A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Annunziaten

Annunziaten, Orden von der Verkündigung Mariä:

1. Französische Annunziatinnen, von der hl. Johanna von Valois, der verstoßenen Gemahlin Ludwigs XII. v. Frankreich, aus ihrem Abfindungsgut in Bourges als beschaulichen Büßerinnen-Orden 1501 gegründet und von Alexander VI. bestätigt; nach ihrem Skapulier auch Rote Annunziatinnen genannt, während sie ursprünglich Orden von Mariä Verkündigung oder von den 10 Tugenden U. L. Frau hießen; gingen in Frankreich (wo 1771 53 Klöster bestanden) 1792 durch den Revolutionssturm, in Deutschland durch die Säkularisation unter. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, S. 462

Johanna, die tugendreiche, aber körperlich nicht wohl gestaltete Tochter Ludwigs XI. von Frankreich, geb. 1463, wurde 1480 mit dem Herzog von Orleans, der als König Ludwig XII. 1498 seinem Schwager Karl VIII. folgte, vermählt. Ludwig klagte sogleich nach der Thronbesteigung auf Scheidung wegen vis, affinitas, cognatio, impotentia, und ein päpstliches Urteil vom 17. Dezember 1498 sprach dieselbe aus. Johanna begab sich nach Bourges, in der Absicht, einen Orden zu Ehren der Verkündigung Maria`s zu gründen, aber der Widerstand zuerst des Beichtvaters P. Gilbert Nicolai, O. Min., dann der Kardinäle, verzögerte die Ausführung, bis endlich Alexander VI. am 14. Februar 1501 die Approbation erteilte. Am 8. Oktober 1502 erhielten die ersten fünf Novizen den Schleier, und am Pfingstfest 4. Juni 1503 legte Johanna die Gelübde ab; bald darauf starb sie (4. Februar 1505) im Rufe der Heiligkeit. Die Regeln, welche sie unter dem Titel „Die zehn Tugenden der seligen Jungfrau“ verfaßte, enthalten folgende zehn Kapitel: die Keuschheit, Klugheit, Demut, der Glaube, Frömmigkeit, das Mitleiden der seligen Jungfrau. Sieben Punkte verpflichten unter schwerer Sünde: Keuschheit, Armut, Gehorsam, Klausur, die Tagzeiten, die Fasten nach der Regel und das Tragen des Ordenskleides. Diese Regeln wurden von dem früheren Beichtvater der Stifterin, die von Alexander VI. den Namen Gabriele Maria erhalten hatte, überarbeitet, in lichtvollere Ordnung gebracht und von Leo X. 6. Juli 1517 bestätigt. Die Hugenotten schändeten 1562 das Grab Johanna`s, verbrannten ihre Überreste und zerstreuten die Asche. Seit 1617 wurde ihre Seligsprechung unter Urban VIII. und 1664 unter Alexander VII. betrieben, aber erst Benedikt XIV. bestätigte 18. Juni 1742 ihren Kult, und Pius VI. erklärte 1775 ihre Tugenden für heroisch. Der Orden breitete sich in Frankreich, Flandern und Lothringen aus und besaß vierzig Klöster. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 1, 1882, Sp. 873 – Sp. 874

2. Italienische Annunziatinnen, nach der Farbe ihres Mantels Himmelblaue (celestine) oder Veilchenblaue (turchine) Annunziatinnen genannt, von der seligen Vittoria Fornari in Genua 1604 gegründet und im selben Jahr päpstlich bestätigt; leben nach der Augustiner-Regel, haben sehr strenge Klausur und äußerste Einschränkung des Sprechens selbst mit den nächsten Verwandten; sind zum Unterhalt des Klosters zu Handarbeit, besonders für arme Kirchen, verpflichtet; hatten Niederlassungen in Italien, Frankreich, Deutschland und Dänemark.

3. Lombardische Annunziatinnen, auch als Nonnen vom hl. Ambrosius und von der hl. Marcellina bezeichnet, 1408 zu Pavia gegründet, nahmen 1431 die Augustiner-Regel an, 1439 endgültig bestätigt, unterstanden einer Generalpriorin in Pavia, seit Pius V. den Diözesan-Bischöfen. Dem Orden gehörte die hl. Katharina von Genua an.

4. Belgische Annunziatinnen, für Krankendienst und hauptsächlich für verschiedene Arten von Unterricht, das 1. Kloster zu Velthem 1833 gegründet, davon seitdem abgezweigt die Mutterhäuser Huldenberg, Berchem bei Antwerpen, Everberg, Furnes, Lechenois-sous-Waterloo und Reninghe…

Es gibt noch weitere Annunziaten:

a) ein Ritterorden in Savoyen, Sardinien, Italien
c) eine Bruderschaft, später Erzbruderschaft der Verkündigung Mariä, 1460 vom Kardinal Turrecremata in Rom gestiftet –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, S. 462 – S. 463

Buch mit Kruzifix
Migazzi
Buch mit Kruzifix
Sibyllen

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Desiderius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Desiderius Desiderius, letzter Langobarden-König 757 bis 774, wiederholt in Spannung mit den Päpsten, weil er gegen sein Versprechen Städte im Westen von Ravenna und im Süden der Pentapolis nicht an den neuen Kirchenstaat herausgeben…
Buch mit Kruzifix

Menelaus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Menelaus Menelaus, verdrängte durch Bestechung des Antiochus IV. Epiphanes den Hohenpriester Jason, war nach 2. Makk. 4, 23 Bruder des Tempelbeamten Simon, gehörte also der Priesterfamilie Balgea an (ebd. 3, 4; so ist statt…
Buch mit Kruzifix

Sodoma

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sodoma Sodoma, Hauptort der 5 Städte (Pentapolis) im Siddim-Tal, Wohnort des Lot (Gn. 13,12), wurde wegen widernatürlicher Unzucht („sodomitische“ Sünde, Sodomie; vgl. Gn. 19,4-9) zugleich mit Gomorrha, Adama und Seboim von Gott „umgekehrt“ und…
Buch mit Kruzifix

Moloch

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moloch Moloch (= Schande) statt Melek (=König) in hebräischer, oder Malk, Milk in phönizischer Aussprache), semitische Gottheit, die dem kanaanitischen Baal, dem ammonitischen Milkom und dem moabitischen Chamos entspricht. Ihr wurden Menschenopfer (besonders Kinder)…
Buch mit Kruzifix

Attikus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Attikus Attikus, Patriarch von Konstantinopel, * zu Sebaste in Armenien, † 10.10.425; im Macedonianismus aufgewachsen, kehrte in Konstantinopel zur Orthodoxie zurück, wurde Presbyter und, weil gebildet und gewandt, nach dem Tode des für Chrysostomus…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Semiten

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Semiten Semiten, die große Familie der Völker, die nach Gn. 10, 22ff von Sem abstammen und ursprünglich dieselbe Sprache redeten wie die zu Sems Nachkommen zählenden Hebräer. Nach Gn. 11, 2 kamen sie aus dem Osten nach Babylonien und bevölkerten den Südwesten Asiens. In Babylonien übernahmen sie den von…
Buch mit Kruzifix

Menander

Gnostiker
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Menander Menander (Menandros), gnostischer Sektenstifter, *zu Kapparetäa in Samarien, Schüler Simons des Magiers, von dem er jedoch in der Auffassung von der Erlösung (Unsterblichmachung durch die ihm eigene Taufe) und in der Ablehnung des Libertinismus abwich. Er wirkte in Antiochia; seine kleine Sekte erhielt sich bis ins 6. Jahrhundert.…
Buch mit Kruzifix

Güntherianismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Güntherianismus Güntherianismus, Günthers System unterscheidet sich von der Kirchenlehre (vgl. Denzinger 1655ff, 1801ff (dazu CollLac VII 86a) und 1816ff (CollLAc VII 88a)) besonders in 3 Punkten: a) Günther wollte durch eine neue Philosophie den modernen Pantheismus überwinden, was die auf die griechische Spekulation begründete (nach Günther „semipantheistische“) Philosophie der…
Buch mit Kruzifix

Abendmahlsstreit

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abendmahlsstreit Abendmahlsstreit, betraf die Art und Weise der Gegenwart und Vergegenwärtigung des Leibes und Blutes Christi in der Eucharistie. I. Erster Abendmahlsstreit. Bei dem im 9. Jahrhundert entstandenen sog. 1. Abendmahlsstreit zwischen Paschasius Radbertus einerseits und Rathramnus, Hrabanus Maurus sowie dem anonymen Verfasser des Traktats Cuiusdam sapientis (Migne PL…
Buch mit Kruzifix

Hunolt, Franz

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hunolt Hunolt, Franz, SJ (seit 1709), Homilet, * 31.3.1691 zu Siegen, † 12. 9. 1746 zu Trier, hier 1724 bis 1743 Domprediger. Verfasste Sittenpredigten in volkstümlicher Sprache, mit treffenden Vergleichen, Sprichwörtern, anschaulicher, dem Leben entnommener Schilderung, geschickter Verwertung der Schrifttexte und reichhaltigem Stoff. Dogmatische Predigten und Lobreden lagen ihm…
Buch mit Kruzifix

Diener Mariens

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Diener Mariens – der Servitenorden Diener Mariens oder Serviten (offiziell Ordo Servorum B.M.V.), religiöser Orden, dessen Gründung nach den Worten Leo`s XIII. in der Heiligsprechungs-Bulle der sieben heiligen Väter und nach früheren Erklärungen Roms der seligsten Jungfrau selbst zugeschrieben werden muss, entstand zu Florenz im Jahre 1240. Sieben vornehme…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner