Lexikon Q

Quanta cura

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Quanta cura

Quanta cura, Rundschreiben Pius IX., die schärfste Verurteilung des politischen und religiösen Liberalismus und Staatsabsolutismus seitens des Hl. Stuhles, am 8.12.1864 zugleich mit dem Syllabus und einem Begleitschreiben des Kardinals Antonelli an alle Bischöfe der Welt versendet. Es verwirft, ohne den Grad der theologischen Zensur zu nennen und ohne Nummerierung, diese 16 Sätze:

die beste Ordnung der menschlichen Gesellschaft verlangt absolute Religions-, Kultus-, Gewissens-, Rede- und Pressefreiheit; Frevel gegen die katholische Religion sind nie zu ahnden, es wäre denn um der öffentlichen Ruhe willen (1-3).

Der Staat ist die Quelle alles Rechtes; vollendete Tatsachen als solche sind in der Politik rechtlich gültig; öffentliche Almosen sind zu untersagen, das Verbot knechtlicher Arbeit an gewissen Tagen ist aufzuheben (4-6).

Jeder Einfluss auf Erziehung und Unterricht der Jugend ist dem Klerus zu entziehen (7).

Die Gesetze der Kirche verpflichten im Gewissen erst durch die staatliche Promulgation (8);

die Erlasse und Dekrete der römischen Päpste in religiösen und kirchlichen Angelegenheiten bedürfen der Bestätigung oder Zustimmung des Staates (9).

Der Kirchenbann gegen die geheimen Gesellschaften gilt dort nicht, wo sie vom Staat geduldet sind (10).

Der Kirchenbann gegen Usurpatoren geistlichen Rechtes und Eigentums ist auf Erreichung eines rein weltlichen Gutes gerichtet (11).

Die Kirche darf über den Gebrauch zeitlicher Güter keine Gewissenspflicht auferlegen (12),
über die Verletzer ihrer Gesetze keine zeitliche Strafe verhängen (13),

das Eigentumsrecht an den Gütern der Kirche, religiöser Genossenschaften und anderer frommer Stiftungen ist dem Staate zuzusprechen (14).

Die kirchliche Macht ist nicht nach göttlichem Recht von der bürgerlichen verschieden und unabhängig (15). Nur dogmatische Bestimmungen über Glaube und Sitten, nicht aber andere Bestimmungen des Apostolischen Stuhles verpflichten im Gewissen (16). –

Diese Sätze sind mit dem Anspruch auf Unfehlbarkeit verworfen:

„Alle und jede der schlechten Meinungen und Lehren, wie sie in diesem Schreiben erwähnt sind, verwerfen, ächten und verdammen Wir einzeln kraft Unserer apostolischen Autorität und wollen und befehlen, dass sie von allen Söhnen der katholischen Kirche schlechthin als verworfen, geächtet und verdammt angesehen werden.“

Das Rundschreiben erwähnt den Syllabus nicht; die Beziehung zwischen beiden ist nur eine materielle, indem manche Sätze des Syllabus mit denen der Enzyklika sich decken. Das Aufsehen, das Quanta cura erregte, war ungeheuer. Manche Staaten verboten ihre Veröffentlichung, die liberale und die Freimaurer-Presse tobte; viele Katholiken sandten dem Papst Dankadressen. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, Sp. 575 – Sp. 576

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