A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Gottesfriede

Gottesfriede (pax, treuga, treva Dei), religiöser Verzicht auf Ausübung ritterlicher Fehde während bestimmter Zeit. Nach Versuchen südfranzösischer Bischöfe, dem Fehdewesen durch Friedensbündnisse Einhalt zu tun, empfahlen die Bischöfe Raginbald v. Arles, Benedikt . Avignon und Nitard v. Nizza und Abt Odilo v. Cluny 1041 im Namen des gallischen Klerus ein Friedensgelübde vom Mittwochabend bis Montagmorgen für die durch die Himmelfahrt, Passion und Auferstehung Christi geheiligten Tage. Wer trotz des Gelöbnisses, zu dem schon die Knaben angehalten wurden, den Gottesfrieden brach, wurde mit schweren geistlichen und weltlichen Strafen bedroht (Mansi XIX 593), Auf einer Synode zu Montriond bei Lausanne, wahrscheinlich auch 1041, dehnten die burgundischen Bischöfe der Kirchenprovinzen Vienne und Besançon den Gottesfrieden auch auf die Zeit vom Advent bis Sonntag nach Epiphanie sowie von Septuagesima bis Ostern aus.

1042 wurde der Gottesfriede auch im nördlichen Frankreich und in der Normandie eingeführt, innerhalb des deutschen Reiches 1082 in Lüttich, 1083 in Köln, 1085 auf einer Mainzer Synode für das ganze Reich (MGConstit. I 602ff). Auch in Italien, Spanien (schon auf der Synode von Elna 1027) und England finden wir ihn. Eine allgemeine Norm für die Dauer des Gottesfriedens wurde erst 1095 auf dem Konzil von Clermont durch Urban II. festgesetzt: außer an den genannten Tagen noch vom Advent bis zum Sonntag nach Epiphanie und von Septuagesima bis zur Oktav von Pfingsten. Durch die ersten 3 Lateransynoden v. 1123, 1139, 1179 wurde er für die ganze Kirche vorgeschrieben. –aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, S. 610

Gottesfriede (Treuga Dei, auch Treuva, Trevia oder Treva Dei, Pax Dei, Pax divina, Pax ecclesiae), eine mittelalterliche Institution, um dem Fehderecht wenigstens für gewisse Zeiten Einhalt zu tun. Seit dem Verfall der karolingischen Monarchie war über die Völker, welche von der bisherigen starken Zentralgewalt losgetrennt waren, in Folge des entfesselten Fehdewesens und des Faustrechts ein Zustand allgemeiner Anarchie und wilder Barbarei hereingebrochen; alle Elemente des staatlichen Zusammenlebens befanden sich in Auflösung und Verwirrung, überall herrschte rohe Willkür, Raub und Mord, der Krieg aller gegen alle, Gewalt ging für Recht, trotzig griff jeder zur Selbsthilfe, und in den blutigen Kämpfen, welche die Großen unter sich ausfochten, musste das niedere Volk, völlig recht- und schutzlos, jede Ungebühr über sich ergehen lassen.

Wie die öffentlichen Zustände noch gegen Ende des 11. Jahrhunderts beschaffen waren, ersehen wir aus jener herrlichen Rede, in welcher Urban II. auf dem Konzil zu Clermont die versammelte Ritterschaft zur Teilnahme am Kreuzzug aufforderte.

Anmerkung: Zum gesamten Beitrag im Kirchenlexikon, in dem auch der Auszug der Rede von Papst Urban II. enthalten ist, siehe: Der Gottesfriede im Mittelalter

Den Übergang zur Einheit brachte das Konzil von Clermont 1095.

Nach dem Bericht Wilhelms von Malmesbury (denn der authentische Text der Kanones ist nicht auf uns gekommen) wurde beschlossen:

„Vom Advent bis zur Oktav von Epiphanie und von Septuagesima bis zur Oktav von Pfingsten, außerdem je von Sonnenuntergang am Mittwoch bis Sonnenaufgang am Montag soll die Trevia Dei beobachtet werden.“ (Mansi XX, 904; Hard. VI, 2, 1737 init.).

Dieser Kanon wurde zur allgemeinen Norm.

Zwar hatte Urban II. für das Konzil von Clermont die Autorität einer ökumenischen Synode nicht in Anspruch genommen, aber die daselbst getroffenen Anordnungen erlangten bald gemeinrechtliche Geltung (vgl. Mansi XX, 828; Hard. VI, 2, 1729). Den vom Grafen Fulco von Anjou und den Großen seines Gebietes (Tours) beschworenen Gottesfrieden bestätigte Urban noch zu Clermont (Bouquet XIV, 391; Mansi XX, 912); Ivo von Chartres publizierte die Treuga seinen Diözesanen zur Nachachtung (Wp. 27, p. 31 sqq.), und zwei andere Schreiben, welche der eifrige Bischof an den päpstlichen Legaten in Frankreich richtete, um dessen Vermittlung in Friedens-Streitigkeiten herebizuführen, liefern den Beweis, daß schon damals die Ansicht herrschte, die Treuga sei eine allgemeine kirchliche Institution und die Durchführung derselben eine Obliegenheit des Papstes (Ep. 267. 277, p. 220. 227).

Auch wurde die zu Clermont beschlossene Form des Gottesfriedens alsbald von den Konzilien zu Rouen (1096) und zu St. Omer (1099) als geltendes Gesetz verkündigt (Mansi 1. c. 922 sqq. 969 sqq.; Hard. 1. c. 1743 sqq. 1761); zu Reims (1119) fügte Kalixt II. die doppelte Bestimmung hinzu,

a) daß die capellani castrorum schwören müssten, in Schlössern, welche als Aufbewahrungsorte geraubter Gegenstände oder als Kerker unrechtmäßig Gefangener benutzt würden, keinen Gottesdienst zu halten und sonst Amtsentsetzung und Verpflichtung zu vollem Schadenersatz zu gewärtigen; b, daß der Gottesfriede jeden Mittwoch Abend in allen Pfarreien einzuläuten sei (Mansi XXI, 236; Hard. VI, 2, 1985). Unmittelbar nachher bemächtigten sich die allgemeinen Konzilien der für die öffentlich Ruhe und Sicherheit so überaus wichtigen Angelegenheit. Auf dem ersten im Lateran (1123, c. 13) wurde der Gottesfriede der gesamten Christenheit aufs Neue eingeschärft, oder vielmehr, da die Sache als allgemein bekannt gelten konnte, nur die Strafen gegen die Übertreter hervorgehoben (Mansi 1.c. 284; Hard. VI, 2, 1113; vgl. das römische Konzil vom Jahr 1102 und das den Gottesfrieden betreffende Schreiben, welches Erzbischof Wilhelm von Auch als päpstlicher Legat die geistlichen und weltlichen Großen seiner Provinz erlassen hat, bei … Mansi XX, 1148 sq.).

Im Jahr 1131 sicherte Innozenz II. auf der großen Synode zu Reims den Priestern, Klerikern, Mönchen, Kaufleuten, den Landbebauern bei ihren Arbeiten und den dazu nötigen Tieren im Sinne der längst bestehenden kirchlichen Praxis einen ununterbrochenen Friedensstand zu (c. 10)…

Beide Canones wurden vom Papst auf der zweiten, von Alexander III. auf der dritten Lateransynode (1139. 1179) fast wörtlich wiederholt (Manis XXI, 530; XXII, 229; Hard. VI, 2, 1210. 1682), und von da gingen sie ins Gesetzbuch der Kirche über (c.1.2, X 1, 34), jedoch mit dem Unterschied, daß die Dauer des Gottesfriedens nicht wie zu Reims auf die Zeit a Quinquagesima usque ad octavas Pentecostes, sondern a Septuagesima usque ad octavas Paschae festgesetzt wurde. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 5, 1888, Sp. 900; Sp. 907– Sp. 909

Buch mit Kruzifix
Wunder
Buch mit Kruzifix
Heinrich IV.

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Illuminaten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Illuminaten Illuminaten. Geheimbund. Ihn gründete 1.5.1776 Adam Weishaupt, *6.2.1748 zu Ingolstadt, hier seit 1772 Professor des Kirchenrechts, Deist, schärfster Feind der Jesuiten, Winter 1776/77 Mitglied einer Freimaurerloge in München, Gegner der Kantischen Philosophie, nach…
Buch mit Kruzifix

Bibellesen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bibellesen Bibellesen. Die Behauptung von der Notwendigkeit des Bibellesens für jedermann wurde von der Kirche mit Rücksicht auf die katholische Glaubensregel, zur Verhütung der Preisgabe des Bibellesens an den Subjektivismus, aus Ehrfurcht vor dem…
Buch mit Kruzifix

Du Plessis

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Du Plessis-Mornay Du Plessis-Mornay, Philipp, der „Hugenottenpapst“, geb. 5. November 1549 auf Schloss Buhy in der Normandie, gest. 11. November 1623 auf Schloss La Forêt-sur-Sèvres. Der Vater, welcher noch äußerlich katholisch war, jedoch den…
Buch mit Kruzifix

Besessenheit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Besessenheit Besessenheit, die Besitzergreifung des Leibes eines Menschen durch einen bösen Geist aus weiser Zulassung Gottes. Man unterscheidet hauptsächlich 2 Grade: Umsessenheit (circumsessio), d.i. eine Besitzergreifung durch den Dämon von außen her, und Besessenheit…
Buch mit Kruzifix

Investiturstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Investiturstreit Investiturstreit, der Streit um die Frage, wer in die kirchlichen Stellen, besonders die höheren, zu investieren, sie durch symbolische Verleihung zu besetzen habe. Nach altem römischen Kirchenrecht ging der Bischof aus der Wahl…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Wiclifismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Wiclifismus Der Wiclifismus (die Wiclifie) machte in England zunächst noch Fortschritte. Als aber Th. Arundel den Stuhl v. Canterbury (1396) und Heinrich IV. Lancaster den Thron bestieg (1399), erhoben sich Staat und Kirche zur Ausrottung der weit verbreiteten Häresie. Auf Grund des Statuts De comburendo haeretico v. 1400 wurden…
Buch mit Kruzifix

Messalianer

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Messalianer Messalianer, auch Massalianer (wahrscheinlich = Betende), schwärmerisch-mystische Sekte, innerhalb der Kirche seit 350 von Mesopotamien her in Syrien, Armenien, Kleinasien und Thrakien sich verbreitend und noch im Mittelalter in den Bogumilen wieder auflebend, nach ihren Führern Adelphianer und Langetianer, nach ihrer Art der Gottesverehrung Euchiten und Choreuten genannt.…
Buch mit Kruzifix

Monotheletismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Monotheletismus Monotheletismus, die Lehre von einem einzigen Willen in Christus. Den Monotheletismus verursachte die Innenpolitik des oströmischen Reiches. Kaiser Heraklius, von den Persern bedroht, sah in der Wiedervereinigung der Monophysiten mit den am Konzil von Chalcedon festhaltenden Katholiken eine politische Notwendigkeit. Sein Mitarbeiter Patriarch Sergius I. von Konstantinopel plante…
Buch mit Kruzifix

Mallinckrodt

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mallinckrodt Mallinckrodt, Hermann v., katholischer Politiker, * 5.2.1821 zu Minden, † 26.5.1874 zu Berlin (ruht bei St. Meinolf zu Böddeken). Mallinckrodt war 1849-72 im preußischen Verwaltungsdienst, zuletzt als Regierungsrat in Merseburg; 1852-63 und seit 1868 im preußischen Landtag; seit 1867 im Reichstag; Mitbegründer und einer der großen Führer der…
Buch mit Kruzifix

Lachaise

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lachaise Lachaise, Francois d`Aix de, der Beichtvater des Königs Ludwig XIV. von Frankreich, schon durch den nach ihm benannten Pariser Kirchhof weltbekannt, war das zweite von zwölf Kindern des Georg d`Aix, Lehnsherrn von La Chaise und Ritters des Ordens vom hl. Michael, zugleich Großneffe des Jesuitenpaters Cotton und Neffe…
Buch mit Kruzifix

Rautenstrauch

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rautenstrauch Rautenstrauch, Franz Stephan, OSB, josephinischer Erneuerer des österreichischen theologischen Unterrichtes, * 29.7.1734 zu Blottendorf (Bez. Böhm.-Leipa), † 30.9.1785 zu Erlau (Ungarn). 1750 Benediktiner von Brevnov-Braunau, Professor der Philosophie und des Kirchenrechts in Prag, 1773 zum Abt gewählt, 1774 Dr. theol., wurde er infolge seines staatskirchlichen Prolegomena in jus…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner