Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Passah

Das Passahfest im Judentum: Opferung des Lamms während der Plagen (1880), Pfarrkirche Andelsbuch (Vorarlberg)

Passah oder Pascha (nach Ex. 12,27 richtig von rasch, d. h. schonend vorüber gehen), jährliche Wiederholung des ersten Passah in Ägypten zur Erinnerung an die Verschonung der israelitischen und Tötung der ägyptischen Erstgeburt und den darauf folgenden Auszug (Ex. 12,12-14, 24-27; Nm. 33,3f; Dt. 16,1 u. 6). Daß diese geschichtliche Begründung erst späteren Ursprungs sei, widerspricht gesunder Quellenkritik, ebenso die seit Wellhausen immer wieder vertretene Meinung, Passah sei ursprünglich ein Hirten- oder sonst ein Natur- oder Stammesfest gewesen. Auch das Opferfest Ex. 3,18 u. ö. ist nach Zweck und Feier vom Passah verschieden. –

Der Vorschrift Ex. 12,21-23 für das erste Passah, nach V. 24-27 Vorbild des Jahresfestes, gehen Bestimmungen voraus, (Ex. 12,1-14), die sich z.T. erst aus dem Jahresfest erklären. Später wurde das Ritual erweitert und geändert. Ob die Bestimmungen Ex. 12,43-51; Nm. 9,6-14 und besonders Dt. 16,1-8 mosaisch sind, ist auch katholischerseits umstritten. Jedenfalls haben sich ältere Bräuche bis in die spätere Königszeit erhalten ((2. Chr. 30,5; 2. Kg. 23,22). –

Das Passah, nach Ex. 12,27; 34,25 und dem Ritus ein Opfer, wurde gefeiert am Abend des 14. des 1. Monats (Ex. 12,16 u.ö.), d.i. Abib (März/April) (Ex. 13,4 u.ö., nachexilisch Nisan; über ausnahmsweise Termin-Verlegungen vgl. Nm. 9,10-12; 2. Chr. 30,15.

Das Lamm, ebenfalls Passah genannt, nach Ex. 12,5 Schaf oder Ziege, nach Dt. 16,2 auch Rind, musste fehlerlos, männlich und 1jährig sein, am 10. Nisan abgesondert (nicht mehr in neutestamentlicher Zeit), am 14. abends von der ganzen Versammlung der Israeliten (Ex. 12,6), später von den Leviten (2. Chr. 30,17; 35,6 u. 11; Esr. 6,20), nach Dt. 16,2 u. 6 am Zentral(?)-Heiligtum geschlachtet, sein Blut nach älterem Ritus vom Hausvater mit Ysopbüschel an die Türpfosten und Oberschwellen gestrichen, später vom Priester an den Altar gesprengt werden.

Zum Opfermahl vereinigte man sich, allenfalls mit dem Nachbarn, zu Hause familien-, später am Ort des Heiligtums gruppenweise entsprechend der zum Verzehren eines Lammes nötigen Zahl (nach Josephus mindestens 10). Alle Israeliten mussten daran teilnehmen, Nicht-Israeliten nur, wenn sie beschnitten waren (Ex. 12, 43-49); Frauen waren später nicht verpflichtet (vgl. Dt. 16,16 mit 16,1-6). Das Lamm, nach Dt. 16,7 zu kochen (später als ungenauer Ausdruck für braten gedeutet), musste nach Ex. 12,8ff 46 unzerstückelt, mit ungebrochenen Knochen am Feuer gebraten, reisefertig, in Eile, mit ungesäuerten Broten und bitteren Kräutern verzehrt, etwaiger Überrest vor dem Morgen verbrannt werden. –

Auf das Abends mit dem 15. Nisan beginnende Mahl folgte unmittelbar das 7-tägige Fest der ungesäuerten Brote (Mazen, Azyma), weshalb Passah Ex. 12,18; Dt. 16,1-6 u. 16 u.ö. in letzteres eingerechnet ist.

7 Tage durften, unter Strafe der Ausrottung, von allen Israeliten und Nicht-Israeliten nur ungesäuerte Brote gegessen werden (Ex. 12,15 u. 19; 13,3 u. 6f u. ö.). Am 1. Tag, dem nach Sonnenuntergang des 14. anhebenden 15. Nisan, sowie am 7. war heilige Festversammlung (Ex. 12,16; Lv. 23,7f; Nm. 28,18), zu der nach Ex. 23,17; 34,23; Dt. 16,16 nur die Männer verpflichtet waren; Dt. 16,6 verlegt, die erste vor auf auf das Passah. Am 1. und 7. Tag war außer der Bereitung des Essens jede Arbeit verboten (Ex. 12,16 u. ö.)… –

In neutestamentlicher Zeit wurden die Schaf- und Ziegenlämmer am 14. nachmittags, wo man sich der Speise enthielt, am Tempel geschlachtet, das Mahl, bei dem man lag, nach Sonnenuntergang bis Mitternacht in den Häusern Jerusalems gruppenweise gehalten. Hierzu mussten auch die Ärmsten und Frauen 4 Becher Wein (zusammen ca. 1/8 l) trinken. Unter Gebeten folgte auf den 1. Becher Genuss von Bitterkräutern, in Salz- oder Essigwasser getaucht, nach Auftragen des Osterlammes die Mischung des 2. Bechers, Osterbelehrung (Hagada), 1. Teil des kleinen oder ägyptischen Hallel (Ps.113f (hebr.)), der 2. Becher, Genuss von Mazzoth und in Fruchtmus getauchten Bitterkräutern, das eigentliche Mahl, der 3. Becher, beim Füllen des 4. Bechers der 2. Teil des Hallel (Ps. 115-118 (hebr.)), der 4. Becher.

Das denkwürdigste Passah war das von Christus mit seinen Aposteln gefeierte (Abendmahl). Zum Fest konnten die Juden sich vom römischen Landpfleger einen Strafgefangenen frei bitten (Mk. 15,6; Mt. 27,15; Joh. 18,39). Nach Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. hörte das Schlachten des Passahlammes auf. An Stelle des Opfermahles (nach dem 2. Becher) findet eine Abendmahlzeit statt; der übrige rituelle Rahmen ist bis heute im wesentlichen geblieben. Zum Schluss wird u. a. noch Ps. 136 (hebr.), nach jüdischer Tradition das große Hallel, gesungen… –

Das Osterlamm ist ein Typus Christi (1. Kor. 5,7; Osterpräfation); die Erfüllung des Typus wurde noch besonders durch den Zeitpunkt des Opfertodes Christi, die Verbindung des eucharistischen Mahles mit dem Passah und den Hinweis auf Ex. 12,46; Nm. 9,12 in Joh. 19,36 deutlich gemacht.

Die Mazzoth sollten frisch, rein, zu einem heiligen Leben ermahnen; der aus dem Haus zu entfernende Sauerteig (Ex. 12,15 u. ö.) symbolisierte wegen der Gärung die Sünde (vgl. 1. Kor. 5,6-8; Mk. 8,15 u. Parall.; Gal. 5,9); in der rabbinischen Literatur versinnbildet der Sauerteig den „bösen Trieb“, bei Philo die vollkommene geistige Nahrung, Mk. 8,15 die Gesinnung der Pharisäer und des Herodes, Lk. 12,1 die Heuchelei der Pharisäer, Mt. 16,6 u. 11f die Lehre der Pharisäer und Sadduzäer, Mt. 13,33 und Lk. 13,20f die intensive Lebenskraft des Gottesreiches. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 1935, Sp. 994 – Sp. 996

Siehe den Beitrag auf Wikipedia Stichwort Pessach

Siehe auch den Beitrag:

Bildquellen

  • 526px-Andelsbuch_Pfarrkirche_-_Chorfenster_3a_Opfer: wikimedia | CC BY-SA 3.0 Unported
Tags: Judentum
Buch mit Kruzifix
Konstantius
Buch mit Kruzifix
Melchisedech

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Pietismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pietismus Pietismus von pietas=Frömmigkeit; Name zunächst Spottbezeichnung, wahrscheinlich 1675 in Hessen-Darmstadt aufgekommen, jene praktisch-religiöse Bewegung im deutschen Luthertum des 17. und 18. Jahrhunderts, die das Christentum durch pflege des im gottseligen Verhaltens sich betätigenden…
Buch mit Kruzifix

Buße

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Buße Buße (mhd. Buosse, von baß=gut; poenitentia). Begriff. Buße ist zunächst eine Tugend, bestehend in Abscheu und Schmerz über die begangenen Sünden mit der Absicht, sie zu beseitigen. Der vorzüglichste Akt dieser Tugend ist…
Buch mit Kruzifix

Berenike

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Berenike Berenike (Beronike) makedonische Form für Siegesträgerin, Name mehrerer Königinnen Ägyptens. – Außerdem: 1) Tochter des Ptolemäus II. Philadelphus, wurde 248 v. Chr. Zur Bekräftigung des eben geschlossenen Friedens dem syrischen König Antiochus II.…
Buch mit Kruzifix

Skanderbeg

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Skanderbeg Skanderbeg, eigentlich Georg Kastriota, * 1403 von albanischen oder serbischen Eltern, wurde, noch Kind, als Geisel den Türken übergeben, zeichnete sich als Krieger in deren Diensten aus, erhielt den Beinamen Iskender-Beg (d. h.…
Buch mit Kruzifix

Jüdische Philosophie

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jüdische Philosophie Das Judentum besitzt aus sich heraus keine Philosophie, sondern nur als Umbildung von philosophischen Einwirkungen des es umgebenden Kulturen. 1. Aus dem Hellenismus erstand dem Judentum die alexandrinische Philosophie in Philo, dessen…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Schriftgelehrte

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Schriftgelehrte Jüdische Schriftgelehrte am Grab des Propheten Ezechiels Schriftgelehrte (Schreiber, Sekretäre) sind Juden, die sich berufsmäßig mit der Erforschung des Gesetzes beschäftigen. Als eigener Stand gesetzeskundiger Lehrer und Richter erscheinen sie seit Esdras, der den Späteren stets als Vater und Vorbild der Schriftgelehrsamkeit galt. Esdras war noch Priester und…
Buch mit Kruzifix

Bar-Kochba

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bar-Kochba Bar-Kochba, das bekannte Haupt eines jüdischen Aufstandes unter dem römischen Kaiser Hadrian. Nachdem die Versuche der Juden, für die Zerstörung ihres Tempels und ihrer Selbständigkeit Rache zu nehmen, unter Trajan blutig zurückgewiesen waren, glaubten sie unter dem wohlwollenden und in Selbsttäuschung befangenen Hadrian die günstige Gelegenheit gefunden zu…
Buch mit Kruzifix

Halacha

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Halacha Halacha, Plural Halachoth („Gang“, übertragen = was gang und gäbe ist, Brauch, Norm), bezeichnet in der jüdischen Schulsprache das im Leben zur Geltung gekommene Gewohnheitsrecht, die normierte Satzung, die religionsgesetzliche Vorschrift, die festzustellen Aufgabe und Befugnis der anerkannte Gesetzeslehrer war. Die Halachoth wurden in den Schulen anfangs nur…
Buch mit Kruzifix

Judäa

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judäa Judäa (so 2. Makk. ausschließlich, in 1. Makk. daneben häufiger das hebräisierende), in gräzisierte Form aus aramäisch = Jude, bezeichnet zunächst den nachexilischen Wohnsitz der Juden. Politisch genommen, bedeutet es im Zusammenhang mit den Eroberungen der Makkabäer das Hasmonäer-Reich, später das Reich des Herodes d. Gr., weiterhin und…
Buch mit Kruzifix

Judenmission

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judenmission Zur Judenmission in der Urkirche vgl. Judenchristen. Seit dem Bar Kochbar-Aufstand (132-35) schloss sich das Judentum in nationalistischer Enge gegen die universale Kirche ab und schuf seit Ende des 2. Jahrhunderts im Talmud eine fast unüberwindliche Schranke. Die Judenmission war seitdem auf Einzelerfolge angewiesen. Literarische Judenmission übten im…
Buch mit Kruzifix

Core

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Core Core, 1. dritter Sohn Esau`s von Oolobana (Gen. 36, 5. 14. 18; 1. Par. 1, 35). – 2. Der fünfte Sohn Eliphaz`, des erstgeborenen Sohnes Esau`s von Ada (Gen. 36, 16). – 3. Ein Nachkomme Calebs, Sohn Hebrons (1. Par. 2, 43; s. Keil im Comm. z.d.St.). –…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner