A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Episkopalsystem

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Episkopalsystem

Episkopalsystem, eine im Anschluß an das bischöfliche Amt vertretene Theorie der Kirchenverfassung.

In der Geschichte der katholischen Kirchenverfassung wird das Wort Episkopalsystem im Gegensatz zum Papalsystem gebraucht.

1) Erklärung. Episkopalsystem bedeutet nicht die legitime Verteidigung der Rechte, die den Bischöfen kraft göttlichen Rechts als den ordentlichen Leitern ihrer Sprengel zustehen, sondern eine dem päpstlichen Jurisdiktions-Primate Abbruch tuende Übertreibung der bischöflichen Jurisdiktions-Rechte, sei es der Rechte, die den Bischöfen in ihrer Gesamtheit als den Vertretern der Kirche auf dem allgemeinen Konzil zukommen sollen, so daß diesem die Superiorität über den Papst zuerkannt wird, sei es der Rechte der einzelnen Bischöfe, wodurch den letzteren gewisse originäre und ordentliche Rechte beigelegt werden, die vom Papst nicht beschränkt werden dürfen. Die erstere Form des Episkopalsystems ist die in den literarischen Streitigkeiten des 14. und 15. Jahrhunderts scharf herausgearbeitete konziliare Theorie, die zweite,, nicht überall gleich intensiv ausgeprägt, knüpft auch an den Gallikanismus, Febronianismus, Josephinismus und die Aufklärung. –

2) Geschichte. Das Episkopalsystem entstand als Reaktion gegen die starken Konzentrations-Bestrebungen des Papsttums im 13. und 14. Jahrhundert. Die konziliare Theorie sucht ihre sachliche Begründung hauptsächlich in der Lehre vom Korporations-Charakter der Kirche, wonach die oberste Jurisdiktion bei der Ecclesia universalis, nicht bei dem Papsttum liege, nach dem von den Nominalisten angewandten Satz: Totum est majus sua parte. Sie fand Förderung besonders durch die Zeitwirren (Avignon, Streit mit Ludwig dem Bayer, Schisma), welche die päpstliche Jurisdiktions-Gewalt vielfach in der Praxis lahm legten. Da wurde sie von vielen Theologen wenigstens als Notstands-Theorie ergriffen und verteidigt, vor allem von Heinrich Heynbuch, Peter d`Ailly, Joh. Gerson und Dietrich von Nieheim. Die Konzilien zu Konstanz (5. Sitzung) und Basel (2. Sitzung) sprachen die Superiorität des Konzils über den Papst aus; doch haben die Beschlüsse keinen kanonischen Charakter. Der Gallikanismus fand seinen hauptsächlichsten praktischen Niederschlag in der Pragmatischen Sanktion von Bourges 1438 und der Erklärung des französischen Klerus von 1682. In der Bekämpfung der päpstlichen Prärogativen gingen die Jansenisten mit den Gallikanern einig. Durch Vermittlung des Löwener Kanonisten Espen gelangten die episkopalistischen Ideen nach Deutschland, aufgenommen besonders vom Vater des Febronianismus, Nik. v. Hontheim, der ein ausführliches System der päpstlichen und bischöflichen Rechte ausarbeitete. In Verbindung mit dem Josephinismus griff dann das Episkopalsystem in Deutschland stark um sich, bis ihm die Säkularisation die Grundlagen der materiellen acht entzog. Die bedeutendsten praktischen Kundgebungen des Episkopalsystems sind die Emser Punktation und die Synode von Pistoia, führende literarische Vertreter (außer Febronius) Rautenstrauch, Eybel, Pehem u.a., letzter Ausläufer der Pariser Erzbischof Georg Darboy. Das Vatikanische Konzil definierte in Sess. IV, cap. 3 den päpstlichen Primat als potestas suprema et plena, ordinaria, vere episcopalis et immediata und verurteilte damit die verschiedenen Richtungen des Episkopalsystems endgültig, fügte aber auch eine Klausel zu Gunsten der legitimen Gewalt der Bischöfe hinzu. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. III, 1931, Sp. 731 – Sp. 732

Buch mit Kruzifix
Placet
Buch mit Kruzifix
Pragmatische Sanktion

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Passah

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Passah Passah oder Pascha (nach Ex. 12,27 richtig von rasch, d. h. schonend vorüber gehen), jährliche Wiederholung des ersten Passah in Ägypten zur Erinnerung an die Verschonung der israelitischen und Tötung der ägyptischen Erstgeburt…
Buch mit Kruzifix

Sozinianismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sozinianismus I. Der Begründer des Sekte des Sozinianismus ist Faustus Sozinus (Fausto Sozzini), * 1539 zu Siena, † 3.3.1604 zu Luclawice bei Krakau (hier Denkmal). Er studierte die Rechte, wandte sich aber bald unter…
Buch mit Kruzifix

Schmerzen Mariä

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Schmerzen Mariä Schmerzen Mariä. I. Die Verehrung der Schmerzen Mariä, der Schmerzhaften Mutter Gottes (Mater dolorosa) oder ULF von den Schmerzen erwuchs als Zweig der immer inniger, vielgestaltiger und detaillierter sich entfaltenden Marienverehrung, im…
Buch mit Kruzifix

Blutbruderschaften

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Blutbruderschaften Religiöse Genossenschaften vom kostbaren Blut – Blutbruderschaften Die große Verehrungswürdigkeit des kostbaren Blutes rief in der Kirche einen scharf ausgeprägten und weit verbreiteten Kult desselben hervor. 1. Zunächst ist es die Kongregation der…
Buch mit Kruzifix

Loyson

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Loyson Loyson, Charles, *10.3.1827 zu Orléans, † 9.2.1912 zu Paris; 1851 Professor der Philosophie am Grand Séminaire v. St-Sulpice in Avignon, 1854 Professor der Dogmatik am Grand Séminaire in Nates, 1856 Vikar bei St-Sulpice…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Karäismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Karäismus Karäer (= Schriftkundige oder = Anhänger der Schrift), jüdische Sekte, welche die rabbinische Tradition und damit den Talmud verwirft. Unrichtig ist, daß sie aus dem Sadduzäismus hervorgegangen seien, wenn sie sich auch sadduzäische Lehrmeinungen, soweit solche in der talmudischen Literatur noch vorhanden waren, zu eigen machten. Als Grund…
Buch mit Kruzifix

Johannes von Wesel

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Johannes von Wesel Johannes von Wesel (de Vesalia oder auch bloß Wesalia), nicht zu verwechseln mit Johannes Wessel, gehört zu den mittelalterlichen Irrlehrern, welche man als Vorläufer der Reformatoren bezeichnet. Er wurde zu wesel (wahrscheinlich zu Oberwesel am Mittelrhein) im Anfang des 15. Jahrhunderts geboren; sein Familienname war Ruckrath…
Buch mit Kruzifix

Malagrida

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Malagrida Malagrida, Gabriel, best verleumdeter Jesuit, war am 7. September 1689 im Dorfe Menaggio, im Gebiet von Mailand, geboren. Schon in früher Jugend trat er in die Gesellschaft Jesu (1711) und bewarb sich nach glänzend vollendeten Studien um die Verwendung in den Missionen. Durch seine dringenden Bitten bewogen, sendeten…
Buch mit Kruzifix

Jurieu

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jurieu Jurieu, Pierre, 3 Jahrzehnte lang der streitbarste und mächtigste Kontroversist des strengen Calvinismus gegen andere protestantische Richtungen und besonders gegen die katholische Kirche, * 24.12.1637 zu Mer (Dep. Loir-et-Cher), hier und in Vitry-le-Francois Pastor, 1674 Professor für Theologie und Hebräisch in Sedan, 1682 bis zum Tode 1713 Professor…
Buch mit Kruzifix

Abgefallene

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abgefallene (Lapsi) Abgefallene, Lapsi, sind im allgemeinen solche, die einmal Christen waren, aber nachmals sich förmlich von der christlichen Kirche wieder lossagten. Näherhin bezeichnete man damit in den ersten christlichen Jahrhunderten jene Unglücklichen, welche zur Zeit der Verfolgung schwach genug waren, ihren christlichen Glauben zu verleugnen, um dem Tode…
Buch mit Kruzifix

Nehemias

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Nehemias Nehemias, im A.T. 1. eines von den Familienhäuptern, welche mit Zorobabel und Josue aus der Gefangenschaft in Babylonien nach Jerusalem zogen (2.Esdr. 7, 7). – 2. der Sohn Azbocs, ein angesehener Mann aus Bethsur, der sich beim Wiederaufbau der Mauer von Jerusalem hervortat (2. Esdr. 3, 16). –…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner