A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Otto I. der Große, deutscher Kaiser

Otto I. der Große, deutscher Kaiser 936 bis 973 * 912 als Sohn Heinrichs I. und Mathildens, † 7.5. 973 zu Memleben. In bewusster Anknüpfung an das karolingische Vorbild unterzog sich Otto in Aachen der Königsannahme seitens der weltlichen Großen wie der kirchlichen Salbung und Krönung (s. U. Stutz, Der Erzbischof v. Mainz u. die dtsch. Königswahl [1910] 11ff; M. Buchner, Deutsche Königswahlen [1913] 4). Nachmannigfachen Unruhen und Empörungen im Reich ging Otto an eine Neubesetzung der Herzogtümer, die ausnahmslos durch verwandtschaftliche Bande an das Königshaus gekettet wurden (zentralistische und unitaristischen Tendenzen). Durch kirchenpolitische, politische und persönliche Umstände wurde Otto zu seinem Eingreifen in die italienischen Verhältnisse (1. Italienzug, Annahme des Titels „König der Langobarden“, Vermählung mit Adelheid v. Burgund in 2. Ehe) veranlasst. Nach Niederwerfung neuer Unruhen ersetzte er die bisherige Verwandtenpolitik durch eine neue: er stützte sich vor allem auf die geistlichen Fürsten und zog sie als eigentliche „Reichspartei“ heran („ottonisches System“). So wurde die Verbindung von Staat und Kirche noch enger, damit aber auch die Gefahr einer Verweltlichung der Kirche verstärkt (Ottos Bruder Erzbischof Bruno v. Köln, Oberherzog von Lothringen).

Nach der endgültigen Beseitigung der Ungarngefahr durch den Sieg am 10.8.955 auf dem Lechfeld erneuerte Otto auf seinem 2. Italienzug die Kaiserpolitik und empfing Johann XII., der gegen Berengar II. v. Ivrea bei ihm Schutz suchte, am 2.2.962 die Kaiserkrone; es war die folgenreichste Tat Ottos, das „säkulare Ereignis“ des 10. Jahrhunderts, über dessen Berechtigung und vor allem über dessen segensreiche oder nachteilige Folgen die Forscher bis heute sich zweien (so schon Sybel u. Ficker als Vertreter der klein- und der großdeutschen Geschichtsauffassung). In einer Pakturkunde, deren Echtheit früher bestritten wurde, bestätigte Otto die Privilegien der römischen Kirche, damit den Kirchenstaat (…) und behielt sich eine Kontrolle der Papstwahl vor. Infolge von Umtrieben gegen den neuen Kaiser kehrte dieser schon bald nach Rom zurück, verpflichtete die Römer eidlich, nie ohne seine und seines Sohnes Zustimmung einen Papst zu wählen, ließ den unwürdigen Johann XII. absetzen und Leo VIII. wählen, gegen den aber die Römer nach Johanns Tod Benedikt V. wählten. Nach Leos Tod wurde im Einvernehmen mit Otto von den Römern Johann XIII. gewählt.

Durch die sittliche Höhe seiner Persönlichkeit erwarb Otto in Rom dem deutschen Königtum eine autoritative Stellung. Infolge der Angriffe auf Johann XIII. seitens römischer Adelskreise zog er 966 neuerdings nach Rom, wo 967 sein Sohn Otto II. die Kaiserkrone empfing und so die Erblichkeit des Kaisertums gewährleistet wurde. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 1935, Sp. 838 – Sp. 839

Tags: Kaisertum
Buch mit Kruzifix
Spoleto
Buch mit Kruzifix
Photius

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Diderot

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Diderot Diderot, Denis, philosophischer Schriftsteller, * 5.10.1713 zu Langres, † 31.7.1784 zu Paris. Sein Essai sur le mérite et la vertu (Paris 1745), eine freie Bearbeitung der betrefflichen Schrift Shaftesbury`s lehrt einen Deismus, der…
Buch mit Kruzifix

Eudoxius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudoxius Eudoxius, einflußreicher arianischer Bischof, * ca. 300 zu Arabissus (Kappadokien), † 370 als Bischof von Konstantinopel. Wahrscheinlich in der antiochenischen Schule gebildet (lucianischer Einfluß), wurde Eudoxius nach 330 Bischof von Germanicia, nahm als…
Buch mit Kruzifix

Sozinianismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sozinianismus I. Der Begründer des Sekte des Sozinianismus ist Faustus Sozinus (Fausto Sozzini), * 1539 zu Siena, † 3.3.1604 zu Luclawice bei Krakau (hier Denkmal). Er studierte die Rechte, wandte sich aber bald unter…
Buch mit Kruzifix

Begarden

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Begarden Begarden (von niederländisch beggaert = Bettler, lat. Beguini, begini), männliches Seitenstück zu den Beginen, eine religiöse Genossenschaft für Krankenpflege und Totenbestattung, verwandt mit den Alexianern oder Celliten, um 1220 in den Niederlanden (Löwen,…
Buch mit Kruzifix

Genugtuung

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Genugtuung Genugtuung, menschliche. Im allgemeinen ist Genugtuung ein Teil der Tugend der Buße und bedeutet Wiedergutmachung eines einem anderen zugefügten Unrechtes (Catechismus Rom. II 5, 62), sei es am Eigentum (sachlich), sei es an…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Friedrich I. bis III. deutsche Kaiser

Könige und Kaiser
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deutsche Kaiser mit Namen Friedrich Friedrich I. – Friedrich II. – Friedrich III. Friedrich Barbarossa, * ca. 1122, † 10.6.1190; Sohn des Staufers Friedrich II., seit 1147 als Friedrich III. Herzog von Schwaben, zum König der Deutschen gewählt am 6.3.1152 zu Frankfurt a. M. Seine Regierung bedeutet den Höhepunkt…
Buch mit Kruzifix

Karl der Große bis Karl V. römisch-deutsche Kaiser

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Römisch-deutsche Kaiser mit Namen Karl Karl der Große (768-814) * Karl II. der Kahle (875-877) * Karl III. der Dicke (881-888) * Karl IV. (1316 bis 1378) * Karl V. (1500 bis 1558) Karl der Große, Sohn des Pippin d. J. und der Bertrada, Zeit und Ort der Geburt…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner