Henoch

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Henoch

1) Henoch, Erstgeborner des Kain und nach ihm benannte Stadt (Gn. 4, 17f). –

Es wäre ungereimt, hierbei an eine Stadt im späteren Sinne zu denken, oder Städte und Völkerschaften nach der Flut (Anuchta, Heniocher bei Ptolemäus u. A.) in Vergleich zubringen; sie ist eben nichts als eine „Burg“ oder ein fester Wohnsitz, sei er auch nur durch graben und Erdwall geschützt gewesen. (Kirchenlexikon)

2) Der 7. der vorsintflutlichen Urväter, Sohn Jareds und Vater Methusalems, wegen seiner Frömmigkeit von Gott der Erde entrückt (Gn. 5, 18-24). Nach Sir 44, 16 sollte die Entrückung die Menschheit zur Frömmigkeit aneifern; nach Sap. 4, 10 wollte ihn Gott durch sie vor Versuchungen bewahren. Hebr. 11, 5 rühmt seinen heroischen Glauben; nach Jud. 14 und 15 verkündet er der sündigen Menschheit das bevorstehende Gericht. Wohin Henoch versetzt wurde, gibt die Hl. Schrift nicht an. Das apokryphe Buch Jubiläen 4, 23 läßt ihn in den Garten Eden, die Himmelfahrt des Isaias 9,9 in den 7. Himmel versetzt werden. Die kirchliche Tradition sah öfter in den beiden Zeugen Apk. 11, 3 Henoch und Elias, die vor der 2. Ankunft des Gottessohnes als Bußrediger auftreten werden. Das spätere Judentum schrieb ihm die Kenntnis aller Geheimnisse zu, besonders die Erfindung der Astronomie, wie Henochbuch und Jub. 4 zeigen (vgl. Eusebius, Praep. ev. IX 17 18). Auch bei den Arabern vermittelet Henoch (Idris, „der Gelehrte“) Weisheit und Wissenschaft. (Buchberger)

… nach gewöhnlicher Ansicht im siebenten Geschlecht von Adam abstammend. Vor allen anderen Urvätern bezeugt ihm die Genesis (5, 18ff), daß er mit Gott gewandelt, ein Lob, dessen ausgezeichnete Bedeutung die übrige Schrift Alten und Neuen Bundes (Eccli. 44, 16; 49, 16.; Hebr. 11, 5) ausdrücklich anerkennt. Auch die ganze christliche Tradition ist hierüber einstimmig, und nur die jüdische weicht bisweilen (Jarchi zu Gen. 5, 24) ab. Zur Belohnung dieser Gottestreue (des lebendigen Glaubens, Hebr. 11, 5) ward Henoch, 365 Jahre alt, nach damaligen Verhältnissen in der vollen Manneskraft (Weish. 4, 11), von Gott hinweg genommen, „daß er den Tod nicht sehe“, um zugleich „der zagenden Menschheit das werste Morgenrot einer über die Verwesung siegenden Kraft, die Hoffnung einstiger Auferstehung vor Augen zu führen“ (Athanasius; Theodoret. Qu. 45 in Gen.; Chrysostomus); Irenäus (Haer. 5, 5) fügt bei: ad exemplum futurae longitudinis dierum – nach den sechs Arbeitsleben der ersten Patriarchen die Vorahnung ewiger Sabbatsruhe im siebenten. Wie Elias im Gesetz, ist Henoch vor dem Gesetz (in lege naturae) Vorbote Christi, des wirklichen Überwinders des Todes, aber immer nur Weissagung darauf, indem beide nach allgemeinem Dafürhalten der christlichen Lehrer (Iren. 4, 14; 5, 5; Tertull. De anim. 1; De resurr. 58; Hippol., Ambr., Hieron., Aug. usw.) am Ende der Tage wiederkehren und, nachdem sie Christo gegen den Antichrist Zeugnis gegeben, von diesem den Martertod erleiden werden. Wie Elias der Juden Apostel sein wird, so soll Henoch der Heiden Apostel sein, denen er ja schon im ersten irdischen Leben gepredigt (Eccl. Ut det gentibus poenitentiam; vgl. Jud. 14). Mittlerweile leben beide an einem nicht bestimmbaren Ort in einem Zustand, welcher weder einer des Verdienens, noch einer der ungetrübten Anschauung Gottes, sondern mehr einer der ekstatischen Betrachtung ist, in einem Mittelzustand zwischen Seligkeit und Erdenleben, weshalb sie auch keiner Speise bedürfen, gleichwie Moses auf dem Sinai und Elias auf der Wanderung nach dem Horeb (so Thoams nach Aug. De peccat. Merit. Et remiss. 3). Andere denken an den Genuss des Lebensbaumes oder an eine Art Vergeistigung des Leibes, die jedoch geringer als die letzte Verklärung desselben sei. Dies ist Beweis genug dafür, daß auch die ältere Theologie den hier sich bietenden Fragen nicht aus dem Wege gegangen ist, wenn sie sich auch in letzter Instanz bei der Allmacht Gottes und der Unschicklichkeit unnötigen Grübelns beruhigte. Die heidnischen Sagen von Aufnahme sterblicher Menschen in die Götter-Gesellschaft (Ganymed usw.) sind nicht notwendig als Nachklänge der biblischen Nachricht anzusehen, indem solche Dichtungen aus natürlicher Sehnsucht sehr erklärlich sind, können aber um so weniger unsere historisch beglaubigte Erzählung in ihren Kreis herab ziehen. Herbelot (Biblioth. Orient. I, 624 sq.) gibt aber andere Sagen, die sich im Morgenland an den wahren Henoch (Edris) angehängt haben, wie deren auch die jüdische Tradition hat, z. B. Daß er die Kainiten durch predigt, dann durch Waffengewalt zu bekehren gesucht, daß er Erfinder des Schreibgriffels und der Nadel, der Astrologie und Mantik gewesen; Theodotus (in opp. Epiph. ed. Petav.) hingegen, daß er gerade diese Erfindungen den gefallenen Engel zugeschrieben, vor welchen er die Töchter der Menschen gewarnt. Dieses wie die Meinung des hl. Irenäus (4, 16), daß er den (gefallenen) Engeln gepredigt, führt schon in den Inhalt des nach ihm benannten apokryphen Buches hinüber, welches in der alten Kirche viel verbreitet war. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 5, 1888, Sp. 1769 – Sp. 1770

3) Ältester Sohn des Ruben (Gn. 46, 9; Ex. 6, 14; Nm. 26, 5; 1. Chr. 5, 3); Nm. 26, 5.

4) Sohn des Madian, des 4. Sohnes Abrahams von der Cetura (Gn. 25, 4; 1. Chr. 1, 33); gemeint ist ein arabischer Stamm

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, S. 961 – Sp. 962

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