Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Eudisten

Eudes, Jean, hl. (1909 selig-, 1925 heiliggesprochen), einer der großen Erneuerer des religiösen Lebens Frankreichs im 17. Jahrhundert, „auctor, doctor et apostolus cultus liturgici Sacr. Cordis Jesu“ (Pius X.), * 14.11.1601 zu Ri bei Argetan, † 19.8.1680 zu Caen; trat 1623 in Paris bei den Oratorianern ein, wurde 1625 Priester, 1639 Superior des Oratoriums in Caen. Von einem Stab Helfern begleitet, hielt er seit 1632 bis zum Tode mehr als 110 Volksmissionen, besonders in der Normandie, die gewöhnlich 1 ½ und mehr Monate dauerten und infolge der Redegabe und des fast übermenschlichen Eifers des Heiligen gewaltigen Zustrom und Erfolg hatten.

1641 gründete er die Religieuses des Notre Dame de la Charité du Refuge, von denen sich 1835 die Kongregation vom Guten Hirten abzweigte. 1643 trat er aus dem Oratorium aus, weil es damals nur Kollegien, keine Seminarien hatte, und stiftete sein Hauptwerk, eine Weltpriester-Kongregation, der er bis 26.6.1680 selbst vorstand, gegen heftige Anfeindungen den Bestand sicherte und Priesterseminarien errichtete.

Durch seine Missionen, Ordensstiftungen, Bruderschaften und Schriften machte er (vor Margaretha Alacoque) den bis dahin ganz vereinzelten und nur privaten Kult der Herzen Jesu und Mariä öffentlich, begründete ihn mit großer Sicherheit theologisch und führte ihn als erster in die Liturgie ein. Einfach, demütig, und von einer gewissen Herbheit („un rude saint“), beharrte Eudes gleichmäßig im Tugendwandel bei allen Wechselfällen, im zähen Verfolgen seiner Ziele und in unerschütterlicher Geduld gegenüber den schonungslosen Verfolgungen durch die Jansenisten.

Nach ihrem Stifter nennen sich die Eudisten, eigentlich Congrégation de Jésus et Marie (abgekürzt C.J.M.), gegründet 25.3.1643 zu Caen ursprünglich mit dem Doppelzweck: Einrichtung bzw. Leitung von tridentinischen Priesterseminarien und Volksmission. Ihre Regel von 1645 bzw. 1654, bestätigt durch Klemens X. 1674, kennt statt der Gelübde nur das Gelöbnis des Gehorsams gegen den Obern, als Tracht die gewöhnliche Klerikalkleidung (für die Brüder am Sonn- und Festtag Soutanelle), freie persönliche Verfügung über Erbe und Einkünfte, Lebenslänglichkeit des General-Superiors und den Oratorianern nachgebildete Verwaltung.

Die Kongregation verbreitete sich besonders in der Normandie und Bretagne, besaß im 18. Jahrhundert 17 Seminarien und in Paris ein Studienhaus und machte sich hoch verdient um die Innere Mission, Bekämpfung des Jansenismus und Förderung der Andacht zu den heiligsten Herzen Jesu und Mariä. Sie fiel der Revolution zum Opfer; der Superior Francois Hébert des Pariser Hauses, Beichtvater Ludwigs XVI., und 2 Ordensgenossen wurden 2.9.1792 erschossen (Seligsprechungsprozess eingeleitet). 1826 aber erstand sie durch Toussaint Blanchard in Rennes wieder (1857 päpstlich approbiert).

1883 und 1905 aus Frankreich vertrieben, übernahm sie hauptsächlich in Nord- und Mittelamerika Seminarien, Kollegien und Missionen, namentlich die Leitung des Apostolischen Vikariats St. Lorenzgolf. Auch in Frankreich fasste sie wieder Fuß. General-Haus seit 1894 in Rom. Angegliedert ist als Art III. Orden die Société du Coeur de la Mère admirable, mit Zölibat, 1jährigem Postulat, Verpflichtung zu Werken der Barmherzigkeit, vereinfachtem Ordensgewand unter der gewöhnlichen Kleidung. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. III, 1931, Sp. 836 – Sp. 837

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