Lexikon für Theologie und Kirche
Stichwort: Emmerich
Emmerich (Emmerick), Anna Katharina, stigmatisierte Augustinernonne, *8.9.1774 zu Flanske bei Coesfeld als armes Bauernkind, erhielt 1802 Aufnahme in das Kloster Agnetenberg bei Dülmen, lebte nach dessen Aufhebung seit 1812 dort in einer Privatwohnung und starb ebenda 9.2.1824. Von Kindheit an besonders begnadet, führte sie ein inniges Glaubens- und Gebetsleben. Schon vor ihrem Klostereintritt empfing sie die Schmerzen der Dornenkrone, 1808/09 die inneren Schmerzen der übrigen Wunden des Herrn und Spätjahr 1812 auch die äußere Ausprägung der Wundmale.
Nach dem Bekanntwerden ihrer Stigmatisation 1813 hatte sie durch Verdächtigungen und peinliche Untersuchungen seitens der geistlichen und weltlichen Behörde viel zu leiden. Ein reiches Akten- und Zeugenmaterial stellt ihre Wundmale und anderen außerordentlichen Gaben außer Zweifel und gibt darüber viel Licht. Ihre Sühneleiden, Übernahme fremder Krankheiten, Herzenskunde und Kenntnis verborgener Dinge zeigen sie groß in der Gottes- und Nächstenliebe; das für alle Not offene Auge und Herz und die für die Armen allzeit rührige Hand gewannen ihr die Liebe und Verehrung der kleinen Leute, ihre sinnfälligen Zeichen das Interesse der wissenschaftlichen Welt.
Wie schon im Leben zeichnete sie Gott nach ihrem Tode durch wunderbare Gebetserhörungen aus. Der Seligsprechungsprozess ist eingeleitet. Über alle Länder bekannt sind ihre von Clemens Brentano aufgezeichneten Visionen: „Das bittere Leiden unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ (1833); „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“ (1852); „Das Leben unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ (3 Bde, 1858/60; 1897; in 1 Bd. 1927); alle 3 von K. E. Schmöger überarbeitet und mit Zusätzen aus dem AT bereichert in 1 Bd. 1881.
Diese Bücher sind in unzähligen Auflagen und Bearbeitungen in vielen Sprachen gedruckt.
Brentano verfuhr bei Festlegung und Bearbeitung seiner Aufzeichnungen nicht mit solcher Treue, dass diese Visionen einfachhin als wörtliche Mitteilungen Emmerichs gelten dürfen (vgl. W. Hümpfner, Brentanos Glaubwürdigkeit in seinen Emmerich-Aufzeichnungen, 1923).In teilweise Verkennung des Wesens und Wertes solcher Visionen sucht man einerseits Unstimmigkeiten darin nachzuweisen (Richen), anderseits ihre objektive Richtigkeit und Zuverlässigkeit restlos zu behaupten (Seidl, Paul, v. Edlinger).
Emmerich (Niederrhein), Stiftsschule des auf den hl. Willibrord zurückgeführten Martinsstifts. Hauptförderer ihrer humanistischen Entwicklung war der dem Thomas von Kempen nahestehende, auf den Hochschulen Erfurt und Ferrara dem Humanismus gewonnene Graf Moritz v. Spiegelberg, Propst v. Emmerich und Domherr v. Köln († 1483); Trauergedicht und Grabschrift von Rudolf Agricola). Die Brüder vom gemeinsamen Leben in Deventer gründeten 1419 ein Schwesternhaus und 1467 ein Fraterhaus in Emmerich, letzteres von dort wohnenden Studenten „Bienenkorb“ genannt.
Die Stiftsschule wurde 1504 neu gebaut. Leiter waren u.a. Alexander Hegius, Petrus Homphaeus, Joh. Aelius und Matthias Bredenbach (1525 bis 1529 in Emmerich), dessen Amtszeit den Höhepunkt mit 2000 Schülern bedeutet. Sie tat sich durch strenge Zucht und gute Lehrer (um 1519 schon Griechisch gelehrt) hervor, auch durch starken Besuch von auswärts, darunter Joh. Butzbach aus Miltenberg (1498), Heinrich Bullinger aus Zürich (1516-19), Hermann v. Weinsberg aus Köln (1531-34); von den beiden letzten sind Aufzeichnungen über ihre Studienzeit vorhanden.
Unter dem Einfluss neugegründeter Schulen und Seminarien, der religiösen Wirren und kriegerischen Zeit ging die Schule bis auf 50 Schüler im Jahr 1590 zurück. 1592 wurde sie den Kölner Jesuiten übergeben und nach ihren Grundsätzen erneuert. Schule und Kreuzherrnkloster wurden durch Dekret Napoleons 14.11.1811 aufgehoben, 1839 als staatlich katholisches Gymnasium wieder eröffnet. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. III, 1931, Sp. 660 – Sp. 661
Bildquellen
- schmoeger-anna-katharina-emmerich-1: © https://katholischglauben.info