Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Devolutionsrecht

Devolutionsrecht (jus devolutionis), der Übergang des Besetzungsrechtes für ein Kirchenamt vom zunächst Berechtigten an den höheren Kirchenobern, wenn jener die Besetzung schuldhaft versäumt oder unkanonisch vornimmt. Im älteren Recht finden sich nur einige Anklänge an das Devolutionsrecht; seine eigentlichen Wurzeln liegen im fränkischen Staatskirchenrecht. Das Eigenkirchenwesen erfasste nämlich die niederen und höheren Pfründen. Gegen den Einfluss des Königs auf die Bistums-Besetzung erhob sich die Reformbewegung, die auf Befreiung der Kirche von der Laienherrschaft abzielte.

Gregor VII. sprach im can. 6 der Fastensynode von 1080 dem Metropoliten und besonders dem Papst das Recht zu, bei unkanonischer Besetzung den erledigten Bischofsstuhl selbst zu verleihen: der Anfang des kirchlichen Devolutionsrechts, wenn vorläufig, auch noch nicht durchsetzbar. Alexander III. führte es auf dem 3. Laterankonzil 1179 in das Kirchenrecht ein. Seine Blütezeit fällt in das 12. – 14. Jahrhundert. Ihren Abschluss fand die Gesetzgebung auf dem Konzil zu Trient.

Den Niedergang des Devolutionsrechts veranlassten die Generalreservationen und der bald wieder steigende Einfluss der Fürsten auf die Benefizien-Verleihung; zu Anfang des 19. Jahrhunderts war es nur noch bei den Wahlen auf die reichsunmittelbaren Bistümer und Abteien, bei Bestellung des Kapitularvikars, bei einem geringen Teil der Pfründen freier bischöflicher Verleihung und bei Privatpatronats-Pfründen praktisch. Nach den Bullen und Breven für Hannover, Altpreußen und die Oberrheinische Kirchenprovinz hatte bei Bischofswahlen das Devolutionsrecht Geltung, wurde aber praktisch nie geübt.

Nach dem CIC gilt: 1) Erteilt ein Bischof den von Patronen auf Pfründen Präsentierten innerhalb der festgesetzten Frist die kanonische Institution nicht, dann geht dieses Recht auf den Metropoliten über (ca. 274, n. 1).

2) Wenn der Ordinarius innerhalb 6 Monaten eine Pfründe freier Verleihung aus Nachlässigkeit nicht besetzt, geht das Verleihungsrecht an den Apostolischen Stuhl über (can. 1432, §3); bei Pfarreien hat der Ordinarius einen weiteren Spielraum (can. 458). 3) Wählt ein Domkapitel innerhalb 8 Tagen nach Erledigung des Bistums einen Kapitularvikar nicht, so bestellt ihn der Metropolit; bei der Metropolitean-Kirche devolviert das recht an den ältesten Suffragan (can. 274, n. 3; 432 § 1 u. 2). –

Auch eine sogenannte unechte Devolution gibt es: 1) Wenn ein zur Wahl für ein Kirchenamt zuständiges Kollegium nicht innerhalb 3 Monaten die Wahl vornimmt oder das Wahlrecht zur Strafe verliert (can. 2274; 2285; 2391 bis 2394), verleiht jener kirchliche Obere das Benefizium, welcher die Wahl zu bestätigen hat oder welchem nach den Wahlberechtigten die Besetzung zusteht (can. 161; 178), ähnlich bei der Postulation (can. 181, §2; 182, §1). 2)

Wenn der Präsentations- oder Nominations-Berechtigte infolge Kirchenstrafen sein Recht nicht ausüben darf oder wissentlich einen Unwürdigen vorschlägt, verliert er für die Dauer der Strafe bzw. für diesen Fall das Präsentations- bzw. Nominationsrecht (can. 2265; 2275; 2283; 2391, § 3). 3) Wahl-, Präsentations- oder Nominations-Berechtigte, welche Simonie begehen oder im Einzelfall, ihr Vorschlagsrecht überschreitend, von sich aus die kirchliche Stelle verleihen wollen, verlieren dauernd bzw. für diesen Fall ihr Recht (can. 2392, n. 2; 2393). In all diesen Fällen hat dann der ordentliche Verleiher das Besetzungsrecht. –
Bei simonistischer Verleihung besetzt in jedem Fall der Papst (can. 1435, §1, n. 3). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. III, 1931, Sp. 265 – Sp. 266

Buch mit Kruzifix
Ludwig VI. – XVI. Könige Frankreichs
Buch mit Kruzifix
Origenes

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Talleyrand

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Talleyrand Talleyrand, französisches Adelsgeschlecht, wohl eine Linie der Grafen v. Périgord, seit dem 18. Jahrhundert Talleyrand-Périgord genannt. Alexandre Angélique, * 16.10.1736 zu Paris, † 20.10.1821 ebd.; 1766 Koadjutor und 1777 Nachfolger des Erzbischofs von…
Buch mit Kruzifix

Barmherzigkeit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Barmherzigkeit Barmherzigkeit (misericordia) ist die Tugend, die Mitleid hat mit fremdem Übel, und zwar nicht bloß dem Gefühl nach, sondern unter dem Einfluß und der Leitung des vernünftigen Willens. Sie ist (vgl. S. Thom.…
Buch mit Kruzifix

Monophysitismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Monophysitismus Monophysitismus, Irrlehre, die eine einzige Natur in Christus annimmt. Anlass war das Streben, die Einheit in Christus zu wahren gegenüber der Tendenz, das Menschliche in ihm hervor zu heben und damit eine teils…
Buch mit Kruzifix

Engelsburg

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Engelsburg Engelsburg (Castel Sant`Angelo), eines der bedeutsamsten Baudenkmäler Roms, von reichster geschichtlicher Vergangenheit, auf dem rechten Tiberufer bei der Engelsbrücke, dem ehemaligen Pons Aelius. Der antike Bau wurde von Kaiser Hadrian 136 nach Christus…
Buch mit Kruzifix

Lessius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lessius Lessius (Ley), Leonhard, SJ (seit 1572), scholastischer Theologe, * 1.10.1554 zu Brecht bei antwerpen, lehrte 1574-1581 Philosophie in Douai, studierte 1583-1584 in Rom Theologie unter Suarez, lehrte 1585 bis 1600 Theologie am Jesuitenkolleg…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Israel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Israel Israeliten, das vom Patriarchen Jakob mit dem Beinamen Israel abstammende semitischen Volk, welches etwa seit 1230 v. Chr. Palästina bewohnte. Die Selbstbezeichnung bildet offenbar gegenüber dem Namen Hebräer, der nur im Mund von Ausländern oder zur Unterscheidung von diesen gebraucht wird, den Ehrentitel als Nachkommen des großen gemeinsamen…
Buch mit Kruzifix

Vigilantius

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Vigilantius Vigilantius, Häretiker zu Anfang des 5. Jahrhunderts, war zu Calagurris (jetzt Casères) im südlichen Gallien als der Sohn eines Wirtes geboren und wurde in seiner Jugend zur Führung desselben Geschäftes, das der Vater hatte, angehalten. Bald verlegte er sich aber auf das Studium der Wissenschaften, war Schüler von…
Buch mit Kruzifix

Gerberon

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gerberon Gerberon, Gabriel, Mauriner von gründlicher Gelehrsamkeit und leidenschaftlicher Feder, * 12.8.1628 zu St-Calais (Maine), † 28.3.1711 zu Paris; lehrte Rhetorik, Philosophie und Theologie an verschiedenen Ordensschulen (seit 1666 in St-Germain-des-Prés), 1672 Subprior in Argenteuil und 1675 in Corbie. Eifrig patristischen Studien obliegend, schrieb er eine Apologie pro Ruperto…
Buch mit Kruzifix

Marcus Magus

Gnostiker
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Marcus Magus Marcus Magus Gnostiker, Schüler des Valentin, Zeitgenosse des Irenäus, der des Marcus Anhänger, die Markosier, im Rhonetal kennen lernte. Ausführlich berichtet Irenäus (Adv. Haeres. I c. 13-21) von ihren unsinnigen Zahlenspekulationen. (siehe den Beitrag: Die gnostische Bedeutung der Zahl 888) Für ihn ist Marcus ein ganz gewissenloser…
Buch mit Kruzifix

Bilderstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bilderstreit Bilderstreit. I. Im Orient. Die Kirche suchte von Anfang an, besonders bei weiterer Ausbildung der Bilderverehrung, Ausartungen zu verhüten; so Papst Gregor der Große gegen Bischof Serenus v. Marseille (Migne PL 77, 1027). In der griechischen Kirche hatte man aber doch allmählich die sichere kirchliche Regel überschritten. Ob…
Buch mit Kruzifix

Mormonen

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mormonen Mormonen, nordamerikanische Sekte, gegründet 1830 in Fayette (Neuyork) durch Joe Smith, von dem sie in Wesen und Lehre ihr eigenartiges Gepräge erhielt. Die Sekte bildet einen straff organisierten Kirchenstaat mit theokratischer Verfassung. Im Namen Gottes regieren 3 Apostel (Nachfolger der 3 Säulenapostel Petrus, Jakobus und Johannes) als erste…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner