Mallinckrodt

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Mallinckrodt

Mallinckrodt, Hermann v., katholischer Politiker, * 5.2.1821 zu Minden, † 26.5.1874 zu Berlin (ruht bei St. Meinolf zu Böddeken). Mallinckrodt war 1849-72 im preußischen Verwaltungsdienst, zuletzt als Regierungsrat in Merseburg; 1852-63 und seit 1868 im preußischen Landtag; seit 1867 im Reichstag; Mitbegründer und einer der großen Führer der Katholischen Fraktion und des Zentrums, vor allem unvergessen als Vorkämpfer für kirchliche Freiheit und paritätischer Behandlung des katholischen Volksteils. Mallinckrodt verfocht den ausgesprochenen Vorrang des Erkenntnismäßigen und Moralischen vor einer rein politischen Willenssetzung. Weil er nur seiner innersten Überzeugung folgte (etsi omnes, ego non), war sein politisches Leben reich an Spannungen. Im norddeutschen Reichstag verurteilte er 1867 als einziger Altpreuße die Bismarcksche Politik von 1866, ebenso Dezember 1870 die Grundlagen der Reichsverfassung, in der er den Weg zu Imperialismus und Militarismus sah. Streng konservativ, überzeugte er nicht nur durch die Kraft seiner Worte, sondern auch durch sittlichen Ernst und religiöses Streben; seine „westfälische Ehrlichkeit“ war auch beim politischen Gegner hoch geachtet. (*)

Mallinckrodt, Pauline v., Schwester des Vorigen, * 3.6.1817 zu Minden, † 30.4.1881 zu Paderborn; lebte seit 1839 in Paderborn, leitete hier zunächst eine Kleinkinder-Bewahr-, dann die katholische Provinzialblinden-Anstalt. Sie gründete 1849 die Genossenschaft der Schwestern der christlichen Liebe. Als deren Generaloberin festigte sie ihr Institut innerlich und errichtete in Deutschland 20 Niederlassungen, bis der Kulturkampf die Schwestern zur Auswanderung nach Liechtenstein, Böhmen und besonders nach Amerika zwang, wohin sie selbst 2mal reiste. Das von der preußischen Regierung aufgelöste Mutterhaus verlegte sie 1876 nach Mont-St-Guibert in Belgien (bis 1887); hier bot sie auch dem Bischof Konrad Martin v. Paderborn ein Asyl; sie brachte 1879 seine Leiche nach Paderborn. Eine heroische Seele, voll Eifer für die Ehre Gottes, Demut und Nächstenliebe. Seligsprechungsprozess 1.5.1926 eröffnet. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1934, Sp. 832 – Sp. 833

(*) Literatur: Hermann von Mallinckrodt, der Vorkämpfer für Wahrheit, Recht und Freiheit. Dem katholischen Volk dargestellt von Dr. W. T. Berger, Bonifacius-Druckerei Paderborn

Tags: Christenverfolgung
Buch mit Kruzifix
Jesuiten
Buch mit Kruzifix
Konrad Martin

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Alarich

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Alarich Alarich („ganz mächtig“), Westgotenkönige: Alarich I., * um 370 auf der Insel Peuke in der Donaumündung aus dem Geschlecht der Balthen, kam um um 376 in das römische Reich, befehligte 394 die gotische…
Buch mit Kruzifix

Strauß

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Strauß Strauß, David Friedrich, freigeistiger protestantischer Theologe, * 27.1.1888 zu Ludwigsburg (Württ.), † 8.2.1874 ebd. Im Seminar zu Blaubeuren war F. Chr. Baur sein Lehrer. Winter 1831/32 kam er zu Berlin in persönliche Beziehung…
Buch mit Kruzifix

Diokletian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Diokletian römischer Kaiser und Christenverfolger Diokletian, Cajus Aurelius Valerius, römischer Kaiser, * bei Saloma (Dalmatien), arbeitete sich im Militärdienst zum Comes domesticorum empor, 17.9.284 zu Chalcedon von den Offizieren zum Kaiser ausgerufen. Schon 1.4.286…
Buch mit Kruzifix

Waldenser

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Waldenser Waldenser, auch Waldesier, mittelalterliche Sekte, benannt nach ihrem Stifter Waldes (Valdus, Valdesius) – der Vorname Petrus wird erst 1368 erwähnt – aus Lyon. Nach den sich ergänzenden Berichten im Chronicon universale anonymi Laudunensis…
Buch mit Kruzifix

Seelenwanderung

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Seelenwanderung Seelenwanderung, auch Metempsychose (= Seelenwechsel) oder Reinkarnation (= Wiederverkörperung), ist der angebliche Übergang der aus den sterbenden Körper scheidenden Seele in einen neuen gleichartigen oder artverschiedenen Körper bis zur völligen Läuterung und sittlichen…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Decius

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Decius römischer Kaiser und Christenverfolger Decius, Cajus Messius Quintus Trajanus, 249 bis 251 römischer Kaiser. Die decische Verfolgung, die 7. nach der traditionellen Zählung, die erste zielbewusste und planmäßige, wollte das Christentum im ganzen Reich ausrotten und beginnt eine neue Periode in der Geschichte der Christen-Verfolgungen. Decius war einer…
Buch mit Kruzifix

Abgefallene

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abgefallene (Lapsi) Abgefallene, Lapsi, sind im allgemeinen solche, die einmal Christen waren, aber nachmals sich förmlich von der christlichen Kirche wieder lossagten. Näherhin bezeichnete man damit in den ersten christlichen Jahrhunderten jene Unglücklichen, welche zur Zeit der Verfolgung schwach genug waren, ihren christlichen Glauben zu verleugnen, um dem Tode…
Buch mit Kruzifix

Ledochowski

Bischof
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ledóchowski Ledóchowski, Mieczyslaw Halka Graf v., * 29.10.1822 zu Górki (Sandomir), † 22.7.1902 zu Rom; studierte mit Auszeichnung in Radom und an der Academia die Nobili Eccl. Zu Rom, 1845 zum Priester geweiht, 1851 Uditore der Nuntiatur in Lissabon 1855 ao. Apostolischer Delegat in Colombia und Chile, 1861 Nuntius…
Buch mit Kruzifix

Maxentius und Maximian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Maxentius und Maximian römische Kaiser und Christenverfolger Maxentius, römischer Kaiser 306-312, * um 279 als Sohn des Maximianus Herkulius, ließ sich 306 gegen den zum Cäsar des Westens bestellten Severus in Rom als Augustus ausrufen und herrschte, obwohl von den Mitregenten nicht anerkannt, über Italien und Afrika. Ein grausamer…
Buch mit Kruzifix

Galerius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Galerius römischer Kaiser und Christenverfolger Galerius, eigentlich Cajus Galerius Valerius Maximianus, römischer Kaiser. Illyrier von niederer Herkunft, tüchtiger Soldat und Heerführer, aber von barbarischen Sitten, fanatischer Heide und Christenfeind. Diokletian machte ihn 1.3.293 zum Cäsar und Mitregenten für den Orient und gab ihm seine Tochter Valeria zur Frau. Galerius…
Buch mit Kruzifix

Konrad Martin

Bischof
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Konrad Martin Martin, Konrad, * 18.5.1812 zu Geismar (Eichsfeld), 1836 Priester, Rektor des Progymnasiums zu Wipperfürth, 1840 Religionslehrer am Marzellen-Gymnasium in Köln, 1844 ao. Professor der Moral und Pastoral und Inspektor des theologischen Konvikts in Bonn, 1848 o. Professor der Moral, 1856 Bischof von Paderborn. Wirkte als Bischof mit…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner