Alfons von Liguori Gewissheit des Todes

Alfons von Liguori Gewissheit des Todes: Der Priester auf dem weg, einen Sterbenden zu versehen

Alfons von Liguori Gewissheit des Todes

Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten

„Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben.“ (Hebr. 9, 27)

Der Tod ist gewiss. Aber, o Gott! Die Christen wissen und glauben dies, ja sehen es mit eigenen Augen, und dennoch leben so viele dahin, ohne auch nur an den Tod zu denken, als ob sie niemals sterben müssten. Wenn es nach diesem Leben weder eine Hölle noch ein Paradies gäbe, könnten sie wohl weniger daran denken, als sie es jetzt tun? Deshalb führen sie auch einen so schlechten Lebenswandel.

O mein Christ, wenn du gut leben willst, so sei darauf bedacht, die noch übrigen Tage deines Lebens im Angesicht des Todes zuzubringen. O Tod! Gut ist dein Urteilsspruch. (Ekkl. 41,3) O wie richtig beurteilt derjenige die Dinge, wie weise richtet derjenige seine Handlungen ein, der sie im Angesicht des Todes beurteilt und ordnet!

Der Gedanke an den Tod macht, dass man die Anhänglichkeit an die Dinge dieser Welt verliert. „Man betrachte das Ende seines Lebens“, sagt der heilige Laurentius Justiniani „und man wird in dieser Welt nichts finden, was man lieben möchte.“ Alles, was in der Welt ist, das ist Begierlichkeit des Fleisches, Begierlichkeit der Augen und Hoffart des Lebens (1.Joh. 2,16). Alle Güter dieser Welt lassen sich auf sinnliche Freuden, auf Geld und Ehre zurückführen; aber das alles verachtet derjenige, welcher bedenkt, dass er nach Kurzem zu Staub werden und dass man ihn unter die Erde begraben wird, den Würmern zur Speise.

Weil die Heiligen immer den Tod vor Augen hatten, so haben sie alle Güter dieser Welt verachtet. Der heilige Karl Borromäus hatte auf seinem Schreibtisch einen Totenkopf, um denselben beständig zu betrachten. Der Kardinal Baronius trug auf seinem Ring die Worte eingeschrieben: Memento mori, denke an den Tod! Der ehrwürdige Juvenal Ancina, Bischof von Saluzzo, hatte auf einen Totenkopf die Worte geschrieben: „ Wie du bist, war auch ich, und wie ich bin, wirst auch du einst sein.“ Als man einen heiligen Einsiedler bei seinem Tode fragte, warum er so fröhlich sei, antwortete er: „Ich habe mir oft den Tod vor Augen gehalten, und deshalb sehe ich jetzt, da er gekommen ist, nichts Neues.“

Welche Torheit wäre es nicht, wenn ein Reisender nur darauf dächte, sich in einem fremden Land, welches er bloß durchreist, großes Ansehen zu erwerben, sich aber nicht darum kümmert, dass er dafür in dem Land, wo er sein ganzes Leben zubringen muss, elend sein werde! Ist es aber nicht eine weit größere Torheit, nur darauf bedacht zu sein, in dieser Welt ein glückliches Leben zu führen, wo man nur wenige Tage bleibt, und sich dadurch der Gefahr auszusetzen, in der andern Welt, wo man ewig bleibt, unglückselig zu werden. Wer fremdes Gut entlehnt hat, hat keine große Anhänglichkeit daran, weil er immer daran denkt, dass er es nach Kurzem wieder zurückgeben muss.

Aber alle Güter dieser Welt sind uns nur geliehen, und es wäre eine Torheit, wenn wir unser Herz daran hängen wollten, da wir doch so bald dieselben verlassen müssen. Der Tod wird uns aller Dinge berauben. Alles, was wir in dieser Welt erworben, alles irdische Glück endet mit dem letzten Öffnen des Mundes, worauf das Leichenbegängnis und das Begräbnis folgt. Das von dir erbaute Haus wirst du nach Kurzem einem andern überlassen müssen; das Grab wird bis zum Tage des Gerichts die Wohnstätte deines Leibes sein, von wo aus derselbe entweder in den Himmel oder in die Hölle eingeht, wohin ihm die Seele schon vorangegangen ist. –

aus: Alphons Maria von Liguori, Vorbereitung zum Tode oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten, 1891, S. 35 – S. 36

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