A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Lachaise

Pater Lachaise, Jesuit (1624-1709)

Lachaise, Francois d`Aix de, der Beichtvater des Königs Ludwig XIV. von Frankreich, schon durch den nach ihm benannten Pariser Kirchhof weltbekannt, war das zweite von zwölf Kindern des Georg d`Aix, Lehnsherrn von La Chaise und Ritters des Ordens vom hl. Michael, zugleich Großneffe des Jesuitenpaters Cotton und Neffe eines weiteren Jesuiten, der sich als Professor in Lyon vielfach verdient machte Lachaise war am 25. August 1624 auf dem Stammschloss seiner Familie in Forez (Loire-Departement) geboren und kam, kaum zehnjährig, in das von einem seiner Ahnen gegründete Jesuitenkolleg von Roanne, vollendete nach dem zweijährigen Noviziat seine Studien in Lyon und wurde alsdann Lehrer erst der Humaniora, hierauf der Philosophie.

Seine Lehrtüchtigkeit und sein liebenswürdiger Charakter erwarben ihm die Gunst des Erzbischofs und königlichenStatthalters Villeroy von Lyon. Er war bereits Provinzial seines Ordens, als Ludwig XIV. ihn 1674 nach dem Ableben des P. Ferrier zu seinem Beichtvater erkor. Dies war eine einflussreiche, zugleich aber auch eine sehr heikle Stellung, zumal für einen Mann, der bisher über 100 Stunden vom Hof entfernt gelebt hatte.

Im Ränkespiel des Hofes stand Lachaise zwischen den Frauen Montespan und Maintenon, zwischen letzterer und dem König, im kirchlichen Gebiet aber zwischen den Jesuiten und Jansenisten, zwischen Bossuet und Fenelon. Notgedrungen musste er im Interesse der königlichen Hoheitsrechte einen mehr oder minder tätigen Anteil nehmen an der Erklärung der Geistlichkeit über die Freiheiten der gallikanischen Kirche (1782), an der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685), an den Streitigkeiten über den Quietismus, an der Vermählung des Königs mit der Maintenon.

Was er auch sagen und beantragen mochte, an Gegnern konnte es ihm nicht fehlen und deshalb auch nicht an verschiedener Beurteilung seiner Person. War er doch ein Jesuit und dazu der Beichtvater eines Ludwig XIV. –

Grund genug, um noch lange nach seinem Ableben mit Schmähschriften beehrt zu werden! Die Jansenisten warfen ihm vor, er schmeichle den Leidenschaften des Königs, so dass dieser alles nur noch durch die Brille des Beichtvaters sehe, er verleihe Pfründen nur an Freunde des Jesuitenordens und habe alle an den Jansenisten verübten Gewalttaten auf dem Gewissen. Während der Anhänglichkeit Ludwigs XIV. zur Montespan zog die österliche Zeit dem Beichtvater regelmäßig Unannehmlichkeiten zu. Lachaise scheint die Erhebung der Maintenon gefördert zu haben; gleichwohl war diese ihm keineswegs hold, wie aus ihrem Briefwechsel mit dem Kardinal Noailles hervorgeht.

Unbefangen dagegen beurteilten ihn nicht nur Fenelon, sondern auch die hervorragendsten „Philosophen“, namentlich Voltaire. Sie erkannten an, Lachaise sei dienstfertig und gerecht, weder rachsüchtig noch waghalsig, ein entschiedener Jesuit, frei von Leidenschaft wie von Knechtssinn. Niemals ließ sich Ludwig XIV. zur Entlassung seines Beichtvaters bewegen, im Gegenteil schenkte er demselben das umfangreiche und prächtige Landgut Mont Louis, auf dessen Stelle der oben erwähnte prächtige Gottesacker sich heute noch befindet. 80 Jahre alt und gebrechlich, bat er dringend aber vergeblich um Entlassung; er musste volle 34 Jahre Beichtvater bleiben.

Lachaise hatte einen guten Cours de Philosophie abgefasst; er war in den Altertums-Wissenschaften bewandert und galt bezüglich der Münz- und Inschriftenkunde als eine Autorität. Deshalb wurde er auch 1701 Mitglied der Akademie der Inschriften, in deren Mémoires (tom. I.) von ihm Remarques sur l`inscription d`une urne antique sich befinden. Nachdem der Greis in dem schrecklichen Winter von 1709 am 20. Januar gestorben, hielt ihm der König vor den Hofleuten eine Lobrede. Seine Schriften können wir ebenso wie die gegen ihn geschleuderten Schmähschriften, deren dickste zu Köln 1694 auch deutsch gedruckt worden ist (Leben des weltberufenen Jesuiten und französischen Beichtvaters la Chaize), mit Stillschwiegen übergehen. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 7, 1891, Sp. 1287 – Sp. 1289

Der viel Verleumdete war ein rechter Ordensmann, „wahrhaft klug, überall beleibt, ohne Falsch, am Hofe, aber nicht vom Hofe“ (De Maistre), freilich gegen König, Minister und Staatsräson nachgiebig, doch nicht so sehr, als Zeitgenossen und Spätere ihm vorwarfen; genügte im Regalienstreit nicht den Erwartungen Roms, mißbilligte jedoch die 4 gallikanischen Artikel. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1932, Sp. 328

Siehe auch den Beitrag auf Wikipedia: François d’Aix de Lachaise

Bildquellen

Tags: Jesuiten
Buch mit Kruzifix
Mazarin
Buch mit Kruzifix
Pavillon von Alet

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Ursacius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ursacius Ursacius, Bischof von Singidunum (Belgrad), mit seinem Freund Valens, dem Bischof von Mursa (esseg), Führer der abendländischen Arianer (Eusebianer), † nach 371; Schüler des Arius (Athanasius, Ep. ad. Episc. Aegypti 7), wohl während…
Buch mit Kruzifix

Arkadius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arkadius Arkadius, hl. Märtyrer zu Cäsarea in Mauretanien (Cherchel) in der diokletianischen Verfolgung. Die älteste Bezeugung über ihn besitzen wir in einer Rede des hl. Zeno von Verona (Migne PL XI 450/54) und in…
Buch mit Kruzifix

Passauer Vertrag

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Passauer Vertrag Passauer Vertrag, geschlossen 1552 zwischen Kurfürst Moritz von Sachsen als dem Haupt der protestantischen Kriegsfürsten und dem König Ferdinand als dem Bevollmächtigten Karls V. In den schwierigen Verhandlungen zu Linz (18.4) und…
Buch mit Kruzifix

Appellanten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Appellanten Appellanten, Anhänger des Jansenismus in der fünften Periode seiner Entwicklung. Nachdem die Umtriebe und die Opposition gegen die Bulle Unigenitus, sowie die fruchtlosen Unterhandlungen zwischen den Akzeptanten und den Opponenten sich durch einige…
Buch mit Kruzifix

Independenten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Independenten Independenten, Kongregationalisten, puritanische Sekte, von den Presbyterianern getrennt durch die Verfassung ihrer Gemeinden (congregations), die voneinander, von staatlicher und kirchlicher Obrigkeit unabhängig (daher auch Independenten), unmittelbar der Leitung Christi unterstehen und in seine…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Lessius

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lessius Lessius (Ley), Leonhard, SJ (seit 1572), scholastischer Theologe, * 1.10.1554 zu Brecht bei antwerpen, lehrte 1574-1581 Philosophie in Douai, studierte 1583-1584 in Rom Theologie unter Suarez, lehrte 1585 bis 1600 Theologie am Jesuitenkolleg zu Löwen, † ebd. 15.1.1623. Lessius litt lebenslang an einer schmerzlichen Krankheit, die er sich…
Buch mit Kruzifix

Hunolt, Franz

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hunolt Hunolt, Franz, SJ (seit 1709), Homilet, * 31.3.1691 zu Siegen, † 12. 9. 1746 zu Trier, hier 1724 bis 1743 Domprediger. Verfasste Sittenpredigten in volkstümlicher Sprache, mit treffenden Vergleichen, Sprichwörtern, anschaulicher, dem Leben entnommener Schilderung, geschickter Verwertung der Schrifttexte und reichhaltigem Stoff. Dogmatische Predigten und Lobreden lagen ihm…
Buch mit Kruzifix

Croiset, Jean

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Croiset Croiset, Jean, SJ (seit 1677), aszetischer Schriftsteller, * 28.8.1656 zu Marseille, † 31.1.1738 zu Avignon; lehrte Theologie in Marseille, war Rektor an verschiedenen Kollegien, Novizenmeister und Provinzial, als Seelenführer der hl. Margaretha von Alacoque zu Paray-le-Monial bahnbrechend für die Herz-Jesu-Andacht durch Fortsetzung des Werkes des sel. Claude de…
Buch mit Kruzifix

Deharbe, Joseph

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deharbe Deharbe, Joseph, SJ (seit 1817), * 1.4.1800 zu Straßburg i. E., † 8.11.1871 zu Maria Laach. 1830-1836 und 1839 Professor der Rhetorik zu Brig, 1840-1841 Volksmissionar in der Schweiz und in Bayern, 1842-1845 Hilfs-Seelsorger in Cöthen (Anhalt), 1845 Rhetorik-Professor zu Freiburg im Schwarzwald, 1846 Regens und Pastoralprofessor am…
Buch mit Kruzifix

Jesuiten

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jesuiten Jesuiten. Der Name Jesuit, im 15. Jahrhundert = „frommer Mann“, Anfang des 16. Jahrhunderts = „Betbruder“, bezeichnete erst als Spottname, dann schon im 16. Jahrhundert einfachhin die Mitglieder der Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, abgekürzt SJ), gegründet vom hl. Ignatius von Loyola 15. 8. 1534 in der Dionysius-Kapelle auf…
Buch mit Kruzifix

Meschler, Moritz

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Meschler Meschler, Moritz, SJ (seit 1850), aszetischer Schriftsteller, * 16.9.1830 zu Brig (Kanton Wallis, Schweiz), machte seine höheren Studien zu Paderborn, Bonn und Maria Laach, 1866 Prediger in Bonn, 1867-1871 Novizenmeister (zu Gorheim, Münster, Exaeten, Blyenbeck), 1881-1884 Provinzial der deutschen Jesuiten, 1892 -1906 Assistent des Ordensgenerals, zuletzt Schriftsteller zu…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner