Dalberg

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Dalberg

Dalberg (ursprünglich Dalburg), Kämmerer von Worms, genannt v. D., altes rheinisches Adelsgeschlecht, das sich der Abstammung vom seligen Erkenbert rühmt, im 14. Jahrhundert die Adeligen v. Dalburg beerbte und 1654 in den Reichsfreiherrns-Stand erhoben wurde.
Ihm gehören u. a. an:

1) Adolf, * 29.5.1678, † 3.11.1737; Fürstabt von Fulda seit 1724,, hielt 1729 eine Diäzesan-Synode, gründete durch Vereinigung der Schulen der Jesuiten und Benediktiner als philosophische und theologische Fakultäten und durch Hinzufügung einer juristischen und medizinischen Fakultät die Universität (Adolphina) in Fulda.

2) Johannes, * 14.8.1455 zu Oppenheim, † 27.7.1503 zu Heidelberg; studierte zu Erfurt und Pavia, war seit 1480 als Wormser Dompropst Kanzler der Heidelberger Universität, die er „auf den Gipfel ihres Glanzes erhob“. Um Neujahr 1482 von seinem Gönner, Kurfürst Philipp v. d. Pfalz, zum Kanzler ernannt, ward er durch dessen Bemühung am 2. 8.1482 zum Bischof von Worms gewählt. Ein tüchtiger Kirchenfürst, ließ er 1496 durch Jak. Stoll, Pastor in Albsheim, gelegentlich des Laiensends eine Diözesanvisitation abhalten, deren Ergebnis in einem Registrum synodale vorliegt. Er war ein großmütiger Förderer der humanistischen Studien, der Mittelpunkt des geistigen Lebens in Worms und Heidelberg, Gründer der Palatina, Leiter und Ordner der von seinem Freund Celtis begründeten „Rhein. Literar. Gesellschaft“.

3) Karl Theodor, * 8.2.1744 zu Herrnsheim bei Worms, † 10.2.1817 zu Regensburg, 1762 Dr. jur., entschloß sich nach großen Reisen für den geistlichen Stand, ohne jedoch sich gründlich theologisch zu bilden, häufte Pfründen in seiner Hand, wurde 1772 kurmainz. Statthalter zu Erfurt, förderte schöngeistige Bestrebungen und trat dem Illuminatenorden bei (vgl. J. Engel, Gesch. des Illumin. (1906) 355); 1787 auf Betreiben Preußens Koadjutor v. Mainz, bald darauf auch v. Worms, empfing aber erst Februar 1788 die Priesterweihe, 18. Juni ebenso Koadjutor v. Konstanz und 31.8.1788 in Bamberg zum Bischof geweiht, nachdem er aus dem Illuminatenorden ausgetreten war. 31.12.1799 wurde er Bischof von Konstanz, 1802 Erzbischof von Mainz, dessen Würde als Sitz des Primas, Metropoliten, Kur-Erzkanzlers nach der Säkularisation auf Regensburg übertragen wurde. Diese kirchlichen Veränderungen erfolgten ohne päpstliche Anerkennung. Erst 1805 erlangte Dalberg von Rom die Erhebung Regensburgs zum Erzbistum ohne die zu Bayern gehörigen Teile des Diözese, aber nicht die Anerkennung als Fürstprimas von Deutschland. Durch die Gründung des Rheinbundes unter seiner Führung (17.7.1806 wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufgelöst. 1810 erhob ihn Napoleon zum Großherzog von Frankfurt. Der Sturz des Korsen machte Dalbergs weltlicher Herrschaft ein Ende. Seit 1814 lebte er bis zum Tode in Regensburg (Grabdenkmal im Dom). – Als weltlicher Herrscher war er ganz ein Werkzeug Napoleons. Er stand lange im Bann febronianischer Ideen und seines Generalvikars Wessenberg; doch hat er die Tragweite des Planes einer nur reichsgesetzlich zu begründenden Nationalkirche kaum ganz erkannt. In den letzten Lebensjahren klärten sich seine religiös-kirchlichen Anschauungen. Ein liebenswürdiger Charakter und großer Wohltäter, hat er kulturell, namentlich im Armen- und Schulwesen, viel Segen gestiftet. Er stand in Beziehung u.a. zu Wilhelm v. Humboldt, Goethe und Schiller, den er hochsinnig unterstützte und auf das Drama hinwies. Unter seinen philosophisch-ästhetischen, politischen, juristischen moral-religiösen Schriften ist die bekannteste: Betrachtungen über das Universum (Erfurt 1777, 1819).

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. III, 1931, S. 123-124

Man kann nicht in Abrede stellen, daß Dalberg das Wohl der Kirche aufrichtig wünschte; aber es gebrach ihm die richtige Einsicht, und außerdem war er zu sehr von seiner Umgebung und der herrschenden antikirchlichen Strömung abhängig. Daher das Schwankende in seinem Benehmen und die Widersprüche, in welche er sich verwickelte. Seine Gedanken und Wünsche bezüglich der Kirche Deutschlands präzisierte er in mehreren Instruktionen an Albini, aus welchem zu ersehen ist, daß er die Eingriffe der weltlichen Gewalt in die Rechte der Kirche bitter empfand und den Bischöfen eine freiere Bewegung ermöglichen wollte. Auch wünschte er jetzt einen engen Anschluß des deutschen Episkopates an das Oberhaupt der Kirche, was ihn aber doch nicht hinderte, die Idee eines deutschen Primas im Sinne des Emser Kongresses festzuhalten. Die Ernennung des Freiherrn von Wessenberg zum Generalvikar von Konstanz betrübte alle Gutgesinnten und zog Dalberg eine nur zu berechtigte Rüge des apostolischen Stuhles zu. Am guten Willen fehlte es dem viel geprüften Kirchenfürsten nicht, wohl aber an Einsicht und Festigkeit. Seine Wohltätigkeit und Uneigennützigkeit kannte keine Grenzen und bewährte sich bis an sein Ende. Sein sittlicher Charakter war rein und fleckenlos.

aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 3, 1884, S. 1340

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