Lexikon für Theologie und Kirche
Stichwort: Kabbala
Kabbala heißt eine bei den Juden ausgebildete spekulative Geheimwissenschaft, welche in mancher Hinsicht mit dem Gnostizismus verglichen werden kann. Der hebräische Name bedeutet „Überlieferung“, weil die Pfleger dieser Wissenschaft behaupten, der Inhalt derselben sei mündlich von Abraham oder auch von Adam her, der selbst ihn vom Engel Raziel empfangen habe, fortgepflanzt worden.
Die Geheimnisse dieser Wissenschaft soll dann Moses auf eine dem gewöhnlichen Verstand nicht zugängliche Weise in die vier ersten Bücher des Pentateuchs eingekleidet und den Schlüssel zu seinem Verfahren Josue, dieser ihn den siebzig Ältesten mitgeteilt haben; von letzteren an Vertrauenspersonen übermittelt, seien die betreffenden Geheimnisse von Geschlecht zu Geschlecht auserwählten Männern mündlich überliefert worden, bis sie schließlich unter dem Druck äußerer Notwendigkeit aufgeschrieben wurden und nunmehr in zwei hebräischen Büchern zu finden sind.
Von diesen heißt das eine „Buch der Schöpfung“, gewöhnlich die Jezira genannt, das andere „Buch des Lichtglanzes“ oder kurzweg der Sohar (Dan. 12, 3). Ersteres ist ein Monolog, welcher dem Patriarchen Abraham in den Mund gelegt ist, und enthält auf kurzem Raum angeblich die Erwägungen, durch welche derselbe von Gestirndienst zur Erkenntnis und Verehrung des wahren Gottes durchdrungen sein soll; es sind aphoristisch gehaltene Sätze über die Harmonie zwischen dem Verhältnis der geschaffenen Dinge und dem der zehn Grundzahlen und der zweiundzwanzig (hebräischen) Buchstaben zu einander.
Dieses Buch wird schon von dem jerusalemischen und dem babylonischen Talmud erwähnt und kann nach Beschaffenheit seines sprachlichen Ausdrucks nur in der Periode, in welcher die ersten in der Mischna genannten Lehrer lebten, d. h. von 100 vor bis 50 n. Chr., geschrieben sein. Gewöhnlich aber wird es dem etwas später lebenden R. Akiba als Verfasser beigelegt. Es ward zuerst 1562 zu Mantua mit fünffachem rabbinischem Kommentar gedruckt; seitdem sind viele Ausgaben und auch Übersetzungen (…) davon erschienen.
Der Sohar nun, die eigentliche Bibel der Kabbalisten, will ein Kommentar über die 54 Paraschen des Pentateuchs sein; da er mit der Erklärung von gen. 1, 4 beginnt, so führt er auch den Namen …, „Midrasch zu: es werde Licht“.
Statt der Erklärung aber werden nur Reflexionen und spekulative Auseinandersetzungen gegeben, deren Zusammenhang mit dem Text äußerst lose oder willkürlich ist; es soll damit in bunter Mischung von wunderbarer Gedankentiefe und lächerlichem Aberglauben die Lösung aller metaphysischen Probleme gegeben werden. Auch dies geschieht ohne Zusammenhang in längeren und kürzeren Ausführungen, welche im Druck drei Quartbände füllen und nach ihrem mehr oder weniger aramäisch gefärbten Ausdruck auf ganz verschiedene Entstehungszeiten hinweisen …
Richtiger ist die Annahme, dass der Sohar in dem 13. Jahrhundert, in welchem er veröffentlicht wurde, auch erst aus vorhandenen Schriftstücken, von denen einige sicher schon im 7. Jahrhundert n. Chr. Verfaßt sind, zusammen gestellt worden ist; …
Die Lehre, welche aus diesen Quellen geschöpft wird, bildet nach den neueren Juden den Inhalt zweier gesonderten Wissenschaften, nämlich der theoretischen oder spekulativen und der praktischen Kabbala. Die Adepten dieser Wissenschaften teilen erstere wieder in die „Geschichte der Genesis oder der Schöpfung“ und die „Geschichte des Wagens“ oder der bei Ezechiel 1, 1ff beschriebenen Erscheinung.
Die erstere soll die Lehre von dem Geschaffenen, die zweite die von dem Schöpfer enthalten: doch sind die einzelnen Gelehrten über den Umfang der beiden Disziplinen durchgängig verschiedener Ansicht.
Auf unserem Standpunkt darf man wohl bei der theroretischen Kabbala die positive oder dogmatische Lehre von der philosophischen oder metaphysischen unterscheiden. Die wichtigsten Lehren, welche den Inhalt jener bilden, sind bereits im Art. Judentum (VI, 1965 ff.) angegeben.
Hier ist hinzuzufügen, dass die Kabbalisten auch eine Präexistenz der Seelen lehren. Der Sohar sagt darüber: „Als der Heilige, gepriesen sei er, die Welt schaffen wollte, war sie ihm in der Idee gegenwärtig; da bildete er alle Seelen, welche den Menschen zugeteilt werden sollten … Ist ihre Zeit gekommen, so ruft Gott jede Seele und sagt ihr: Geh dorthin, jenen Körper zu beleben … Sieht nun die (widerstrebende) Seele, dass sie gehorchen muss, so betritt sie schmerzvoll den Weg dieser Welt und steigt zu uns herab“ (ed. Mant. I, 96b).
Konsequenter Weise glauben demnach die Kabbalisten auch an eine Seelenwanderung, welche den gefallenen Seelen den Weg der Buße und Läuterung offen halte. Was nun die metaphysische Kabbala betrifft, so bildet dieselbe ein philosophisches System, welches den Monotheismus und die Lehre von der freien Schöpfung mit dem Fundamentalsatz der alten Philosophie, dass „aus Nichts Nichts wird“, in Einklang zu bringen sucht. So muss es notwendig zur Emanationslehre werden.
Keine Substanz, sagen die Kabbalisten, ist aus dem absoluten Nichts hervorgegangen. Alles, was ist, hat seinen Ursprung aus Einer Lichtquelle, aus Gott. Gott ist von Ewigkeit; er ist nach kabbalistischem Ausdruck „der Alte der Tage. Sein Wesen ist menschlicher Erkenntnis unzugänglich, daher heißt er „der Allerverborgenste“ und kann, so verstanden, „das Nichts“ heißen (Ps. 121, 1: „Vom Nichts kommt mir Hilfe“), so dass in dieser Hinsicht die sichtbare Welt aus dem Nichts hervorgegangen ist. Dieses Nichts ist einzig, es ist die unteilbare und unendliche Einheit, weswegen es auch „das Endlose“, der „En Soph“ heißt.
Der En Soph ist durch nichts beschränkt oder bestimmt, denn er ist alles, und nichts ist außer ihm; er offenbart sich ganz frei nach seiner Weisheit und wird so der letzte Grund, die Allursache alles Seienden. Eine schöpferische Tätigkeit ist bei ihm undenkbar, weil der Schöpfungsakt Zweck, Gedanken, Worte voraus setzt, die sämtlich als Beschränkungen aufzufassen sind; wo also in der Kabbala von Schöpfung oder Bildung die Rede ist, muss immer an Manifestation oder Emanation gedacht werden.
Das ursprüngliche Licht des En Soph erhellte den gesamten Raum und ist der Raum und ist der Raum selbst; darin war alles der Idee nach enthalten, allein um sich zu offenbaren, musste es sich durch Emanation entfalten. Es zog sich daher in sich selbst zurück, um eine Leere zu bilden, und füllte diese dann durch ein Licht, welches mit der Entfernung stufenförmig abgeschwächt war. Dieses Insichgehen oder diese Konzentration des Lichtes im En Soph heißt in der Sprache der Kabbala … „Verdichtung“.
Nach jener Verdichtung nun manifestierte der En Soph sich in einem ersten Prinzip, dem Urbild alles Vorhandenen oder dem Makrokosmos, welcher „der Sohn Gottes“ oder der „urbildliche Mensch“ heißt. Dies ist die Menschengestalt, welche bei Ezechiel (1, 26) über den Cherubim schwebt. Aus dem Adam Kadmon ging alles Seiende in vier sukzessiven Abstufungen hervor, welche die Kabbalisten „Welt der Emanation“, „Welt der Schöpfung“, „Welt der Bildung“ und „Welt der Wirkung“ nennen.
Die erste dieser Welten, welche auch mit dem Adam Kadmon identisch gefasst wird, besteht aus zehn Sephiroth (…), d. h. zehn abstrakt aufgefassten Attributen der Gottheit, welche mit dem Wesen derselben identisch sind, ohne es jedoch ganz darzustellen, und welche die Quelle aller Ideen als Formen des Daseins bilden. Ihnen entsprechen im Alten Testament zehn Gottesnamen, in der Geisterwelt zehn Engelchöre, im Menschen zehn hervorragende Körperteile.
Überhaupt bilden die Sephiroth in ihrem Verhältnis zu Gott und unter einander, in ihrer Gruppierung zu Dreiheiten und in ihrer Einheit, sowie in ihrer bildlichen Darstellung den Hauptgegenstand der kabbalistischen Spekulation, wobei die Idee eines alles beherrschenden Gegensatzes zwischen männlichem und weiblichem Prinzip, sowie eine wunderliche, dem Uneingeweihten nicht verständliche Terminologie eine große Rolle spielen.
Aus dieser obersten vollkommenen und unveränderlichen Welt ging nun durch Emanation zuerst die „Schöpfungswelt“ hervor; auch diese umschließt nur geistige Substanzen, doch stehen dieselben, weil nicht unmittelbar aus dem En Soph hervor gegangen, den Sephiroth an Licht und Reinheit nach. In dieser Welt lebt und herrscht einzig der Metatron.
Aus ihr ging als Drittes die „Welt der Bildung“ hervor, zwar auch noch durchaus immateriell, aber doch, weil von der Urquelle weiter entfernt, aus weniger lichtvollen und feinen Substanzen bestehend. Diese heißt auch Engelwelt, weil in ihr die Engel wohnen, unkörperliche, aber persönliche Wesen, welche in ein Gewand von Licht gekleidet sind und nur, um den Menschen erscheinen zu können, eine sinnfällige Gestalt annehmen.
Als letzte Welt geht aus der dritten die „Welt der Wirkung“ oder der Materie hervor; diese Welt besteht aus Substanzen, welche beständigem Wechsel unterworfen sind, die eine oder die andere Gestalt annehmen, sich verbinden und sich trennen. Zu ihr gehört alles Materielle; sie ist die niedrigste Stufe alles Vorhandenen, und ihr wohnt das Böse.
Die drei letzten Welten, lehrt die Kabbala weiter, sind durch fortgesetzte Emmanation vom En Soph mit Engelwesen bevölkert worden. Diese zerfallen als gute und böse in zwei Klassen, von denen jedwede ihren besonderen Regenten hat, und bewohnen die drei niederen Welten in folgender Ordnung.
Die zweite oder Schöpfungswelt ist der Sitz des Metatron. Dieser allein bildet das Reich der reinen Geister und ist das „Kleid des Allmächtigen“, d. h. die sichtbare Offenbarung der Gottheit. Er beherrscht die gesamte irdische Welt und bewahrt Einheit, Harmonie und Bewegung in allen Sphären des Daseins. Er ist auch der Herrscher über die zahllosen Myriaden von Engeln, welche die „Welt der Bildung“ bewohnen. Diese seine Untergebenen sind in zehn Chöre geteilt, welche für die verschiedenen Teile des Universums das nämliche Amt haben, wie Metatron für das All.
Sie leiten die Bewegungen der Gestirne; Nuriel ist der Engel des Feuers, Uriel der Engel des Lichts; alle Erzeugnisse, alle Kräfte, alle Vorgänge der Natur sind Wirkungen der Engel. Neben ihnen bilden die bösen Engel ein gesondertes Reich, das seinen Sitz in der materiellen Welt hat. Die Dämonen sind wegen des weiten Abstandes von En Soph die gröbsten und unvollkommensten Gestaltungen und heißen nur „Schalen“ des Seins. Auch sie bilden zehn Chöre oder Abteilungen, welche den zehn Engelchören entsprechen und stufenförmig an Dunkel und Unreinheit zunehmen.
Die ersten beiden Stufen sind nur durch den Mangel aller sichtbaren Form und Organisation gekennzeichnet; die dritte Stufe heißt Finsternis; die sieben folgenden Grade sind Personifikationen aller schwächen, Leidenschaften und Laster. Die letzteren bewohnen die „sieben Hallen“ oder Höllen, welche in unzählige Abteilungen zerfallen; für jede Art von Schlechtigkeit gibt es hier eine besondere Strafart, und die Dämonen peinigen hier die Armen, welche sich von ihnen haben verführen lassen.
Das Oberhaupt dieser finsteren Welt heißt Sammael, „Gift“ =, d. h. Todesengel, und der Sohar sagt ausdrücklich, dass der Engel des Todes, die böse Begierde, Satan und die Schlange im Paradies Eins sind. Er hat als Gattin die Unzucht oder das „Buhlweib“ , welche nicht selten mit der Lilith, dem Nachtgespenst des Talmud, identifiziert wird. Beide zusammen werden gewöhnlich als Eine Personifikation gedacht, welche „die Bestie“ heißt.
Der Mensch ist nach der Kabbala „zugleich der Inhalt und die höchste Stufe der Schöpfung; deswegen ward er auch erst am sechsten Tag ‚geschaffen‘. Mit der Hervorbringung des Menschen war Alles vollendet, sowohl die obere als die untere Welt, denn Alles ist im Menschen enthalten; er vereinigt in sich alle Formen“ (Sohar III, 48a). Allein er ist auch das Abbild Gottes nach der Gesamtheit seiner unendlichen Attribute; er ist die „Gegenwart Gottes auf Erden“. Er ward nicht vom En Soph, sondern vom Adam Kadmon geschaffen; alles, was dieser als Idee besitzt, ist bei ihm Wirklichkeit. Wie dieser der Makrokosmos, so ist der Mensch der Mikrokosmos.
„Das Geheimnis des irdischen Menschen“, heißt es im Sohar (II, 76a), „entspricht dem Geheimnis des himmlischen Adam. Allein so wie wir am Firmament, das alles bedeckt, verschiedene, von den Sternen und Planeten gebildete Zeichen sehen, welche verborgene Dinge und tiefe Geheimnisse enthalten, so gibt es an der Haut, die unsern Körper umgibt, Zeichen und Züge, welche die Sterne und Planeten unseres Körpers sind. Alle diese Zeichen haben einen geheimen Sinn und ziehen die Aufmerksamkeit der Weisen auf sich, die im Gesicht des Menschen zu lesen verstehen.“
Da die Seele des Menschen eine Emanation aus den zehn Sephiroth und er ein Ebenbild des Adam Kadmon ist, so besitzt auch er zehn Fähigkeiten, welche sich zu einer Dreiheit vereinigen. Diese bilden 1. die Psyche, welche unmittelbar mit dem Leib verbunden und die direkte Ursache aller niederen Lebensfunktionen ist; 2. die Seele, der Sitz des Willens und des sittlichen Leben; 3, der Geist, der Sitz der Erkenntnis, die vollkommenste Stufe des Seins. Durch die Psyche gehört der Mensch zur „Welt der Wirkung“, durch die seele zur „Welt der Schöpfung“, durch den Geist zur „Welt der Schöpfung“ – eine Tatsache, welche Isaias 43,7 in den Worten ausdrückt: „Ich habe ihn geschaffen, ich habe ihn gebildet, ich habe ihn gewirkt“.
Alle Menschenseelen haben ihre Präexistenz in der Emanationswelt.
„Alle Seelen und Geister bestehen, bevor sie in diese Welt eintreten, aus Mann und Weib, die zu Einem Wesen vereinigt sind. Wenn sie auf die Erde hinab steigen, scheiden sich die beiden Hälften und beleben verschiedene Körper. Wenn es zur Ehe kommt, verbindet sie der Heilige, gepriesen sei er, der alle Seelen und Geister kennt, wie sie früher waren, und sie machen dann wieder einen einzigen Körper und eine einzige Seele aus … Hierbei sind aber die Handlungen des Menschen und die Wege, auf denen er gewandelt, maßgebend. Wenn der Mensch rein und sein Tun gottgefällig ist, so wird ihm die nämliche Verbindung zu Teil, welche ihm vor seiner Geburt geworden“ (Sohar I, 91b).
Ursprünglich besaß der Mensch an Leib und seele eine Ausstattung, durch welche er über die Engel erhoben war; er war in dasselbe Lichtgewand wie sie gehüllt und über allen Mangel und alle sinnliche Begierde erhaben. Erst nach dem Fall erhielt er eine Kleidung von Fellen, womit unser Leib nach seiner jetzigen Beschaffenheit gemeint ist. Aber auch so noch „sind die Gerechten größer als die Engel“ (Sanh. 11).
Die Seele muss, der Kabbala zufolge, mit Naturnotwendigkeit zu der unendlichen Quelle zurück kehren, aus der sie hervorgegangen, nachdem sie auf Erden alle die Vollkommenheiten entwickelt hat, deren Keime sie schon vor der Geburt besaß. Wenn die Seele in ihrem menschlichen Körper dieses Ziel nicht erreicht und sich mit Sünde befleckt hat, so muss sie abermals und zu dritten Mal einen Leib bewohnen, um zu einem vollkommenen Stand befähigt zu werden.
Indes ist die Seelenwanderung auf dreimal beschränkt. Sind zwei Seele jedwede für sich erfahrungsgemäß nicht im Stande, den göttlichen Vorschriften zu genügen, so vereinigt sie Gott in Einem Körper zu Einem Leben, damit die eine die Kraft der andern vervollständige, oder er gibt auch eine schwache Seele einer stärkeren bei, welche dieselbe nunmehr, wie die Mutter ihr Kind, in sich aufnimmt und erhält. Daher wird dieses Mittel, wodurch Gott unserer Schwachheit zu Hilfe kommt, „Empfängnis“, genannt. Wie die einzelne Seele, so muss auch die ganze Welt, die nur eine Entfaltung der göttlichen Wesenheit ist, zu der Glückseligkeit zurück kehren, welche ihr ursprünglich war. Dies ist durch den (hebräischen) Buchstaben = „Segen“, ausgedrückt, womit die Schöpfungsgeschichte (Gen. 2, 1) beginnt.
Nichts ist absolut schlecht, nichts für immer verflucht; selbst Sammael, „die giftige Bestie“, wird wieder zu seiner Engelnatur zurück kehren, da auch er, ebenso wie alles Seiende, aus der einen unendlichen Quelle des Daseins hervorgegangen ist. Er verliert dann den ersten Teil seines Namens, …, der „Gift“ bedeutet, und behält bloß den zweiten, (…), als Benennung der Engel überhaupt.
Diese allgemeine Wiederherstellung findet statt bei der Ankunft des Messias. Obwohl dessen Seele, wie alle anderen, bereits in der Welt der Sephiroth existiert, so kann sie doch nicht eher geboren werden, und es kann folglich der Messias nicht eher erscheinen, als bis alle menschlichen Seelen ihren Prüfungszustand auf Erden vollendet haben; folglich wird er erst als der letzte der Geborenen am Ende der Tage auftreten.
Wenn die Gesamtsumme aller Seelen, gereinigt und geheiligt, in den Schoß ihres unendlichen Urquells zurück gekehrt ist, beginnt das große Jubeljahr, und die Hölle verschwindet; es gibt keine Sünde, keine Strafe, keine Versuchung mehr, sondern ein Sabbat ohne Ende bricht an. Dann sind alle Seelen mit dem höchsten Wesen vereinigt und vermehren jede die Seligkeit der andern in dem Heiligtum der sieben Hallen. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon 1891, Bd. 7, Sp. 5 – Sp. 12