Protestantismus

Antinomismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Antinomismus Antinomismus (Anomismus), im allgemeinen soviel wie Bestreitung und Verwerfung des Gesetzes, in der Theologie besonders jene praktische Irrlehre, die unter dem Schein christlicher Wahrheit die Verpflichtung zur Beobachtung des Sittengesetzes leugnet. Antinomistische Richtungen sind, wie in der antik-heidnischen Ethik (Epikur) und in vorchristlichem Judentum (siehe Sap. 2, 1-23), so auch im christlichen Zeitalter häufig aufgetreten, z. B. Bei den Gnostikern und ihren Abarten, im Mittelalter bei manchen mystischen Sekten, in der Neuzeit bei den sogenannten Reformatoren des 16. Jahrhunderts und aller neuestens in der ungläubigen Philosophie. I. Begründung. Seinen Grund hat der…

Aufklärung

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Aufklärung Aufklärung als geschichtliche Erscheinung ist die theoretische und praktische Tendenz, von der christlichen Offenbarung und Kirche und allem, was mit ihr zusammen hängt, als einer „Verfinsterung des Geistes“ sich frei zu machen und nur einen Glauben, den an die sola ratio, anzuerkennen. Im Laufe der Religions-Geschichte haben fast alle Religionen Aufklärungs-Perioden durchgemacht. Im vorzüglichen, gewöhnlichen Sinn versteht man jedoch unter Aufklärung die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts in Europa, die bedingt ist durch eine tief gehende Umwandlung des philosophischen Denkens (Skeptizismus und Rationalismus), durch den Überdruß an den Religionskämpfen und durch…

Beza

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Theodor von Beza Beza (eigentlich de Bèze), Theodor, Mitarbeiter und Nachfolger Calvins, * 24.6.1519 im burgundischen Städtchen Vézelay, † 13.10.1605 zu Genf; frühzeitig in Orléans und Bourges durch seinen Lehrer, den schwäbischen Humanisten Melchior Wolmar, mit dem Protestantismus bekannt gemacht. In Paris, wo er seine juristischen Studien fortsetzte, führte er längere Zeit ein lockeres Leben, ging 1548 nach Genf, um sich offen Calvin anzuschließen. Nun wurde er zunächst Professor des griechischen in Lausanne (1549 – 58). Um Calvins Vorgehen gegen Servet zu rechtfertigen, veröffentlichte er 1554 eine lateinische Schrift zum Nachweis, die Ketzer…

Fideismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Fideismus Fideismus, auch Symbolofideismus, nannte sich die Anschauung der Professoren der 1877 gegründeten Pariser protestantischen theologischen Fakultät Louis Aug. Sabatier und Eugène Ménégoz (1838-1921) über das Verhältnis von Glaube und Dogma. Um die Religion dem modernen Menschen wieder nahe zu bringen und die Kluft zwischen der reformierten Orthodoxie und dem theologischen Liberalismus zu überbrücken, hat Sabatier, an Schleiermacher, dessen Schüler Alexander Schweizer und den Neukantianismus, namentlich in der ausprägung von R.A. Lipsius, anknüpfend, sein System geschaffen: Weil eine Metaphysik des Transzendenten unmöglich ist, sind unsere religiösen Begriffe notwendig ihrem Gegenstand inadäquat, bloße Symbole.…

Harnack

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Harnack Harnack, Adolf v., bedeutendster protestantischer Theologe Deutschlands seit Schleiermacher, anerkannter Führer des liberalen Protestantismus, Lehrer einer ganzen Generation von Geistlichen und Professoren, einMann von internationalem Ansehen, überaus fruchtbarer und vielseitiger Schriftsteller, der weit über sein Fach hinaus zu Fragen der geistigen Kultur, des sozialen Lebens, der Organisation der Wissenschaft, der Politik usw. Stellung nahm und ihre Lösung beeinflußte sowohl im kaiserlichen Deutschland als in der Republik. * 7.5.1851 zu Dorpat, 1874 Privatdozent, 1876 ao. Professor der KG in Leipzig, 1879 o. Professor in Gießen, 1886 in Marburg, 188 in Berlin, 1921 entpflichtet;…

Mormonen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mormonen Mormonen, nordamerikanische Sekte, gegründet 1830 in Fayette (Neuyork) durch Joe Smith, von dem sie in Wesen und Lehre ihr eigenartiges Gepräge erhielt. Die Sekte bildet einen straff organisierten Kirchenstaat mit theokratischer Verfassung. Im Namen Gottes regieren 3 Apostel (Nachfolger der 3 Säulenapostel Petrus, Jakobus und Johannes) als erste Präsidentschaft, unter ihnen der Präsident als höchste Autorität, darunter das Apostelkollegium, die Siebzig, Patriarchen, Hohenpriester und Ältesten. Außer dieser Verwaltungs-(Melchisedech-) Priesterschaft, deren Mitglieder nur alten Mormonen-Familien entnommen werden, besteht die Aarons-Priesterschaft für Lehre, Sakramenten-Empfang und Seelsorge mit Bischöfen, Priestern, Lehrern und Diakonen. Ferner gibt…

Ökolampad

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ökolampad(ius) Ökolampad(ius), eigentlich Husschyn, Hußgen, Heußgen), Johann, Reformationstheologe, * 1482 zu Weinsberg (Württemberg), † 24.11.1531 zu Basel. Er studierte in Bologna die Rechte, in Heidelberg seit 1499 Humaniora und Theologie, wurde 1503 baccal. Artium und 1506 Hauslehrer beim Kurfürsten Philipp von der Pfalz. 1510-12 besaß er eine kleine Pfründe in Weinsberg, studierte 1513-15 neuerdings Theologie in Stuttgart, wo er Reuchlin hörte, in Tübingen, wo er 1513 mit Melanchthon bekannt wurde, und in Heidelberg, wo er bei einem getauften Juden Hebräisch lernte. 1515 Prediger in Basel, 1516 lic. Theol., kehrte aber 1517 wieder zu…

Pietismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pietismus Pietismus von pietas=Frömmigkeit; Name zunächst Spottbezeichnung, wahrscheinlich 1675 in Hessen-Darmstadt aufgekommen, jene praktisch-religiöse Bewegung im deutschen Luthertum des 17. und 18. Jahrhunderts, die das Christentum durch pflege des im gottseligen Verhaltens sich betätigenden Glaubens zu erneuern suchte. Sein Ziel war die Kirchenreform durch Vertiefung und Verlebendigung der persönlichen Frömmigkeit und durch Sammlung der wahrhaft in Christus Wiedergeborenen aus der Masse der getauften Weltmenschen. Da er dabei vom allgemeinen Priestertum im Sinn einer seelsorglichen Verpflichtung jedes Gläubigen ausging, gefährdete er, beim Fehlen eines durch das Weihesakrament ausgesonderten eigenen Priesterstandes im Protestantismus, den bestand…

Reformationsrecht

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Reformationsrecht Reformationsrecht (jus reformandi) des Landesherrn heißt in der Geschichte der sogenannten Reformation das Recht, welches sich die Fürsten und Stände des deutschen Reiches beilegten, kraft ihrer Territorialhoheit in ihren Ländern die eigene Konfession einzuführen und andere bestehende Religions-Bekenntnisse abzuschaffen, gemäß dem Satz: Cujus regio, illius et religio. Der Name „Reformationsrecht“ kommt zuerst bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden vor, wo die protestantischen Stände gegenüber den Beschwerden der Katholiken wegen Verletzung des Augsburger Religionsfriedens sich durch Berufung auf das jus reformandi zu rechtfertigen suchten. Die Sache selber war allerdings tatsächlich in Übung, seitdem…

Ritschl

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ritschl Ritschl, Albrecht, protestantischer Theologe, * 25.3.1822 zu Berlin, studierte in Bonn, Halle, Berlin, Heidelberg und Tübingen, wo er, schon vorher für die Hegelsche Philosophie interessiert, von F. Chr. Baur gewinnen wurde. 1846 Privatdozent für das Neue Testament in Bonn, hier 1852 ao. Professor und 1859 o. Professor, seit 1864 in Göttingen, † ebd. 203.1889. Seit 1856 hatte er mit Baurs Schule völlig gebrochen und ein neues theologisches System begonnen. Es liegt von 1974 an in seinem Hauptwerk ausgebildet vor, gewann nach heftigem Streit mit der kirchlichen Orthodoxie, mit der Erlanger (J. Hofmann)…
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