A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Pfingstfest bei den Juden

Pfingstfest bei den Juden: Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim 1880

Bei den Juden das 2. der 3 großen Wallfahrtsfeste, am 50. Tag oder 7 Wochen nach dem Passah-Fest (Lv. 23, 15f.; Dt. 16, 9), daher auch „Fest der Wochen“ genannt (Ex. 34, 22; Dt. 16, 10; 2. Chr. 8, 13; 2. Makk. 12, 31). An das Passah-Fest, das die Ernte eröffnete, lehnte sich das Pfingstfest an als Erntedankfest. Von der neuen Weizenernte wurden 2 gesäuerte Erstlingsbrote geopfert; daher hieß das Pfingstfest auch „Fest der Erstlinge“ (Lv. 23, 17; Nm. 28, 26) Es war somit ursprünglich ein „Erntedankfest“ (Ex. 23, 16).

Die heutige geschichtliche Beziehung auf die Gesetzgebung am Sinai und der talmudische Name „Tag der Übergabe des Gesetzes“ sind in den Quellen erst seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. nachweisbar; die Hl. Schrift erwähnt sie nicht. Sie stützt sich auf Ex. 19, 11, wonach die Gesetzgebung 50 Tage nach der Passah-Feier beim Auszug aus Ägypten stattfand. Die Zurückführung des Festes durch H. Grimme auf ein ursprüngliches Plejadenfest ist ganz unwahrscheinlich.

Die 1-tägige, jetzt 2-tägige (6. und 7. Siwan) Festfeier umfasste das Erscheinen aller männlichen Erwachsenen beim Heiligtum (Ex. 23, 16f.), Arbeitsruhe (Lv. 23, 21) und Darbringung bestimmter Opfer für die Gemeinde sowie freiwillige Gaben seitens der Einzelnen (Nm. 28, 26-31; Dt. 16, 10). Die 1. Nacht des Festes wird jetzt mit dem Studium des Gesetzes zugebracht. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, Sp. 203

Sieben Wochen oder eine Wochenwoche nach dem Passah-Fest folgte das Pfingstfest. Im Pentateuch heißt es Fest der Wochen (Ex. 34, 22; Deut. 16, 10) mit Rücksicht auf die eben genannte Entfernung vom Passah-Fest, Fest der Ernte (Ex. 23, 16), weil es als Schluss- und Dankfest für die Getreideernte gefeiert wurde, und Tag der Erstlinge (Num. 28, 26), weil an demselben die Erstlingsbrote vom neu geernteten Weizen geopfert wurden; bei Josephus (Antt. 3, 10, 6) und im Neuen Testament (Apg. 2, 1) heißt es, ebenfalls mit Bezug auf seine Entfernung vom Passah-Fest der fünfzigste Tag.

Es dauerte nur einen Tag lang, und wenn zuweilen von einer zweitägigen Pfingstfeier die Rede ist, so bezieht sich das bloß auf die auswärtigen Juden, welche in späterer Zeit die Hauptfesttage überhaupt doppelt zu feiern pflegten; und wenn sieben Pfingsttage erwähnt werden, so sind sechs derselben nur compensationes, d. h. solche Tage, an welchen diejenigen, die auf Pfingsten freiwillige Opfer bringen wollten, am Fest selbst aber es nicht konnten, dieses Versäumnis nachholen durften (Lightfoof, Opp. II, 692).

Der Pfingsttag war ein Ruhetag (Lev. 23, 21), und die Hauptsache war die Darbringung des neuen Speiseopfers (Lev. 23, 16; Num. 28, 26), d. h. der Erstlingsbrote von dem neu geernteten Weizen, die als Dankopfer für den Segen der nun zu Ende gehenden Getreideernte gebracht wurden, denn die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten war die Erntezeit (Deut. 16, 9).

Sie mussten aus zwei Zehntel Epha Mehl bereitet und gesäuert gebacken werden. Das Mehl durfte nicht von ausländischem, sondern nur von solchem Weizen herrühren, den die Israeliten in Palästina selbst gebaut hatten; wenigstens ist das (Lev. 23, 17) von den Rabbinen von jeher so gedeutet worden. Sie wurden dann zum Opfer verwendet und fielen, weil nichts Gesäuertes auf den Altar kommen durfte, den Priestern zu.

Wie zu der Erstlingsgabe am Passah-Fest, kam auch zu diesen Erstlingsbroten noch ein Brandopfer, bestehend aus siebenjährigen Lämmern, einem Stier und zwei Widdern nebst den zugehörigen Speise- und Trankopfern, und dazu noch ein Ziegenbock zum Sündopfer und zweijährige Lämmer zum Dankopfer (Lev. 23, 18f.). Das Festopfer für Pfingsten bestand aus denselben Tieren, nur dass das Dankopfer wegfiel und bloß ein Widder und dagegen zwei Stiere geopfert wurden (Num. 28, 27f.).

Manche Neuerer finden zwar an beiden Stellen (Lev. 23, 18f. und Num. 28, 27f.) einerlei Opfer, nämlich das Festopfer für Pfingsten, vorgeschrieben. Allein dagegen ist schon die Verschiedenheit der beiderseitigen Vorschrift; und zudem lässt sich im Voraus erwarten, dass, wie zum Erstlingsopfer am Passah-Fest, so auch zu dem am Pfingstfest ein Brandopfer kommen werde, und zwar zu letzterem ein größeres, weil es nicht, wie jenes am Passah-Fest, eine untergeordnete Stelle einnimmt, sondern den Haupt- und Mittelpunkt des Pfingstfestes als eines Erntedankfestes bildet.

Die alten Rabbinen haben daher ohne Zweifel recht gehabt, dass sie an beiden Stellen zwei verschiedene Opfer vorgeschrieben fanden (Jos. Antt. 3, 10, 6; Misch. Menach. 4, 2), Unrecht aber, dass sie bei Lev. 23, 18f. an das Festopfer dachten, da doch hier das Opfer (…) als eine Zugabe zum Brandopfer, Num. 28, 31 dagegen (…) (vgl. V. 23,; 29, 6) als Festopfer bezeichnet wird. Zu diesen Opfern kamen dann noch verschiedene freiwillige Opfer von einzelnen Israeliten (Deut. 16, 10).

Eine historische Beziehung wird dem Pfingstfest im Pentateuch und überhaupt in den alttestamentlichen Schriften nicht gegeben. Die Angabe, dass die Juden das Pfingstfest zum Andenken an die sinaitische Gesetzgebung gefeiert hätten, findet sich erst bei den Kirchenvätern (Leo M. Serm. I den pentec.; Hieron. Epist. Ad Fabiol.) und rabbinischerseits erst bei Maimonides, dem aber schon Abarbanel widerspricht (vgl. Bähr, Symbolik etc. II, 645f.). –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 4, 1886, Sp. 1439– Sp. 1441

Bildquellen

  • Moritz_Daniel_Oppenheim_-_Shavuot__Pentecost___Das_Wochen-_oder_Pfingst-Fest__-_Google_Art_Project: wikimedia
Tags: Judentum
Buch mit Kruzifix
Wesley
Buch mit Kruzifix
Tempelweihe

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Wiedertäufer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Wiedertäufer Wiedertäufer (Anabaptisten), Bezeichnung für das weit verzweigte Sektentum der Täuferbewegung. Diese entstand zur Zeit der Glaubensspaltung infolge der durch den Protestantismus angeregten allgemeinen und ungeregelten Bibellektüre, die unter den Einflüssen von Erasmus, Zwingli,…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Isabella die Katholische Isabella die Katholische, Königin von Spanien * 22.4.1151 zu Madrigal, † 26.11.1504 zu Medina del Campo; Tochter Johanns II. v. Kastilien, vermählte sich 1469 mit dem Thronerben von Aragón Ferdinand d.…
Buch mit Kruzifix

Höllenfahrt Christi

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Höllenfahrt Christi Höllenfahrt Christi, das Hingehen der vom Leib im Tod getrennten Seele Jesu in das Reich der abgeschiedenen Seelen. I. Diese zunächst natürliche Wahrheit wird als Tatsache schon von den ältesten Vätern (Ignatius,…
Buch mit Kruzifix

Tyrrell

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Tyrrell Tyrrell, George, einer der hervorragendsten Theoretiker des Modernismus, * 6.2.1861 zu Dublin, † 15.7.1909 zu Storrington. I. Leben und Werke. Von Geburt Anglikaner, konvertierte Tyrrell 1879, wurde 1891 Jesuit, 1891 Priester und 1894…
Buch mit Kruzifix

Abtötung

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abtötung Abtötung bezeichnet in der kirchlichen Sprache jene Übung, die auf Beherrschung und Unterdrückung der ungeregelten Triebe hinzielt, die im Menschen als einem geistig-sinnlichen Wesen sich geltend machen. Sie wird unterschieden in äußere und…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Pharisäer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pharisäer Pharisäer („Separatisten“), Name seit Johann Hyrkanus I. (135-104 v. Chr.), anfangs tadelnde Bezeichnung im Munde ihrer Gegner, von ihnen gern übernommen, da sie ihre „Absonderung“ für etwas Gott Wohlgefälliges hielten; Apg. 15,5 und 26,5 werden sie als Sonderrichtung bezeichnet. Sie selbst nannten sich Genossen. Ihre Wurzel hatten sie…
Buch mit Kruzifix

Semiten

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Semiten Semiten, die große Familie der Völker, die nach Gn. 10, 22ff von Sem abstammen und ursprünglich dieselbe Sprache redeten wie die zu Sems Nachkommen zählenden Hebräer. Nach Gn. 11, 2 kamen sie aus dem Osten nach Babylonien und bevölkerten den Südwesten Asiens. In Babylonien übernahmen sie den von…
Buch mit Kruzifix

Makkabäerbücher

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Makkabäerbücher II. Makkabäerbücher 1) Die kanonischen (bei Juden und Protestanten aber für apokryph geltend): Das 1. Buch der Makkabäer behandelt nach kurzem Rückblick auf Alexander und die Gründung des Seleukiden-Reiches (1, 1-10) die jüdische Geschichte vom Regierungsantritt des Antiochus Epiphanes (175) bis zum Tod des Simon (134). Es ist…
Buch mit Kruzifix

Feste der Juden in der Neuzeit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Feste bei den Juden: II. Feste der Juden in der Neuzeit Ein Klassenzimmer der ersten Klasse in Tel Aviv im Jahr 1973 mit Schautafeln zu den Feiertagen; die Schautafel zu Lag BaOmer zeigt, Bar-Kochba auf der linken Seite. Nach der Zerstreuung gestaltet sich der Festkalender der heutigen Juden folgendermaßen:…
Buch mit Kruzifix

Sara

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sara Sara, im Alten Testament 1. die Gemahlin des Patriarchen Abraham, war zugleich dessen Halbschwester, vom nämlichen Vater und einer andern Mutter geboren (Gen. 20,12). Die Annahme der Juden, sie sei identisch mit Jescha, der Tochter Arans (Gen. 11,29), wird zwar von manchen christlichen Exegeten geteilt, ist aber mit…
Buch mit Kruzifix

Gaonat

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gaonat Gaon (=Excellentia, vielleicht nach Ps. 47, 5) Amtstitel, den zunächst die Rektoren zu Sura, später auch und, nachdem diese Akademie eingegangen war, ausschließlich die zu Pumbedita führten. Wann der Titel in Gebrauch kam, ist nicht sicher, nach Scherira seit 589. Ihre Würde war halb erblich. Sie hatten von…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner