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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Wesley, John

Porträt von John Wesley

Wesley, John, Begründer des Methodismus, tief religiös (Newman: „The shadow of a catholic saint“), mit hervorragenden Führereigenschaften. * 17.6.1703 zu Epworth (Licolnshire), † 2.3.1791 in Leatherhead bei London; studierte Philosophie und Literatur in Oxford, wandte sich unter dem Einfluss des Büchleins der Nachfolge Christi dem geistlichen Beruf zu, wurde 1725 Diakon der Anglikanischen Kirche, nach weiteren 3-jährigen theologischen, naturwissenschaftlichen und semitischen Studien 22.9.1728 Geistlicher, übernahm 1729 die Leitung des von seinem Bruder Charles (1707-1788), dem geistlichen Liederdichter (über 6500 Hymnen) des Methodismus, und dessen Freunden Morgan und Kirkham begründeten Holy Club zur Pflege eines geregelten Studiums und religiösen Lebens, aus dem sich unter seiner Leitung der Methodismus entwickelte.

Nach Rückkehr von erfolglosen Missionsreisen in Amerika, die er mit seinem Bruder Charles und dem der Bewegung beigetretenen George Whitefield unternommen hatte, schloss er sich den deutschen Herrnhutern an, wodurch ein schwärmerisches Element in die Bewegung kam. John Wesley wurde 24.5.1738 beim Anhören von Luthers Vorrede zum Römerbrief „seines Heiles gewiss“.

Er gab der seit 1739 aufsteigenden Bewegung die straffe Organisation und innere Begeisterung, richtete sich 1740 die methodistische Sozialarbeit ein, trennte sich 1740 von den Herrnhuter, 1741 von Whitefield, wirkte dann als unermüdlicher Reiseprediger (seine Reisewege werden auf 200.000 engl. Meilen, seine Einzelpredigten auf 40.000 geschätzt) und als Traktatschriftsteller. Die Bewegung umfasste bei seinem Tod 120.233 Mitglieder in 216 Bezirken mit 511 Predigern. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. X, 1938, Sp. 834

Der eigentliche Stifter der genannten Sekte ist John Wesley (1703 – 1791). Er war der Sohn des entschieden hochkirchlich gesinnten Pfarrers von Epworth in der englischen Grafschaft Lincolnshire. Auf seine religiöse Erziehung übte seine theologisch gebildete Mutter Susanna geb. Annesley einen großen Einfluss aus. Es ist für die Geschichte des Methodismus bemerkenswert, dass diese Frau bei den von ihr gehaltenen Hausandachten, wozu auch Gemeindemitglieder Zutritt hatten, nach der Verlesung einer Predigt mit den Anwesenden über ihren Seelenzustand zu sprechen pflegte.

In seinem 17. Jahr trat John in das Christ Church College in Oxford ein, studierte mit großem Erfolg die Klassiker und empfing in Jahr 1725 die anglikanische Diakonatsweihe. Im folgenden Jahr 1726 erlangte er eine Stellung (ein Fellowship) im Lincoln College zu Oxford, wo selbst er nun einige Zeit Griechisch lehrte. Bald ging er aber nach Epworth, um dort seinem Vater im Pfarramt zu helfen, erhielt während dieser Zeit im Jahr 1728 die anglikanische Priesterweihe und kehrte erst im November 1729, diesmal zu längerem Aufenthalt, nach Oxford zurück.

Dort wurde er alsbald die Seele des eben von seinem jüngeren Bruder Charles gegründeten Clubs, dessen anfangs wenige Mitglieder ein streng aszetisches Leben führten, beteten, fasteten, häufig das Abendmahl empfingen, Arme und Kranke besuchten und verwahrloste Kinder unterrichteten.

Im Jahr 1735 unternahmen die beiden Brüder eine Reise nach der englischen Kolonie Georgia in Amerika, um unter den Indianern und Kolonisten als Prediger zu wirken. Die Reise war für ihr inneres Leben namentlich deshalb bedeutungsvoll, weil sie auf dem Schiff mit einigen ebenfalls nach Georgia reisenden Herrnhutern bekannt wurden, deren Wandel ihnen ein Abbild der ersten apostolischen Gemeinde zu sein schien. Da die Indianerhäuptlinge im Krieg waren und die Kolonisten sich durch die Härte und Taktlosigkeit der beiden Wesleys von ihnen abgestoßen fühlten, konnten sie in Georgia nichts wirken und kehrten nach England zurück. John landete daselbst am 2. Februar 1738.

In London trat er in Verbindung mit Peter Böhler, einem hervorragenden Mitglied der Herrnhuter, und nahm nun ganz deren Ansicht an, dass sich der wahre Gläubige des Momentes bewusst sein müsse, in welchem nach vorherrschenden zermalmenden Gefühlen seine Rechtfertigung (der Durchbruch der Gnade oder die Erweckung) stattgefunden habe, in deren Begleitung Heilsgewissheit und ein überirdisch beglückendes Gefühl von Freude und Friede in die Seele des Bekehrten einziehe.

John Wesley erhielt nach seinem eigenen Zeugnis diese Gewissheit am 24. Mai 1738 abends 8 ¾ Uhr in einer Gesellschaft in Aldersgatestreet in London, während jemand Luthers Vorrede zum Römerbrief vorlas. Sein Bruder hatte drei Tage früher einen ähnlichen Gnadenbeweis erhalten. In demselben Jahr besuchte John Deutschland und blieb einige Zeit in Herrnhut. Nach England zurückgekehrt, predigte er unter großem Zulauf zunächst in London und Bristol in einzelnen englischen Kirchen und dann, als die letzteren ihm von dem Staatsklerus verschlossen wurden, im Freien vor vielen Tausenden von Zuhörern.

Am 12. Mai 1739 gründete er die erste methodistische Kapelle in Bristol, und im Jahr 1740, nachdem er sich von den Herrnhuter wegen deren antinomistischer und quietistischer Irrtümer getrennt hatte, eine methodistische Gesellschaft in Moorfields in London. Von nun an ist die Geschichte seines Lebens mit der des Methodismus aufs Innigste verflochten.

Das rühmlichste Zeugnis muss John Wesley gegeben werden, dass er sich des von der englischen Staatskirche vernachlässigten Volkes mit glühendem Eifer für das Reich Gottes und das Heil der Seelen angenommen und für die religiös-moralische Pflege desselben gewirkt hat. Von seinem Missionseifer zeugt der Umstand, dass er Jahrzehnte hindurch fast täglich 40 englische Meilen, gewöhnlich zu Pferde, reiste und sehr oft mehrmals an einem Tag predigte. Er suchte auch schriftstellerisch zu wirken; seine Werke füllen 14 Bände (Ausgabe 1873).

Im Jahr 1752 heiratete er eine Witwe mit vier Kindern, trennte sich aber später von ihr, da die Ehe unglücklich war.

Die ganze Organisation des Methodismus ist John Wesley zu verdanken, während sein poetisch angelegter Bruder Charles (1708 bis 1788) hauptsächlich nur der Hymnendichter der Sekte wurde. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 12, 1901, Sp. 1428 – Sp. 1429

Siehe die Reihe der Beiträge von P. F. X. Weninger SJ über Protestantismus und Unglaube:

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Tags: Protestantismus, Sekten
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