A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Restitutionsedikt

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Restitutionsedikt

Restitutionsedikt, von Kaiser Ferdinand II. am 6.3.1629 erlassen auf der Höhe der kaiserlichen Waffenerfolge im Dreißigjährigen Krieg in ausdrücklicher Anerkennung des im langen Streit um den Augsburger Religionsfrieden von den katholischen Ständen verfochtenen Standpunktes. Nach dem Restitutionsedikt sollten

1) die Katholiken alle ihnen seit dem Passauer Vertrag 1552 von den Protestanten entrissenen mittelbaren Klöster und sonstigen geistlichen Güter zurück fordern können;

2) alle innerhalb derselben Zeit von den Protestanten eingezogenen und durch Administratoren verwalteten reichsunmittelbaren Bistümer und Reichsstifte (2 Erzbistümer, 12 Bistümer und viele Reichsabteien) wieder in katholischen Besitz zurück geführt werden;

3) in Ablehnung der sog. Ferdinandeischen Deklaration die katholischen Reichsstände in ihren Gebieten das Reformationsrecht in gleicher Weise haben, wie es die Augsburger Religionsverwandten in ihren Gebieten betätigt hatten. Kaiserliche Kommissäre werden zur Durchführung des Restitutionsediktes aufgestellt, das Reichskammergericht zur Rechtsprechung nach seinen Bestimmungen angewiesen, der Augsburger Religionsfriede für die Reformierten als geltungslos erklärt.

Das Restitutionsedikt, das den Bestand des deutschen Protestantismus ernstlich bedrohte, war auf Grund des Augsburger Religionsfriedens rechtlich vertretbar, aber politisch ein schwerer Fehler, da es die Protestanten gegen den Kaiser einigte und an die Seite Gustav Adolfs trieb, in einem Zeitpunkt, da auch sonst die inneren Widerstände und die Frankreichs gegen den Kaiser sich verschärften. Die Ausführung des Restitutionsediktes wurde besonders in Niedersachsen und Westfalen und im Württembergischen energisch betrieben; bis Herbst 1631 waren 2 Erzbistümer, 5 Bistümer, 2 Reichsabteien, 150 Kirchen und Klöster wieder in katholischer Hand. Doch erwuchsen auch im katholischen Lager erhebliche Schwierigkeiten über die Frage, ob über die Verwendung der restituierten Klostergüter der Papst oder der Kaiser zu bestimmen habe, ob diese ausschließlich wieder den alten Orden zu übergeben seien oder auch an die Jesuiten und zu dringenden kirchlichen Zwecken (Seminarien, Schulen); der Interessenpolitik Ferdinands II., der seinem 2. Sohn Leopold Wilhelm Bremen, Magdeburg, Halberstadt und Hersfeld übergab, widerstrebten auch die katholischen Stände entschieden. Gustav Adolfs Erfolge brachten die Durchführung des Restitutionsediktes bald zum Stillstand; im Prager Frieden 1635 wurde seine Wirkung für Sachsen und die dem Frieden sonst beitretenden lutherischen Reichsstände auf 40 Jahre hinaus geschoben, und der Westfälische Friede 1648 beseitigte das Restitutionsedikt durch Aufstellung des Normaljahres 1624 vollständig. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, Sp. 839 – Sp. 840

Buch mit Kruzifix
Templerorden
Buch mit Kruzifix
Ludwig I. – IV. Könige von Deutschland

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Schriftgelehrte

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Schriftgelehrte Jüdische Schriftgelehrte am Grab des Propheten Ezechiels Schriftgelehrte (Schreiber, Sekretäre) sind Juden, die sich berufsmäßig mit der Erforschung des Gesetzes beschäftigen. Als eigener Stand gesetzeskundiger Lehrer und Richter erscheinen sie seit Esdras, der…
Buch mit Kruzifix

Jesuiten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jesuiten Jesuiten. Der Name Jesuit, im 15. Jahrhundert = „frommer Mann“, Anfang des 16. Jahrhunderts = „Betbruder“, bezeichnete erst als Spottname, dann schon im 16. Jahrhundert einfachhin die Mitglieder der Gesellschaft Jesu (Societas Jesu,…
Buch mit Kruzifix

Abtreibung

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abtreibung Abtreibung (Abortus), die direkte, gewaltsame Entfernung des noch nicht lebensfähigen Fötus (also vor dem 7. Schwangerschaftsmonat) aus dem Mutterleib. Nicht damit zu verwechseln ist der durch den Gebrauch der für die Mutter notwendigen…
Buch mit Kruzifix

Monotheletismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Monotheletismus Monotheletismus, die Lehre von einem einzigen Willen in Christus. Den Monotheletismus verursachte die Innenpolitik des oströmischen Reiches. Kaiser Heraklius, von den Persern bedroht, sah in der Wiedervereinigung der Monophysiten mit den am Konzil…
Buch mit Kruzifix

Rampolla

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rampolla Rampolla, Mariano, del Tindaro, * 17.8.1843 zu Polizzi (Sizilien), † 16.12.1913 zu Rom; 1866 Priester, seit 1869 an der römischen Kurie, 1875 an der Nuntiatur Madrid, 1877 wieder an der Kurie, 1882 Titular-Erzbischof…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Eudoxius

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudoxius Eudoxius, einflußreicher arianischer Bischof, * ca. 300 zu Arabissus (Kappadokien), † 370 als Bischof von Konstantinopel. Wahrscheinlich in der antiochenischen Schule gebildet (lucianischer Einfluß), wurde Eudoxius nach 330 Bischof von Germanicia, nahm als Anhänger der eusebianischen Partei an den Synoden von Antiochien 341, Sardica 343, wohl auch Sirmium…
Buch mit Kruzifix

Fideismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Fideismus Fideismus, auch Symbolofideismus, nannte sich die Anschauung der Professoren der 1877 gegründeten Pariser protestantischen theologischen Fakultät Louis Aug. Sabatier und Eugène Ménégoz (1838-1921) über das Verhältnis von Glaube und Dogma. Um die Religion dem modernen Menschen wieder nahe zu bringen und die Kluft zwischen der reformierten Orthodoxie und…
Buch mit Kruzifix

Philipp von Hessen

Lutheraner
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Philipp von Hessen Philipp „der Großmütige“, 1509 bis 1567 Landgraf von Hessen, * 13.11.1504 zu Marburg, † 31.3.1567 zu Kassel; 1518 für mündig erklärt, 1524 mit Christine, Tochter des streng katholischen Herzogs Georg v. Sachsen, vermählt. Anfangs ohne besonderes Interesse für die religiöse Neuerung, kämpfte er 1522/23 mit Kurtrier…
Buch mit Kruzifix

Judas Iskariot

Heilige Schrift NT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judas Iskariot Judas Iskariot, einer der zwölf Apostel und der Verräter des Herrn, führt seinen Beinamen nach der Stadt Kariot, einer Stadt in Judäa südlich von Hebron, jetzt Kariatein. Andere Erklärungen seines Beinamens (Hieron.: ex tribu Issachar; Mann der Lügen, der Erdrosselte; Mann mit dem Beutel) sind als veraltet…
Buch mit Kruzifix

Rabbi

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rabbi Rabbi, Rab (= viel, groß), im Alten Testament „Oberster“, in der Mischna „Herr“, mit der Zeit „Meister“, Lehrer“ (analog Magister), in diesem Sinne spezieller Titel für die babylonischen Amoräer (Plural: rabbanan = „unsere Lehrer“). Ohne Namensbeifügung ist damit im Talmud stets das Schulhaupt von Sora Abba Areka gemeint.…
Buch mit Kruzifix

Marcus Magus

Gnostiker
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Marcus Magus Marcus Magus Gnostiker, Schüler des Valentin, Zeitgenosse des Irenäus, der des Marcus Anhänger, die Markosier, im Rhonetal kennen lernte. Ausführlich berichtet Irenäus (Adv. Haeres. I c. 13-21) von ihren unsinnigen Zahlenspekulationen. (siehe den Beitrag: Die gnostische Bedeutung der Zahl 888) Für ihn ist Marcus ein ganz gewissenloser…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner