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Monistenbund

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Monistenbund

Monistenbund. Die Verbreitung des Schrifttums E. Haeckels und der Kampf gegen den wissenschaftlich, kulturell und politisch stetig wachsenden Einfluss der christlichen Kirchen in Deutschland, besonders auch der katholischen, führten seit 1900 die Vertreter der verschiedenen Arten des Monismus zur Vereinigung, Ausbreitung und zur Abwehr zusammen und ließen unter Haeckels Initiative 1906 den Monistenbund entstehen.

Monistenbund: Unter Initiative August Haeckels (1834 ; † 1919) deutscher Zoologe und Philosoph, entstanden.Seine Grundideen waren: Verwerfung aller dogmatischen Bindungen, Ablehnung aller außer- und überweltlicher Kräfte, aller Metaphysik, jedes Jenseits-Gedankens und jeglichen theistischen Gottesglaubens, alleinige Betonung des gesetzlichen Naturgeschehens, Forderung einer undogmatischen, rein naturethischen Jugend-Erziehung, Einführung eines religionslosen Moralunterrichts in den Schulen und Verbreitung einer naturwissenschaftlich begründeten und freiheitlichen Weltanschauung gegen kirchlich-konfessionelle Bindungen und Gemeinschaften.

Erster Vorsitzender wurde der Bremer Pfarrer Kalthoff; Haeckel wurde Ehrenvorsitzender; geistig führende Mitglieder waren Bölsche, Forel, Jodl, Ostwald, Wahrmund, B. Wille u.a. Anfangs nur ein philosophischer Zirkel, wurde er unter Wilhelm Ostwalds Leitung seit 1911 ein antikirchlicher Kulturbund monistischer Prägung mit starkem Einfluss auf die Volksbildung. Der Monistenbund zählte unmittelbar vor dem Weltkrieg 7000 eingeschriebene Mitglieder in 45 Ortsgruppen, besonders in Berlin, Hamburg, München.

Eine eigene Zeitschrift (seit 1906: Blätter des dtsch. Monismus, seit 1908: Der Monismus, seit 1912: Das monistische Jahrhundert, seit 1915: Mitteilung des Dtsch. Monistenbundes, seit 1920: Monistische Monatshefte), Ostwalds „Monist. Sonntags-Predigten“ (4 Teile 1911/14) und eine reiche Flugblatt- und Broschüren-Literatur trugen die Ideen des Monistenbundes in weite Kreise. Der Krieg offenbarte den Gegensatz zwischen pazifistischen und nationalistischen, die Revolutionszeit den zwischen sozialistischen und kapitalistischen Mitgliedern. Den Zeitverhältnissen entsprechend erhielt die sozialistisch-pazifistische Richtung die Oberhand.

Auf den Tagungen von Weimar 1920 und Stuttgart 1921 wurden als Forderungen aufgestellt: weltlicher Staat und weltliche Schule, Weltfriede, ethischer Sozialismus, Beseitigung von Antisemitismus, von Rassenhass und Rassenkampf. Mit der proletarischen Freidenker-Bewegung wurde 1922 eine Arbeits-Gemeinschaft geschlossen; der Monistenbund schmiedete den ungläubigen, marxistisch verhetzten Arbeitern die Waffen gegen die „Kulturreaktion“. Nach Antritt der national-sozialistischen Regierung löste sich der Monistenbund als Ganzes im März 1933 auf; die letzten Ortsgruppen in Thüringen hob das thüringische Innenministerium 16.12.1933 auf.-
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 1935, Sp. 261

Ein ausführlicher Artikel findet sich bei Wikipedia.

Ergänzung:

Monismus und Dualismus in den heidnischen Religionen

Bildquellen

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