Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Jesuaten

Jesuaten (Clerici apostolici S. Hieronymi), Laiengenossenschaft, um 1360 in Siena vom seligen Johannes Colombini gestiftet, um durch Gebet, Kasteiungen und Werke der Nächstenliebe, besonders Krankenpflege und Totenbegräbnis, am Heil der Seelen mitzuarbeiten. Den Jesuaten erhielten sie von der Anfangs- und Schlussformel ihrer Predigten: „Es lebe Jesus, gelobt sei Jesus!“ Das Volk nannte sie auch Aquaviten (Padri dell` acquavita), weil sie Armen und Kranken selbstbereitete Liköre reichten.

Sie trugen weißen Talar, weiße vier-eckige Kapuze, graubraunen Mantel und Sandalen. Sie verbreiteten sich in vielen Städten Italiens und in Toulouse. Ursprünglich empfingen sie nur die niederen Weihen; seit 1606 hatte jedes Kloster 1-2 Priester. Die Statuten fußten anfänglich auf der Benediktiner-, später auf der Augustiner-Regel.

1168 hob Papst Klemens IX. die Genossenschaft auf, weil sie den Ordensgeist verloren hatte und zwecklos geworden war. –

Der beschauliche weibliche Zweig, die Jesuatinnen, auch Schwester von der Heimsuchung Mariä, wurden auf Veranlassung des seligen Johannes Colombini von seiner Base Katharina Colombini um 1367 gestiftet. Sie befolgten später ebenfalls die Augustinerregel und übten große Bußstrenge (Harte Fasten, 2mal Geißelung bei Nacht, Stroh als Lager). In Italien bestanden sie bis 1872 als Kongregation fort. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1931, Sp. 327- Sp. 328

Als im Jahre 1367 Papst Urban V. aus dem Avignon`schen Exil nach Rom zurückkehrte, reiste ihm Colombini mit seinen Schülern nach Corneto entgegen, um die päpstliche Bestätigung ihrer Genossenschaft zu erhalten. Auf dem Wege dahin, zu Viterbo, erhielten sie den Namen Jesuaten, weil sie ihrer Gewohnheit gemäß beständig auf den Straßen die Worte riefen: „Es lebe Jesus; gelobt sei Jesus Christus!“ Es sollen Säuglinge gewesen sein, welche in Viterbo zuerst riefen: „Seht die Jesuaten!“ Ihr Ruhm war damals bereits durch ganz Italien gedrungen.

Die päpstliche Bestätigung erlangten sie übrigens erst einige Monate später, nachdem sie von dem Verdacht, mit den schwärmerischen Fraticellen zusammen zu hangen, vollständig gereinigt waren. Papst Urban bestimmte ihre Kleidung, die in einem weißen Talar und braunen Mantel bestand, und gab ihnen die Weisung, nicht mehr in größeren Haufen das Land zu durchziehen, sondern feste Niederlassungen zu gründen.

Ihren Statuten lag die Regel des hl. Benedikt mit zweckmäßigen Modifikationen zu Grunde. Später erhielten sie die Regel des hl. Augustin; doch bildeten sie nicht einen eigentlichen Orden, sondern nur eine fromme Genossenschaft und legten darum auch keine feierlichen Gelübde ab. Noch in demselben Jahr starb Colombini auf einer Reise zu Acquapendente am 31. Juli 1367, nachdem er zuvor seinen Freund Franz Mini zu seinem Nachfolger bestellt hatte.

Wegen ihres erbaulichen Wandels verbreiteten sich die Jesuaten in Bälde durch ganz Italien, außerhalb desselben aber nur nach Toulouse. Sie waren zunächst lauter Laien; im Jahre 1606 aber erlaubte der Papst, dass auch Priester in die Genossenschaft eintraten. Außer dem Gebet und den Kasteiungen beschäftigten sich die Jesuaten besonders mit der Krankenpflege und Bereitung von Arzneien und Likören, weshalb man sie auch Padri dell`acquavita nannte. Nach und nach scheinen sie ausgeartet zu sein; darum hob Papst Klemens IX. im Jahr 1668 ihre Gesellschaft auf, weil sie der Kirche wenig Nutzen mehr brächten. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 6, 1889, Sp. 1373 – Sp. 1374

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