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Migazzi

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Migazzi

Migazzi, Graf Christoph Anton von, Herr zu Waal und Sonnenthurn, Erzbischof von Wien, stammte aus einem ebenso alten als berühmten Geschlecht. Er erblickte das Licht der Welt am 14. Oktober 1714 zu Trient. Sein Vater war Vinzenz Graf Migazzi, zuerst Adjutant des Prinzen Eugen von Savoyen, dann Regierungsrat in Innsbruck; seine Mutter Barbara stammte aus dem Geschlecht der Freiherren von Prato. Migazzi fühlte den Beruf zum Priesterstand und widmete sich daher den theologischen Studien im Collegium Germanicum zu Rom. Er wurde Domherr zu Brixen, später zu Trient und dann Prior bei St. Leonhard zu Borghetto und von St. Aegid in Balsugana. Schon im Jahr 1745 wurde er Auditor der Rota für die deutsche Nation in Rom, und hatte als solcher die Aufgabe, die Spannung, welche zwischen Rom und Wien herrschte, zu beseitigen. Der Erzbischof von Mechelen, Kardinal d`Alsaca, wählte ihn 1751 zum Koadjutor; infolge dessen empfing er die Bischofsweihe mit dem Titel eines Erzbischofs von Karthago. Bevor er aber nach Mecheln kam, sandte ihn die Kaiserin Maria Theresia als ihren Bevollmächtigten nach Spanien an den Hof Ferdinands VI.; dort unterzeichnete er 1. Juni 1752 den Vertrag von Aranjuez zwischen Spanien und Österreich. Während er noch in Spanien weilte, wurde er zum Bischof von Waitzen in Ungarn ernannt (20. September 1756); kaum hatte er sein Bistum betreten, als auch schon seine Ernennung zum Fürsterzbischof von Wien erfolgte (März 1757). Indessen blieb er noch 25 Jahre lang zugleich Administrator von Waitzen und wirkte daselbst viel, daß dort sein name unvergeßlich sein wird. Er baute den Dom, die Residenz, stiftete ein haus für die Piaristen, ein adeliges Konvikt, 6 neue Domherrenstellen, ein Kloster für die barmherzigen Brüder, baute 30 Kirchen, 20 Pfarrhöfe und 15 Schulen, brachte 12000 neue Steuerträger ins Bistum usw. Um so mehr schmerzte es ihn, als ihn Kaiser Joseph II. in verletzender Form nötigte (22. Dezember 1785), die Administration von Waitzen nieder zu legen. –

Am 22. November 1761 ernannte ihn Clemens XIII. auf Bitten der Kaiserin zum Kardinal; im Mai 1768 setzte ihm die Kaiserin selbst in der Augustinerkirche das rote Birett auf; bald darauf verlieh sie ihm auch das Großkreuz des Stephansordens. Migazzi nahm 1774an der Wahl des Papstes Pius VI. Anteil und erwarb sich im Konklave durch seine Klugheit und sein liebenswürdiges Benehmen das Zutrauen der Kardinäle und das der bourbonischen Höfe. Seinem Amt als Bischof lebte er mit voller Hingabe, er sorgte für Ordnung und anstand in den Kirchen, erschien persönlich beim Vor- und Nachmittags-Gottesdienst, begleitete oft das Hochwürdigste zu den Kranken oder brachte diesen selber die heilige Wegzehrung. Er predigte oft in Wien und gab seine Predigten im Druck heraus. Auch im Wiener Erzbistum gründete er eine Reihe von Pfarren und erbaute Kirchen. In Mödling ließ er ein Exerzitienhaus bauen, in welchem jährlich die Hälfte des Klerus geistliche Übungen machen musste. Die Geistlichen suchte er stets im Wissen und in der Frömmigkeit zu vervollkommnen, zu welchem Zweck er Anreden und Prüfungen hielt, die Ermahnungen des hl. Karl Borromäus auf`s Neue heraus geben ließ, die Herausgabe eines Katechismus, sowie die Drucklegung des römischen Katechismus und die Übersetzung desselben besorgte. Am Ostersonntag des Jahres 1782 assistierte er nebst den Kardinälen Bathyani und Hrzan dem Papst Pius VI. im St. Stephansdom beim Hochamt. Sein 50jähriges Priesterjubiläum beging er in Mariazell in aller Stille. –

Schwere Tage kamen für Migazzi, als in Österreich die Aufklärungsperiode anbrach, da er mit dieser Richtung als treuer, kirchlich gesinnter Bischof durchaus sich nicht verständigen konnte. Er wich in der Verteidigung der Rechte der Kirche nur der Gewalt. Man kann ihn mit vollem Recht einen unblutigen Märtyrer nennen, so viel litt er unter den traurigen Zeitverhältnissen, in denen für die Abhaltung der Herz-Jesu-Andacht Strafe gezahlt werden musste und die Ablässe zu verkündigen verboten war. Selbst das Brevier war anstößig und sollte von den Geistlichen nicht mehr so gebetet werden, wie es die Kirche vorschrieb, indem einige Heiligen-Biographien, wie die von Gregor VII., Thomas Becket u. A., ausgemerzt worden waren. Eine ganze Reihe von Klöstern wurde aufgehoben und der Gottesdienst bis auf unbedeutende Kleinigkeiten genau vorgeschrieben. Daß das alles Migazzi schwer empfand, läßt sich denken. Er bat, beschwor, warnte, machte die ernstesten Vorstellungen; doch half Alles nicht. Er musste sich nicht bloß pöbelhafteste Beschimpfungen von zügellosen Pamphletisten gefallen lassen, sondern selbst Kaiser Joseph II. kränkte ihn wiederholt auf die bitterste Weise. Wenn auch Migazzi gegen die Gewalt nichts ausrichten konnte, so hat er doch viel Unheil verhütet. Man kann sich das Unglück gar nicht vorstellen, welches entstanden wäre, wenn statt Migazzi ein willfähriger Mann damals Erzbischof von Wien gewesen wäre. Migazzi starb am 14. April 1803, 89 Jahre alt. Ein schlichter Stein deckt sein Grab im St. Stephansdom. (Vgl. Cölestin Wolfsgruber, Christoph Anton Kardinal Mogazzi, Fürsterzbischof von Wien, Saulgau 1891) –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 8, 1893, Sp. 1508 – Sp. 1510

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