Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Arnulf, deutscher König

Arnulf (=Adlerwolf), deutscher König und Kaiser, der vorletzte Karolinger, * um 845 als natürlicher Sohn Karlmann` s und der Edlen Liutswinda, † 8.12.899; vermählt mit Ota (Uta), die 893 Ludwig das Kind gebar und sich als große Wohltäterin der Kirchen und Klöster zeigte. Seit 876 Markgraf v. Kärnten und Pannonien, gewann er bald starken Einfluss auf Bayern. 887 wurde er unter Verdrängung Karls des Dicken König im Ostfrankenreich, das durch die Auflösung des Karolingerreiches in seine Teilreiche unter ihm endgültig zum deutschen Reich wurde. Ein tapferer Krieger und tatkräftiger Herrscher, verteidigte er dieses gegen die Normannen (Sieg an der Dyle 891) und gegen Swatopluk von Mähren und schuf im Innern Ruhe und Ordnung. Den Bischof Adalbero v. Augsburg bestellte er zum Erzieher seines Sohnes Ludwig. Der Kirche treu ergeben, suchte er gegenüber der Selbstsucht der weltlichen Großen eine Stütze im engen Bund mit den Bischöfen, der auf der Synode zu Tribur 895 mit der Ordnung der kirchlichen Verhältnisse besiegelt wurde. Auf den Ruf des Papstes Formosus zog er zur Ordnung der wirren Verhältnisse Italiens 2mal dorthin (891 und 895).

Am 22.2.896 empfing er in Rom die Kaiserkrone. Ein in seiner Familie erbliches Siechtum, das ihn noch in Italien befiel und seine Tatkraft lähmte, brachte ihn um die Frucht aller Erfolge, nicht nur in Italien. Er hinterließ das Reich in schwieriger Lage einem 6-jährigen Kind. Ganz verworren waren die Zustände auch in Lothringen, das er für seinen Sohn Zwentibold vom deutschen Reich abgetrennt hatte. Begraben ist Arnulf zu Regensburg, wo er sich eine neue Pfalz erbaut hatte, in der Kirche des hl. Emmeram, den er besonders verehrte und mit kostbarsten Weihegaben beschenkte, so vor allem mit dem Codex aureus (jetzt Staatsbibl. München), einem unvergleichlichen Evangeliar, das er selbst wohl von König Odo v. Westfrancien geschenkt erhielt.

Arnulf der Böse, Begründer des bayrischen Stammesherzogtums 907 bis 937. In den Zeiten der Ungarngefahr, die er erfolgreich bekämpfte (Sieg am Inn 913), richtete er als Erbe der Machtstellung seines Vaters Luitpold und als kraftvolle Persönlichkeit, begünstigt, wie es scheint, durch verwandtschaftliche Beziehungen zu dem Karolinger Arnulf, eine starke Herzogsgewalt in Bayern auf und behauptete sie gegen Konrad I. trotz zeitweiligen Verlustes der Hauptstadt Regensburg (916) und trotz Bannandrohung durch die für das Königtum eintretenden Bischöfe auf der Synode zu Hohenaltheim, wie auch gegen Heinrich I. Dieser gewährte Arnulf im Vertrag von Regensburg 921 volle Autonomie im Innern einschließlich der Besetzung der Bistümer.

Ein schlimmes Andenken hat sich Arnulf in kirchlichen Kreisen erworben durch umfassende Säkularisierung von Kirchen- und besonders Klostergut in den Jahren 908 bis 9014. Er belehnte damit, wie einst Karl Martell, die bayrischen Großen, um sich ergebene Vasallen und eine stets verfügbare Reiterei gegen die Ungarn, aber auch zur Behauptung seiner Stellung gegen das Königtum zu schaffen. Die großen reichen Klöster Niederaltaich, Benediktbeuern, Tegernsee verloren fast ihren ganzen Besitz, viele andere, wie Schäftlarn, Münchsmünster, Schliersee, kamen kürzer oder länger ganz um Erliegen. Dies trug Arnulf den Beinamen „der Böse“ ein. Die spätere Legende ließ ihn eines schrecklichen Todes sterben und seinen Leichnam durch höllische Geister in den sog. Teufelsweiher bei Scheyern versenken. Doch findet sich auch ein zeitgenössischer geistlicher Lobredner Arnulfs, der Verfasser des Fragmentum de Arnulfo duce (MGScript. XVII 570), „der erste literarische Vertreter des bayr. Partikularismus“ (Doeberl). Arnulf starb 14.7.937 und ist beigesetzt in St. Emmeram in Regensburg. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 698 – Sp. 699

Buch mit Kruzifix
Luitprand von Cremona
Buch mit Kruzifix
Spoleto

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Placet

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Placet Placet (Placetum oder Placitum regium, Exsequatur, Pareatis), das vom Landesherrn beanspruchte Recht, Erlasse kirchlicher Behörden daraufhin zu prüfen, ob vom Staatswohl aus ihrer Veröffentlichung nichts im Wege steht. Gegenüber päpstlichen Erlassen wurde es…
Buch mit Kruzifix

Petrus von Amiens

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Petrus von Amiens Petrus von Amiens, auch der Eremit genannt, berühmter Kreuzzugs-Prediger, stammte, wenn nicht aus Amiens selbst, so doch jedenfalls aus der Diözese Amiens. Das Jahr seiner Geburt ist unbekannt. Der Zuname Eremita,…
Buch mit Kruzifix

Akkomodationsstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Akkomodationsstreit Akkomodationsstreit oder Ritenstreit heißt der Streit über die Frage, inwieweit sich die christlichen Missionare den Landessitten anpassen dürfen (missionarische Akkomodation). Er entbrannte zuerst in China zwischen den Jesuiten einerseits, den Dominikanern, Franziskanern, Lazaristen…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Heinrich Könige von Frankreich Heinrich II., * 31.3.1519 zu St-Germain-en-Laye, König seit 31.3.1537, † 10.7.1559 zu Paris. Verfolgte wie sein Vater Franz I. die Protestanten in Frankreich, während er sie in Deutschland gegen den…
Buch mit Kruzifix

Flavian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Flavian Flavian I., 381-404 Patriarch von Antiochien, * um 320 ebd. Schon als Laie trat er dem arianischen Bischof Leontius (344-57) entgegen. Während der mehrfachen Verbannung des Bischofs Meletius waren Flavian und sein Freund…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Gottschalk von Orbais

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gottschalk von Orbais Gottschalk von Orbais, OSB, Prädestinatianer des 9. Jahrhunderts, war der Sohn eines sächsischen Grafen Berno. Zu frühester Jugend kam er als Oblate in die Abtei Fulda und musste auf Grund des elterlichen Gelübdes das Mönchsgewand nehmen. Vor dem Empfang der höheren Weihen gelang es ihm, zu…
Buch mit Kruzifix

Abgefallene

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abgefallene (Lapsi) Abgefallene, Lapsi, sind im allgemeinen solche, die einmal Christen waren, aber nachmals sich förmlich von der christlichen Kirche wieder lossagten. Näherhin bezeichnete man damit in den ersten christlichen Jahrhunderten jene Unglücklichen, welche zur Zeit der Verfolgung schwach genug waren, ihren christlichen Glauben zu verleugnen, um dem Tode…
Buch mit Kruzifix

Lachaise

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lachaise Lachaise, Francois d`Aix de, der Beichtvater des Königs Ludwig XIV. von Frankreich, schon durch den nach ihm benannten Pariser Kirchhof weltbekannt, war das zweite von zwölf Kindern des Georg d`Aix, Lehnsherrn von La Chaise und Ritters des Ordens vom hl. Michael, zugleich Großneffe des Jesuitenpaters Cotton und Neffe…
Buch mit Kruzifix

Barmherzigkeit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Barmherzigkeit Barmherzigkeit (misericordia) ist die Tugend, die Mitleid hat mit fremdem Übel, und zwar nicht bloß dem Gefühl nach, sondern unter dem Einfluß und der Leitung des vernünftigen Willens. Sie ist (vgl. S. Thom. 2,2, q. 30, q. 2 u. q. 32, a. 1) ein Ausfluß der Liebe, die…
Buch mit Kruzifix

Malagrida

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Malagrida Malagrida, Gabriel, best verleumdeter Jesuit, war am 7. September 1689 im Dorfe Menaggio, im Gebiet von Mailand, geboren. Schon in früher Jugend trat er in die Gesellschaft Jesu (1711) und bewarb sich nach glänzend vollendeten Studien um die Verwendung in den Missionen. Durch seine dringenden Bitten bewogen, sendeten…
Buch mit Kruzifix

Ignaz Aurel Feßler

Apostat
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ignaz Aurel Feßler Feßler, Ignatius Aurelius, Exkapuziner und Apostat, verdient als lehrreiche Illustration der josephinischen Aufklärung einige Beachtung. Er war 1755 zu Czurendorf in Ungarn geboren und verbrachte seine Jugendjahre in Preßburg und Raab. Seine Mutter hatte eine besondere Vorliebe für die Lutheraner, deren religiöse Versammlungen sie oft in…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner