Lexikon für Theologie und Kirche
Stichwort: Gethsemani-2 (Ölkelter) mit seinen Kapellen
Gethsemani, d. i. Ölkelter, oder nach dem hl. Hieronymus vallis pinguedinum, Tal der Fettigkeit, hieß der Garten oder der Meierhof (hortus, villa, praedium) jenseits des Baches Cedron am Fuße des Ölbergs, in welchen sich Christus, wenn er in Jerusalem weilte, gern mit seinen Jüngern zurückzog, um fern vom Getümmel der Stadt in der Stille der Einsamkeit zu beten (Joh. 18, 1f.; vgl. Luk. 21, 37; 22, 39). Dort betete Jesus auch an dem Abend, an welchem er sein Leiden begann, vergoss blutigen Schweiß, wurde von Judas verraten und ward von den Häschern des Synedriums gefangen genommen (Matth. 26, 36; Mark. 14, 32; Luk. 22, 39; Joh. 18, 3ff.).
Der Garten gehörte offenbar einer dem Herrn befreundeten Persönlichkeit (vielleicht Nikodemus oder Lazarus), weshalb er dem Heiland und seinen Jüngern zur Verfügung stand. –
Der Ort war von jeher den Christen heilig. Schon der Pilger von Bordeaux (um 330) gedenkt dieser Stätte, und Eusebius wie der hl. Hieronymus (Onomast. s. v.) erwähnen einer Kirche, des Erlösers selbst. Nicht lange nachher befanden sich dort mehrere Kirchen und Kapellen. –
Der jetzige Garten Gethsemani, gleich jenseits der oberen Cedronbrücke zur Rechten gelegen, etwa fünf Minuten (300 m) von der Stadtmauer, der Nordostecke des Tempelplatzes gegenüber, 45 m tiefer als der Tempelplatz, ist nur ein Teil des ehemaligen Gartens oder Landgutes. Er kam 1669 durch den Custos des heiligen Landes, Marinus Sormannus, in den Besitz der Franziskaner, die ihn mehr und mehr erweiterten und 1847 mit einer Mauer umschlossen. Er misst etwa 50 m in der Länge und Breite und ist durch seine sorgsam gepflegten Ölbäume und Zypressen, Gesträuche und Blumenbeete ein kleines Paradies in öder, steiniger Umgebung.
Inwendig an der Mauer befindet sich seit 1873 ein schöner Kreuzweg in Hautrelief, und unter einer eigenen Kuppel ein herrliches Reliefbild aus weißem Marmor, den Heiland am Ölberg darstellend.
Das größte Heiligtum im Garten sind acht uralte Ölbäume, die nach einigen noch Zeugen des Todeskampfes Jesu gewesen, sicher aber aus den Wurzelstöcken solcher Zeitgenossen Jesu erwachsen sind. Sie stehen durch eigene Umzäunungen geschützt, in der Mitte des Gartens, haben 5-6, ja einer 8 m im Umfang und mussten teilweise durch Mauerwerk gestützt werden. –
Außerhalb des jetzigen Gartens, der Eingangstüre an der Südostecke gegenüber, zeigt man den Fels, auf dem die drei Jünger schliefen; etwa 15 m südlich davon bezeichnet eine kleine Nische zwischen zwei Mauern den Ort, wo Judas den Herrn verriet. Einen Steinwurf weit (etwa 70 m von der Eingangstür des Gartens, kaum 20 m nördlich von der Nordwestecke des Gartens, befindet sich die Todesangst-Grotte, eine natürliche Höhle von unregelmäßiger Gestalt, etwa 17 m lang und 9 m breit, 3 ½ m hoch, teils von natürlichen, teils von gemauerten Pfeilern gestützt, mit drei Altären.
Der Hauptaltar steht am Südostende der Grotte; unter dem Altartisch hängen einige kostbare, stets brennende Lampen über der Inschrift: „Hic factus est sudor ejus sicut guttae sanguinis decurrentis in terram.“
Von der Todesangst-Grotte führt ein gegen 20 m langer Gang westwärts zum Eingang der Grabkirche Mariä. Drei Stufen führen hier auf einen etwa 15 m langen und breiten Vorplatz hinab, an dessen nördlicher Seite sich das schöne gotische Portal der Vorhalle befindet. Innerhalb dieser führen 48 Marmorstufen von durchschnittlich 6 m Breite hinab in den südlichen Kreuzarm der unterirdischen Kirche, die von Osten nach Westen etwa 30 m lang, von Süden nach Norden gegen 8 und im Querschiff 12 m breit ist.
Etwa auf der mittleren Höhe der Treppe hat man zuerst rechts eine kleine Kapelle mit den Altären und Grabstätten des hl. Joachim und der hl Anna, sodann links ein Kapellchen mit dem Altar und dem Grab des hl. Joseph. Unter in der Mitte des östlichen Teils der Kirche steht ein kleiner viereckiger, 4 m hoher Bau, der den Sarkophag Mariä (zugleich als Altar dienend) enthält.
Außerhalb dieser Mariengrab-Kapelle sind in verschiedenen Punkten der Kirche mehrere Altäre, die den Griechen, Syrern, Armeniern und Abessiniern gehören.
Selbst die Moslemin haben ihren Betort südlich von der Grabkammer Mariä.
Die Katholiken sind durch die Gewalttat der Griechen seit 1757 aus dem Besitz des heiligen Ortes verdrängt und haben dort nicht einmal mehr einen Altar zur Verfügung; doch können sie ungestört die Kirche besuchen und dort beten. –
Alle genannten Heiligtümer nebst dem jetzigen Garten Gethsemani befinden sich auf einem Terrain von etwa 10.000 qm oder 1 ha, welches, wie schon oben gesagt, nicht den ganzen Flächenraum des Meierhofes oder Landgutes zur Zeit Christi darstellt. Die Lage jenseits des Baches Cedron am Fuß des Ölbergs ist den Angaben der heiligen Schrift durchaus entsprechend, von einer ununterbrochenen Tradition durch alle Jahrhunderte bezeugt, und die Echtheit wird kaum von jemandem bezweifelt. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 5, 1888, Sp. 559 – Sp. 561

