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Könige und Kaiser

Ludwig I. – IV. Könige von Deutschland

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Deutsche Könige mit Namen Ludwig

Ludwig I. der Fromme – Ludwig der Deutsche – Ludwig II. – Ludwig III. – Ludwig IV. der Bayer

Ludwig I. der Fromme (le Débonnaire), Sohn Karls des Großen und der seligen Hildegard, * 778 zu Chasseneuil bei Vienne, 781 Vizekönig von Aquitanien, 794 mit Irmgard vermählt, 11.9.813 vom Vater in Aachen ohne päpstliche Mitwirkung zum Mitkaiser gekrönt, nach dem Tod Karls des Großen von Papst Stephan IV. 8.10.816 in Reims nochmals gesalbt und gekrönt. Ludwig hatte seine Jugend meist fern vom Vater in Südfrankreich verlebt; er war tapfer, prachtliebend, gutmütig und voll religiösen Sinnes und kirchlicher Interessen, doch nicht untadelig im Privatleben, schwach, zögernd und unselbständig. Nach Regierungs-Antritt suchte er sofort den Hof von allem leichtsinnigen Wesen zu säubern, verbannte Karls des Großen Berater Adalhard und Wala vom Hof, bestellte Abt Helisachar v. St-Riquier zum Erzkanzler und ließ sich besonders von Benedikt v. Aniane beraten.

Das blutige Vorgehen Papst Leo III. gegen den römischen Adel ließ er durch seinen Neffen, König Bernhard untersuchen, gab sich aber mit einer Erklärung des Papstes zufrieden, ebenso dann mit der Anzeige der ohne seine Zustimmung erfolgten Wahl von Papst Stephan IV. und Paschalis I. Das Pactum Hludovicianum v. 816 oder 817 erneuerte die Schenkungen Pippins und Karls, verzichtete auf kaiserliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit im Kirchenstaat, gewährte für die Papstwahl Freiheit und forderte nur Anzeige der erfolgten Wahl wie der Konsekration an den Kaiser. Freilich ist hinsichtlich der letzteren Punkte eine Fälschung bzw. Interpolation angenommen worden; jedenfalls regelte 824 im Auftrag Ludwigs dessen Sohn Lothar I. das Verhältnis zwischen Kaisertum und Papsttum in Rom neu durch die Constitutio Romana bzw. Lothariana – ein Höhepunkt kaiserlicher Macht.

Doch gewann das Papsttum wieder an Übergewicht, als die Schwäche Ludwigs in den folgenden Kämpfen im Reich zu Tage trat, bei denen es sich um den Gegensatz zwischen der fränkisch-privatrechtlichen Staatsauffassung und der Idee der Reichseinheit handelte, wie sie das Kaisertum verkörperte und wie sie besonders die kirchlichen Kreise förderten. 817 hatte Ludwig Lothar mit Mitkaiser und Erben der Kaiserkrone bestimmt mit dem größeren Gebietsanteil, während die jüngeren Brüder Pippin und Ludwig (der Deutsche) unter Lothars Oberhoheit Aquitanien bzw. Bayernerhalten sollten. Aber nach der 2. Ehe mit der Welfin Judith wollte Ludwig dann Alemannien, Elsass und andere Gebiete an den Sohn aus dieser Ehe Karl (den Kahlen) geben. Die Empörung darüber vereinigte die geistlichen Fürsten Erzkanzler Wala, Erzkaplan Hildwin, Agohard v. Lyon u.a. mit den geschädigten Söhnen. 829 von den französischen Großen abgesetzt, rettete Ludwig auf dem Reichstag von Nimwegen 830 mit deutscher Hilfe seine Stellung.

Aber seine Neuordnung, wonach Lothar auf Italien beschränkt bleiben, das übrige Gebiete auf Pippin, Ludwig und Karl verteilt und Karl noch Aquitanien erhalten sollte, empörte die 3 Söhne erster Ehe aufs neue; wiederum standen Wala, Agobard und Ebbo v. Reims auf ihrer Seite, dagegen blieben andere Kirchenfürsten, wie Drogo v. Metz, Ludwig treu und billigten es auch nicht, daß Gregor IV. auf Einladung Lothars über die Alpen kam und sich den Söhnen anschloss. Die schließlichen Friedens-Vermittlungen des Papstes blieben erfolglos, da Lothar Ludwigs Heer auf dem Lügenfelde bei Sigolsheim unweit Colmar zum Abfall verleitete. In der Medarduskirche zu Soissons musste Ludwig, von Ebbo bestimmt, 13.11.833 Kirchenbuße leisten und damit faktisch auf den Thron verzichten. Doch erhielt er, durch Pippin und Ludwig aus der Gefangenschaft Lothars befreit, schließlich die Herrschaft zurück; er wurde 1.3.834 in St-Denis wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen und von den anwesenden Bischöfen mit den königlichen Gewändern bekleidet; auf dem Reichstag v. Diedenhofen Februar 835 und auf der Synode von Metz 28.2835 musste Ebbo vor dem Gesamtepiskopat die Unrechtmäßigkeit der Absetzung erklären und Ludwig wurde (wohl auf eigenen Wunsch) von neuem rekonziliiert und gekrönt, Ebbo und Agobard abgesetzt. Allein neue Versuche besonders nach Pippins Tod, Karl auf Kosten der Brüder, namentlich Ludwigs, zu begünstigen, schufen abermals Verwirrung; doch starb vor der Auseinandersetzung mit letzterem der Kaiser 20.6.840 auf der Rheininsel bei Ingelheim; er wurde in St. Arnulf bei Metz beigesetzt.

Unter Ludwig und durch ihn wurde die nordische Mission gefördert. In Dänemark wirkten Ebbo v. Reims und die Mönche Ansgar und Autbert. Dieser kam im Auftrag Ludwigs auch nach Schweden. Im südöstlichen Teil Sachsens wurde in den Bistümern Halberstadt und Hildesheim eine festere Organisation, in der Gründung eines Erzbistums Hamburg für die nordische Mission ein Mittelpunkt geschaffen. Im Bilderstreit teilte Ludwig wohl den Standpunkt der Synode v. Paris (825), suchte aber des Papstes Strenge zu mildern, wie er auch Dungal und Jonas v. Orleans zur Äußerung gegen Claudius v. Turin veranlasste. Ludwig unterstützte die Klosterreform Benedikts v. Aniane, verlieh ihm Maursmünster und erbaute für ihn 814 Cornelimünster. Auf Grund der Beschlüsse der Bischöfe auf der Reichssynode v. Aachen entstand 816 das berühmte Capitulare monasticum, das der Kaiser in erweiterter Form 10.7.817 publizierte. Mehrere Klostergründungen fallen in Ludwigs Regierungszeit, so vor allem Korvey. Hier wurde er auch als heiliger verehrt (Fest 20. Juni).

Sein dritter Sohn,

Ludwig der Deutsche 843-76. * um 806, † 28.8.876 zu Frankfurt a. M., wurde 817 König von Bayern und erreichte sein durch alle Wechselfälle der Regierung seines Vaters verfolgtes Ziel, die Herrschaft über die rechtsrheinischen Stämme, endgültig im Vertrag v. Verdun 843. Eigensüchtige Eroberungslust trieb ihn in das Land seines mit Aquitaniern, Bretonen und Normannen ringenden Stiefbruders Karl II. d. Kahlen; im Vertrag v. Meerssen 870 teilte er mit diesem das Reich seines Neffen Lothar II. ohne Rücksicht auf den nächsten Erben, den Kaiser Ludwig II.

Er züchtigte Elbslawen und kämpfte, nicht immer glücklich, gegen die Böhmen, obwohl eine Anzahl Häuptlinge 845 in Regensburg getauft worden war. Hinter diesen Feindseligkeiten standen vielfach Rastislaw und Swatopluk (Zwentibold) v. Mähren. Dessen Selbständigkeits-Streben auf kirchlichem Gebiet gegenüber Bayern wurde durch die oströmischen Missionare Cyrillus und Methodius gefördert. Des letzteren Ernennung zum Erzbischof v. Sirmium in Pannonien rief heftige Kämpfe mit den bayerischen Bischöfen, besonders mit dem Erzbischof v. Salzburg, hervor. Durch Bischof Ermanrich v. Passau wurden Beziehungen zu den Bulgaren aufgenommen. Als der Sitz des hl. Ansgar, Hamburg, 845 von den Dänen zerstört wurde, erhielt Ansgar das Bistum Bremen, das von Köln gelöst wurde.

Ludwig war ein frommer, sittenstrenger Herrscher, freigebig gegen die Kirche; er förderte das synodale Leben und bewies Verständnis für die religiöse Volksliteratur. Seine Gemahlin Hemma und seine 4 Töchter Hildegard, Irmengard, Gisela und Berta wurden Äbtissinnen.

Ludwig II., * um 822, † 12.8.875 bei Brescia; Enkel Ludwigs I., der ihm 839 Italien zusicherte, wurde 844 von seinem Vater Lothar I. zur Wahrung der kaiserlichen Rechte nach Rom geschickt, verglich sich mit Papst Sergius II. und wurde von ihm 5.6.844 in St. Peter zum König der Lombardei und 850 von Leo IV. zum Kaiser gekrönt. Er suchte geordnete Verhältnisse in Italien zu schaffen und die Sarazenen aus Unteritalien zu vertreiben. 853 hatte er mit Leo IV. eine Zusammenkunft in Ravenna; 858 nahm er an der Wahl Nikolaus` I. teil und huldigte ihm; die Entfremdung zwischen ihm und dem Papst 864 wurde durch Vermittlung seiner tapferen Gemahlin Angilberga beigelegt. In Monte Cassino hatte er 869 eine Zusammenkunft mit seinem Bruder Lothar II. und Papst Hadrian II., der nach Lothars Tod Ludwigs Ansprüche auf dessen Reich zu schützen suchte und ihn 872 auch zum König v. Lothringen krönte, freilich ohne Erfolg.

Ludwig III. der Blinde, Sohn von Ludwigs II. Tochter Irmengard und des Königs Boso v. Burgund, * um 883 zu Autun, † 928; folgte 887 seinem Vater unter Vormundschaft der Mutter, wurde 890 in Valence zum König v. Niederburgund gewählt, 12.10.900 in Pavia zum König v. Italien und 15.2.901 von Benedikt IV. zum Kaiser gekrönt, 905 aber in Verona von seinem Rivalen Berengar I. gefangen und geblendet.

Ludwig IV. der Bayer, siehe eigenen Beitrag
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1934, Sp. 687 – Sp. 690

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