Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Platina

Platina, Bartholomäus, italienischer Humanist und Verfasser einer viel genannten Papstgeschichte, war zu Piadena bei Cremona 1421 geboren. Sein Familienname war Sacchi; er nannte sich aber lieber Platina nach seinem Geburtsort. In seiner Jugend nahm Platina Kriegsdienste, später widmete er sich den Wissenschaften. Kardinal Bessarion empfahl ihn Pius II., der ihm eine Stelle am Kollegium der Abbreviatoren verlieh (1464). Als aber Paul II. dieses Kollegium aufhob und überhaupt gegen die Auswüchse des Humanismus einschritt, ließ sich Platina zu einem höchst unbesonnenen Brief an den Papst verleiten, der ihm vier Monate Kerkerhaft einbrachte.

Die Fürsprache des Kardinals Gonzaga befreite ihn, aber nicht viel später geriet er mit in Untersuchung wegen Verschwörung gegen den Papst (1467). Nachdem er die Tortur überstanden, längere Zeit in Haft geblieben und gleich seinen Mitgefangenen der Häresie angeklagt, aber freigesprochen worden war, verhieß ihm Paul II. bei der Freilassung eine neue Anstellung.

Platina erhielt eine solche jedoch erst unter Sixtus IV., der ihn auch 1475 zum Bibliothekar des Vatikans machte. Als solcher starb er 1481. Von Platina`s Schriften ist hier zu nennen seine Papstgeschichte. (…) Das Werk ist ausgezeichnet durch die elegante Schreibweise; für die Papstgeschichten bis Eugen IV. benutzte Platina, was andere vor ihm über die Päpste berichtet, ohne im Ganzen kritisch zu Werke zu gehen. Von Eugen IV. bis auf Paul II. standen ihm die Berichte von Augenzeugen und seine eigenen Erlebnisse zu Gebote. Sein Urteil ist nicht immer unparteiisch, bei Paul II. aber geradezu ungerecht und von persönlichem Hass beeinflusst. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 10, 1897, Sp. 90 – Sp. 91

Platina, Joseph, OConv, *1670 zu Savigliano bei Turin, † 6.1.1743 zu Bologna; dozierte mit großem Erfolg Rhetorik und Literatur an der Universität Bologna, Metaphysik und Theologie an der Universität Padua. Schrieb u. a. 5 Bände Rhetorik und lateinische Poesie. Seine berühmte Lobrede auf den heiligen Ignatius von Loyola wurde wiederholt gedruckt, zuletzt Neapel 1891. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, Sp. 321

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