Lexikon I

Indifferentismus

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Indifferentismus

Indifferenz. Der Begriff der Indifferenz schließt in sich irgendwelche Form unbestimmten, unentschiedenen, schwankenden oder gleichgültigen Verhaltens, eine Unentschiedenheit des Willens auf Grund mangelnder oder noch nicht zur Klarheit und festen Bestimmtheit durchgedrungener Erkenntnis (Zweifel).

Die religiöse Indifferenz, auch Indifferentismus, ist ein gleichgültiges Verhalten gegenüber der Religion überhaupt oder der absoluten Religion des Christentums. Sie tritt auf als religiöse Neutralität, als Toleranz, als Indifferenz gegen die christlichen Dogmen (Latitudinarismus).

Dieses praktische Verhalten kann hervorgehen aus der Einwirkung des Milieus, der Familie und der Gesellschaft, aus einer mangelhaften Beschaffenheit des Charakters oder des Willens, nämlich aus geistiger Trägheit, Schwäche, Leidenschaften, feigem Ausweichen vor letzten Entscheidungen, Mangel an Folgerichtigkeit und Mut. Es kann aber auch hervorgehen aus einer reflexions-mäßigen, theoretischen und grundsätzlichen Indifferenz. Diese sieht entweder alle Religiosität für etwas Gleichgültiges und Wertloses an (Materialismus, Agnostizismus), oder betrachtet sämtliche Religionsformen als gleich berechtigt, sowohl als bestehende wie in ihrem geschichtlichen Werden (Religions-Geschichte und Bibelkritik), oder zweifelt bzw. leugnet, der Mensch könne in der religiösen Erkenntnis je zu sicheren Ergebnissen kommen (Agnostizismus).

Damit ist der objektive Wahrheitsgehalt und der unverbrüchliche Verpflichtungs-Charakter, der absolute Wert der christlichen Religion geleugnet und die Anwendung der Kategorien „wahr“ und „Falsch“ auf die Religion überhaupt abgelehnt. Die Grundlage einer solchen theoretischen Indifferenz kann empiristisch, positivistisch, kritischer Art sein. Sie kann gegeben sein in einem religions- oder dogmengeschichtlichen Skeptizismus und Relativismus. –

Der religiöse Indifferentismus (Latitudinarismus) ist vom kirchlichen Lehramt verworfen in folgenden Thesen:

a) „Es steht jedem Menschen frei, die Religion anzunehmen und zu bekennen, die er auf seine eigen Vernunfterkenntnis hin für die wahre hält;

b) die Menschen können in der Pflege irgend welcher beliebigen Religion den Weg des ewigen Heiles finden und das ewige Heil erlangen;

c) es ist wenigstens zu hoffen auf das ewige Heil aller derer, die nicht in der wahren Kirche leben;

d) der Protestantismus ist nur eine andere Form derselben christlichen Religion, in der man ebenso wie in der katholischen Kirche Gott gefallen kann“ (Syllabus Pius` IX, 15/18).

Dieser Indifferentismus ist prinzipiell als sündhaft anzusehen, da es dem Menschen möglich ist, zur Erkenntnis des Daseins Gottes, des Wertes der Menschenseele, ihrer Bestimmung und ihres Zieles zu kommen und sich zu Gott zu erheben. Schuldhaft, schon in causa, ist der aus ungezügelter Leidenschaft stammende und der in hartnäckiger Bosheit wurzelnde Indifferentismus. Zu bekämpfen ist der Indifferentismus in seinen theoretischen und praktischen Quellen durch Studium und Unterweisung, durch moralische Vorbereitung der Seele und durch das Gebet. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, Sp. 388

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