A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Kanaaniter

Kanaaniter, in der heiligen Schrift

I. Name einer Völkerschaft, welche von Kanaan abstammte. Dieselbe umfasste elf Stämme. 1. Sidonier, 2. Hethiter, 2. Jebusiter, 4. Amorrhäer, 5. Gergesiter, 6. Heviter 7. Araciter, 8. Siniter, 9. Aradier, 10. Samaräer, 11. Amathiter, unter welchen die beiden ersten nach den Stammvätern Sidon und Heth, die übrigen aber nach appellativen Bezeichnungen ihren Namen zu tragen scheinen (Gen. 10, 15-18)…

Unter den angeführten Stämmen war der zahlreichste und wichtigste der amoritische, so dass die Amorrhäer auch statt der Gesamtheit aller Stämme genannt werden. Kleinere Stämme zweigten sich allmählich ab oder entstanden durch Vermischung der vorhandenen. Daher werden neben den angeführten auch noch Kanaaniter im engeren Sinne und Phereziter genannt; erstere wohnten am mittelländischen Meere und in der Jordansau (Num. 13, 30; Jos. 11, 3)

Die Kanaaniter waren nicht lange vor Abraham in Kanaan, wie in Galaad, eingewandert (Gen. 12, 6: „damals waren die Kanaaniter schon im Lande“). Woher sie gekommen, lässt sich aus der heiligen Schrift nicht entnehmen; wohl aber sagt Herodot (1,1; 7,89), die Phönizier seien vom eritreischen Meere hergekommen, und diese nicht ganz bestimmte Örtlichkeit erklärt Strabo (16, 3, 4) als den persischen Meerbusen.

Darf man einer Notiz bei Justinus (Hist. Philipp. 18, 3) Glauben beimessen, so geschah die Einwanderung der Kanaaniter von Südosten her, so dass sie im Binnenland früher, als an der Küste, Fuß fassten. Sie fanden bereits westlich wie östlich vom Jordan eine semitische Bevölkerung vor, welche im AT unter den Namen Cedmoniter, Ceniter, Heväer, Raphaim, Zomzommium, Zuzim, sowie unter der der allgemeineren Bezeichnung Enakim wiederholt als Urbewohner erwähnt werden.

Wenn auch die Ansiedelung der Kanaaniter nicht ohne kriegerischen Widerstand der Urbewohner geschah, so ließen diese doch bald die immer zahlreicher kommenden Einwanderer friedlich neben sich wohnen und verschmolzen mit ihnen in nationaler wie in politischer Hinsicht (Num. 13, 29. 34). Die Folge davon war nach einem oft in der Geschichte beobachteten Gesetz, dass die Kanaaniter statt ihrer bisherigen chamitischen Sprache die semitische Landessprache annahmen.

Die Kanaaniter waren eine hochgebildete, in den Künsten des Krieges, wie des Friedens, reich erfahrene Nation, so dass sie den als Nomaden heranziehenden Israeliten als schreckliche und schwer zu bezwingende Feinde erscheinen mussten (Num. 13, 29ff). Sie hatten zahlreiche befestigte Städte (Deut. 1, 28; 6, 10. 11) mit Mauern und verriegelten Toren (Deut. 3, 5, Jos. 10, 20); ihre Kriegsmacht bestand hauptsächlich in eisernen Kriegswagen mit Rossen (Deut. 20, 1; Jos. 11, 4ff; 17, 16. 18; Richt. 1, 19; 4, 3).

Daneben war aber auch ihr Land so gut abgebaut, dass es „wahrhaft von Milch und Honig floss“ (Num. 13, 28), und dass Moses seinen Landsleuten sagen konnte, sie würden in Kanaan große und schöne Städte, mit allen Gütern angefüllte Häuser, Wasserbrunnen, Ölgärten und Weinberge finden (Deut. 6, 10. 11; Jos. 24, 13). Dass die am Meere und bis zum Libanon hin wohnenden Kanaaniter besonders auch ausgebreiteten Handel trieben, ist aus dem klassischen Altertum bekannt genug; die heilige Schrift bestätigt es 3. Kön. 9, 27. 28; 10, 22 und besonders in der ausführlichen Schilderung Ex. 27, 1ff…

Zur Zeit der israelitischen Eroberung zerfielen die Kanaaniter in eine Menge kleiner selbständiger Staatswesen, deren jedes seinen „König“ hatte. Das Verzeichnis der von Josue unterworfenen Könige (Jos. 12, 9-24) zählt deren 31 auf; der König von Bezec rühmt sich (Richt. 1, 7), 70 solcher Könige gefangen zu haben…

Die Religion der Kanaaniter war ein Naturdienst, welcher sich in der Verehrung des Baal, der Astarte, des Moloch eine Form geschaffen hatte. Der Gottesdienst geschah auf Altären vor Idolen, zum Teil in Tempeln, gewöhnlich aber in Hainen (Ex. 34, 13; Deut. 7, 5; Richt. 6, 28; 4. Kön. 10, 21). Zu demselben gehörte Wahrsagerei und Zauberei. Im Gefolge der Abgötterei standen bei den Kanaanitern die größten Laster: auf der einen Seite die entsetzlichste Unzucht, auf der andern Seite die entsetzlichste Grausamkeit.

Von ersterer hat die heilige Schrift nur teilweise den Schleier gezogen (Gen. 18, 22ff; 19, 4ff) Lev. 18, 3ff; 27; 20, 13; Deut. 20, 18); deutlicher werden diese Gräuel von heidnischen Schriftstellern geschildert (Döllinger, Heidentum und Judentum 396ff). Von der unnatürlichen Grausamkeit in Kanaan zeugen am besten die Opfer von Kindern, welche geschlachtet und der glühend gemachten Statue des Moloch in die Arme gelegt wurden (Lev. 18, 21; 20, 2. 4; Deut. 12,31; 18, 10).

Wegen dieser unnatürlichen Laster sollten die Kanaaniter nach Gottes Ratschluss vertilgt werden; einesteils war dies die schuldige Sühne für Gottes Gerechtigkeit, nachdem Jahrhunderte hindurch die Langmut geübt worden (Gen. 15, 16; Lev. 18, 25; Num. 33, 52; Deut. 7, 25; 9, 3ff), andernteils sollten die Israeliten davor bewahrt bleiben, unter dem Einfluss einer überlegenen Kultur sich an den abgöttischen Gräueln der Landesbewohner zu beteiligen (Ex. 23, 24. 33; 34, 12ff). Der Befehl Gottes war ganz allgemein gefasst; nicht einmal die bewegliche Habe sollte geschont werden (Jos. 6, 17-21).

Indes gingen die Israeliten nur mit Widerwillen in den Vernichtungskrieg (Jos. 16, 10; 18, 3) und führten den Beschluss Gottes auch nur teilweise aus (Richt. 1, 21. 27ff). Teils wagten sie nicht gegen die übermächtigen Völkerschaften anzukämpfen (Richt. 1, 19), teils verstanden sie sich mit den vorgefundenen Bewohnern zu friedlichem nebeneinander Wohnen (Richt. 1, 32; 3, 6. 6). Ein Teil der Kanaaniter zog sich auch in die nordwestlich gelegenen Niederungen der Sidonier und wanderte, als das Land überfüllt war, westwärts zur See nach Afrika aus (Procop. Bell. Vandal. 2, 10).

So ward es möglich, dass die Kanaaniter sich mitten unter den Israeliten noch bis zu späten Zeiten erhielten (1. Sam. 7, 14; 2. Sam. 24, 7; 3. Kön. 9, 20. 21); in der phönizischen Niederung aber blieben die kanaanitischen Staatswesen, obschon auch sie dem Stamm Aser zugeteilt waren, bis zu Christi Zeiten bestehen (Jos. 19, 28; Richt. 1, 31; Matth. 15, 22).

Die Folgen dieser Untreue blieben nicht aus. Schon nicht sehr lange nach Josues Tod mussten die nördlichen Stämme zwanzig Jahre lang das Joch Jabinus II. tragen (Richt. 4, 2); die Jebusiter bildeten in der Veste von Jerusalem eine immer wache Gefahr (Richt. 1, 21; 2. Sam. 5, 6). Größer war der Nachteil, welchen die Kanaaniter den Israeliten durch geistige Einwirkung zu bereiten vermochten.

Der verführerische Götzendienst, der in die Form der höchsten Bildung gekleidet war, erlangte immer von Neuem Gewalt über den leichten Charakter der Hebräer, so dass sie unter Vorgang ihrer Könige den kanaanitischen Gottheiten Statuen, Altäre und Haine errichteten und ihre Kinder dem Moloch darbrachten (Richt. 2, 12. 13. 19; 3, 6; 8, 33; 10, 6; 1. Sam. 7, 3; 12, 10; 3. Kön. 18, 18; 4. Kön. 17, 17; 23, 10; 2. Par. 24, 7; 28, 2; 33, 3; Jer. 9, 14; 19, 5; Ez. 23, 37).

Selbst nach der Heimkehr aus Babylonien waren die Juden noch so wenig in die Absichten Gottes eingegangen, dass sie aus den kanaanitischen Stämmen, welche während ihrer Abwesenheit sich im Lande wieder ausgebreitet hatten, dem Gesetz zuwider ihre Frauen nahmen (1. Esdr. 9, 1. 2).

II. Der Name Kanaaniter hat (…) im AT auch a potiori die Bedeutung von „Kaufmann“ erhalten (Job 40, 25; Spr. 31,24). –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 2, 1883, S. 1790 – Sp. 1794

Siehe auch den Beitrag auf katholischglauben.online:

Tags: Heidentum
Buch mit Kruzifix
Marcus Magus
Buch mit Kruzifix
Abrahamiten

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Judaisten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judaisten Judaisten, eine Richtung bei den Judenchristen der apostolischen Zeit, die an der Heilsnotwendigkeit der Beschneidung und der Befolgung des mosaischen Gesetzes festhielt und diese auch den Heidenchristen aufzwingen wollte (Apg. 15,1). Auch nach…
Buch mit Kruzifix

Aristobul

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Aristobul Aristobul, Hasmonäer. 1) Aristobul I., ältester von den 5 Söhnen des Makkabäers Hyrkanus, mit seinem jüdischen Namen Judas, regierte 104- bis103. Tötete Mutter (?) und Brüder (Antigonus); war der erste Makkabäer, der den…
Buch mit Kruzifix

Hefele

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hefele Hefele, Karl Joseph v., * 15.3.1809 zu Unterkochen (Württ.), † 5.6.1893 zu Rottenburg; studierte in Tübingen, 1833 Priester, 1834 Repetent am Konvikt in Tübingen, 1835 Professorats-Verweser am Gymnasium zu Rottweil, 1836 nach Möhlers…
Buch mit Kruzifix

Hostie

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hostie Hostie, ehedem Bezeichnung (hostia = Opfer) für die ganze Oblation, Brot und Wein (Amalar., De eccl. Off. Praef. Alt.), während das Opferbrot, wie noch in den älteren römischen Ordines, oblatio oder oblata genannt…
Buch mit Kruzifix

Paradies

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Paradies I. Das Paradies im Alten Testament. 1) Das urzeitliche Paradies ist nach Gn. 2, und 3 ein von Gott selber in der Landschaft Eden  (*) gepflanzter Garten mit Zier- und Nutzbäumen, vor allem…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Galerius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Galerius römischer Kaiser und Christenverfolger Galerius, eigentlich Cajus Galerius Valerius Maximianus, römischer Kaiser. Illyrier von niederer Herkunft, tüchtiger Soldat und Heerführer, aber von barbarischen Sitten, fanatischer Heide und Christenfeind. Diokletian machte ihn 1.3.293 zum Cäsar und Mitregenten für den Orient und gab ihm seine Tochter Valeria zur Frau. Galerius…
Buch mit Kruzifix

Nero

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Nero Nero, römischer Kaiser, * 15.12.37 zu Antium, wurde nach der Heirat seiner Mutter Julia Agrippina, einer Enkelin des Kaisers Augustus, mit Kaiser Claudius von diesem 25.2.50 adoptiert und gelangte13.10.54 nach dessen Tod 17jährig auf den Thron. Seine Regierung war anfangs unter dem Einfluß seines früheren Erziehers Seneca und…
Buch mit Kruzifix

Mormonen

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mormonen Mormonen, nordamerikanische Sekte, gegründet 1830 in Fayette (Neuyork) durch Joe Smith, von dem sie in Wesen und Lehre ihr eigenartiges Gepräge erhielt. Die Sekte bildet einen straff organisierten Kirchenstaat mit theokratischer Verfassung. Im Namen Gottes regieren 3 Apostel (Nachfolger der 3 Säulenapostel Petrus, Jakobus und Johannes) als erste…
Buch mit Kruzifix

Antiochus

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Antiochus Antiochus I. * Antiochus II. Theos * Antiochus III. der Große * Antiochus IV. Epiphanes * Antiochus V. Eupator * Antiochus VI. Epiphanes Dionysus * Antiochus VII. Sidetes * Antiochus VIII. Epiphanes Kallinikus * Antiochus IX. Philopator Kyzikenus Antiochus, Feldherr des Philippus von Mazedonien, des Vaters Alexanders d.…
Buch mit Kruzifix

Katakomben

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Katakomben Katakomben, altchristliche Begräbnisstätten mit größeren unterirdischen Anlagen, für Rom typisch aber auch in Neapel und besonders häufig in Sizilien, Nordafrika, Malta, Kleinasien, Trier, Paris usw. nachweisbar, gleichbedeutend mit der alten Bezeichnung Coemeterium, die aber ganz allgemein die Ruhestätte der Christen, auch die oberirdischen Boden- oder Sarkophag-Gräber, andeutete. Ursprünglich…
Buch mit Kruzifix

Maxentius und Maximian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Maxentius und Maximian römische Kaiser und Christenverfolger Maxentius, römischer Kaiser 306-312, * um 279 als Sohn des Maximianus Herkulius, ließ sich 306 gegen den zum Cäsar des Westens bestellten Severus in Rom als Augustus ausrufen und herrschte, obwohl von den Mitregenten nicht anerkannt, über Italien und Afrika. Ein grausamer…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner