A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Skapulier

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Skapulier

Skapulier (scapulare = Schulterkleid) bezeichnet 1) einen breiten, über Brust und Rücken bis zu den Füßen herab fallenden Tuchstreifen, den manche Orden, so die Benediktiner(vgl. Revue Bén 1921, 58/61) und Dominikaner als Teil des Ordenskleides tragen (ursprünglich nach Reg. S. Ben. c. 55 (scapulare propter opera) als Arbeitsschürze); 2) eine verkleinerte Art davon, bestehend aus 2 viereckigen Wollstücken, die an einem Band über die Schultern bis zur Brust herabhängend getragen werden (Laienskapulier) von Bruderschaften, Oblaten oder Terziaren, die aus jenen Orden hervor gingen. Das Skapulier der Dritten Orden wird als „großes“ bezeichnet im Gegensatz zum „kleinen“ der Bruderschaften. Von den Skapulieren ist das bekannteste das braune (schwarze) ULF vom Berge Karmel (siehe unten). Ein weißes Skapulier (von der heiligsten Dreifaltigkeit) verbreiteten seit 1200 die Trinitarier. Ein schwarzes (von den 7 Schmerzen Mariens) seit 1255 die Serviten, ein weißes (ULF v. d. Barmherzigkeit) die Mercedarier. Ähnliche Skapuliere tragen auch die Mitglieder des Dritten Ordens des hl. Franz von Assisi. –

Keine Zugehörigkeit zu einer Bruderschaft bedingen: das blaue Skapulier von der Unbefleckten Empfängnis Mariä, den Theatinern 1691 und 1710 approbiert (Bruderschaft erst seit dem 19. Jahrhundert); das rote (oder Passions-) Skapulier der Lazaristen (1847 approbiert) und ein ähnliches von den heiligsten Herzen Jesu und Mariä (1900 approbiert), das weiße Skapulier vom heiligsten Herzen Jesu (1900 approbiert), das weiße Skapulier von der Mutter des guten Rates der Augustiner-Eremiten (1893 approbiert), das violett-gelbe Skapulier vom hl. Joseph (den Kapuzinern 1893 approbiert), die Skapuliere des hl. Dominikus, des hl. Kamillus v. Lellis, der Passionisten. Pius X. hat 16.12.1910 bestimmt, daß statt der Skapuliere Medaillen mit dem Bild des Herzens Jesu und der Mutter Gottes, die vor dem Gebrauch zu benedizieren sind, getragen werden können, nicht aber von den Mitgliedern der Dritten Orden.

Die Einführung des Skapuliers ULF vom Berge Karmel hängt mit der im Karmeliterorden von Anfang an besonders gepflegten Marienverehrung zusammen. Nach der Ordenstradition, die auch in der Lectio V des Breviers am sogenannten Skapulierfest (Marienfeste) am 16. Juli angeführt wird, erschien die Mutter Gottes dem hl. Simon Stock 16.7.1251 zu Cambridge und übergab ihm das bereits als Teil des Ordensgewandes gebräuchliche Skapulier zum Unterpfand des Heils für alle, die mit ihm bekleidet sterben. Damit wurde später das Sabbatiner-Privilegium verbunden (Sabbatina). Zahlreiche Päpste seit dem 16. Jahrhundert haben jene Vision und Verheißung als frommen Glauben zu verkündigen gestattet. Gegen ihre Geschichtlichkeit bestehen aber ernste Bedenken. Die alten Chronisten des Ordens wissen nichts davon. Das vor allem als Beweis angeführte, vom Provinzial Joh. Chéron Ocarm 1642 erstmals veröffentlichte Zeugnis des Petrus Swannington ist sicher unecht; es wird jetzt auch vom Karmeliten preisgegeben (Anal Ocarm 1927 u. 1929). Ein historischer Beleg für die Skapuliervision findet sich erst 1430 in dem Viridarium des Joh. Grossi (Daniel a S. Virg. Maria, Speculum Carmelitanum (Antwerpen 1680) I 131ff); aber hier ist nur von Verheißung des Heils für die Karmeliten selbst, die das Skapulier bzw. Ordenskleid fromm tragen, die Rede. Es läßt sich nicht nachweisen, daß bei den Karmeliten vor dem 15. Jahrhundert auf das Tragen des Skapuliers ein größeres Gewicht gelegt wurde als bei andern Orden; bei den mit ihnen seit etwa 1280 verbundenen Marienbruderschaften wird das (verkleinerte) Skapulier sogar erst im 16. Jahrhundert vorgeschrieben, was beim Vorhandensein einer glaubwürdigen Überlieferung unerklärlich wäre. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 616 – Sp. 617

Buch mit Kruzifix
Skanderbeg
Buch mit Kruzifix
Jesuaten

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Katakombenheilige

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Katakombenheilige Katakombenheilige, Bezeichnung für angebliche römische Märtyrer, deren leibliche Überreste in den altchristlichen unterirdischen Coemeterien Roms gesucht, vom Anfang des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts in zahlreiche katholische Kirchen Europas als Märtyrer-Reliquien überführt…
Buch mit Kruzifix

Kopten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kopten Kopten heißen seit der arabischen Herrschaft (639/40) die Angehörigen der monophysitischen Nationalkirche Ägyptens. I. Geschichte der Kopten I. Die Geschichte dieser Sonderkirche beginnt 451 mit der Auflehnung des Patriarchen Dioskur gegen seine Verurteilung…
Buch mit Kruzifix

Gamaliel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gamaliel Gamaliel (Gamali`el): 1) Familienhaupt im Stamme Manasse (Nm. 1,10; 2,20; 7,54 u. 59; 10,23). 2) Gamaliel I, der Ältere, gefeierter Gesetzeslehrer, zu dessen Füßen auch der hl. Paulus saß (Apg. 22,3; vgl. 5,34ff);…
Buch mit Kruzifix

Arnauld

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arnauld Arnauld (Arnaud, arnaut, Arnault), Familie, die in der Geschichte der Mystik und des Jansenismus in Frankreich im 17. Jahrhundert eine führende Rolle spielte. Aus der Auvergne stammend, war sie mit Antoine Arnauld, Herrn…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Feste bei den Juden: II. Feste der Juden in der Neuzeit Ein Klassenzimmer der ersten Klasse in Tel Aviv im Jahr 1973 mit Schautafeln zu den Feiertagen; die Schautafel zu Lag BaOmer zeigt, Bar-Kochba…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Feste der Juden im Altertum

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Feste bei den Juden: I. Feste der Juden im Altertum Außer dem Sabbat, dem Festabschluss einer jeden Woche, und den Neumonden, den Festen zu Beginn eines jeden Monats, ordnete das mosaische Gesetz zunächst noch drei jährliche Hauptfeste an, während welcher alle männlichen Israeliten beim Heiligtum zu erscheinen hatten: das…
Buch mit Kruzifix

Arialdus

Klerus
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arialdus Arialdus, hl., Diakon in Mailand, mit Erlembald Gründer und Führer der Pataria in Mailand, * zu Cuciago (südlich von Como) als Sohn frei geborener Eltern. Arialdus eiferte gegen die Simonie und Unenthaltsamkeit des Klerus, besonders auch des Erzbischofs Wido von Mailand (1046-70), der ihn vergebens an sich zu…
Buch mit Kruzifix

Synode von Pisa

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Synode von Pisa (1409) Von den Synoden ist die von 1409 die bedeutendste. Enttäuscht und verärgert über das unschlüssige, widerspruchsvolle Verhalten Gregors XII. und des Gegenpapstes Benedikt XIII. in der Unionsfrage, entschlossen sich die meisten Kardinäle beider Obedienzen, ihre Päpste zu verlassen, und vereinbarten 29.7.1408 auf der Zusammenkunft v.…
Buch mit Kruzifix

Sabbatweg

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sabbatweg Sabbatweg. Der Befehl Ex. 16,29, der für den Aufenthalt Israels in der Wüste galt, wurde später als Verbot auch für die Folgezeit aufgefaßt, und man setzte die Strecke, über die man am Sabbat nicht hinaus gehen darf, auf 2000 Ellen fest, wobei man sich auf Nm. 35,5 stützte.…
Buch mit Kruzifix

Nicolas, August

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Nicolas, August Nicolas, August, einer der namhaftesten französischen Apologeten des Christentums im gegenwärtigen (Anm. d.h. 19.) Jahrhundert, war geboren im Jahre 1807 zu Bordeaux, widmete sich dem Rechtsstudium und wurde Rechtsanwalt am königlichen Gerichtshofe daselbst. Bald (1841) wurde er zum Friedensrichter des vierten Arrondissement von Bordeaux ernannt. Nach 1848…
Buch mit Kruzifix

Archelaus

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Archelaus Archelaus, Sohn Herodes‘ des Großen, hatte mit seinem Bruder Antipas eine Samariterin Namens Malthace zur Mutter und war gleich diesem seinem Bruder in Rom erzogen worden (Jos. Antt. 17, 1, 3; 10, 1). nach dem zweiten Testament des Herodes (in dem ersten hatte er Antipas zum alleinigen Erben…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner