A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Apostel

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Apostel

1) Der Name Apostel geht auf Jesus zurück (Lk. 6,13), wird häufig von Lk. (Evangelium und Apostelgeschichte), selten noch von Mt. (nur 10,2) und Mk. (6,30) gebraucht, die meist „die 12 Jünger“ oder „die Zwölf“ sagen. „Senden“ ist schon im Alten Testament für unmittelbare Beauftragung durch Gott (Nm. 16,28; Is. 6,8; vgl. Mt. 23,34f; Hebr. 3,1). Auch Mitarbeiter der Zwölf werden so genannt: Röm. 16,7; 2. Kor. 8,23; Phil. 2,25; vgl. Didache 11,3 4 6 (Wanderprediger). Im gleichzeitigen Judentum waren Apostel Beamte, die Zahlungen für den Tempel in Jerusalem einzogen und den Verkehr der Gemeinden mit Jerusalem und untereinander aufrecht erhielten.

2) Apostelverzeichnisse bringen Mt. 10,2-4; Mk. 3,16-19; Lk. 6,14-16; Apg. 1,13. Die Reihenfolge der Apostel ist nicht überall gleich, zeigt aber typisches Gepräge und variiert nur innerhalb der 3 Tetraden, die das Schema bilden: Petrus stets an erster (Mt. 10,2), Judas Iskariot an letzter Stelle. Petrus, Andreas, Jakobus der Ältere, Johannes gehen stets den übrigen voran. Matthäus zählt sie streng paarweise auf.

3) Amt. Die Apostel sind a) Gesandte Jesu (Joh. 20,21; 2. Kor. 5,20), gesandt unmittelbar von Jesus (auch Paulus: Gal. 1,1, und Matthias: Apg. 1,26) an die ganze Welt (Mt. 28,18f), um α) Jesu Leben, Lehre und besonders Auferstehung zu bezeugen )Apg. 1,8 22), und zwar als Augenzeugen (1. Kor. 9,1; Gal. 1,12f), β) die Kirche zu bilden (Menschenfischer: Mt. 4,19), die Gläubigen zu lehren und durch Gesetze und Strafen zu leiten (Mt. 18,18; 1. Kor. 5,5). –

b) Die Apostel sind Gesandte Jesu in dem Sinn, in welchem Jesus Gesandter Gottes ist (Joh. 20,21; 2. Kor. 5,20). Sie führen Jesu Lebenswerk weiter und nehmen teil an Jesu Lebenszweck und Vollmachten. Deshalb sind sind sie ähnlich wie Jesus beglaubigt durch die Wundergabe (Mk. 16,17) und persönlicher Heiligkeit (1. Kor. 5,16). Gegen ihre Lehre gibt es keinen Einspruch (Mk. 16,16), gegen ihre Gesetze keine Berufung, nicht einmal an Gott (Mt. 18,18). Jesus hat die Menschheit an die Vermittlung der Apostel gewiesen; wie niemand zum Vater kommt ohne Jesus, so niemand zu Jesus außer durch die Apostel. Von Anfang an, nicht erst seit den Kämpfen mit den Gnostikern (Harnack), sind sie deshalb aufs höchste in der Kirche geehrt (Klemens von Rom, 1. Kor. 42,1). –

c) Ihre Vollmacht üben die Apostel aus in einem einheitlichen Verband unter Petrus als dem Haupt (Mt. 16,18), sie bilden also ein organisiertes Kollegium. –

d) Dieses besteht bis zum Ende der Welt (Mt. 16,18), muss sich also immerfort ergänzen: Verband der Bischöfe. Mit Ausnahme des Nachfolgers Petri ist indes kein einzelner Bischof Nachfolger eines einzelnen Apostel. Vor dem Bischof hat der Apostel außer der Wundergabe usw. die persönliche Unfehlbarkeit und universelle Jurisdiktion voraus.

4) Die Vorbereitung zu diesem hohen Amt leitete Jesus selbst. Die Berufung der Zwölf erfolgte in 3 Stufen: vorläufige Einladung (Joh. 1,35f); endgültiger Anschluß an Jesus und Verlassen von allem (Mt. 4,18 usw.; Auswahl zu eigentlichen Aposteln (Mt. 10,1). Die Erwählten waren (Judas ausgenommen) Galiläer (Apg. 1,11, doch Lk. 23,6), sine litteris et idiotae (Apg. 4,13), an Arbeit gewöhnt und tief religiös. Die Zwölfzahl, nach der Zahl der Söhne Jakobs (der „12 Patriarchen“, Apg. 7,8), bezeichnet sie als Stammväter des geistigen „Hauses Jakobs“ (Lk. 1,32); über das Verhältnis Pauli zur Zwölfzahl s. Katholik 1892 I,421ff 481ff. Die Lehrtätigkeit Jesu hat dann in erster Linie die Ausbildung der Apostel durch Unterricht (mit praktischer Einübung, Mt. 10,5) zum Ziel. Die Apostel würde, die Sendung an die ganze Welt wird ihnen nach der Auferstehung des Herrn zuteil (Mt. 28,18; Joh. 20,21 usw.).

5) Über die Wirksamkeit der Apostel, die Gegenden, in denen sie predigten, Lebensdauer, Todesart ist, abgesehen von Petrus und Paulus und den Angaben der Apg., kaum Sicheres bekannt. (…) Die Überlieferung, daß die Apostel mindestens 12 (Mt. 15) Jahre nach der Himmelfahrt Jesu in Jerusalem blieben, bezeugen das Kerygma Petri (Herrenwort? „Nach 12 Jahren geht aus in die Welt, damit niemand sage, wir haben nichts gehört“) bei Klemens von Alexandrien… Dagegen wird ein 7jähriger Aufenthalt der Apostel in Jerusalem angenommen in Pseudo-Klemens… Daß alle Märtyrer seien, leugnete Herakleon (bei Klemens von Alexandrien, Stromata 4,9; Migne PG 8, 1281b), behaupten Klemens von Aelxandrien (ebd. 1286a), Cyprian (Ep. 6,2; 58,6; vgl. Ignatius, Ad Smyrnaeos 3) usw. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, S. 284

Buch mit Kruzifix
Quietismus
Buch mit Kruzifix
Apostelkonzil

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Wiclif

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Wiclif Wiclif (Wyclif), John v., der bedeutendste der sog. Vorläufer der Reformation, *um 1320 (1324?) zu Wicliffe oder Spreswell (Grafschaft Yorck) aus alt-sächsischem Adel, †13.12.1384 zu Lutterworth; studierte seit 1344/45 an der Universität Oxford…
Buch mit Kruzifix

Cilicium

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Cilicium Cilicium, Vulg. Saccus u.c., ursprünglich (Gn. 37,34) ein Trauerzeug aus cilicischen (daher der Name) Ziegenhaaren, das bei den Juden nach dem „Zerreißen der Kleider“ innerhalb der vorgeschriebenen Trauerzeit sackartig über dem Untergewand hing…
Buch mit Kruzifix

Dualismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Dualismus Dualismus ist im Allgemeinen die Lehre von der Zweiheit der Prinzipien. Wo immer in irgend einer Beziehung ein doppeltes Prinzip angenommen wird, da spricht man von Dualismus. Wir haben hauptsächlich drei Formen des…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Llorente Llorente, Johann Anton, der Repräsentant der Aufklärung unter dem spanischen Klerus an der Wende des 18. Jahrhunderts, ward aus einer adeligen Familie Aragoniens am 30. März 1756 geboren, studierte das weltliche und kanonische…
Buch mit Kruzifix

Modernismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Modernismus Das Wort Modernismus enthält als solches noch keine Beziehung zu Religion und Christentum, sondern besagt eigentlich nur eine gewisse Vorliebe für das Neuzeitliche, für das Moderne im, gesamten Umfang der menschlichen Kultur. Dieser…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Ptolemäer

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ptolemäer Ptolemäer hießen die griechisch-mazedonischen Könige Ägyptens nach dem Gründer der Dynastie, Ptolemäus, einem Diadochen. Geläufig ist auch die Bezeichnung Lagiden, nach dessen Vater Lagus, Ptolemäus I. (Lagi) Soter, Feldherr Alexanders d. Gr., Satrap von Ägypten seit 323, nahm 304 den Königstitel an. Unter ihm erreichte Alexandria eine Blüte,…
Buch mit Kruzifix

Semiten

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Semiten Semiten, die große Familie der Völker, die nach Gn. 10, 22ff von Sem abstammen und ursprünglich dieselbe Sprache redeten wie die zu Sems Nachkommen zählenden Hebräer. Nach Gn. 11, 2 kamen sie aus dem Osten nach Babylonien und bevölkerten den Südwesten Asiens. In Babylonien übernahmen sie den von…
Buch mit Kruzifix

Sodoma

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sodoma Sodoma, Hauptort der 5 Städte (Pentapolis) im Siddim-Tal, Wohnort des Lot (Gn. 13,12), wurde wegen widernatürlicher Unzucht („sodomitische“ Sünde, Sodomie; vgl. Gn. 19,4-9) zugleich mit Gomorrha, Adama und Seboim von Gott „umgekehrt“ und in einem Feuer-, Salz- und Schwefelregen verbrannt (Gn. 19,21-25) – ein Strafgericht, bei dem sich…
Buch mit Kruzifix

Kamisarden

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kamisarden Kamisarden, die reformierten Bewohner der Cevennen während der Aufstände 1702/05. Der Name wird abgeleitet von camise = Hemd (Blusenmänner) oder camis = Landstraße (Wegelagerer) oder camisade = Nächtlicher Überfall. Die Kamisarden veranstalteten nach Aufhebung des Edikts von Nates (1685) bei nacht religiöse Versammlungen und gingen 1702 unter schwärmerischen…
Buch mit Kruzifix

Gottschalk von Orbais

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gottschalk von Orbais Gottschalk von Orbais, OSB, Prädestinatianer des 9. Jahrhunderts, war der Sohn eines sächsischen Grafen Berno. Zu frühester Jugend kam er als Oblate in die Abtei Fulda und musste auf Grund des elterlichen Gelübdes das Mönchsgewand nehmen. Vor dem Empfang der höheren Weihen gelang es ihm, zu…
Buch mit Kruzifix

Fideismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Fideismus Fideismus, auch Symbolofideismus, nannte sich die Anschauung der Professoren der 1877 gegründeten Pariser protestantischen theologischen Fakultät Louis Aug. Sabatier und Eugène Ménégoz (1838-1921) über das Verhältnis von Glaube und Dogma. Um die Religion dem modernen Menschen wieder nahe zu bringen und die Kluft zwischen der reformierten Orthodoxie und…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner