Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Sarpi

Sarpi, Paolo, Servit (seit 1565/66), * 14.8.1552 zu Venedig,† 14. (oder 15.) 1. 1623 ebd.; 1579 venezianischer Ordensprovinzial, 1585-88 Generalprokurator in Rom, huldigte extremen Anschauungen, die ihn der Inquisition verdächtig machten und bewirkten, daß er mehrere Male als Bischofskandidat von der Kurie abgelehnt wurde. Im Streit Pauls V. mit Venedig verfocht er, seit Januar 1606 Staatstheologe der Republik, deren Standpunkt literarisch gegen die Ansprüche des Papstes und trug entscheidend zur Wirkungslosigkeit des im April 1606 verhängten Interdiktes bei, so daß Paul V. zu einem nachteiligen Vergleich und zur Aufhebung des Interdiktes gezwungen ward. Am 5.10.1607 wurde Sarpi meuchlings mit Dolchstichen lebensgefährlich verletzt, genas aber wieder. Ein strenger Beweis, daß die kirchlichen Gegner Sarpis die Anstifter waren, ist nicht erbracht, auch nicht für ihre Unschuld. Glühender Haß gegen Rom wie gegen die Jesuiten beseelte ihn nun und fand Ausdruck in zahlreichen Schriften, die mit staatskirchlichem Geist getränkt sind, den Neuerungs-Bewegungen in Italien großen Vorschub leisteten und einen gewaltigen literarischen Kampf auslösten. Heute sind in der Hauptsache nur noch seine parteiische Istoria del Concilio Tridentino, die später P. Sf. Pallavicini durch sein besseres Gegenwerk zu widerlegen suchte, und seine Briefe von Wichtigkeit. Seine Haltung trägt Züge eines politisch-taktischen wie theologisch-kirchlichen Doppelspiels. Die Protestanten sprechen ihn als innerlich der neuen Lehre zugetan an, und tatsächlich hat er die reformatorische Bewegung gefördert; aber er lehnte den Bruch ab, näherte sich der protestantischen Rechtfertigungslehre nur wenig und erfüllte, obschon seit Januar 1607 exkommuniziert, bis zu seinem Tode seine priesterlichen Obliegenheiten. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 188

Buch mit Kruzifix
Rautenstrauch
Buch mit Kruzifix
Arnauld

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Kamisarden

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kamisarden Kamisarden, die reformierten Bewohner der Cevennen während der Aufstände 1702/05. Der Name wird abgeleitet von camise = Hemd (Blusenmänner) oder camis = Landstraße (Wegelagerer) oder camisade = Nächtlicher Überfall. Die Kamisarden veranstalteten nach…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gesellschaft Mariens Maristen, auch Gesellschaft Mariens (Societas Mariae, Abk.: SM), Ordensgenossenschaft, die neben der klösterlichen Selbstheiligung durch besondere Verehrung der Muttergottes Jugenderziehung (in höheren Schulen, Priesterseminarien), Volksmission und Heidenmission zum Zweck hat, gegründet 1824…
Buch mit Kruzifix

Dreikapitelstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Dreikapitelstreit Dreikapitelstreit, ein Nachspiel des nestorianischen und monophysitischen Kampfes im 6. Jahrhundert. Um die Monophysiten zu gewinnen, erließ Kaiser Justinian I 543 ein Edikt gegen die „3 Kapitel“: 1) die Person und die Schriften…
Buch mit Kruzifix

Konrad Martin

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Konrad Martin Martin, Konrad, * 18.5.1812 zu Geismar (Eichsfeld), 1836 Priester, Rektor des Progymnasiums zu Wipperfürth, 1840 Religionslehrer am Marzellen-Gymnasium in Köln, 1844 ao. Professor der Moral und Pastoral und Inspektor des theologischen Konvikts…
Buch mit Kruzifix

Keuschheit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Keuschheit Keuschheit (castitas), regelt die Befriedigung des Geschlechtstriebes nach gottgesetzter Ordnung. Thomas v. Aquin reiht sie unter die Kardinaltugend der Mäßigkeit (temperantia) ein (2, 2. q. 141, a. 4; q. 146), insofern Mäßigkeit Regelung…

Weitere Lexikon-Beiträge

Es wurden keine Ergebnisse gefunden.
Consent Management Platform von Real Cookie Banner