Lexikon B

Bildzauber

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Bildzauber

Bildzauber, die abergläubische Verzerrung des christlichen Bilderkultes; in der Höchststeigerung Identifizierung des Bildes mit seinem Subjekt, die bis zur Taufe des Bildes auf den Namen der vom Bild zu gebenden Personifikation geht. Der Bildzauber will den Dargestellten durch seine Darstellung zu nutz- und heilbringendem Zweck gegenwärtig machen.

Im Schadenzauber wird das Bild geschlagen, ins Wasser geworfen usw., im Analogie- und Fruchtbarkeits-Zauber gebadet, begossen, mit Maien geschmückt usw. Unter den gleichen Vorstellungen „weint“, „blutet“ das Bild, es „rührt die Augen“ usw. Freilich sind manche historischen Tatsachen hierzu nicht leicht zu bestreiten (Beispiele bei L. Fischer, Columba Schonath (1925) 26/29).

Der Gegensatz zur kirchlichen Auffassung liegt aber darin, dass der Bildzauber das Bild selbst als kraftgeladen, als tabu erscheinen lässt, weil es „vom Himmel gekommen“, „von Engeln gebracht“ worden oder „von selber gewachsen“ sei. Der Aberglaube sucht dieser Kraft teilhaftig zu werden, indem das Bild oder der Segenszettel (im Volksmund Breven) als magisches Abwehrmittel und als Amulett (= „wahrer geistlicher Schild“) getragen, in der Tätowierung (vgl. Lv 19,28) sich „einverleibt“, überdies durch Auflösung im Wasser oder durch Verschlucken als Arznei gebraucht (Schluckbildchen oder Esszettel“), und endlich die magische Kraft durch Berühren mit dem Bild weiter geleitet wird.

Gegen den Bildzauber wandte sich die Kirche von jeher: Gregor von Tours in Vitae patrum VI 2 (MGScript. Rer. Merov. I 681); der Induculus superstitionum et paganiorum hat gleich 4 Artikel gegen den Bildzauber (MGLeg. II 1, 223) u.a. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. II, 1931, Sp. 355

Buch mit Kruzifix
Bilderstreit
Buch mit Kruzifix
Blutbruderschaften

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Vandalen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Vandalen Vandalen, ostgermanische Völkergruppe, die ihre Wanderungen von Jütland bis nach Spanien und Nordwestafrika ausdehnte. Zur Zeit des Plinius und Tacitus zwischen zwischen Weichsel und Oder angesiedelt (Heiligtum des Teilstammes der Silingen auf dem…
Buch mit Kruzifix

Arnauld

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arnauld Arnauld (Arnaud, arnaut, Arnault), Familie, die in der Geschichte der Mystik und des Jansenismus in Frankreich im 17. Jahrhundert eine führende Rolle spielte. Aus der Auvergne stammend, war sie mit Antoine Arnauld, Herrn…
Buch mit Kruzifix

Otto III. deutscher Kaiser

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Otto III., deutscher Kaiser Otto III. 983 bis 1002. Beim Tode des Vaters (Otto II.) erst 3 Jahre alt, wurde Otto unter der Regentschaft von Adelheid und Theophanu sowie Willigis von Mainz durch seine…
Buch mit Kruzifix

Rabbi

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rabbi Rabbi, Rab (= viel, groß), im Alten Testament „Oberster“, in der Mischna „Herr“, mit der Zeit „Meister“, Lehrer“ (analog Magister), in diesem Sinne spezieller Titel für die babylonischen Amoräer (Plural: rabbanan = „unsere…
Buch mit Kruzifix

Paulizianer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Paulizianer Paulizianer, Sekte im byzantinischen Kaiserreich, die den Dualismus und eine rein geistige, auf dem Evangelium gebaute Kirche lehrte. Verwandtschaft mit dem Marcioniten und Archontikern ist vorhanden, eine ursächliche Verbindung mit ihnen aber nicht…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner