A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Gottesbeweise

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Gottesbeweise

Die wissenschaftliche Gotteserkenntnis, in der vorwissenschaftlichen, natürlichen keimhaft enthalten, erweist die direkte, spontane Erkenntnis reflex als berechtigt. Sie beweist das Dasein Gottes, das uns nicht unmittelbar evident ist (S. th. 1, q. 2, a. 1: per se notum quoad se, aber nicht quoad nos), aus den Werken Gottes.

Die Gottesbeweise beruhen auf den Grundprinzipien des Seins und Denkens

a) Die Gottesbeweise beruhen, wie jede wissenschaftliche Erkenntnis, auf den Grundprinzipien des Seins und Denkens; des Widerspruchs, des hinreichenden Grundes und der Kausalität. Da aus der Idee des vollkommensten Wesens seine reale Existenz nicht abgeleitet werden kann, wie es das ontologische Argument seit den Zeiten des hl. Anselm immer wieder vergebens versucht hat, kommt nur eine Beweisführung a posteriori in Betracht.

Im Anschluss an die klassische Form, die ihnen der hl. Thomas (S. th. 1, q. 2, q. 3; vgl. dazu Contra Gent. 1, c. 13 15 16 44; 2, c. 15; 3, c. 44; De verit. q. 5, a. 2; De potent. q. 3, a. 4) in seinen „fünf Wegen“ gegeben, hat man eine Reihe von Beweisen aufgestellt. (Schema bei Scheeben I, 475ff), die sich durch ihren Ausgangspunkt und unmittelbaren Zielpunkt unterscheiden, aber gegenseitig ergänzen und alle letztlich bei dem einen unendlich vollkommenen Gott münden, der eben deshalb überweltlich und persönlich ist.

Die bekanntesten schließen so: der kosmologische aus der erfahrungsmäßigen Existenz irgendeines Seins auf das ens a se, das Sein, das seinen Grund in sich hat;

der Kontingenzbeweis, aus dem zufälligen Sein auf das absolut notwendige Sein; der klimakologische aus den Stufen (Graden) des Seins auf die Unendlichkeit Gottes;

der kinesiologische aus der Bewegung, Veränderung auf den ersten, unbewegten Beweger, die reine Aktualität;

der henologische aus der Einheit in der Vielheit auf Gott, das einzige Prinzip aller Dinge;

der ideologische entweder aus dem möglichen Sein oder aus der Wesensnotwendigkeit des existierenden Seins auf Gott als den Grund aller Möglichkeit und Notwendigkeit;

der teleologische aus der Ordnung in der Welt auf den unendlich weisen und mächtigen Weltbaumeister;

der eudämonologische aus dem Natur notwendigen Drang des Menschen nach dem vollkommenen Wahren und Guten auf das im höchsten Maße, unendlich wahre und gute Wesen;

der deontologische aus dem Gewissen auf Gott als obersten Gesetzgeber (Quelle aller Verpflichtung);

der ethnologische aus der Allgemeinheit des Gottesglaubens in der Religionsgeschichte auf Gott als das übernatürliche Wesen, dem alle Menschen Verehrung schulden.

Diese verschiedenen Beweisformen gehen von fest stehenden Erfahrungs-Tatsachen aus, die durch keine spätere Forschung umgestoßen werden können. Das gilt nicht im gleichen Maße von mehreren neueren Beweisversuchen, z.B. vom Entropie- und Elektronenbeweis.

Kants Kritik gegen die Gottesbeweise

Das weit verbreitete Misstrauen gegen die Gottesbeweise geht letztlich auf Kant, ihren sogenannten „Zermalmer“, zurück. Schon Hegel (Die Philosophie der Religion 1928 II 360f 436f) sagte, dass sie durch Kants freilich angreifbare Kritik „in Verruf gekommen“, „antiquiert“, „aufgegeben“ seien. Kants Kritik beruht auf seiner Erkenntnistheorie, die das theoretische Wissen über die Erfahrung hinaus als unmöglich betrachtet, und fällt mit ihr. Seine besonderen Einwände gegen die Gottesbeweise, die er nur aus der protestantischen Zeitphilosophie (Chr. Wolff, A. G. Baumgarten u.a.), nicht aus der Scholastik kannte, sind sachlich nicht begründet.

Kant meint, der kosmologische und theologische Beweis gingen auf den ontologischen zurück (Kritik der reinen Vernunft 1781 606f 625), die Beweise zeigten nicht die Unendlichkeit des ens a se (ebd. 607f), besonders führe der teleologische nur zu einem endlichen, wenn auch sehr mächtigen Weltbaumeister (ebd. 626ff). Lehrreich ist Kants Endergebnis: wohl lasse sich beweisen, dass es ein „regulatives Prinzip der Vernunft“ (ebd. 619f) gebe, ein „fehlerfreies Ideal“ (ebd. 641), „ein Begriff, welcher die ganze menschliche Erkenntnis schließt und krönt, dessen objektive Realität zwar nicht bewiesen, aber auch nicht widerlegt werden kann“. –

Die Evidenz der Gottesbeweise ist eine metaphysische, nicht bloß moralische, wenn sie auch nicht eine mathematische, d. h. von jeder Beziehung auf die subjektive Einstellung ganz unabhängig genannt werden muss (vgl. Scheeben I, 477). Der so bewiesene Gott ist keineswegs bloß der Gott des Pantheismus oder Deismus: er ist in seinem Sein (ens a se) von jedem andern (ens ab alio) grundwesentlich verschieden, der persönliche, allwissende, allgütige und allmächtige Gott, zu dem wir Vertrauen haben und beten. Allerdings lässt sich der Christ leiten vom Gottesbegriff des Glaubens, der den natürlichen Gottesbegriff bestätigt und ergänzt und unvergleichlich reicher, schöner und wärmer ist.

Gottesbeweis aus den übernatürlichen Tatsachen

b) Der Beweis aus den übernatürlichen Tatsachen ist formell ein natürlicher, nach seinem Ausgangspunkt ein übernatürlicher Vernunftschluss, der uns geradewegs zu Gott führt, wie wir ihn in der geoffenbarten Religion verehren. Er schließt aus den historischen durch biblische und nicht-biblische Zeugnisse feststehenden übernatürlichen Tatsachen des Alten und Neuen Testamentes, der Kirche und ihrer Mitglieder, besonders der Heiligen, auf eine überweltliche weise, heilige und mächtige Ursache, die für einige dieser Tatsachen ein unendliches Wesen sein muss, weil sie die zukünftigen freien Handlungen sicher vorher weiß und ohne Aufhebung der Freiheit unfehlbar lenken kann.

Außerdem schließt dieser Beweis aus der in der Offenbarung enthaltenen Selbstbezeugung Gottes, die nach Umständen, Zweck und Wirkungen nicht als unwahrhaftig angenommen werden kann, auf ihre Wahrheit und damit die Existenz des unendlichen, allmächtigen, persönlichen Gottes, dem Anbetung gebührt. Namentlich lässt sich dieser Gottesbeweis führen aus dem Zeugnis der Persönlichkeit, den Werken und Erfolgen Jesu Christi und aus der Kirche (Ecclesia per se ipsa: Vatic. Sess. III, c. 3; Denz. 1794). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, Sp. 601- Sp. 603

Buch mit Kruzifix
Deismus
Buch mit Kruzifix
Gotteserkenntnis

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Ledochowski

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ledóchowski Ledóchowski, Mieczyslaw Halka Graf v., * 29.10.1822 zu Górki (Sandomir), † 22.7.1902 zu Rom; studierte mit Auszeichnung in Radom und an der Academia die Nobili Eccl. Zu Rom, 1845 zum Priester geweiht, 1851…
Buch mit Kruzifix

Lavigerie

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lavigerie Lavigerie, Charles Martial Allemand, Kardinal (seit 1882), * 31.10.1825 zu Huire bei Bayonne, † 25.11.1892 zu Algier. 1850 mit den Thesen de Hegesippo un d Essai sur l’ecole chrét. d’Edesse zum Doktor promoviert,…
Buch mit Kruzifix

Donatisten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Donatisten Donatisten, nordafrikanisches Schisma des 4./5. Jahrhunderts, hervorgewachsen aus Gegensätzen, die sich aus dem novatianischen Kirchenbegriff (Kirche der Reinen) und dem cyprianischen Sakramentsbegriff (Gültigkeit der Taufe abhängig von der Würdigkeit des Spenders) sowie aus…
Buch mit Kruzifix

Pavillon von Alet

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pavillon von Alet Pavillon, Nicolaus, Bischof von Alet (in den Pyrenäen), gehört zu den Bischöfen, welche bei den jansenistischen Erörterungen sich weigerten, das Formular vom Jahr 1665 zu unterschreiben. Er war im Jahre 1597…
Buch mit Kruzifix

Maximinus Daja

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Maximinus Daja römischer Kaiser und Christenverfolger Maximinus Daja oder Daza, römischer Kaiser, Illyrier, niederer Abkunft, 1.5.305 seinem Oheim Galerius als Cäsar über Cilicien, Syrien und Palästina beigegeben, 309 vom Heer als Augustus ausgerufen, 311…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Eudisten

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudisten Eudes, Jean, hl. (1909 selig-, 1925 heiliggesprochen), einer der großen Erneuerer des religiösen Lebens Frankreichs im 17. Jahrhundert, „auctor, doctor et apostolus cultus liturgici Sacr. Cordis Jesu“ (Pius X.), * 14.11.1601 zu Ri bei Argetan, † 19.8.1680 zu Caen; trat 1623 in Paris bei den Oratorianern ein, wurde…
Buch mit Kruzifix

Arkadius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arkadius Arkadius, hl. Märtyrer zu Cäsarea in Mauretanien (Cherchel) in der diokletianischen Verfolgung. Die älteste Bezeugung über ihn besitzen wir in einer Rede des hl. Zeno von Verona (Migne PL XI 450/54) und in einer Passio, die ihn irrtümlich nach Achaia versetzt (Th. Ruinart, Acta martyrum, Regensburg 1859, 550/53).…
Buch mit Kruzifix

Geheimbünde

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Geheimbünde Geheimbünde sind Vereinigungen, die ihre Existenz selbst oder ihre Verfassung, Lehren, Gebräuche und Ziele geheim halten. Die Eingeweihten, meist erst nach einer Prüfung und oft unter kultischen Reinigungen aufgenommen, sind streng zum Schweigen verpflichtet. Bei den Naturvölkern dienen sie dem religiösen Kultus, vielfach auch der Erreichung wirtschaftlicher, sozialer…
Buch mit Kruzifix

Eutyches

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eutyches Eutyches, Irrlehrer, * 378, Mönch, später Archimandrit eines großen Klosters (300 Mönche) bei Konstantinopel. Gestützt auf die kaiserliche Macht und blindes Werkzeug des Patriarchen Dioskur I. von Alexandrien, kämpfte er leidenschaftlich gegen alle wirklichen und vermeintlichen Nestorianer, bis ihn selbst die Synode zu Konstantinopel 8.11.448 wegen Monophysitismus verurteilte.…
Buch mit Kruzifix

Arnauld

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arnauld Arnauld (Arnaud, arnaut, Arnault), Familie, die in der Geschichte der Mystik und des Jansenismus in Frankreich im 17. Jahrhundert eine führende Rolle spielte. Aus der Auvergne stammend, war sie mit Antoine Arnauld, Herrn von de la Mothe und Villneuve, dem späteren Großprokurator unter Katharina Medici, um 1547 nach…
Buch mit Kruzifix

Photius

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Photius Photius, Patriarch von Konstantinopel, wurde um das Jahr 820 in Konstantinopel aus einer vornehmen Familie geboren, die den Patriarchen Tarasius (gest. 806) zu den Ihrigen zählte und im zweiten Bilderstreit mutig für den Bilderkult eintrat. Von seinem frühesten Bildungsgang wissen wir nichts. Noch in jungen Jahren trat Photius…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner