Er schaut nach rechts, ernst und vornehm

V. Die Durchführung des Friedenswerkes

Dabei müssen alle mitwirken:

1. Die Kardinäle und Bischöfe.

a) Als „Vorbilder der Herde“

40. Bei diesem Werke erwarten Wir die Mithilfe aller Gutgesinnten. Besonders aber an Euch, Ehrwürdige Brüder, ergeht der Ruf.

Denn Euch hat ja Christus, Unser Haupt und Führer, der Uns die Sorge für seine Herde anvertraute, in hervorragender Weise zur Teilnahme an Unserem Amt berufen; Euch hat ja in diesem Sinne der Heilige Geist bestellt, „Die Kirche Gottes zu regieren“ (Apg. 20, 26); Euch hat er ja besonders zu dem „Amt der Versöhnung“, als „Christi Gesandte“ (2. Kor. 5, 18, 20) bestimmt; Ihr habt Anteil am göttlichen Lehramt und seid „Verwalter der Geheimnisse“ (1. Kor. 4, 1).

Deswegen werdet Ihr feierlich „Das Salz der Erde und das Licht der Welt“ (Mt. 5, 14) genannt, die Lehrer und Väter der christlichen Völker, „die Vorbilder der Herde geworden sind von Herzen“ (1. Petr. 5, 3) und „die groß im Himmelreich genannt werden“ (Mt. 5, 19).

Euch allen also gilt mein Ruf, die Ihr gleichsam die Hauptglieder und goldenen Ringe seid, durch die „der ganze Leib Christi untrennbar zusammengehalten wird“ (Eph. 4, 15, 16), welcher ist die Kirche, auf dem Felsen Petri gegründet.

b) Bei der geplanten Wiederaufnahme des Vatikanischen Konzils.

41. Wie Wir eingangs dieses Rundschreibens erwähnten, habt Ihr neulich erst Euren besonderen Eifer bewiesen, als Ihr anlässlich des Eucharistischen Kongresses in Rom und der Jahrhundertfeier der hl. Kongregation der Propaganda so zahlreich aus allen Teilen der Erde in dieser segensreichen Stadt am Grabe der Apostel Euch versammelt habt. Diese überaus feierliche und ansehnliche Versammlung der Bischöfe brachte Uns auf den Gedanken, zu gegebener Zeit in diese Stadt, die Hauptstadt der katholischen Welt, eine ähnliche feierliche Versammlung zu berufen, um nach einer solchen Zerrüttung der menschlichen Gesellschaft das richtige Heilmittel für den allgemeinen Verfall zu finden. Die nahe Wiederkehr des „Heiligen Jahres“ scheint Uns ein günstiges Vorzeichen und lässt Uns auf ein gutes Gelingen dieser Absicht hoffen.

Wir wagen es jedoch nicht, die Fortführung des ökumenischen Konzils sofort in Angriff zu nehmen, das, wie Wir Uns aus Unserer Kindheit erinnern, der hochselige Papst Pius IX, begonnen, aber nur zu einem, wenn auch bedeutenden, Teil fortgeführt bat. Wir beten vorerst noch darum und warten, wie der berühmte Führer der Israeliten, bis der gütige und barmherzige Gott Uns seinen Willen klarer zu erkennen gibt (Richt. 6, 17).

Unterdessen mahnt und drängt Uns das Bewusstsein Unseres apostolischen Amtes und Unserer alle umfassenden Vaterpflicht, Euren glühenden Eifer zu verzehrender Glut zu entfachen, obwohl Uns Eure unermüdliche Hingabe bekannt ist, die das höchste Lob verdient und keines Ansporns bedarf. So kann es nicht fehlen, dass jeder einzelne von Euch mit täglich wachender und sorgender Liebe den ihm anvertrauten Teil der Herde Christi umhegt.

c) Durch zeitgemäßen Ausbau des begonnenen Werkes der religiösen Erweckung, Pflege und Förderung von religiösen Vereinen, und besonders der Katholischen Aktion.

42. In der Tat, wie viel Herrliches und Zeitgemäßes hat man unter Unseren Vorgängern auf Eure Anregung hin beim Klerus und im ganzen christlichen Volk weise entworfen, glücklich begonnen und segensreich vollendet, unter den gegebenen Umständen vollkommen und des höchsten Lobes würdig! Wir haben davon gehört und in der Presse gelesen, und es wurde Uns bestätigt durch andere Zeugnisse, durch die privaten Berichte, die Ihr und andere Personen an Uns gelangen ließet.

Dafür danken Wir dem unsterblichen Gott von ganzem Herzen. Von diesen Werken haben Wir namentlich jene im Auge, die in so großer Zahl und in vorsorglicher Weise der heilsamen Belehrung und sittlichen Vervollkommnung dienen;

ebenso die frommen Vereinigungen von Klerus und Laien zur Unterstützung der Heidenmissionen, um das Reich Gottes zu mehren und den wilden Völkern zeitliches und ewiges Glück zu bringen;

ferner die Jugendvereine, die in vermehrter Zahl die besondere Verehrung der allerseligsten Jungfrau und namentlich des heiligsten Altarsakramentes fördern und das Lob des Glaubens, der Reinheit und der gegenseitigen Bruderliebe verkünden;

schließlich die verschiedenen Männer- und Frauenvereine, besonders die eucharistischen, die eine innigere Verehrung des heiligen Sakramentes bezwecken durch häufigere und feierliche Huldigungen, durch prunkvolle örtliche Prozessionen sowie durch Veranstaltung von stark besuchten Kongressen örtlicher, nationaler oder sogar internationaler Art, auf denen fast alle Völker vertreten, alle aber wunderbar miteinander verbunden sind im Glauben, in der Anbetung, im Gebet und im Genuss der himmlischen Güter.

Diesem religiösen Eifer schreiben Wir auch die stärkere Verbreitung des apostolischen Geistes zu, jener Begeisterung, die durch anhaltendes Gebet und vorbildliches Leben, durch Werke der Nächstenliebe und sonstige Hilfsmittel darnach trachtet, dass in den einzelnen, in der Familie und im Staat, die Liebe und Verehrung des göttlichen Herzens gepflegt und das Reich Christi, des Königs, in der ihm gebührenden Weise wiederhergestellt werden.

Dasselbe Ziel verficht „Der gute Kampf“, der um Altar und Familie entbrannt ist und nach vielen Fronten geführt werden muss für die Rechte der religiösen und häuslichen Gemeinschaft, des göttlichen und natürlichen Rechtes der Kirche und Familie auf die Erziehung der Kinder. Und nichts anderes bezwecken schließlich alle jene Einrichtungen, Bestrebungen und Betätigungen, deren Gesamtheit Wir mit dem Namen „Katholische Aktion“ bezeichnen, die Uns besonders ans Herz gewachsen ist.

Alle diese Werke und andere ähnliche in großer Zahl — deren Aufzählung zu weit führen würde – müssen nicht nur fest erhalten, sondern mit immer neuem Eifer gefördert, der Zeit und den Menschen angepasst und dementsprechend erweitert und ergänzt werden. Mag dies den Bischöfen und Gläubigen auch schwer und mühsam erscheinen, es ist unbedingt notwendig und gehört zu den ersten Pflichten eines geweihten Hirten und des christlichen Lebens. Daraus ergibt sich mit einer Klarheit, die keines Hinweises mehr bedarf, wie fest alle diese Werke miteinander verflochten find zu jenem ersehnten Werk der Erneuerung des Reiches Christi und der Wiederherstellung des christlichen Friedens, der nur diesem Reich eigen ist: „Christi Friede im Reiche Christi.“

2. Die Weltpriester durch Eifer im Beruf, sittenreines Leben und Gehorsam.

43. Die Euch unterstellten Priester, Ehrwürdige Brüder, lasset wissen, dass Wir vor kurzem noch in ihren Reihen standen und als ihr Mitarbeiter Zeuge ihrer rastlosen Mühe um die Herde Christi waren; sagt ihnen, wie sehr Wir von jeher ihre Hochherzigkeit schätzen in der Erfüllung mühevoller Pflichten und ihren regen Eifer bei der Entdeckung neuer Wege, um den Schwierigkeiten zu begegnen, welche die veränderte Zeitlage mit sich bringt. Wir sind ihnen um so mehr verbunden und in väterlichem Wohlwollen zugetan, je freudiger sie ihren Bischöfen, ihren Führern und Lehrern, durch ein heiligmäßiges Leben und lauteren Gehorsam ergeben sind, wie Christus selbst, unserm Herrn.

3. Die Ordensleute durch ihr heroisches Beispiel.

44. Welche Hoffnung Wir aber bei der Verwirklichung Unserer Vorsätze und Pläne auf den Ordensklerus setzen, brauchen Wir nicht weiter auszuführen. Ihr kennt ja nur zu gut dessen Verdienste um die Verherrlichung des Reiches Christi und um seine Verbreitung nach außen. Sind doch die Ordensleute wie Glieder geistlicher Familien, die nicht nur die Gebote Christi, sondern auch die evangelischen Räte befolgen, sei es in der beschaulichen Stille des Klosters, sei es in öffentlicher Wirksamkeit.

Sie verwirklichen durch ihr Leben das Ideal der christlichen Vollkommenheit, widmen sich uneingeschränkt dem Gemeinwohl und entsagen jedem irdischen Besitz und seinem Genuss, um in desto reicherem Maße der geistlichen Güter teilhaftig zu werden. Durch dieses Beispiel, das immerfort sichtbar ist, erwecken sie die Gläubigen zum Streben nach dem Höheren, und das mit umso größerem Erfolg, als sie in hervorragender Weise christliche Wohltätigkeit üben und in allen geistlichen und leiblichen Nöten ihre Hilfe spenden.

Und wie die Kirchengeschichte bezeugt, haben sie nicht selten, von der Liebe zu Gott gedrängt, bei der Verkündigung des Evangeliums ihr Leben für das Heil der Seelen geopfert, durch ihren Tod das Reich Christi weiter verbreitet und die Einigung im Glauben und die christliche Bruderliebe gefördert.

4. Die Laien durch Verbreitung der Kenntnis und Liebe Christi in Unterordnung unter ihre Bischöfe und Priester.

45. Den gläubigen Laien sodann schärft ein, sie möchten unter Eurer und des Klerus Leitung eifrig mitwirken bei der Verbreitung der Kenntnis und der Liebe Christi, im privaten und öffentlichen Leben, und sich so der ehrenvollen Bezeichnung würdig machen: „auserwähltes Geschlecht, königliches Priestertum, heiliges, zu eigen erworbenes Volk“ (1. Petr. 2, 9). Nur so, wenn sie in engster Verbindung mit Uns und mit Christus mit regem Eifer das Reich Christi verbreiten und erneuern, werden sie hohes Verdienst um die Wiederherstellung des allgemeinen Friedens sich erwerben.

Denn im Reiche Christi ist eine gewisse Gleichheit der Rechte lebendig wirksam, da ja alle durch denselben Adel ausgezeichnet und mit dem kostbaren Blut Christi geschmückt sind; die aber den anderen übergeordnet erscheinen, werden nach dem Beispiel unseres Herrn Christus mit Recht die Verwalter der gemeinsamen Güter genannt und sind es in der Tat und folglich Diener aller Diener Gottes, vor allem der Schwachen und Ärmsten.

VI. Die Gefahren bei der Durchführung des Friedenswertes.

1. Der Krieg und die soziale Umwälzung haben auch die Besten gefährdet.

46. Es ist aber zu bedenken, dass die sozialen Veränderungen, welche diese Art der Mithilfe im göttlichen Heilswerk notwendig und dringlicher machten, für Unerfahrene auch neue schwere Gefahren in großer Zahl mit sich führten. Kaum war der schreckliche Krieg vorüber, da wurden die Staaten durch Parteien zerrüttet, Verstand und Herzen der Menschen durch zügellose Leidenschaften und verkehrte Anschauungen derart verwirrt, dass die Gefahr besteht, es möchten gerade die Besten unter den Laien und Geistlichen verlockt durch den trügerischen Schein des Guten und Wahren von den traurigen Irrtümern angesteckt werden.

2. Viele bekennen die katholische Lehre, aber wirklichen sie nicht.

47. Viele zwar bekennen sich zu den katholischen Lehren über die staatliche Autorität und die Gehorsamspflicht der Staatsbürger, über Eigentumsrecht, Rechte und Pflichten der Land- und Industriearbeiter, über die Beziehungen der Staaten untereinander, das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, über das Verhältnis von Kirche und Staat, über die Rechte des Hl. Stuhls und des Papstes, über die Privilegien der Bischöfe, und schließlich über die Rechte Christi selbst, des Schöpfers, Erlösers und Herrn, auf den Einzelmenschen und alle Völker. Aber wie verschieden ist das Bekenntnis dieser Leute von ihren Reden, Schriften und ihrer ganzen Lebensweise!

3. Die Missachtung der päpstlichen Lehren und Weisungen ist Modernismus.

48. Tun sie doch so, als ob die wiederholten Lehren und Vorschriften der Päpste, namentlich Leos XII., Pius X. und Benedikt XV. Ihre ursprüngliche Kraft verloren hätten oder gänzlich veraltet wären. Wir erblicken in diesem Verhalten eine Art Modernismus auf dem Gebiet der Sitten-, Rechts- und Gesellschaftslehre, den Wir, wie den dogmatischen Modernismus, aufs Schärfste verurteilen.

4. Die Glaubenskraft, besonders in der Jugend, muss geweckt und
gesteigert werden.

49. Jene oben angeführten Lehren und Weisungen müssen daher wieder in Erinnerung gebracht werden. Es muss bei allen Gläubigen jene Glaubenskraft und göttliche Liebesglut geweckt werden, die allein das volle Verständnis für jene Lehren und die Befolgung jener Vorschriften verbürgen. Wir wollen, dass dies vor allem bei der christlichen Erziehung der Jugend geschieht, insbesondere jener Jugend, welche Uns durch die Hoffnung auf geistlichen Nachwuchs beglückt, damit sie nicht in diesem gewaltigen Umsturz und in der allgemeinen Geistesverwirrung „von jedem Windhauch einer Lehre hin- und hergetrieben werde durch die Schlechtigkeit der Menschen und durch die Kunstgriffe der Verführung zum Irrtum“ (Eph. 4, 14).

VII. Hoffnungen und Wünsche im Hinblick auf den Frieden.

1. Beten wir um die Einigung aller im Glauben und in der einen Kirche.

50. Von der hohen Burgwarte des Apostolischen Stuhles fällt Unser Blick, Ehrwürdige Brüder, auch auf die allzu vielen, die Christus entweder überhaupt nicht kennen oder die Wahrheit seiner Lehre nicht in ihrem ganzen Umfang annehmen oder die von ihm angeordnete Einheit der Kirche verwerfen; alle diese zählen noch nicht zur Herde Christi, für die sie doch nach dem Willen Gottes bestimmt sind.

Im Hinblick auf diese drängt es den Stellvertreter des ewigen Hirten, von demselben liebenden Eifer beseelt, sich auch dessen so kurzes, aber so liebe- und erbarmungsvolles Wort zu eigen zu machen: „Auch jene muss ich herbeiführen“ und freudigen Herzens der Weissagung Christi sich zu erinnern: „Und sie werden auf meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein“ (Joh. 10, 16). Gebe Gott, – so beten wir inständig mit Euch, Ehrwürdige Brüder, und mit allen Gläubigen — dass Wir doch bald diese tröstliche und sichere Verheißung des göttlichen Herzens sich voll und ganz verwirklichen sehen!

2. Die freundschaftlichen Beziehungen fast aller Staaten zu dem HI. Stuhl sind ein glückliches Vorzeichen. Dabei ist zu beachten:

51. Als glückliches Vorzeichen dieser religiösen Einigung erscheint Uns jene Euch wohlbekannte und bemerkenswerte Tatsache, die erst in jüngster Zeit sich zugetragen hat, die allen unerwartet, manchen vielleicht auch unangenehm war, von Uns aber und Euch sicherlich freudig begrüßt wurde: die Tatsache nämlich, dass die meisten Fürsten und Lenker fast aller Staaten, wie von einem Friedensverlangen beseelt, gleichsam wetteiferten, um mit dem Hl. Stuhl die alte Freundschaft entweder anzuknüpfen oder zum ersten Mal vertragliche Übereinkommen mit ihm zu treffen.

Wir haben Uns mit Recht darüber gefreut, weil damit das Ansehen der Kirche erhöht und ihre wohltätige Wirksamkeit in das glänzendste Licht gerückt wird, weil damit allen die wunderbare Kraft dieser einen Kirche Gottes fühlbar wird, die sie befähigt, der menschlichen Gesellschaft jegliches Glück, auch im staatlichen und irdischen Leben, zu verschaffen.

a) Die Kirche fördert mit dem ewigen auch das zeitliche Wohl der einzelnen und der Gesellschaft.

52. Gewiss hat sie, laut göttlichen Auftrages, unmittelbar nur die geistlichen und unvergänglichen Güter im Auge; aber, da alle Güter in engstem Zusammenhang miteinander stehen, so fördert sie auch die irdische Wohlfahrt der einzelnen und der Gesellschaft, und zwar so, dass sie nicht mehr dazu tun könnte, wenn sie eigens zu diesem Zweck gestiftet worden wäre.

b) Sie mischt sich nicht in die Politik, verteidigt aber die Rechte Gottes.

53. Die Kirche hält sich zwar nicht für berechtigt zu grundloser Einmischung in diese irdischen und rein politischen Ungelegenheiten, aber es steht ihr anderseits das Recht zu, gegen Übergriffe der staatlichen Gewalt einzuschreiten, wenn diese etwa jene höheren Güter, welche das Seelenheil der Menschen bedingen, beeinträchtigen, wenn sie durch ungerechte Gesetze und Verordnungen Schaden und Verderben anzurichten droht, wenn sie die göttliche Verfassung der Kirche erschüttert oder endlich die heiligen Rechte Gottes in der Gesellschaft mit Füßen tritt.

c) Sie schließt keinen Vertrag, der ihre Würde und Freiheit verletzt.

54. Deshalb bekennen Wir und bekräftigen Wir feierlich, im völligen Einklang mit dem Programm Unseres hochseligen Vorgängers Benedikt XV., dessen Wir schon mehrmals gedachten, mit denselben Worten, die er bei seiner letzten Allokution am 21. November vergangenen Jahres feierlich ausgesprochen bat, als er die gegenseitigen Beziehungen zwischen Kirche und Staat klarstellte: „Niemals werden Wir im geringsten zulassen, dass in derartige Verträge eine Bestimmung sich einschleicht, die der Würde und Freiheit der Kirche zuwider ist; denn gerade heute ist es für das Gedeihen der menschlichen Gesellschaft selbst von größter Bedeutung, dass die Kirche in ihrer Wirksamkeit ungeschwächt und gesichert bleibt.“

3. Italien hat sich bisher leider noch nicht mit dem HI. Stuhl verständigt. Dazu ist zu sagen:

a) Die Kirche muss rechtlich und tatsächlich unabhängig sein und erscheinen.

55. Wir brauchen daher nicht erst ausdrücklich zu sagen, wie sehr es Uns schmerzt, dass unter den vielen Nationen, welche mit dem Apostolischen Stuhl durch freundschaftliche Beziehungen verbunden sind, gerade Italien fehlt. Italien, Unser heiß geliebtes Vaterland, das Gott selbst, dessen Vorsehung Lauf und Ordnung aller Dinge und Zeiten lenkt, auserwählt hat, um in seiner Mitte den Sitz seines Stellvertreters auf Erden zu errichten, und das ehrwürdige Rom, einst der Mittelpunkt eines ungeheuren, aber doch begrenzten Reiches, zur Hauptstadt der ganzen Welt zu erhöhen.

Und in der Tat umfasst ja Rom als Sitz einer göttlichen Herrschaft, die ihrer Natur nach die Rassen und Völkerschaften gezogenen Grenzen überschreitet, alle Völker und Nationen. Der Ursprung und der göttliche Charakter dieser Herrschaft sowohl wie das unverletzliche Recht der Gesamtheit aller auf dem Erdkreis wohnenden Christgläubigen verlangen aber, dass diese geheiligte Herrschaft keiner weltlichen Macht und keinen menschlichen Gesetzen, auch nicht dem Scheine nach, unterworfen sei, selbst wenn diese die Freiheit des Römischen Bischofs zu schützen und verbürgen versprächen; vielmehr muss er in seinem Recht und seiner Herrschgewalt vollständig unabhängig sein und nach außen hin erscheinen.

b) Das bisherige Verhältnis zu Italien ist unerträglich.

56. Die göttliche Vorsehung, die Lenkerin und Richterin der menschlichen Schicksale, hatte zwar früher durch solche Bürgschaften für die Freiheit das Ansehen des Römischen Bischofs befestigt, nicht zum Schaden, sondern sehr zum Vorteil Italiens; jahrhundertelang hatten sie, der göttlichen Absicht gemäß, die Freiheit des Hl. Stuhles gesichert, und bis heute hat weder die göttliche Vorsehung noch menschliche Klugheit einen vollwertigen Ersatz für jene Garantien angegeben, nachdem feindliche Gewalt sie mit Füßen getreten hat. Bis zur Stunde sind sie noch verletzt und haben den Römischen Papst in jene unerträgliche Lage versetzt, die alle Gläubigen der ganzen Welt mit beständiger und tiefer Trauer erfüllt.

c) Darum erneuert der Papst, frei von jedem Streben nach weltlicher Herrschaft, die Proteste seiner Vorgänger.

57. Wir, die Erben der Gedanken und Pflichten Unserer Vorgänger und gestützt auf dieselbe Autorität, die allein über eine so wichtige Sache zu entscheiden hat, wissen Uns frei von jeder eitlen Sucht nach menschlicher Herrschaft und würden Uns geradezu schämen, einer solchen Lockung leichtfertig nachzugeben, indem Wir Unser Ende bedenken und die strenge Rechenschaft, die Wir vor dem göttlichen Richter abzulegen haben. Darum erneuern Wir an dieser Stelle, im Bewusstsein Unserer heiligen Verpflichtung, die Einsprüche, welche Unsere Vorgänger zur Verteidigung der Rechte und der Würde des Apostolischen Stuhles erhoben haben.

d) Des Papstes Gedanken sind nur auf den Frieden gerichtet.

58. Im Übrigen wird Italien niemals einen Schaden vom Apostolischen Stuhl zu befürchten haben; es gibt keinen Römischen Papst und wird keinen geben, der nicht aus ganzer Seele jenes Wort des Propheten sich zu eigen machte: „Ich hege Gedanken des Friedens, nicht der Trübsal“ (Jer. 29, 11). Des Friedens sagen Wir, des wahren Friedens, der ohne die Gerechtigkeit nicht denkbar ist, so dass mit Recht hinzugefügt werden kann: „Die Gerechtigkeit und der Friede küssen sich“ (Ps. 84, 11).

Bei Gott aber, dem Allmächtigen und Barmherzigen, steht es, endlich diesen freudevollen Tag über uns leuchten zu lassen, überreich an Segen aller Art durch die Wiederherstellung des Reiches Christi und die Beruhigung Italiens und der ganzen Welt. Zu diesem guten Gelingen mögen alle Gutgesinnten eifrig mitwirken.

VIII. Schluss

Alle Gläubigen mögen um die Wiederherstellung des Friedens beten.

59. Damit diese lieblichen Gaben des Friedens recht bald den Menschen zuteil werden, ermahnen Wir inständig alle Gläubigen, mit Uns in frommem Gebet auszuharren, besonders während dieser Festtage der Geburt Christi, des Herrn und Friedenskönigs, bei dessen Eintritt in die Welt die himmlischen Heerscharen zum ersten Mal den Lobgesang anstimmten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind“ (Lk. 2, 14).

Ein Unterpfand dieses Friedens, Ehrwürdige Brüder, soll Euch Unser Apostolische Segen sein; möge er jedem einzelnen Gläubigen, Klerus und Volk, den Staaten und christlichen Familien ein Bote jeglichen Glückes sein; möge er den Lebenden Wohlfahrt, den Verstorbenen die ewige Ruhe und Seligkeit bringen! Diesen Segen erteilen wir zum Beweis Unseres Wohlwollens Euch, dem Klerus und Volk aus liebendem Herzen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 23. Dezember 1922, im ersten Jahre Unseres Pontifikates.

Papst Pius XI.

aus: Carl Ulitzka, Lumen de caelo, Praktische Ausgabe der wichtigsten Rundschreiben Leo XIII. und Pius XI., 1934, S. 296 – S. 299

Die gesamte Enzyklika findet sich auf weltgeschehen.info:

  • Enzyklika ‚Ubi arcano‘ Der Friede Christi im Reich Christi

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Bildquellen

  • Papst Pius XI: © https://katholischglauben.info
  • Bitschnau Paepstliche Insignien: © https://katholischglauben.info

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