A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Pistoia

Pistoia, Synode von, 1786, von Bischof Scipione de Ricci zur Beratung und Durchführung der kirchlichen Reformbestrebungen des Großherzogs Leopold I. Von Toskana berufen, gewann als Dolmetscher der staatskirchlichen und aufklärerisch reformerischen Ideen jener Zeit und als keckster Versuch, dem Jansenismus und verwandten Irrtümern in Italien den Boden zu schaffen, kirchen-geschichtliche Bedeutung. Leopold hatte nach dem Beispiel seines Bruders Joseph II. in einem Rundschreiben vom 26. 1,1786 seinen Bischöfen einen jansenistisch-febronianistischen Reformplan zur Prüfung unterbreitet. Dessen 57 Artikel, der Schrift L´ecclésiastique citoyen (London 1785) entnommen, enthielten hauptsächlich die öftere Abhaltung von Synoden, größere Unabhängigkeit der Bischöfe vom Papst, eigenmächtige Reform des Breviers und der Meßbücher, Sakramenten-Spendung in der Landessprache, Beschränkung der Prozessionen, Entfernung der Bilder und Votivtafeln aus den Kirchen, Verpflichtung der Geistlichen auf die Lehre Augustins, Verbreitung von Quesnel Réflexions morales und anderer indizierter Bücher usw. Die meisten bischöflichen Gutachten sprachen sich gegen die Reformen aus; nur die Bischöfe von P.-Prato, Chiusi-Pienza und Colle stimmten bei. A weitesten ging Ricci, der am 31. 7. 1786 eine Diözesan-Synode ausschrieb. Sie fand 18. – 28. September unter Teilnahme von 234 Preistern in 6 Sitzungen statt, mit dem Anspruch, auch über Glaubenssachen zu entscheiden. Ihre zahlreichen, von Tamburini und Plamieri formulierten Beschlüsse über Kirchenrecht, Gottesdienst, landesherrliches Jus circa sacra usw. schlossen die Annahme der 4 Gallikanischen Artikel, Unterordnung der Kirche unter den Staat, das Episkopalsystem, den jansenistischen Rigorismus bei der Verwaltung des Bußsakramentes, Verminderung der Ehehindernisse, Geringschätzung der kirchlichen Zeremonien, Zurückführung der Orden auf einen einzigen nach der Benediktusregel (ohne Exemtion, Seelsorge-Tätigkeit und eigene Klosterkirchen), Verbot ewiger Gelübde, Empfehlung jansenistischer Schriften usw. in sich. Auf einer am 23.4.1787 nach Florenz berufenen Versammlung der 17 Bischöfe Toskanas wollte Leopold die schroff jansenistischen und gallikanischen Beschlüsse bestätigen lassen; doch scheiterte der Versuch an der kirchlichen Haltung der Mehrheit. Nur wenige der 57 Reformvorschläge Leopolds wurden mit erheblichen Abschwächungen angenommen, die meisten abgelehnt, so daß der Großherzog am 5.6.1787 mißmutig die Versammlung schloß, den Plan eines Nationalkonzils begrub und eigenmächtig zu reformieren fortfuhr. Der Weggang Leopolds als Kaisers nach Wien (1790), der aufrührerische Widerstand des Volkes und die Entfernung Riccis vom Amt brachten die schismatische Bewegung zum Stillstand; Großherzog Ferdinand III. hob manche der Neuerungen auf. Pius VI. nahm die Verbreitung der Synodalakten und deren Ausbeutung durch die Aufklärer zum Anlaß, 85 Sätze der Synode von Pistoia durch die Bulle Auctorem fidei v. 28.8.1794 zu verwerfen. (vgl. Denzinger nr. 1501/99)

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, S. 296-297

Tags: Jansenismus
Buch mit Kruzifix
Emser Kongress
Buch mit Kruzifix
Wiedertäufer

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Barnabiten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Barnabiten Barnabiten oder Regularkleriker des hl. Paulus (Clerici regulares s. Pauli decollati), auch Paulaner genannt, Männerorden, gegründet 1530 zu Mailand vom hl. Antonius M. Zaccaria im Verein mit Bartolomeo Ferrari und Giacomo Morigia, um…
Buch mit Kruzifix

Innozenz VIII.

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Innozenz VIII. Innozenz VIII., 29.8.1484 bis 25.7.1492, Giambattista Cibo, * 1432 zu Genua, studierte in Padua und Rom, trat in den Dienst des Kardinals Calandrini wurde 1466 Bischov von Savona, 1472 v. Molfetta, 1473…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Augsburger Religionsfriede Augsburger Religionsfriede, Vereinbarung, die 1555 auf dem Reichstag zu Augsburg zwischen König Ferdinand I. und den Reichsständen getroffen und am 25. September zum Reichsgesetz erhoben wurde. (1) Kraft dieses Friedens, der die…
Buch mit Kruzifix

Hillel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hillel Hillel I., genannt „der Alte“, jüdischer Gesetzeslehrer, mit Schammai als letztes der sogenannten 5 Paare der Traditionskette aufgeführt., * um 50 v. Chr.; † 10 n. Chr. Über ihn und seine Gelehrsamkeit erzählt…
Buch mit Kruzifix

bona fides

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: bona fides Bona fides (guter Glaube), a) in der Moral bedeutet eine an sich und ursächlich unverschuldete irrige Überzeugung von der Erlaubtheit eines objektiv sündhaften Verhaltens oder von der Rechtmäßigkeit eines objektiv unrechtmäßigen Besitzes.…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Jansenius

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jansenius Jansenius (Jansens, Janszoon), Kornelius der Ältere, * 1510 zu Hulst (heute in Holland), † 11.4.1576 zu Gent; las schon 1534 in Tongerloo über die Hl. Schrift, 1542 Pfarrer in Kortryk, 1562 Professor in Löwen, 1563 Abgeordneter der Universität beim Trienter Konzil, 1564 von Philipp II. zum 1. Bischof…
Buch mit Kruzifix

Pavillon von Alet

Bischof
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pavillon von Alet Pavillon, Nicolaus, Bischof von Alet (in den Pyrenäen), gehört zu den Bischöfen, welche bei den jansenistischen Erörterungen sich weigerten, das Formular vom Jahr 1665 zu unterschreiben. Er war im Jahre 1597 zu Paris geboren und trat frühzeitig mit dem hl. Vinzenz von Paul in Verbindung, der…
Buch mit Kruzifix

Noailles

Bischof
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Noailles Noailles, altes französisches Adelsgeschlecht in Limousin, dem u.a. angehören: 1) François, *1519, 1556 Bischof v. Dax, †1585; französischer Gesandter in England, Venedig, Rom, in der Türkei, überall (außer in Rom) mit Erfolg für Frankreich tätig. – 2) Dessen Bruder Gilles, †1597 zu Bordeaux; gleichfalls französischer Gesandter in England,…
Buch mit Kruzifix

Arnauld

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arnauld Arnauld (Arnaud, arnaut, Arnault), Familie, die in der Geschichte der Mystik und des Jansenismus in Frankreich im 17. Jahrhundert eine führende Rolle spielte. Aus der Auvergne stammend, war sie mit Antoine Arnauld, Herrn von de la Mothe und Villneuve, dem späteren Großprokurator unter Katharina Medici, um 1547 nach…
Buch mit Kruzifix

Gerberon

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gerberon Gerberon, Gabriel, Mauriner von gründlicher Gelehrsamkeit und leidenschaftlicher Feder, * 12.8.1628 zu St-Calais (Maine), † 28.3.1711 zu Paris; lehrte Rhetorik, Philosophie und Theologie an verschiedenen Ordensschulen (seit 1666 in St-Germain-des-Prés), 1672 Subprior in Argenteuil und 1675 in Corbie. Eifrig patristischen Studien obliegend, schrieb er eine Apologie pro Ruperto…
Buch mit Kruzifix

Du Vergier

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Du Vergier Du Vergier (verger) de Hauranne, Jean, gewöhnlich St. Cyran genannt, Jansenist, * 1581 zu Bayonne, †10.10.1643 zu Paris; studierte zu Paris und Löwen bei den Jesuiten, war zuerst ihr Lobredner, dann ihr bitterster Feind; weilte 1611-1616 mit seinem Jugendfreund Jansenius dem Jüngeren auf seinem Landgut Cantipré. Du…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner